Paul Goldfinger (geboren 10. Januar 1905 in Szászrégen, Österreich-Ungarn; gestorben 25. März 1970 in Brüssel) war ein ungarisch-belgischer Physikochemiker.
Leben Paul Goldfinger wuchs in einer jüdischen Familie auf, er war ein Sohn des Juristen Oskar Goldfinger und der Regine Haimann. Goldfinger besuchte die Schule in Budapest und für drei Jahre in Lausanne. Er studierte von 1923 bis 1927 Chemie und Elektrochemie an der ETH Zürich und wurde 1929 bei Richard Kuhn mit der Dissertation Versuch zur Verallgemeinerung der Stereochemie promoviert. Danach arbeitete er als Wissenschaftlicher Assistent bei Fritz Haber am Kaiser-Wilhelm-Institut für physikalische Chemie und Elektrochemie in Berlin-Dahlem. Er heiratete 1931 Käthe Deppner, sie hatten ein Kind.
Nach der Machtübergabe an die Nationalsozialisten floh Goldfinger im Mai 1933 nach Belgien. Er arbeitete als Assistent bei Victor Henri an der Universität Lüttich und ab 1936 als Industriechemiker im Unternehmen Gasparcolor in Brüssel. Er meldete mehrere Patente zur Farbfotografie an. Mit der deutschen Eroberung Belgiens 1940 wurde er arbeitslos, er war mittellos und wurde als Jude verfolgt. Goldfinger schloss sich der belgischen Widerstandsbewegung an.
Goldfinger arbeitete ab 1946 als Forschungsdirektor für das französische Centre national de la recherche scientifique (CNRS) an der Universität Nancy und wurde 1950 a.o. Professor für Physikochemie an der Université libre de Bruxelles, ab 1953 war er in Brüssel Inhaber des Lehrstuhls „Chapitres approfondis de chimie physique“. Goldfinger wurde als Gastprofessor nach Ottawa, Rom und an die University of Oregon eingeladen, er wirkte in wissenschaftlichen Gesellschaften.
Er erhielt 1963 einen Ehrendoktor der Universität Nancy und wurde 1969 als Großoffizier in den belgischen Orden Leopolds II. aufgenommen.
Schriften (Auswahl) Versuch zur Verallgemeinerung der Stereochemie. Budapest, 1929 Contribution à l'étude de la structure moléculaire. Liège: Maison Desoer, 1948 Free University of Brussels: Triennial International Mass Spectrometry Conference: dedicated to the memory of Professor Paul Goldfinger ; Brussels, 31 August - 4 September, 1970. Brüssel, 1970
Literatur Goldfinger, Paul, in: Werner Röder; Herbert A. Strauss (Hrsg.): International Biographical Dictionary of Central European Emigrés 1933–1945. Band II, 1. München: Saur, 1983, ISBN 3-598-10089-2, S. 390. Paul Goldfinger, in: Reinhard Rürup, Michael Schüring: Schicksale und Karrieren. Gedenkbuch für die von den Nationalsozialisten aus der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft vertriebenen Forscherinnen und Forscher. Göttingen: Wallstein, 2008, ISBN 978-3-89244-797-9, S. 202f. Paul Goldfinger, in: Clary, David C., The Lost Scientists of World War II (World Scientific Publishing, 2024) ISBN 978-1-80061-491-8.
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Kategorie:Physikochemiker Kategorie:Hochschullehrer (Université libre de Bruxelles) Kategorie:Wissenschaftliches Mitglied der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft Kategorie:NS-Opfer Kategorie:Person (belgischer Widerstand 1940–1945) Kategorie:Ehrendoktor der Universität Nancy Kategorie:Träger des Ordens Leopolds II. (Großoffizier) Kategorie:Emigrant aus dem Deutschen Reich zur Zeit des Nationalsozialismus Kategorie:Ungarischer Emigrant in Deutschland Kategorie:Immigrant in Belgien Kategorie:Person (Transleithanien) Kategorie:Ungar Kategorie:Belgier Kategorie:Geboren 1905 Kategorie:Gestorben 1970 Kategorie:Mann