Ernest Harry Vestine (* 9. Mai 1906 in Minneapolis; † 18. Juli 1968 in Santa Monica) war ein US-amerikanischer Geophysiker und Meteorologe.

Leben Ernest Harry Vestine wurde am 9. Mai 1906 als Sohn schwedischer Eltern, Frieda Christine (Lund) und Olaf Vestine, in Minneapolis im US-Bundesstaat Minnesota geboren. Die Familie verließ die USA und siedelte sich in der Nähe von Edmonton im kanadischen Alberta an. Er studierte an der University of Alberta, machte dort 1931 seinen Bachelor-Abschluss und ging anschließend an das Kanadische Meteorologische Amt (Canadian Meteorological Office) in Toronto, wo er sich mit meteorologischen und geomagnetischen Messungen befasste. Im zweiten internationalen Polarjahr 1932/33 leitete er die kanadische Expedition nach Meanook, einem kleinen Weiler gut 100 km nördlich von Edmonton, wo er magnetische Messinstrumente installierte und das Phänomen der leuchtenden Nachtwolken beobachtete. 1934 verließ er das meteorologische Amt und setzte sein Studium am Imperial College London fort, wo er 1937 mit einer Arbeit über den Erdmagnetismus unter Sydney Chapman promoviert wurde.

Nach der Promotion kehrte er kurz an seine frühere Stelle in Toronto zurück und unterrichtete auch Physik an der dortigen Universität, doch schon 1938 ging er an die Abteilung für Erdmagnetismus (Department of Terrestrial Magnetism) der Carnegie Institution for Science in Washington, D.C. Dort leistete er bedeutende Beiträge zum Verständnis des Erdmagnetismus und dessen täglichen und säkularen Schwankungen sowie damit zusammenhängender Phänomene des Erdinneren, der Aurora und der Ionosphäre. Die über vier Jahrzehnte hinweg gesammelten geomagnetischen Daten organisierte und publizierte er 1947 in zwei umfangreichen Bänden. Von 1946 bis 1956 war er zusätzlich als Berater für die Lenkung von Flugobjeten an der Johns Hopkins University und von 1956 bis 1959 am Battelle-Institut tätig.

1957 wechselte Vestine zur RAND Corporation in Santa Monica, wo er bis zu seinem Lebensende blieb und seine Forschungen weiter ausdehnte. Mittels Raketen konnte das Erdmagnetfeld auch in größeren Höhen vermessen werden und er wandte sich Aspekten der Weltraumforschung zu. Er war zudem als Berater für die NASA (1959–1966) und für die National Science Foundation (1960–1966) tätig. Von 1966 bis 1968 lehrte er Meteorologie als Professor an der University of California.

Vestine war in zahlreichen nationalen und internationalen Gesellschaften aktiv, darunter American Geophysical Union, Seismological Society of America, Institute of Electrical and Electronics Engineers, Society of Terrestrial Magnetism and Electricity (Japan), National Academy of Sciences und International Union of Radio Science. Er war mit Lois Ann Reid Vestine verheiratet. Das Paar hatte einen Sohn, Henry Vestine, der als Gitarrist der Blues-Rock-Band Canned Heat berühmt wurde. Ernest Vestine starb am 18. Juli 1968 im Alter von 62 Jahren in Santa Monica und wurde auf dem dortigen Woodlawn Memorial Cemetery beigesetzt.

Ehrungen 1954 wurde Vestine zum Mitglied der National Academy of Sciences gewählt. 1967 erhielt er die John Adam Fleming Medal der American Geophysical Union. Im Jahre 1970 benannte die Internationale Astronomische Union den Mondkrater Vestine offiziell nach Ernest Harry Vestine. Der 1971 erschienene Band World Magnetic Survey der International Association of Geomagnetism and Aeronomy wurde Vestine gewidmet.

Einzelnachweise

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