Death Valley Germans („die Deutschen vom Death Valley“) ist eine in US-amerikanischen Medien geprägte Bezeichnung für den Vermisstenfall einer vierköpfigen Familie aus Dresden, die 1996 bei einer Rundreise im kalifornischen Death-Valley-Nationalpark verschwand. Die sterblichen Überreste von Teilen der Gruppe wurden erst 13 Jahre später gefunden.
Vorgeschichte Die Patchwork-Familie aus Dresden bestand aus der 27-jährigen Cornelia Meyer und ihrem vierjährigen Sohn Max sowie ihrem 34-jährigen Lebensgefährten Egbert Rimkus und dessen 11-jährigem Sohn Georg. Rimkus und Meyer wurden später in den Medien als abenteuerlustig beschrieben. Die Gruppe reiste am 8. Juli 1996 über den Flughafen Seattle-Tacoma in die Vereinigten Staaten ein, von wo aus sie nach Los Angeles weiterflog. Dort mieteten sie einen Minivan vom Typ Plymouth Voyager mit Vorderradantrieb, mit dem sie eine Rundreise im Westen der USA unternehmen wollten. Die Familie verbrachte anschließend einige Zeit entlang der Küste und im südkalifornischen San Clemente, bevor sie nach Las Vegas weiterfuhr. Dort checkten sie am 22. Juli 1996 aus einem Hotel aus und fuhren in Richtung Death Valley.
Verschwinden Nach der Abfahrt aus dem Hotel in Las Vegas gab es kein Lebenszeichen der Familie mehr. Es ließ sich jedoch anhand verschiedener Spuren und Funde eine als relativ gesichert geltende Reihenfolge von Ereignissen rekonstruieren.
Die Familie plante offenbar, trotz der dort in den Sommermonaten herrschenden extrem hohen Temperaturen den in der Mojave-Wüste befindlichen Nationalpark zu erkunden. Das Death Valley gilt als Ort mit den höchsten Lufttemperaturen weltweit (im Hochsommer oft bis über 50 °C) und verfügt über eine vielfältige Landschaft mit Bergen, Tälern, steinigen Ebenen, Sanddünen, Salzebenen bis hin zu bizarren Gesteinsformationen. Die Gegend ist kaum besiedelt und außerhalb von Ortschaften oder touristischen Einrichtungen nahezu vollständig unbewohnt.
Die Reisegruppe fuhr zunächst nach Furnace Creek. Der kleine Ort mit einem Besucherzentrum und Hotels gilt als Ausgangspunkt für touristische Reisen im Death Valley. Dort wurden am 22. Juli zwei Ausgaben einer Broschüre über die Gegend (Death Valley National Monument Museum Text) in deutscher Sprache verkauft, die auch eine vereinfachte Karte für Touristen beinhaltet – eine solche Ausgabe wurde später im angemieteten Minivan gefunden. Die erste Nacht verbrachte die Gruppe vermutlich campend im Hanaupah Canyon, der von Furnace Creek nur über die unbefestigte West Side Road in über 35 km Entfernung zu erreichen ist. Für diese Strecke wird ein Allradfahrzeug empfohlen.
Am 27. Juli 1996 ging der geplante Rückflug von Los Angeles nach Deutschland, jedoch fand sich die Familie nicht an Bord der Maschine ein. Es gab keine Hinweise, dass sie das Land auf anderem Wege verlassen hatte. Der Mietwagen wurde nicht zurückgegeben und von der Verleihfirma bei der Polizei als gestohlen gemeldet. Eine Fahndung über Interpol wurde eingeleitet, jedoch ergaben sich keine konkreten Hinweise auf den Aufenthaltsort der Familie.
Auffinden des Minivans Am Morgen des 21. Oktober 1996 befand sich ein Ranger des Nationalparks auf einem Helikopterflug auf der Suche nach illegalen Drogenlaboren in der Wüste. Dabei entdeckte er im Anvil Springs Canyon, einer Schlucht mehrere Kilometer südlich des Hanaupah Canyons, die ebenfalls Teil der Panamint Range ist, einen im Trockenflussbett stehenden PKW. Dieser befand sich von Westen aus mehrere Kilometer hinter dem Beginn des Canyons in steinigem Gelände. Es stellte sich heraus, dass es sich um den von Cornelia Meyer angemieteten und zur Fahndung ausgeschriebenen Plymouth-Minivan handelte. Das Fahrzeug war abgeschlossen und verlassen, beide Hinterreifen sowie einer der Vorderreifen waren zerstört, vermutlich durch zu schnelle Fahrt durch das von Geröll und Unebenheiten geprägte Terrain. Im Fahrzeug fanden sich verschiedene Habseligkeiten der Vermissten sowie eine Nationalflagge, die sie offenbar als Souvenir aus einer unbemannten Schutzhütte etwa sechs Kilometer westlich des Fundorts, noch vor der Canyonmündung im Butte Valley, mitgenommen hatten.
Das Sheriffsbüro von Inyo County nahm die Ermittlungen auf. Die Polizeibeamten konnten im Gästebuch des Warm Spring Mining Camps, einer abgelegenen Bergbausiedlung in dem direkt nördlich vom Fundort des Autos gelegenen Canyon, einen Gästebucheintrag der Gruppe finden. Der Eintrag lautete: „7/23/96 – Conny Egbert Georg Max – Wir überqueren den Pass“. Es wurde vermutet, dass damit der vom Butte Valley aus nach Süden führende Mengel Pass gemeint war, der jedoch keine befestigte Straße ist und nur mit geländegängigen Allrad-Fahrzeugen befahren werden kann. Der nicht geländetaugliche Minivan der Familie war dafür nicht geeignet. Vermutlich merkte die Familie dies, brach die Fahrt über den Mengel Pass ab und fuhr stattdessen durch den Anvil Springs Canyon. Dort war auf ihrer Karte zwar eine Straße eingezeichnet, die sie wahrscheinlich als Abkürzung nehmen wollten; diese war aber ebenfalls nicht befestigt und zudem seit Jahren außer Betrieb und kaum genutzt und gewartet und somit auch nicht mit einem normalen, nicht geländetauglichen PKW befahrbar. Ihr Minivan erlitt vermutlich auf dem rauen, unbefestigten Untergrund mehrere Reifenpannen, bis er schließlich in seiner Endposition im trockenen Flussbett stecken blieb.
Die anschließende Suchaktion nach den vermissten Deutschen dauerte bis zum 26. Oktober; es beteiligten sich zahlreiche regionale Such- und Rettungsorganisationen und die Polizei. Die Gebiete entlang des Anvil Springs Canyons von seiner westlichen Mündung bis zu seiner Vereinigung am östlichen Ende mit der West Side Road, der nördlich gelegenen Warm Spring Road, des Butte Valley und auch der Mengel Pass wurden abgesucht. Ebenso wurden verlassene Minen kontrolliert, in denen Menschen hätten Schutz suchen können.
Bereits am ersten Tag der Suchmaßnahmen fand ein Team der China Lake Mountain Rescue Group (CLMRG) eine Bierflasche der Marke Bud Ice im Sand neben einem Busch, etwa 2,7 km östlich des Minivans im weiteren Verlauf des Anvil Spring Canyons. Diese Flasche stimmte mit den im Mietwagen gefundenen Exemplaren überein. Neben der Flasche fand sich ein Sitzabdruck, dessen Position neben dem Busch auf eine schattenspendende Sitzgelegenheit während der Nachmittagssonne hindeutete. Trotz des personal- und kostenintensiven Einsatzes, der am 26. Oktober 1996 beendet wurde, fanden sich keine weiteren Hinweise auf den Verbleib der Vermissten.
Auffinden sterblicher Überreste In den Jahren nach dem Ende der offiziellen Suchmaßnahmen im Oktober 1996 kam es wiederholt zu privaten Suchinitiativen. Unter ihnen befanden sich auch erfahrene Wüstenwanderer sowie Mitglieder von Rettungsorganisationen, die sich teils über Jahre hinweg mit dem Fall beschäftigten.
Im November 2009 unternahmen Tom Mahood und sein Begleiter Les Walker, beide passionierte Hiker und Mitglieder einer Such- und Rettungseinheit, eine private Suche nach Spuren der vermissten deutschen Touristen in einem abgelegenen Gebiet südlich der Panamint Mountains. Am 12. November 2009 entdeckten sie dort verstreut liegende menschliche Skelettreste sowie persönliche Gegenstände, darunter Ausweisdokumente von Cornelia Meyer. Die Fundstelle befand sich in schwer zugänglichem Gelände mehrere Kilometer vom Fundort des Fahrzeugs entfernt. Neben den Knochen wurden unter anderem persönliche Gegenstände wie ein Portemonnaie, Dokumente sowie Ausrüstungsgegenstände entdeckt, die eine Zuordnung zu den Vermissten ermöglichten.
Darauf erfolgte im Bereich des Tals, in dem die Überreste gefunden wurden, eine erneute umfangreiche Suchaktion unter Beteiligung mehrerer Such- und Rettungsorganisationen sowie der Polizei. Dabei konnten weitere menschliche Überreste geborgen werden. DNA-Untersuchungen ermöglichten eine eindeutige Identifizierung von Egbert Rimkus; die Überreste von Cornelia Meyer konnten anhand persönlicher Gegenstände und der Fundumstände zugeordnet werden. Eine eindeutige Identifizierung der beiden Kinder gelang hingegen nicht.
Todesumstände Aufgrund des Verwitterungszustandes der Überreste unter den harschen klimatischen Bedingungen konnte keine sichere Todesursache mehr festgestellt werden. Angesichts der Umstände gilt jedoch als am wahrscheinlichsten, dass die Familie unter den extremen Umweltbedingungen des Death Valley ums Leben gekommen ist, mutmaßlich durch Dehydratation und Hitzschlag. Ein Fremdverschulden wurde ausgeschlossen.
Spätere Rekonstruktionen des Unfallhergangs legen nahe, dass die Familie ihr liegengebliebenes Fahrzeug verlassen hatte und zu Fuß versuchte, Hilfe zu erreichen. Es wird vermutet, dass sie eine mehrere Kilometer südlich gelegene Militärbasis erreichen wollten, da sie dort auf die Anwesenheit von Soldaten und damit auf Rettung hofften. Das extrem weitläufige Gelände der Naval Air Weapons Station China Lake ist jedoch weder eingezäunt, noch existieren dort regelmäßige Patrouillen, wie die Erwachsenen es aus Europa gewohnt gewesen sein könnten.
Einzelnachweise
Weblinks The Hunt for the Death Valley Germans - ausführliche Darstellung des Falls und der Suchaktion auf der Seite von Tom Mahood (englisch)
Kategorie:Ereignis 1996 Kategorie:Geschichte von Kalifornien Kategorie:Vermisste/Verschollene Person (20. Jahrhundert) Kategorie:Death Valley