mini|Fridolin Becker (ca. 1886) Fridolin Becker (* 24. April 1854 in Linthal; † 24. Januar 1922 in Küsnacht) war ein Schweizer Kartograph und Topograph.

Leben Beckers Eltern waren der Theologe, Schulpolitiker, Volksdichter und Sozialreformer Bernhard Becker und dessen Frau Elisabeth Becker-Zweifel. Fridolin Becker besuchte die Kantonsschule in Frauenfeld und studierte anschliessend an der Ingenieurschule des Polytechnikums Zürich. Ab 1876 arbeitete er im Eidgenössischen Topographischen Bureau, wo er an topografischen Aufnahmen für die sog. «Siegfried-Karte» mitarbeitete. 1884 wurde Becker Assistent von Johannes Wild für die Bereiche Topographie und Geodäsie sowie Plan- und Kartenzeichnen. Im Rahmen von Aufträgen arbeitete Becker weiterhin auch an der Landestopographie mit.

1887 wurde Becker Privatdozent, 1890 übernahm er von Johannes Wild die Bereiche Topografie und Kartografie als «Hülfslehrer». Ab 1894 arbeitete er ausschliesslich am Polytechnikum in Zürich. 1901 wurde Becker zum ordentlichen Professor ernannt. Zum 1. Oktober wurde er aufgrund von Depressionen in den Ruhestand versetzt.

Beckers wichtigste Leistung in der Kartografie war die Reliefkartografie, bei der Gebirgsformen individualisiert plastisch wiedergegeben wurden. Er arbeitete auch an Reliefmodellen mit, von denen das Reliefmodell der Gotthardstrecke zwischen Luzern und Bellinzona bei der Weltausstellung in Paris 1889 ausgezeichnet wurde.

Becker war verheiratet mit Antonietta Pozzi. Einer der Söhne, «Fritz» Jacques Becker war in den 1890er Jahren kurzzeitig ebenfalls als Professor am Polytechnikum tätig.

Becker war Mitglied im Schweizer Alpen-Club (SAC), in dessen Auftrag er verschiedene Bergkarten herstellte.

Schriften Die schweizerische Kartographie an der Weltausstellung in Paris 1889 und ihre neuen Ziele: Mit 3 artistischen Beilagen. Huber, Frauenfeld 1890. Die topographische Anstalt Winterthur und ihre Bedeutung für die Entwicklung der modernen Kartographie. In: Schweizerische Zeitschrift für Artillerie und Genie. Bd. 33, 1897, S. 36–48. Die erste Schlacht bei Zürich: den 4. Juni 1799: Mit einer Planskizze der Schlacht. Druck und Verlag von F. Schultheß, Zürich 1899. Über den Klausen: auf neuer Gebirgsstrasse zwischen Ur- und Ost-Schweiz. Bäschlin, Glarus 1900. Die Gotthardbahn. Perthes, Gotha ca. 1909 (Rechts und links der Eisenbahn. 73) (Digitalisat). Glarnerland mit Walensee und Klausenstrasse. Bäschlin in Komm., Glarus 1912. Die schweizerische Kartographie im Jahre 1914: Landesausstellung in Bern; Wesen und Aufgaben einer Landesaufnahme. Huber, Frauenfeld 1915 (Digitalisat). Ratgeber für Bergsteiger. Hrsg.: Schweizer Alpen-Club. Sektion UTO, 2. Aufl., Füssli, Zürich 1920. mit Eduard Imhof: Neuer schweizerischer Volksschulatlas. Orell Füssli, Zürich 1924.

Karten (Auswahl) mit Ernst Rudolf Mohr u. a.: [Tödi], Massstab: 1:50'000, Eidgenössisches Stabsbureau, Bern 1876? (Topographischer Atlas der Schweiz: Siegfriedatlas; Blatt 404 = Section 6, Bl. 14). mit Ernst Rudolf Mohr u. a.: Linththal, Massstab: 1:50'000. Eidgenössisches Stabsbureau, Bern 1877 (Topographischer Atlas der Schweiz: Siegfriedatlas / Siegfried, Hermann; Blatt 400 = Section 2, Bl. 14). [Gotthardbahnlinie], Massstab: 1:1000. Brunner & Hauser, Zürich 1893, 3 Pläne. Obergestelen, Massstab: 1:50'000. Eidgenössisches topographisches Bureau, Bern 1895 (Topographischer Atlas der Schweiz: Siegfriedatlas / Siegfried, Hermann; Blatt 490 = Section 18.3). Karte der Ferwallgruppe, hrsg. v. Deutschen u. Oesterreichischen Alpen Verein, Massstab: 1:50'000. Giesecke & Devrient, Leipzig und Berlin 1899. Wegekarte von Davos, Massstab: 1:15'000. Rüegg, Zürich, ca. 1900. Die oberitalienischen Seen und ihr Excursionsgebiet: Reliefkarte, Massstab: 1:150'000. Topographische Anstalt J. Schlumpf, Winterthur ca. 1900 (Digitalisat). Der Comersee: mit seinen Umgebungen und Zufahrten. J. Schlumpf, Winterthur ca. 1900. Rigi, hrsg. von den Directionen der Rigi-Bahn, der Arth-Rigi-Bahn u. der Scheidegg-Bahn. Schlumpf, Winterthur 1902. Karte der Adamello- und Presanella-Gruppe, Massstab: 1:50'000. Giesecke & Devrient, Leipzig, Berlin 1903. Karte der Churfirsten-Säntisgruppe, Massstab: 1:75'000, Schweizer Alpenclub, o. O. 1903. Kurven-Reliefs: Schlüssel zum Verständniss der Kurvenkarten. Schmid, Francke & Co 1903? Karte von Bodensee und Rhein: mit den angrenzenden Gebieten von Baden, Württemberg, Bayern, Österreich und der Schweiz, Massstab: 1:125'000, Geographischer Kartenverlag H. Kümmerly & Frey & A. Francke, Bern 1904 (Digitalisat). Vierwaldstättersee mit den angrenzenden Gebieten vom Zürichsee bis ins Berner Oberland, Massstab: 1:150'000. H. Kümmerly & Frey & A. Francke, Bern 1905. Der Langensee: mit seinen Umgebungen und Zufahrten, Massstab: 1:150'000. J. Schlumpf, Winterthur 1905. Karte des Kantons Glarus: nach den eidgenössischen topogr. Aufnahmen: obligatorisches Lehrmittel, Massstab: 1:100'000. Kartographia Winterthur A.G., Winterthur 1907. Exkursionskarte von Jerusalem und Mittel-Judäa: nach den Aufnahmen des engl. Palestine Exploration Fund 1872–1877 und eigener Bereisung, Massstab: 1:100'000. Kümmerly & Frey, Bern 1913. Vevey-Clarens-Montreaux-Territet-Villeneuve. Carte relief, Massstab: 1:30'000. Orell Füssli, Zürich 1916. Exkursionskarte vom Zürichberg: von Oerlikon bis Zollikerberg, 3. Aufl., Massstab 1:15'000. Orell Füssli, Zürich 1917. Suisse. Orell Füssli Verlag, Zürich 1920 (Geographische Karte der Schweiz mit ihren Grenzgebieten)

Literatur Lorenz Hurni: Fridolin Becker – Der Künstler und Ästhet. In: Ders.: Ingenieure der Kartenkunst. 100 Jahre Institut für Kartografie und Geoinformation. 170 Jahre Kartografie an der ETH Zürich. Institut für Kartografie und Geoinformation, ETH Zürich, Zürich 2025. In: Neujahrsblatt der Gelehrten Gesellschaft in Zürich auf das Jahr 2025. 188, ISBN 978-3-033-11192-9, S. 44–83 (e-book).

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