Gerhard Georg Wilhelm von Vogelius, mit vollem Namen Gerhard Georg Wilhelm Franz Xaver von Vogelius (* 14. Oktober 1708 in Paderborn; † 7. November 1755 in Wetzlar), war von 1747 bis zu seinem Tod Assessor (Richter) am Reichskammergericht.Jahns, S. 130.
Herkunft und Familie Sein Vater war Ignaz Bernhard von Vogelius (1677–1727), Geheimer Rat und Vizekanzler des Hochstifts Paderborn.Jahns, S. 130. Die Familie Vogelius stellte seit mehreren Generationen Juristen in der Zentralverwaltung des Hochstifts.Jahns, S. 133. Die Mutter von Gerhard Georg Wilhelm von Vogelius war Maria Esther Aloysia, geborene Palmer (ca. 1687–1742).Jahns, S. 130. Ihre Familie stellte Spitzenbeamte in der Kurpfalz.Jahns, S. 133.
1735 heirateten Gerhard Georg Wilhelm von Vogelius und Theresia Sophia Walburga Liboria Parmentier (ca. 1705–1757). Ihr Vater war der Geheime Rat und Kanzleidirektor der Landgrafschaft Hessen-Rotenburg-Rheinfels.Jahns, S. 131. Aus der Ehe gingen neun Kinder hervor, darunterJahns, S. 132.: Maria Anna Josepha Antoinetta Theresia Walburga (1736–1784). Sie heiratete Konstantin GrubenGeadelt 1776. (1712–1788). Diese beiden waren die Eltern des Reichskammergerichts-Assessors Ignaz Friedrich von Gruben (1763–1823). Ignaz Ferdinand Maria Kaspar (1740–1884) war kurkölnischer Geheimer Rat, Erbherr zu Pömbsen und auf Gut Wandschicht (Salzkotten) sowie Mitregent der Herrschaft Wattenheim in der Pfalz. Karl Heinrich Joseph (1742–1787), Stiftskanoniker an St. Peter in Fritzlar und an St. Severin in Köln sowie kurmainzer geistlicher Rat.
Ausbildung Nach einem Vor-Studium in Paderborn ab 1723 studierte Gerhard Georg Wilhelm von Vogelius ab 1726 in Ingolstadt, Salzburg und Leiden bis 1730 Rechtswissenschaft.Jahns, S. 134. Dabei wurde er am 12. Juli 1728Katalog der Universität Paderborn. von der Universität Ingolstadt zum „Dr. jur.“ promoviert.Dissertationsschrift: Decas Selectarum Quæstionum. Quam Una Cum Parergis, Ex Jure Publico, Ecclesiastico, Civili, Feudali Et Criminali Depromptis. Grass, Ingolstadii 1728. (Zehn ausgewählte Fragen, die zusammen mit Ergänzungen aus dem öffentlichen, kirchlichen, zivilen, Lehns- und Strafrecht entnommen wurden.).
Wirken Sein Berufseinstieg erfolgte 1728 als kurbayrischer Hofrat in München. Aber schon im Folgejahr wechselte er in die Dienste des Fürstbistums Paderborn. Hier war er zunächst auch Hofrat. Dem schloss sich eine steile Karriere an: 1734 wurde er Geheimer Referendar, 1736 „Wirklicher Geheimer Rat“ – und dies sowohl in Paderborn als auch in Kurköln –, 1740 Vizekanzler, 1744 dann Kanzler und zusätzlich Lehensdirektor.Jahns, S. 134f. Diese Karriere beruhte auf der engen Verbindung von Gerhard Georg Wilhelm von Vogelius zu Kurfürst Karl Albrecht von Bayern (dem späteren Kaiser Karl VII.) und dessen Bruder, dem Kurfürst-Erzbischof von Köln, Clemens August, der seit 1719 auch Bischof von Baderborn war.Jahns, S. 135.
Etwa sechs Wochen nach dem Tod seines Vorgängers, Johann Melchior Cramer von Clausbruch, präsentierte Kurköln Gerhard Georg Wilhelm von Vogelius dem Reichskammergericht als Nachfolger. Im Berufungsverfahren wurden seine juristischen Kenntnisse als umfassend geschätzt, sehr gelobt und er galt als hoch geeignet. Das Berufungsverfahren zog sich gleichwohl bis Ende 1747 hin. Das lag an der prekären finanziellen Situation des Reichskammergerichts, das, ständig unterfinanziert, nur immer 17 der theoretisch möglichen 25 Richterstellen besetzen konnte. Erst 1747 war wieder eine römisch-katholische Richterstelle frei, die Gerhard Georg Wilhelm von Vogelius einnehmen konnte. Ende 1747 leistete er schließlich den Amtseid als Assessor. Er hatte die Stelle dann bis zu seinem Tod 1755 inne.Jahns, S. 136. Eine Berufung an den Reichshofrat lehnte er 1749 aus gesundheitlichen Gründen ab.Jahns, S. 136f. Er starb 1755 an den Folgen eines Schlaganfalls.Wegmann, S. 233. Sein Epitaph ist im Wetzlarer Dom erhalten.Wegmann, S. 233–236.
Ehrungen 1744 ernannte Kaiser Karl VII. – als Kurfürst Karl Albrecht von Bayern sein früherer Dienstherr – Gerhard Georg Wilhelm von Vogelius zum Titular-Reichshofrat.Jahns, S. 135. Kaiser Franz I. nahm diese Ernennungen seines Vorgängers aber alle wieder zurück.Wegmann, S. 233. 1751 erhob Kaiser Franz I. aber Gerhard von Vogelius in den Reichsfreiherrenstand.Jahns, S. 131.
Literatur Werke An Die Röm. Kayserl. auch in Hispanien, zu Hungarn und Böheim Königliche Majestät Allerunterthänigst Höchst-schmertzliche Anzeig Eines In viâ publicâ, coadunatis hominibus armatis, concurrentibus multis violentiis & ; commissis atrocissimis iniuriis, Vollzogenen Kinder-Raubs. Cum humillio Petito Pro clementissime decernendo Mandato poenali de reexhibendo Matri & Tutrici vi raptum Filium, ...; Implorantischen Anwaldts Einer höchst-bekümmerten Wittib und Mutter Frauen Johan[n]a Gottlieb Freyfrau von Aufseeß, gebohrne von Berlichingen, Contra Herrn Major Christian Ernst Freyherrn von Aufseeß. O. O. 1728.
Sekundärliteratur Sigrid Jahns: Das Reichskammergericht und seine Richter. Verfassung und Sozialstruktur eines höchsten Gerichts im Alten Reich – Teil 2, Band 1: Biografien (= Friedrich Battenberg, Albrecht Cordes, Ulrich Eisenhardt, Peter Oestmann, Wolfgang Sellert (Hg.): Quellen und Forschungen zur höchsten Gerichtsbarkeit im Alten Reich, Band 26). Böhlau, Köln u. a. 2003. ISBN 3-412-06503-X Jürgen Wegmann: Der Wetzlarer Dom – Epitaphien und Grabplatten. Tectum, Baden-Baden 2018. ISBN 978-3-8288-4142-0
Weblinks Vogelius in Neues Genealogisch-Schematisches Reichs- und Staats-Handbuch vor das Jahr [… 1755].
Anmerkungen
Einzelnachweise
Kategorie:Richter (Reichskammergericht) Kategorie:Person (Kurköln) Kategorie:Person (Paderborn) Kategorie:Person (Wetzlar) Kategorie:Adliger (HRR) Kategorie:Geboren 1708 Kategorie:Gestorben 1755 Kategorie:Mann