Der Cadillac Calais der Modelljahre 1971 bis 1976 ist ein Oberklassefahrzeug, das die zum US-amerikanischen General-Motors-Konzern gehörende Marke Cadillac in zwei- und viertüriger Ausführung verkaufte. Diese Baureihe bildete die zweite und letzte Generation der Calais-Familie. Wie schon in der vorangegangenen Generation war auch dieser Calais Cadillacs Einsteigermodell, das schwächer ausgestattet und einige hundert US-$ günstiger war als die baugleichen Modelle der zeitgenössischen DeVille-Reihe.

Modellgeschichte

Cadillac hatte seit den 1950er-Jahren einheitliche Konstruktionen im Programm, die durch unterschiedliche Ausstattungs- und Preisgestaltungen in verschiedene Modellreihen aufgefächert wurden. Anfang der 1960er-Jahre bildete die Series 62 das Einsteigermodell. Darüber rangierte die äußerlich und technisch weitgehend identische, aber teurere und besser ausgestattete DeVille-Reihe, und das Spitzenmodell war der wie üblich etwas längere und sehr teure Cadillac Sixty Special. Zum Modelljahr 1965 ersetzte das bisherige Einstiegsmodell 62 durch die neue Calais-Reihe. Ihre erste Generation war von 1965 bis 1970 im Programm. Als Cadillac zum ModelljahrDie zeitliche Zuordnung von Automobilen erfolgt in den USA in erster Linie anhand von Modelljahren. Modelljahre weichen von Kalenderjahren in der Regel ab. Bei den meisten Herstellern beginnt bereits im Spätsommer eines Jahres nach den Werksferien, in denen Fertigungsstraßen den neuen Modellen angepasst werden, ein neues Modelljahr. Üblicherweise liegt dies im September oder Oktober. 1971 neue Versionen seiner Standard-Modelle auf den Markt brachte, kam auch eine neue Calais-Generation heraus. Sie war wiederum die preiswerteste Cadillac-Linie unterhalb des DeVille. Der Calais verkaufte sich durchgängig schlecht: Seine Fertigung erreichte jährlich nur einen Bruchteil der DeVille-Produktion. Die Einführung einer neuen, kompakteren Baureihe zum Modelljahr 1977 machte der Calais nicht mehr mit: Ab 1977 hatte Cadillac im Standardsegment nur noch den DeVille und den Fleetwood Brougham im Programm.

Modellbeschreibung

Karosserie und Ausstattung Die Cadillac Calais der Modelljahre 1971 bis 1976 haben Stahlblechkarosserien, die auf das Fahrgestell aufgesetzt wurden. Die Reihe war ebenso wie der DeVille als geschlossener Zwei- und Viertürer mit Stufenheck erhältlich.Richard M. Langworth: Encyclopedia of American Cars 1930–1980. Beekman House, New York 1984, ISBN 0-517-42462-2, S. 93.

mini|Frontpartie des Calais ab 1975 mit eckigen Scheinwerfern.Die Abbildung zeigt ein 1976er Calais Coupé, nach nachträglich zu einem Flower Car umgebaut wurde. Der Aufbau des Calais entspricht stilistisch im Wesentlichen dem des DeVille und des 60 Special. Cadillac brachte bei allen Standardmodellen nahezu jährlich Detailänderungen an der Front- und Heckpartie; der Calais machte alle Entwicklungen seiner Parallelmodelle mit. 1975 beispielsweise erhielt der Calais ebenso wie der DeVille und der 60 Special als eines der ersten Autos aus US-amerikanischer Produktion rechteckige Scheinwerfer.

Eine größere Änderung gab es 1974 bei den Zweitürern: Das Coupé war bis 1973 ein Hardtop Coupé ohne B-Säule mit rahmenlosen, voll versenkbaren Seitenfenstern. Mit der gesetzlichen Vorgabe, Fahrzeuge künftig nicht mehr ohne durchgehende Mittelsäule auf den Markt zu bringen, war diese in den USA seit Jahrzehnten sehr beliebte Karosseriebauform künftig nicht mehr zulässig. Cadillac reagierte darauf bei allen Coupés mit einer Neugestaltung des Aufbaus: Die B-Säule reicht bei den ab 1974 gebauten Zweitürern vom Schweller bis zum Dach, Die hintere Dachverkleidung setzt unmittelbar hinter den Türen an. Das hintere Seitenfenster ist in die seitliche Dachverkleidung eingelassen. Die Bauform wurde als Pillared Coupé bezeichnet. Für die viertürigen Versionen hingegen behielt Cadillac die Ausführung als Hardtop ohne Mittelsäule bis 1976 bei.

Die Ausstattung des Calais war schwächer als die des DeVille. Im Gegensatz zu den teureren Schwestermodellen war das Dach des Calais in den ersten Jahren nicht mit Vinyl überzogen, sondern in Wagenfarbe lackiert. Ein Vinylbezug war für den Calais erst ab 1974 erhältlich und beschränkte sich selbst dann auf das Coupé. Einige Ausstattungsdetails des DeVille waren im Calais nicht erhältlich, auch nicht gegen Aufpreis. Dazu gehörten Lederbezüge für die Sitze, Komfortsitze, das Schiebedach und die automatische Niveauregulierung.

Motorisierung und Kraftübertragung Der Cadillac Calais der zweiten Generation war ausschließlich mit großvolumigen Achtzylinder-V-Ottomotoren erhältlich, die es in dieser Form bei keiner anderen GM-Marke gab. Von 1971 bis 1974 war im Calais ein 7729 cm³ (472 cui) großer Achtzylinder-V-Ottomotor erhältlich. Ab 1975 kam hier wie auch beim DeVille und beim 60 Special serienmäßig ein Achtzylindermotor mit einem Hubraum von 8194 cm³ (500 cui) zum Einsatz, der fast quadratisch ausgelegt war (Bohrung × Hub: 109 × 109,3 mm) und den Cadillac bereits 1970 beim ersten frontgetriebenen Fleetwood Eldorado eingeführt hatte.

Wie die unmittelbaren Konkurrenten erreichte auch Cadillac die jährlich strenger werdenden Grenzwerte für Verbrauch und Schadstoffausstoß vor allem durch eine Senkung der Motorleistung. Verbreitete Maßnahmen waren die Herabsetzung des Verdichtungsverhältnisses und der Verzicht auf bis dahin verbreitete Doppel- oder Vierfachvergaser.Marc Cranswick: The Legend of American Motors, Veloce Publishing, 2024, ISBN 978-1-78711-765-5.

Die Kraftübertragung übernahm in allen Modelljahren serienmäßig eine Dreigangautomatik.

Übersicht über die MotorisierungenDaten nach www.automobile-catalog.com (abgerufen am 3. Oktober 2025).Technische Daten, Preise und Produktionszahlen nach Richard M. Langworth: Encyclopedia of American Cars 1930–1980, New York (Beekman House) 1984, ISBN 0-517-42462-2, S. 107–108. Achtzylinder-V-Ottomotoren Hubraum cui 472 500 cm³ 7729 8194 Leistung SAE-PS (brutto) 345 SAE-PS (netto) 223 208 190 215 Modelljahr 1971 S – – – – 1972 – S – – – 1973 – S – – – 1974 – – S – – 1975 – – – S – 1976 – – – S O S=Serienausstattung; O=aufpreispflichtige Option

Preise Der Calais war eine preisgünstige Variante des DeVille. Im Produktionszeitraum beider Modelle wurde der Calais jeweils um 400 bis 500 US-$ günstiger angeboten als der DeVille; der exklusive 60 Special war 1.500 bis 2.000 US-$ teurer als der Calais. Konzernübergreifend betrachtet, gab es kein US-amerikanisches Standardmodell, das im gleichen Preissegment positioniert war wie der Calais. Alle Spitzenmodelle der anderen US-amerikanischen Marken waren günstiger als der Calais. Am nächsten kam ihm der Chrysler New Yorker der Modelljahre 1974 bis 1978, dessen Preis 1.000 bis 1.500 US-$ niedriger war als der des Calais.

Basispreise (US-$) Modelljahr Cadillac Calais Cadillac Sedan DeVille Cadillac 60 Special 1971 6.075 6498 7763 1972 5.938 6.390 7.637 1973 6.038 6.500 7.765 1974 7.545 8.100 9.537 1975 8.377 8.801 10.414 1976 8.825 9.265 10.935

Produktion Der Cadillac Calais der zweiten Serie wurde in General Motors’ Detroit Assembly in Detroit, Michigan, sowie im Linden Assembly in Linden, New Jersey, hergestellt.

Der Cadillac Calais verkaufte sich durchgehend schlecht. Er war – abgesehen von der exklusiven Repräsentationslimousine der Series 75 – der am seltensten gebaute Cadillac der 1970er-Jahre. In keinem Jahr entstanden, alle Karosserieversionen zusammengenommen, mehr als 8000 Calais. Dem standen in einigen Jahren mehr als 200.000 DeVilles gegenüber. Als Erklärung für den geringen Erfolg des Calais wird allgemein die geringe preisliche Differenz zum DeVille angeführt, der spürbar besser ausgestattet war.

Produktion Modelljahr Cadillac Calais Cadillac DeVille Cadillac 60 Special Coupé Sedan Coupé Sedan Sedan 1971 3.360 3.569 66.081 69.345 15.200 1972 3.900 3.875 95.280 99.531 20.750 1973 4.275 3.798 112.849 103.394 24.800 1974 4.559 2.324 112.201 60.419 18.250 1975 5.800 2.500 110.218 63.352 18.755 1976 4.500 1.700 114.482 67.677 24.500

Literatur Georg Amtmann: Cadillac. Lechner Verlag, Genf 1990, ISBN 3-85049-071-8 Albert R. Bochroch: American Cars of the Seventies. Warne’s Transport Library, London 1982, ISBN 0-7232-2870-1. James M. Flammang, Ron Kowalke: Standard Catalog of American Cars 1976-1999, Krause Publishing, Iola (1999), ISBN 0-87341-755-0. Richard M. Langworth: Encyclopedia of American Cars 1930–1980. Beekman House, New York 1984, ISBN 0-517-42462-2 Mary Sieber, Ken Buttolph: Standard Catalog of Cadillac 1903–1990, Krause Publications, Iola 1991, ISBN 0-87341-174-9

Weblinks

Anmerkungen

Einzelnachweise

Kategorie:Limousine Kategorie:Coupé