mini|Selbstporträt von Robert Kohl (um 1935) Robert Kohl (* 6. Februar 1891 in Wien; † 1944 im KZ Blechhammer) war ein österreichischer Maler und Grafiker.

Leben und Werk Kohl besuchte in Wien von etwa 1904 bis 1906 Malkurse und bewarb sich an der Wiener Akademie. Er wurde jedoch wegen „Talentlosigkeit“ abgewiesen und nahm dann an der Kunstgewerbeschule Wien an öffentlichen Aktkursen teil. Von 1912/13 studierte er an der Spezialschule für Graphik der Prager Kunstakademie bei August Brömse (1873–1925), einer „zentralen Figur des böhmischen Symbolismus“. In dieser Zeit schuf er u. a. Lithografien zu Grimmelshausens Simplicissimus. Danach arbeitete er in Leipzig als freischaffender Künstler. 1916 wurde er zum österreichischen Heer eingezogen, und er nahm bis 1918 im Schützenregiment Nr. 2 an der Alpenfront am Ersten Weltkrieg teil. Dabei erkrankte er, und er kam in ein Wiener Spital. Der Zusammenbruch der österreichisch-ungarischen Monarchie und die damit einhergehenden „grässlichen Verwesungserscheinungen…“, denen er „als unvermögender und ratloser Zuschauer…“ beiwohnen musste, verursachten ihm eine andauernde „Gemütsdepression“, die ihm das Arbeiten unmöglich machte. Erst „der Umsturz brachte ihm die entsetzliche Klärung der entsetzlichen Verwirrung“Arpad Weixlgärtner: Robert Kohl. In: Die Graphischen Künste, Wien, 1/1920, S. 76. Er ging zurück nach Leipzig und begann wieder intensiv künstlerisch zu arbeiten. U. a. schuf er sieben Lithografien zum Hamlet. Zufällig traf er den Sekretär des Leipziger Kunstvereins, Walter Werner, der ihm die Möglichkeit verschaffte, im Kunstverein Illustrationen zu Gedichten Johannes Thummerers, Federzeichnungen zu Grillparzers Schauspiel Der Traum ein Leben und Porträtstudien auszustellen. Der Erfolg der Ausstellung führte u. a. dazu, dass die Leipziger Kunsthalle P. H. Beyer & Sohn die von Kohl überarbeiteten Simplicissimus-Lithografien auflegte. Kohl arbeitete vor allem als Illustrator für Verlage in Leipzig und München. Ab Anfang der 1920er-Jahre war er insbesondere als freier Maler, Grafiker, Aquarellist und Zeichner tätig. Er schuf Stillleben, Landschafts- und Figurenbilder und Porträts. Seine Arbeiten wurden im Hagenbund und im Wiener Künstlerhaus ausgestellt. Von 1923/24 hielt Kohl sich in Frankfurt am Main auf, von wo er wieder nach Wien zog.

Kohl „zählte in der Zwischenkriegszeit zu den gefragtesten Porträtisten und Stilllebenmalern seiner Heimatstadt.“Leopold Museum. Österreichische Kunst des 19. Und 20. Jahrhunderts. Pestel Verlag, 2008 (Pestel Museumsführer), S. 97 Er wurde 1935 mit dem Julius-Reich-Preis ausgezeichnet.

Nach der Machtergreifung wurde er von den Nationalsozialisten als „entartet“ verfemt, und 1937 wurde im Rahmen der deutschlandweiten konzertierten Aktion „Entartete Kunst“ aus dem Museum der bildenden Künste Leipzig seine Druckgrafik In der Loge beschlagnahmt und vernichtet.Datenbank zum Beschlagnahmeinventar der Aktion „Entartete Kunst“, Forschungsstelle „Entartete Kunst“, FU Berlin

Kohl emigrierte 1938 nach Paris, musste seine Frau aber zurücklassen. Als diese ihm 1940 zu Ausstellungszwecken drei große Kisten mit Ölbildern, Aquarellen und Zeichnungen nach Paris schickte, gingen diese beim Beginn des Westfeldzugs der Wehrmacht verloren.

Nach der deutschen Besetzung Frankreichs ging Kohl nach Südfrankreich in die „freie Zone“ und bemühte sich weiter um seine Ausreise in die USA. Gefolgsleute des Vichy-Regimes inhaftierten ihn und lieferten ihn an die Gestapo aus. Diese verschleppte ihn in das KZ Blechhammer, wo sich seine Spur 1944 verliert.

Bilder Kohls sind im Kunsthandel präsent.Robert Kohl | Artnet

Museen und öffentliche Sammlungen mit Werken Kohl (unvollständig)

Dresden: Kupferstichkabinett Leipzig: Museum der bildenden Künste Leipzig: Stadtgeschichtliches Museum Wien: Albertina Wien: Wien-Museum Wien: Leopold-Museum

Weitere Werkbeispiele

Dame in Schwarz (um 1920, Öl, 101 × 75 cm)Abbildung in Österreichische Expressionisten. Malerei und Graphik 1905–1925. ISBN 90-804350-2-3, S. 173 Herrenporträt (um 1920, Öl, 97 × 74,5 cm) Mädchenbildnis (1922, Kreide und Kohle, 0,518 × 0,39 cm; Museum der bildenden Künste Leipzig) Landschaft mit Windrad (1922, Lithografie, 0,38 × 0,53 cm; Museum der bildenden Künste Leipzig) Straßenszene (1930, Öl, 77 × 87,5 cm)Abbildung in: Leopold Museum. Österreichische Kunst des 19. und 20. Jahrhunderts. Pestel Verlag, 2008 (Pestel Museumsführer), S. 97 Selbstporträt (um 1935, Öl auf Leinwand, 110 × 87 cm, links unten signiert „R. Kohl.“, rückseitig Ölbild (Stillleben mit Kakteen))Robert Kohl. Selbstporträt. In: galerie-albertina.at. Abgerufen am 8. April 2026. Männerkopf (Aquarell, 0,22 × 153 cm; Stadtgeschichtliches Museum Leipzig)Anmerkung: Das Bild entstand im KZ.

Postume Ausstellungen mit Werken Kohls (unvollständig)

1965: Leipzig, Museum der Bildenden Künste („500 Jahre Kunst in Leipzig“) 1998: Brüssel, Musée d'Ixelles („Österreichischer Expressionismus. Malerei und Graphik 1905–1925“; eine Ausstellung der Österreichi-schen Galerie Belvedere, Wien) 1998/1999: Klagenfurt, Stadtgalerie Klagenfurt (ebenso)

Literatur

Arpad Weixlgärtner: Robert Kohl. In: Die Graphischen Künste, Wien, 1/1920, S. 74–76

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Person (Cisleithanien) Kategorie:Maler (Wien) Kategorie:Grafiker (Österreich) Kategorie:Todesopfer in einem Konzentrationslager Kategorie:Österreicher Kategorie:Geboren 1891 Kategorie:Gestorben 1944 Kategorie:Mann