Der Jüdische Friedhof in Fürstenberg/Havel ist ein Begräbnisort im Landkreis Oberhavel im Norden Brandenburgs.

Beschreibung Der jüdische Friedhof liegt an einem zur Stadt Fürstenberg/Havel und zur Oberhavel abfallenden Hügel an der Berliner Straße. Er umfasst etwa die 900 Quadratmeter des historischen Friedhofs. Das Areal besteht hauptsächlich aus Wiese ohne sichtbaren Grabsteinbestand. Der südliche Teil wird noch von der ursprünglichen Ziegelmauer begrenzt. Davor steht unter Bäumen ein großer Gedenkstein. Der Findling trägt die Aufschrift „Jüdischer Friedhof“ und einen Davidstern.

Im Boden befinden sich vermutlich die Gräber und die alten Grabsteine (Mazevot), die wahrscheinlich noch zur Zeit der DDR mit Erde abgedeckt wurden. Der einzige 1982 auf dem Gelände gefundene Grabstein mit jüdischer Inschrift wurde erst im städtischen Magazin und dem Heimatmuseen aufbewahrt und befindet sich heute an versteckter Stelle auf dem kommunalen Friedhof.

Geschichte Im Jahr 1761 bat die jüdische Gemeinde von Fürstenberg den Herzog zu Mecklenburg Adolf Friedrich IV. auf einem Acker vor dem Zehdenicker Tor für sich eine Begräbnisstätte einrichten zu dürfen. Dazu wurden zunächst 32 Quadratruten behelfsmäßig eingezäunt. Um 1767 fanden darauf erste Beerdigungen statt. Ab 1790 reichte der Begräbnisplatz für die stark angewachsene jüdische Bevölkerung nicht mehr aus. Die Gemeinde erhielt 1793 vom Herzog die Genehmigung zur Erweiterung des Friedhofs auf etwa 900 Quadratmeter und baute auch ein Taharahaus. 1807 entstand mit Holz, das eine Schenkung des Herzogs war, eine ordentliche Umfriedung des Friedhofs. Diese wurde 1833 oder 1835 teilweise durch eine Feldsteinmauer von acht Fuß (knapp zwei Meter) Höhe und zwei Fuß Dicke ersetzt, ebenfalls finanziell unterstützt durch den Herzog. Im Jahr 1856 wurde die Mauer repariert und das Taharahaus durch einen Neubau ersetzt. Ab 1861 wurden Särge bei der Bestattung eingeführt. Mit dem Rückgang der Einwohnerzahl der jüdischen Gemeinde löste sich diese 1914 auf und die wenigen verbliebenen Juden schlossen sich der Gemeinde Neubrandenburg an. Der Friedhof verfiel, auch wenn noch bis 1925 Beerdigungen stattfanden.

In der Zeit des Nationalsozialismus begannen mit dem Auftreten einer Ortsgruppe des Deutsch-Völkischen Schutz- und Trutzbundes auch in Neubrandenburg die antisemitische Übergriffe und Repressalien gegen jüdische Einwohner. 1935 lebten nur noch zwei jüdische Einwohner in Fürstenberg. Der Friedhof sollte aufgelöst und die Toten auf den kommunalen Friedhof umgebettet werden. Die damals zuständige jüdische Gemeinde in Rostock stimmte 1936 dem Plan zur Umbettung widerstrebend zu. Ob die Umbettung tatsächlich erfolgte, ist ungeklärt. Ende der 1930er Jahre hatte Fürstenberg keine jüdischen Einwohner mehr. Im Frühsommer 1939 wurde der Friedhof eingeebnet. Später wurden auf dem Gelände Kleingärten angelegt.

Einzelnachweise Jürgen Gramenz, Sylvia Ulmer: Jüdischer Friedhof Fürstenberg (Havel). In: juden-in-mecklenburg.de vom 25. September 2015. Abgerufen am 3. April 2026

Aus der Geschichte jüdischer Gemeinden im deutschen Sprachraum. Fürstenberg/Havel (Brandenburg/früher Mecklenburg). In: jüdische-gemeinden.de. Abgerufen am 3. April 2026

Felicitas Spring: Geschichte des Jüdischen Friedhofs in Fürstenberg/Havel. In: Jüdische Friedhöfe in Brandenburg, Universität Potsdam. Abgerufen am 2. April 2026

Felicitas Spring: Anlage des Jüdischen Friedhofs in Fürstenberg/Havel. In: Jüdische Friedhöfe in Brandenburg, Universität Potsdam. Abgerufen am 2. April 2026

Felicitas Spring: Geschichte der Jüdischen Gemeinde in Fürstenberg/Havel. In: Jüdische Friedhöfe in Brandenburg, Universität Potsdam. Abgerufen am 3. April 2026

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