Die tansanische Cricket-Nationalmannschaft (; ), deren Spieler auch unter dem Spitznamen The Cows bekannt sind, vertritt Tansania auf internationaler Ebene in der Sportart Cricket. Das Team wird von der Tanzania Cricket Association (, TCA; ) geleitet und ist seit 2001 assoziiertes Mitglied im International Cricket Council, nachdem es zuvor Teil der ostafrikanischen und später der ost- und zentralafrikanischen Cricket-Nationalmannschaft gewesen war; als Ostafrika nahmen sie am ersten Cricket World Cup 1975 teil. Damit gehört es zur zweiten Reihe der Nationalmannschaften und gilt, zusammen mit Nigeria, hinter den Vollmitgliedern Südafrika und Simbabwe sowie den assoziierten Mitgliedern Kenia, Namibia und Uganda, traditionellerweise als eine der stärkeren Nationalmannschaften Afrikas. Bis zur Namensänderung des Staates im Jahr 1964 trat die Mannschaft als Tanganjika an. Tansania verfügt seit 2019, wie alle ICC-Mitglieder, über vollen T20I-Status.

Geschichte Anfänge des Crickets in Tansania Britische Kolonialisten führten Cricket zum Ende des 19. Jahrhunderts im heutigen Tansania ein. Crew-Mitgliedern und Matrosen der Royal Navy übten den Sport im damaligen britischen Protektorat Sultanat Sansibar erstmals aus. Im Jahr 1890 wurde das erste dokumentierte Spiel auf Sansibar zwischen britischen Siedlern und Mitgliedern der Royal Navy ausgetragen. 1916, während des Ersten Weltkrieges, erreichten britische Truppen Lushoto nahe Tanga im damaligen Deutsch-Ostafrika und brachten Cricket mit auf das Festland. Im selben Jahr wurde in dem Gebiet regelmäßig Cricket gespielt. Nach der Übernahme der früheren deutschen Kolonie als Völkerbundsmandat Tanganjika etablierte sich der Sport auf dem Festland weiter. Zu Beginn konzentrierte sich das Cricket vor allem auf die Insel Sansibar und entlang der Küste mit nennenswerten Entwicklungen in Daressalam, dem neuen Machtzentrum under den Briten. Nationale Spiele (Officials vs. Settlers, also „Behörden gegen Siedler“) wurden regulär bis 1964 ausgetragen, es wurden jedoch keine interterritorialen Spiele arrangiert.

Anfang der 1920er Jahre gründeten britische Militär- und zivile Beamte den Government Service Sports Club, den Railways Sports Club und den Dar es Salaam Gymkhana, während der Indian Sports Club von indischen Händlern und Eisenbahnarbeitern gegründet wurde. Nach dem Zustrom indischer Arbeiter nach Afrika für den Bau des Schienennetzes in der Region nahm die Beliebtheit von Cricket zu. Einwanderer vom indischen Subkontinent stellten in den 1930er Jahren die meisten Spieler, gefolgt von einer größeren europäischen Minderheit, während die afrikanische Bevölkerung kein Interesse an dem Sport zeigte. Zu dieser Zeit war Cricket in Daressalam gut etabliert und am 20. März 1935 gründeten die führenden Cricketclubs die Daressalam Cricket Association zur Förderung und Organisation des Crickets. Obschon der Verband multiethnisch war, waren die Ethnien Mitglieder ihrer jeweils eigenen Cricketclubs. In den 1930er und 1940er Jahren verbreiteten die britischen und indischen Gemeinschaften das Cricket in andere Landesteile. Die großen Abstände zwischen den Städten und der langsame Gütertransport erschwerte die Organisation von Spielen, wodurch der Sport im Inland nicht den gleichen Stellenwert wie entlang der Küste erreichte. Zum Ende des Zweiten Weltkrieges war es eine der meist ausgeübten Sportarten in der Region.

Bestandteil des ostafrikanischen Teams

mini|Die tanganjikanische Cricket-Nationalmannschaft nach ihrem Gewinn des Triangular Tournament gegen Kenia und Uganda in den frühen 1960er Jahren 1951 gründete sich die East Africa Cricket Conference (EACC, später East and Central Africa Cricket Conference, ECACC) als Cricketverband für die Region. Sie organisierte die interkolonialen Spiele zwischen ihren drei Gründungsmitgliedern Kenia, Uganda und Tanganjika. Später im selben Jahr empfing eine ostafrikanische Mannschaft Rhodesien. Ebenfalls 1951 spielte eine tanganjikanische Mannschaft in einem Tri-Nations-Turnier ihre ersten internationalen Partien gegen Kenia und Uganda. Ein Jahr später unterlag Tanganjika gegen Uganda mit fünf Wickets. Unregelmäßige Begegnungen mit Kenia und Uganda wurden die 1950er Jahre über ausgetragen und Sansibar spielte ab 1956 ebenfalls gegen Uganda.

Ostafrikas folgendes Spiel war 1956 gegen eine besuchende pakistanische Mannschaft. Unter ihrem Kapitän Denis Dawson (dem Bruder des südafrikanischen Test-Cricket-Spielers Ossie Dawson) verloren die Ostafrikaner das Dreitagesspiel mit acht Wickets. Im darauf folgenden Jahr unterlagen sie dem besuchenden Sunder Cricket Club mit neun Wickets. 1958 besuchte eine südafrikanische Mannschaft aus nichteuropäischen Spielern das Gebiet für ein Spiel gegen Ostafrika in Nairobi. Unter ihrem Kapitän Malcolm Ronaldson, einem früheren First-Class-Spieler für die Eastern Province, unterlag Ostafrika in dem Spiel den Südafrikanern mit sieben Wickets. 1958, noch vor der Unabhängigkeit Tanganjikas, wurde der Verband Tanganyika Cricket Association (, TCA; ) gegründet und nach der Vereinigung Tanganjikas mit Sansibar im Jahr 1964 benannte sich dieser in Tanzania Cricket Association (englisch, TCA; Shirikisho la Kriketi Tanzania) um. In Übereinstimmung mit dem Namenswechsel des Staates tritt die Nationalmannschaft seither nicht mehr als Tanganjika, sondern als Tansania auf.

Internationale Teams begannen ebenfalls mit Touren nach Tanganjika, darunter der Marylebone Cricket Club (MCC) 1957 und 1963 sowie im Jahr 1958 eine südafrikanische Auswahl nichteuropäischer Spieler (die auch auf Sansibar traf) und 1964 ein Team der Pakistan International Airlines. Außerdem traten viele der Ostafrika besuchenden Mannschaften gegen Tanganjika (später Tansania) an, darunter Pakistan Cricket Writers (1956), Sunder Cricket Club (1957), Gujarat (1959), F.R. Brown’s XI (1961) und Commonwealth XI (1962), wobei Pakistan Cricket Writers, Sunder, Gujarat und F.R. Brown’s XI auch auf Sansibar trafen. Da viele der Gastmannschaften auch erfahrene Testspieler in ihren Reihen hatten, gelang den Gastgebern kein Sieg. Tanganjika bzw. Tansania erzielte vier Remis und verlor sechs Spiele, während Sansibar ein Remis gelang und es in vier Begegnungen unterlag.

In den 1960er Jahren traf Ostafrika auf mehrere besuchende Mannschaften. Im Jahr 1962 trafen sie in zwei Spielen auf die Cricket-Mannschaft des Commonwealth. Im ersten Spiel in Nairobi (10. bis 12. Februar 1962) unterlagen die Ostafrikaner mit 20 Runs. Dieses Spiel blieb vor allem wegen des zügigen Century von Basil D’Oliveira im zweiten Innings des Commonwealth in Erinnerung. Im zweiten Spiel im Oktober, ebenfalls in Nairobi, schlug die Mannschaft des Commonwealth Ostafrika mit 118 Runs. Der MCC bestritt 1963/64 drei Spiele in Uganda, eines in Tanganjika und sieben in Kenia. Eines der Spiele gegen die Ostafrikaner in Kampala gewann der MCC mit einem Innings und 71 Runs. 1966 trat Ostafrika der International Cricket Conference (ICC; heute International Cricket Council) als assoziiertes Mitglied bei. Im selben Jahr trat Sambia dem jährlichen interregionalen Turnier bei, das damit zu einem Viererturnier wurde. Im August 1967 gewannen die besuchenden Inder gegen Uganda mit sechs Wickets und ein First-Class-Dreitagesspiel gegen Ostafrika mit acht Wickets. Eine internationale Mannschaft von englischen First-Class-Spielern erzielte 1968 in einem Dreitagesspiel gegen Ostafrika in Nairobi ein Remis. Im selben Jahr gewann Tansania erstmals das Quadringular Tournament gegen Kenia, Uganda und Sambia. Die Turnierentscheidung erfolgte im letzten Spiel gegen Sambia in Nairobi, das Tansania mit sechs Wickets gewann. In dem Spiel spielte C. D. Patel für Sambia, während sein Bruder R. D. Patel Teil der tansanischem Mannschaft war.

Im Juni und Juli 1972 besuchte Ostafrika England für 18 Spiele gegen Regionalauswahlen und erzielte einen Sieg über Nordwales. Keines dieser Spiele besaß First-Class-Status. In den Jahren 1973/74 besuchte der MCC erneut Ostafrika. Im Dezember 1973 absolvierte er zwei Spiele in Sambia, gefolgt von zwei weiteren in Tansania und danach vier in Kenia. Das einzige Spiel gegen eine komplette Mannschaft Ostafrikas, das First-Class-Status besaß, gewann der MCC mit 237 Runs.

Infolge der Arusha-Deklaration von 1967 wurden in den 1970er Jahren viele Unternehmen verstaatlicht und die meisten Inder und Briten begannen das Land zu verlassen. Cricketspieler wie R. D. und C. D. Patel verließen das Land und gingen nach Sambia, woraufhin sich das Cricket-Niveau in Tansania verschlechterte und danach abermals auf Daressalam konzentrierte. Der junge und vielversprechende Cricketspieler John Solanky war bereits 1967 nach England gegangen, wo er für Glamorgan spielte, und kehrte nie nach Tansania zurück. Der All-rounder Solanky wurde zum bekanntesten tansanischen „Cricketexport“ und nahm in seinen vier Jahren bei Glamorgan (1972–1976) 275 Wickets und erzielte 3.508 Runs in den Formaten First-Class und List A Cricket. Dennoch unternahm Tansania seine erste und einzige Tour außerhalb Ostafrikas, als es im Februar und März 1974 Nigeria besuchte. Es entschieden die Serie von drei Spielen nach zwei Siegen und einem Remis für sich. Seit den 1970er Jahren konzentrierte sich die Tanzania Cricket Association darauf, den Sport unter der afrikanischen Gemeinschaft zu etablieren um ein weiteres Abrutschen des Sports zu verhindern.

Ostafrika wurde zum ersten Cricket World Cup 1975 eingeladen, als eine von zwei Nicht-Testnationen neben Sri Lanka. Kenia stellte die Hälfte der 14 Spieler der ostafrikanischen Mannschaft. Praful Mehta und Shiraz Sumar waren die einzigen beiden tansanischen Spieler, die für das ostafrikanische Team teilnahmen. Vor dem Turnier schien die Teilnahme jedoch fraglich, nachdem Tansania damit gedroht hatte, seinen Spielern die Reise nach England aus Protest gegen die Südafrikatour 1974 der Rugbymannschaft British and Irish Lions zu verbieten. Die Teilnahme Ostafrikas galt als wichtiger Schritt für dieses Turnier, da die Teilnahme einer afrikanischen Mannschaft diesem erst den Status einer Weltmeisterschaft verlieh. Die zwei besten Cricketländer Afrikas, Südafrika und Rhodesien, beriefen ihre Spieler aufgrund ihrer „Rasse“ und wurden als Teil des Sportboykotts gegen Südafrika ausgeschlossen, woraufhin Ostafrika als Vertreter Afrikas teilnahm. Nach Aufwärmspielen gegen Somerset, Wales, Glamorgan und mehrere andere County Clubs traf es in der Vorrunde auf England, Indien und Neuseeland, unterlag jedoch in allen Spielen. Nach dem Turnier absolvierten die Ostafrikaner ein First-Class-Match gegen Sri Lanka auf dem County Ground in Taunton.

Im Jahr 1978 besuchte die Minor Counties Cricket Association für sieben Spiele Kenia, davon zwei gegen Ostafrika. Das erste Spiel mit 60 Over gewannen die Minor Counties mit acht Wickets. Ein geplantes Dreitagesspiel wurde abgesagt. Ostafrika nahm an den ICC Trophies der Jahre 1979, 1982 und 1986 teil, ohne sich jedoch für die Cricket World Cups 1979, 1983 und 1987 zu qualifizieren.

Das jährliche Turnier gegen Kenia und Uganda wurde fortgesetzt, obschon sich Kenia 1981 von der ostafrikanischen Mannschaft zurückgezogen hatte und fortan durch seine eigene Nationalmannschaft vertreten wurde. Dem Turnier der drei Mannschaften schloss sich 1966 Sambia an. Bis 1980 konnte Tansania dieses Turnier nur einmal gewinnen.

Ost- und Zentralafrikanische Nationalmannschaft

1989 verließ das ostafrikanische Team den ICC und wurde im selben Jahr durch die Ost- und Zentralafrikanische Nationalmannschaft ersetzt. Dieses Team bestand aus Spielern der Länder Malawi, Sambia, Tansania und Uganda. Es nahm 1990 erstmals an der ICC Trophy teil, ebenso 1994, 1997 und 2001, konnte sich jedoch nicht für die Cricket World Cups der Jahre 1992, 1996, 1999 und 2003 qualifizieren.

Nach der Eigenständigkeit