Glen Plake (* 9. September 1964 in Livermore, Kalifornien) ist ein US-amerikanischer Extremskifahrer und ehemaliger Freestyle-Skier. Zunächst auf der Buckelpiste aktiv, erlangte er ab Mitte der 1980er Jahre Bekanntheit als Star zahlreicher Skifilme, allen voran Greg Stumps The Blizzard of Aahhh’s. Dank seines bunt gefärbten Irokesenschnittes gilt er als einer der Skifahrer mit dem höchsten Wiedererkennungswert weltweit.
Biografie Kindheit und Jugend Glen Plake kam als Sohn von Jim und Carolyn Plake in Livermore in der San Francisco Bay Area zur Welt. Er hat eine jüngere Schwester namens Tammy.Andrew Slough: Haaa-ir’s Plake! In: Ski. Januar 1991, S. 54–62. () (englisch).Steve Casimiro: Soul Man. In: Skiing. September 2000, S. 142–148. () (englisch). Das Skifahren erlernte er im Alter von zwei Jahren in Montana, während sein Vater in Missoula seinen Universitätsabschluss machte. Als seine Eltern sich scheiden ließen, wuchs er zunächst bei seiner Mutter in South Lake Tahoe auf. Zeitweise lebte er bei seinen Großeltern auf einer Farm im Central Valley, später bei seinem Vater, der in South Lake Tahoe in führender Position bei der örtlichen Feuerwehr tätig war. Als Kind strebte der Bewunderer von Jean-Claude Killy eine Karriere als Skirennläufer an und trat den Heavenly Valley Blue Angels bei.Dana White: The Plake Factor. In: Skiing. November 1990, S. 119–123. () (englisch). Im Alter von nur fünf Jahren erlitt er mit einem Wadenbeinbruch eine erste schwere Beinverletzung.
Plake galt als schwieriges Kind. Er vernachlässigte das Renntraining und widmete sich stattdessen dem freien Skifahren und dem immer populärer werdenden Hotdogging. Um ihn von einem vorzeitigen Schulende abzuhalten, schickte seine Mutter ihn auf eine private Highschool im Norden des Lake Tahoe. Während jener Zeit geriet er mehrmals mit dem Gesetz in Konflikt. War er im Alter von 14 Jahren noch mit einer Bewährungsstrafe davongekommen, nachdem er eine Kiste Bier von einem Truck gestohlen hatte, musste er ein paar Jahre später wegen der Benutzung einer gestohlenen Kreditkarte eine 30-tägige Haftstrafe verbüßen. Anfang der 1980er Jahre verkehrte er in der Punk- und Skate-Szene von Reno und begeisterte sich für Hardcore-Bands wie 7 Seconds, Dead Kennedys, Fear und Germs. Von der Szene beeinflusst, ließ er sich einen „Irokesen“ stehen.
Inspiriert durch seinen Highschool-Freund Charlie Hudak, später dreifacher US-Moguls-Juniorenmeister, verschrieb sich Plake sportlich ganz der Buckelpiste. Nachdem er bei seinem Vater ausgezogen war, kaufte er von einem ehemaligen Rennkollegen ein Paar kaum benutzte, 223 Zentimeter lange Abfahrtsski und begann, damit an Wettkämpfen teilzunehmen. Er bestritt einige Rennen der vom US-amerikanischen Skiverband (USSA) organisierten Mogul Tour und qualifizierte sich 1983 erstmals für die US-Meisterschaften. Als Achter empfahl er sich für die folgende Weltcup-Saison, konnte die zuständigen Trainer aber nicht vollends überzeugen. Im Winter 1983/84 gelangen ihm mehrere Siege auf der Mogul Tour, bei den US-Meisterschaften kam er jedoch nicht über Platz zehn hinaus. Die Teilnahme an der Tour finanzierte er sich, indem er nebenbei in seinem Heimat-Skigebiet Heavenly Valley als Skilehrer arbeitete. 1985 feierte er mit dem Titelgewinn in der Far West Freestyle Division seinen größten Erfolg im Wettkampfsport.
Filmisches Schaffen mini|Skigebiet Squaw Valley mini|Big Dune südlich von Beatty, Nevada Bei einem Rennen im pazifischen Nordwesten wurde einer seiner Konkurrenten, Mike Hattrup, auf Plake aufmerksam und vermittelte ihn an den aufstrebenden Filmemacher Greg Stump. Anderen Angaben zufolge lernte der 21-Jährige Stump selbst bei den US-Meisterschaften 1986 in Breckenridge kennen. Stump arbeitete damals an seinem Skifilm Maltese Flamingo und konnte sich bei einer Probe in Winter Park erstmals von Plakes Talent überzeugen. Da er jedoch keine Verwendung für einen zusätzlichen Darsteller hatte, verständigte er Plake nicht über den Beginn der Dreharbeiten. Plake erfuhr über Umwege davon und erschien eines Tages uneingeladen mit der korrekten Ausrüstung am Drehort Squaw Valley. Der Newcomer beeindruckte Stump mit seiner extremen Linienwahl und schaffte es letztlich in den fertigen Film. Eine bekannte Abfahrtsszene, bei der Plake mit einer gelben Boombox posiert, entstand gegen Ende des Winters auf den Sanddünen bei Beatty, Nevada. Ausgerechnet im Moguls-Segment des Films ist Plake nicht vertreten, weil ihm das Liftpersonal in Squaw Valley aufgrund seines Aussehens die Beförderung versagte. Ein paar Jahre später äußerte er sich abfällig über das Skigebiet:
Nur vier Tage nach dem Dreh in Beatty brach sich Plake bei einem Sturz in der Heart Chute, einer steilen Felsrinne in Kirkwood, den rechten Oberschenkel fünf Zentimeter über der Kniescheibe. Während der langwierigen Rehabilitationsphase begann er mit dem Drogenverkauf. Nachdem Polizisten bei einer Straßenkontrolle 40 Pfund Magic Mushrooms im Kofferraum seines Autos sichergestellt hatten, nutzte er 1988 – knapp zwei Jahre nach seinem Unfall – eine Filmgelegenheit, um sich der Strafverfolgung zu entziehen.Bill Gifford: The Gospel of Glen In: Ski. Oktober 2006, 194–201. () (englisch). Obwohl Greg Stump zunächst nicht mehr mit Plake arbeiten wollte, engagierte der Filmemacher ihn schließlich als Ersatz für die verletzte Lynn Wieland. Die Dreharbeiten zu The Blizzard of Aahhh’s fanden unter anderem in den französischen Alpen statt. Anschließend blieb Plake ein Jahr in Chamonix, erlernte die französische Sprache und finanzierte sich das Skifahren mit Gelegenheitsjobs.
Aufgrund des großen Erfolges von The Blizzard of Aahhh’s bewogen Stump und Kollegen Plake zur Rückkehr in die Vereinigten Staaten. Am 9. März 1989 hatte er gemeinsam mit seinem Co-Star Scot Schmidt einen Auftritt in der Today Show bei Bryant Gumbel, wo er im Uncle-Sam-Kostüm einem breiten Publikum bekannt wurde. Mithilfe eines Rechtsanwalts konnte er eine drohende sechsjährige Freiheitsstrafe wegen Drogenhandels abwenden, musste aber dennoch mehrere Wochen in Haft. Infolge eines positiven Drogentests, einem Verstoß gegen seine Bewährungsauflagen, wurde er zu einer weiteren Gefängnisstrafe und der Ableistung von 700 Stunden gemeinnütziger Arbeit verurteilt.
In den folgenden Jahren und Jahrzehnten war Glen Plake in zahlreichen weiteren Skifilmen zu sehen. Bereits 1989 drehte er mit Greg Stump License to Thrill. Ein Jahr später befuhr er in Dr. Strange Glove auf einem Monoski nackt die Dünen nahe des Mono Lake. In Fistful of Moguls, seiner fünften und letzten Zusammenarbeit mit Stump, kehrte Plake auf die Buckelpiste zurück und sagte den Olympiasieg seines Landsmanns Jonny Moseley 1998 voraus. Danach arbeitete er vermehrt mit Warren Miller zusammen. Einen humoristischen Cameo abseits des Skifahrens hatte er 2003 in The Guatemalan Persuader.
Weitere Karriere mini|Am Manaslu entging Plake 2012 einem verheerenden Lawinenabgang Nach seinem Durchbruch mit The Blizzard of Aahhh’s unterschrieb Glen Plake zahlreiche Sponsorenverträge, unter anderem mit den US-Sportartikelherstellern K2 und Oakley. Große mediale Reichweite erfuhr er mit einem von Greg Stump gedrehten Fernseh-Werbespot für Brooks Sports, bei dem er spontan für den Basketballer Dominique Wilkins einsprang, und einem K2-Plakat unter dem Slogan „Extremely different“, das ihn im Profil, dem früheren Skirennläufer Phil Mahre gegenüber, zeigt. Diese neue Bekanntheit brachte Glen Plake auch Engagements beim Fernsehen ein. Am 18. Dezember 1992 geriet er während eines Drehaufenthalts für die ABC-Sendung Wide World of Sports in Jackson Hole stark alkoholisiert in eine Barschlägerei. Infolgedessen sah er sich mit einer Anklage wegen „tätlichen Angriffs mit einer tödlichen Waffe“ und Körperverletzung konfrontiert und verlor die meisten seiner Sponsoren.
Nach einigen Jahren abseits des Hörfunks moderierte er ab 1999 die Sendung Reel Thrills bei der Sendergruppe Resort Sports Network (RSN). 2018 und 2019 war der versierte Mechaniker als Coach in der History-Motorsportsendung Truck Night in America (außerhalb der USA als Monster Motor Challenge vermarktet) zu sehen. Im Lauf seiner Karriere blieb Plake stets seiner skifahrerischen Heimat Heavenly Valley verbunden. 2004 veranstaltete er dort erstmals das „Gunbarrel 25“, ein offenes Ausdauerrennen über 25 Runden auf einer Buckelpiste. Zudem agierte er als Botschafter („Ski-E-O“) für das Skigebiet. Nebenbei engagierte sich der PSIA-geprüfte Skilehrer für die Freeride World Tour, indem er die Strecken auf ihre Lawinensicherheit überprüfte, und stand Pate für den jährlich im Januar ausgerufenen „Learn to Ski and Snowboard Month“.
Während der 2000er Jahre widmete sich Plake vermehrt dem Extremskifahren. Nachdem er, von seinen französischen Freunden beeinflusst, erste Erfahrungen in den Couloirs der Sierra Nevada gesammelt hatte, wandte er sich höheren, anspruchsvolleren Bergen zu. 2006 gelang ihm am Kulu Pumori im indischen Himalaya eine Abfahrt über fast 1400 Meter auf 45 bis 55 Grad steilen Hängen. Zwei Jahre später bestieg und befuhr er im Rahmen eines Reel-Thrills-Drehs den Callangate () in der peruanischen Cordillera Vilcanota. 2009 bewältigte er eine Ski-Abfahrt vom Arête de Peuterey am Mont Blanc. In der Nacht auf den 23. September 2012 entging er im Manaslu-Hochlager nur knapp einem Lawinenabgang, der insgesamt elf Todesopfer forderte. Seine beiden französischen Begleiter Grégory Costa und Remy Lécluse, die mit ihm im selben Zelt geschlafen hatten, kamen dabei ums Leben.
Privatleben Im Dezember 1991 heiratete Plake seine Managerin und Stylistin Kimberly Manuel, die er zwei Jahre zuvor bei einer K2-Werbeveranstaltung in Stratton, Vermont, kennengelernt hatte. Mit dem ehemaligen Model aus Houston bereiste er im Winter 1991/92 im gemieteten Camper erstmals die USA. Dabei legte das Ehepaar innerhalb von 68 Tagen mehr als 20.000 Kilometer zurück und besuchte 50 vor allem kleine Skigebiete, in denen Plake mit Fans Ski fuhr und sich über den Sport austauschte. Daraus entwickelte sich die „Down Home Tour“, die die beiden in den kommenden Wintern jährlich wiederholten. Das Ehepaar ließ sich auf einer Ranch bei Reno nieder und blieb kinderlos.
Seinen exzessiven Alkohol- und Drogenkonsum überwand Plake nach eigenen Angaben mithilfe seiner Frau und der Southern Baptist Church. Obwohl er seit seiner letzten Festnahme 1992 abstinent lebt, verweigerte ihm Kanada aufgrund seiner Drogendelikte noch 15 Jahre später die Einreise.Jason Daley: Release the Petty Bureaucratic Marmots on... In: Skiing. November 2007, S. 32. () (englisch). Plake verfügt über eine große Skifilmsammlung und laut Steve Casimiro über ein „enzyklopädisches Freestyle-Wissen“. Daneben besitzt er unter anderem einen Chevrolet Impala (Baujahr 1960), ein für das Baja 1000 selbst gebautes Offroad-Rallyeauto und ein 1100-PS-Rennboot, das er auf dem Lahontan Reservoir ausfährt.
Stil und Rezeption