Altenberge (plattdeutsch Ollenbiärg) ist eine Gemeinde im Kreis Steinfurt in Nordrhein-Westfalen.
Geografie mini|Kirche, davor Kreisverkehr Lage Die Gemeinde Altenberge liegt ca. 14 km nordwestlich der Universitätsstadt Münster im Kreis Steinfurt inmitten der Münsterländischen Parklandschaft. Die Gemeinde liegt auf dem Altenberger Höhenrücken und ist die am höchsten gelegene Gemeinde des Altkreises Burgsteinfurt (BF). Den höchsten Punkt bildet der Paschhügel (). Der tiefste Punkt liegt am Zusammenfluss des Landwehrbaches mit der Steinfurter Aa knapp 4 km westlich des Zentrums des Ortes (). Einen weiteren markanten Punkt bildet die Krüsellinde etwa 800 m südöstlich der Kirche von Altenberge (NN), Altenberge grenzt (im Uhrzeigersinn, beginnend im Osten) an Greven (Kreis Steinfurt), Münster (kreisfrei), Havixbeck (Kreis Coesfeld), Billerbeck (Kreis Coesfeld), Laer (Kreis Steinfurt), Steinfurt (Kreis Steinfurt) sowie Nordwalde (Kreis Steinfurt).
Gliederung Die Gemeinde Altenberge besteht aus dem Ort Altenberge und sechs Bauerschaften: Entrup Entrup ist die flächenmäßig größte Bauerschaft in Altenberge. Sie liegt nordöstlich des Ortskerns und grenzt an das benachbarte Greven. Seit 1849 besteht der Schützenverein Entrup. Am 11. März 1944 wurden bei einem morgendlichen Fliegerangriff 4 Sprengbomben und ca. 400 Kautschuk-Benzolbrandbomben abgeworfen. Bei dem Bombenangriff wurden in Entrup ein Bauernhof vollständig zerstört und drei weitere durch Brände beschädigt. mini|Luftbild der Bauerschaft Hansell Hansell Hansell wurde im 14. Jh. erstmals urkundlich erwähnt und hat knapp 300 EinwohnerZahl der gemeldeten Personen in den Ortsteilen von Altenberge. Es grenzt als einzige der Altenberger Bauerschaften nicht an den Altenberger Ortskern und liegt zwischen Münster-Nienberge, Greven und Altenberge. Zudem besitzt Hansell einen Siedlungskern um die Kirche St. Johannes Nepomuk, die bis 2009 eine eigenständige Kirchengemeinde bildete. Nach einer vollzogenen Fusion ist sie nun die Filialkirche der Pfarrgemeinde St. Johannes Baptist. In Hansell prägen insbesondere Landwirtschaft, Viehzucht, Fremdenverkehr sowie reges Vereinsleben im Schützenverein „An De Buorg“ und in der kfd den Ort. Hohenhorst Ein im Süden von Hohenhorst gelegener Hügel wird Rösteberg genannt. In diesem soll, einer lokalen Sage nach, der Riese Grinkenschmied gewohnt haben. In Hohenhorst wurde auch der Sandstein gebrochen, der zur Wiederherstellung des münsterschen Domes nach dem Zweiten Weltkrieg verwendet wurde. Kümper Die Bauerschaft Kümper ist nicht nur flächenmäßig die kleinste, sie ist auch mit 269 Menschen die einwohnerschwächste Bauerschaft. Geschichtlich wird Kümper kaum erwähnt; am 28. Oktober 1842 wurde es dem „Amt Altenberge“ zugesprochen, da die Bauerschaft nie ein souveränes Amt oder Kirchspiel war. Kümper hat seit vielen Jahren eine starke Flächenabnahme zu verzeichnen, da das Gewerbegebiet West sich immer tiefer in die Bauerschaft ausdehnt. Zu den Sehenswürdigkeiten in Kümper zählen die Kornbrennerei Geuker-Wiedemann und das Trecker- und Schlepper-Museum auf dem ehem. Betriebsgelände der Schlepperfabrik H. Wesseler OHG. WaltrupBereits um das Jahr 800 wurde das Waltruper Feld bei Altenberge auf einer Heberolle erwähnt. Die Bauerschaft liegt südlich vom Ortskern und grenzt unter anderem an Hohenholte und Münster. Als Sehenswürdigkeit gilt die 1953 errichtete „Madonna der Landstraße“, eine Kapelle für Reisende an der L 510 zwischen Altenberge und Münster. Durchschnittlich 70 Kerzen am Tag haben 2007 in der Waltruper Kapelle gebrannt, insgesamt 28400. 12.324,88 Euro kamen im Opferstock zusammen. Der Bauerschaftsteil Hollenbeck wurde bereits 1142 urkundlich in der Gründungsurkunde von Hohenholte genannt. WestenfeldEine Sehenswürdigkeit in Westenfeld ist das Haus Bödding auf dem Hof Kintrup. Auf dem alten Gräftenhof wohnten früher die Ritter von „Oldenberge“. Von der ursprünglichen Anlage sind heute lediglich das Torhaus und die Gräfte erhalten. Seit 1899 ist der Hof im Besitz der Familie Kintrup. Eine weitere Sehenswürdigkeit ist das Gut Göverding aus dem 15. Jahrhundert, das bis heute vollständig erhalten ist.
Geschichte Erstmals urkundlich erwähnt wurde die Pfarrei Altenberge im Jahre 1181, der Ort ist aber wohl weit vorher entstanden. Wahrscheinlich bestand der Ort schon zur Zeit des ersten Bischofs von Münster, Liudger (742–809). Karl der Große hatte diesem 792 die Missionierung im westlichen Sachsen übertragen. Liudger baute das spätere Bistum Münster auf; in dieser Zeit ist es zu zahlreichen Gründungen von Pfarreien und dem Bau von Kirchen, vermutlich auch in Altenberge gekommen. Der Ort war ursprünglich Bestandteil der Freigrafschaft Münster im Dreingau und unterstand im 12. Jahrhundert der Verwaltung der Ritter von Altenberge. Von 1142 bis 1294 verwalteten die Ritter von Altenberge die bischöfliche Kurie zu Oldenberge.
Aus den Bauernständen entwickelten sich mit der Zeit sukzessive Berufsgruppen, wie Bäcker und Schmiede, welche sich um die Kirche herum ansiedelten und dadurch eine Dorfgemeinde bildeten. So zählte der Ort im Jahr 1498 schon 742 Schutzpflichtige. Im Zuge des Achtzigjährigen Kriegs kam es zwischen 1591 und 1600 zu Plünderungen durch spanische sowie niederländische Truppen. Während des Dreißigjährigen Kriegs wurde Altenberge von Mansfelder und Braunschweiger Truppen geplündert.
In der Zeit zwischen 1627 und 1689 kam es zu einer Reihe verheerender Brände. So berichtet ein Schriftstück vom 24. Oktober 1671 davon, dass an Christi Himmelfahrt der Kirchturm, das Pastorat, die Küsterei und Kaplanei sowie Armenhäuser durch ein großes Feuer zerstört wurden. Am 29. November 1688 fielen weitere neun Häuser einem Brand zum Opfer. Im Jahr darauf, am 9. November 1689, kam es erneut zu einem Großbrand, welcher fast 30 Häuser im Dorf zerstörte.
Bis zur Säkularisierung gehörte Altenberge zum Amt Wolbeck. Im Jahr 1803 entstand das Fürstentum Rheina-Wolbeck, welchem Altenberge zugeschlagen wurde. Die Regentschaft des Fürsten Joseph Arnold Herzog von Looz-Corswarem dauerte jedoch nur bis in das Jahr 1806. Infolge des Siegs Frankreichs im Vierten Koalitionskrieg wurde Altenberge dem Großherzogtum Berg zugeordnet. Ab 1811 gehörte Altenberge zum Emsdepartement des französischen Kaiserreichs. Nachdem die Herrschaft Napoleons im Zuge der Befreiungskriege geendet hatte, wurde das Dorf Preußen zugesprochen und gehört seit 1816 zum Regierungsbezirk Münster. Von 1843 bis zur Aufhebung aller preußischen Einzelgemeindeämter im Jahre 1934 bildete die Gemeinde Altenberge ein eigenes Amt.Amtsblatt der Regierung in Münster 1843, S. 366
Von den Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg blieb Altenberge weitestgehend verschont. In der Nachkriegszeit wurden 1671 Ostvertriebene und Evakuierte im Dorf aufgenommen. So zählte der Ort Ende des Jahres 1950 insgesamt 5.232 Einwohner.
Im Zuge der Kommunalreformen wurde der Landkreis Steinfurt zum Jahresbeginn 1975 aufgelöst und Altenberge kam zum Kreis Steinfurt.
Politik mini|Rathaus
Gemeinderat Der Gemeinderat von Altenberge besteht aus 26 Ratsmitgliedern und dem Bürgermeister. Die Kommunalwahlen am 14. September 2025 führten bei einer Wahlbeteiligung von 74,06 % zu folgendem Ergebnis (zum Vergleich sind auch die Werte der Wahlen 2020 und 2014 angegeben): Partei 2025 2020 2014SitzeStimmenanteil Sitze Stimmenanteil Sitze Stimmenanteil CDU 1450,68 % 9 36,66 % 14 49,9 % SPD 414,82 % 4 15,28 % 5 16,9 % Grüne 626,14 % 9 33,98 % 5 13,7 % FDP 28,36 % 4 14,08 % – –
Damit hat die CDU wieder die alleinige Mehrheit der Stimmen im Gemeinderat zur Verfügung. Die Grünen hingegen konnten ihren historischen Wahlsieg von 2020 nicht verteidigen. Auch die FDP erhielt 2 Sitze. Die UWG, welche 2014 noch 8,3 % und damit 2 Sitze erreichte, trat nicht mehr an.
Bürgermeister Jochen Paus wurde 2004 Bürgermeister. Er wurde 2009 und 2014 wiedergewählt. Bei den Kommunalwahlen in Nordrhein-Westfalen 2020 trat Paus nicht mehr an. Für die CDU bewarb sich Sebastian Nebel, für die Grünen Karl Reinke sowie als parteiloser Kandidat Guido Roters um das Bürgermeisteramt. Im ersten Wahlgang erreichte keiner der Kandidaten die nötige Mehrheit. Bei der Stichwahl am 27. September 2020 konnte sich Karl Reinke gegen seinen christdemokratischen Konkurrenten durchsetzen. Bei einer Wahlbeteiligung von 62,74 % erreichte Reinke 52,35 % und Nebel 47,65 % der Stimmen. Damit war Reinke der erste grüne Bürgermeister in der Geschichte des Ortes. 2025 wurde im ersten Wahlgang Jan Röschenkämper (CDU) gewählt, der sich gegen den amtierenden Bürgermeister mit 65,32 % durchsetzte.
Wappen Das Wappen der Gemeinde Altenberge wurde im Jahre 1938 verliehen. Es zeigt die sog. Krüsellinde, den Wappenbaum der Gemeinde und ehemalige Gerichtsstätte am alten Münsterweg. Diese steht auf einem Dreiberg, der den Altenberger Höhenrücken symbolisiert, auf dem der Ort liegt. Die Pflugschar auf dem Dreiberg steht für die Bevölkerung des Ortes, die früher überwiegend aus Bauern bestand.
Blasonierung: „Auf goldenem Felde ein roter mit goldener Pflugschar belegter Dreiberg, auf dem eine grüne Linde steht.“
Gemeindepartnerschaften Seit 1979 besteht eine Gemeindepartnerschaft mit der belgischen Gemeinde Gooik, die 25 km westlich von Brüssel in der Provinz Flämisch-Brabant liegt. Gooik ist mit ca. 8850 Einwohnern nur wenig kleiner als Altenberge. 1990, 1999 und 2009 wurde in festlichen Zeremonien die Partnerschaft zwischen den Gemeinden bestätigt. Der Altenberger Gooik-Ausschuss kümmert sich um den Fortbestand der Partnerschaft. 2009 wurde den Gemeinden als Anerkennung und Würdigung der Partnerschaft vom Präsidenten der Parlamentarischen Versammlung des Europarates das Europadiplom verliehen.
Wirtschaft und Infrastruktur
mini|Bahnhof Altenberge
Altenberge liegt zwischen Gronau und Münster an der Bundesstraße 54. Die Bundesstraße verläuft als Umgehungsstraße südwestlich des Ortszentrums. Eine weitere Umgehungsstraße verläuft südöstlich des Ortskerns.
Der Bahnhof von Altenberge liegt an der Bahnstrecke Münster–Enschede, hier verkehren die Züge der Euregio-Bahn (RB 64) von Münster nach Enschede (NL) auf der Kursbuchstrecke 407 täglich im Stundentakt. Von Montag bis Freitag verkehren zur Hauptverkehrszeit Verstärkerzüge zwischen Münster und Gronau, sodass auf diesem Abschnitt ein 30-Minuten-Takt besteht.
Linie Verlauf Takt
Zusätzlich verkehren Linienbusse nach Münster sowie in die Nachbarorte Steinfurt, Nordwalde, Laer und Greven.
Altenberge ist an den Aa-Vechte-Tour-Radweg angeschlossen.
Bildung Altenberge verfügt über eine Grundschule, die Grundschule Am Eiskeller. Die Grundschule bietet Ganztagsunterricht an.
mini|hochkant|Kirchturm von der Borghorster Straße aus
Sehenswürdigkeiten
Katholische Pfarrkirche St. Johannes Baptist
Altenberge zählt vermutlich zu einer der Urpfarreien, die um 800 von Bischof Liudger gegründet wurden. Die ersten drei Joche der Kirche stammen aus der Mitte des 14. Jahrhunderts. Des Weiteren wurde die Kirche zwischen 1882 und 1884 um ein Joch nach Western erweitert und der frühere viereckige mittelalterliche Turm wurde durch den heutigen ersetzt. Im Innern erinnert die Kirche von der Bauart an die Lamberti- oder Überwasserkirche in Münster. Die katholische Kirche kann auch als das Wahrzeichen von Altenberge angesehen werden, da der 75 m hohe Turm aus weiter Entfernung sichtbar ist.
Katholische Filialkirche St. Johannes Nepomuk
Krüsellinde Die Krüsellinde im Südosten ist der Wappenbaum von Altenberge. An ihr wurden früher die Westfälischen Femgerichte gehalten. Als Symbole ehemaliger Femgerichte liegen noch immer Strick und Schwert unter dem Baum.
Eiskeller mini|Blick in den Eiskeller Altenberge