mini|Der Buckelwal in der Kirchsee, einer Bucht der Insel Poel (1. April 2026) Timmy, auch Hope oder Fridolin, war ein weiblicher Buckelwal (Megaptera novaeangliae), der am 3. März 2026 erstmals im Hafen von Wismar in der westlichen Ostsee gesichtet wurde. Wiederholte Strandungen und Rettungsversuche führten zu einem außergewöhnlichen Medienhype.
Ab dem 28. April 2026 wurde der Wal durch eine privat finanzierte Aktion in die Nordsee transportiert und vier Tage später im Skagerrak ins Meer gelassen. Am 14. Mai 2026 wurde er vor der dänischen Insel Anholt tot aufgefunden.
Name und Beschreibung Der Spitzname „Timmy“ bezieht sich auf die erste Strandung nahe Timmendorfer Strand. In anderen Medien wurde das Tier Hope („Hoffnung“) und in der Schweiz „Fridolin“ genannt.
Der Wal war 12,35 Meter lang, 3,2 Meter breit und 1,6 Meter hoch. Sein Gewicht von etwa zwölf Tonnen entsprach etwa der Hälfte des Durchschnittsgewichts eines ausgewachsenen Buckelwals. Geschätzt war er vier bis sechs Jahre alt.
Hintergrund mini|Die Lage der Meeresgebiete Skagerrak und Kattegat, die Nordsee und Ostsee verbinden und die Einwanderung von Walen ermöglichen
Die Ostsee gehört, wie andere Binnenmeere, nicht zu den Lebensräumen von Großwalen, die in allen Ozeanen vorkommen. Nur vereinzelt gelangen Buckelwale, Finnwale, Zwergwale, Narwale und Pottwale durch die Meeresgebiete Skagerrak und Kattegat, den Großen oder Kleinen Belt oder den Öresund in die Ostsee.
Strandungen von Walen kommen weltweit vor. Ursachen können sowohl Unerfahrenheit bei Jungtieren als auch Versuche geschwächter Tiere sein, sich vor dem Ertrinken zu retten. Auch anthropogene Einflüsse wie Schiffsverkehr, Fischerei und Unterwasserlärm können eine Rolle spielen. In Mecklenburg-Vorpommern wurden bisher nur wenige Strandungen von Buckelwalen registriert, in den Jahren 2003, 2006 und 2018 mit tödlichem Ausgang.
Ereignisse mini|Karte der Lübecker und Wismarer Bucht
Am 3. März 2026 hatte sich der Wal im Hafen von Wismar in Stellnetzen verfangen, aus denen er von Wasserschutzpolizei und Feuerwehr befreit wurde. Das zunächst falsch als Finnwal identifizierte Tier wies großflächige Läsionen an seiner Haut auf. Am Abend desselben Tages konnte der Wal den Hafen noch selbstständig verlassen.
Strandung in der Lübecker Bucht Am 23. März 2026 strandete der Wal auf einer Sandbank vor dem Ort Timmendorfer Strand. Die dortigen Aktionen des als „Walflüsterer“ bekanntgewordenen Meeresbiologen und Aktivisten Robert Marc Lehmann wurden von verschiedenen Seiten kritisiert und ihm Selbstdarstellung vorgeworfen. Um den Wal zu befreien, wurde mit Baggern eine Rinne ausgehoben, über die er am 27. März 2026 wieder in tieferes Wasser gelangte.
Strandungen in der Wismarer Bucht Nachdem der Wal die Lübecker Sandbank verlassen hatte, setzte er in der Wismarer Bucht in seichtem Wasser erneut auf. Bei steigendem Wasserpegel schwamm er sich wieder frei. Später nahm er in etwa zwei Meter tiefem Wasser eine Ruheposition ein. Am Abend des 30. März 2026 verließ er wiederum selbstständig bei leicht steigendem Wasserstand diesen Standort. Einen Tag später nahm er vor der Insel Poel in der Kirchsee erneut eine liegende Position in seichtem Wasser ein. Experten wie der wissenschaftliche Direktor des Meeresmuseums Stralsund, Burkard Baschek, befürchteten einen baldigen Tod des Tieres.
Das zuständige Ministerium entschloss sich nach einer Prüfung, von Rettungsversuchen abzusehen. Das Verwaltungsgericht Schwerin wies vier Eilanträge von Privatpersonen ab, welche die Rettung erstreiten sollten. Diese seien aufgrund fehlender Antragsbefugnis unzulässig. Eine private Initiative der Unternehmer Walter Gunz und Karin Walter-Mommert legte ein Konzept zur Bergung des Wals vor, das von der Landesregierung genehmigt wurde. Dieses sah den Einsatz von Pontons und Hebevorrichtungen zu seiner Verbringung in tiefere Gewässer vor. Fachleute warnten jedoch vor den physiologischen Risiken für das Tier und sahen nur geringe Überlebenschancen.
mini|Rettungsaktion (18. April 2026)
Beförderung ins Skagerrak Mitte April 2026 begann eine neue, von Gunz und Walter-Mommert finanzierte private Rettungsaktion.
Nach entsprechenden Vorbereitungen wurde der Wal am 28. April 2026 mit Gurten und unter Einsatz einer Seilwinde zu einer Barge, einem mit Wasser gefüllten Lastkahn, gezogen. Das letzte Stück schwamm er ohne Hilfe in die Vorrichtung, die die Fortuna B aus der Kirchsee in die Wismarer Bucht und weiter Richtung Nordsee schleppte.Buckelwal „Timmy“ schafft es in die Barge – entscheidender Moment im Video. In: merkur.de, 28. April 2026.
Am 2. Mai 2026 befand sich der Konvoi rund 70 Kilometer vor Skagen im Skagerrak. An dieser Position soll sich der Wal nicht mehr in der Barge befunden, sondern diese eigenständig verlassen haben. Drohnenaufnahmen vom Abend des 1. Mai 2026 zeigten jedoch einen Versuch, ein Seil oder einen Schlauch an der Schwanzflosse anzubringen, was Zweifel an der Freiwilligkeit des Ausschwimmens aufkommen ließ.
Verbleib und Zustand des Wals waren zunächst unklar, weil Peildaten von der privaten Rettungsinitiative nicht übermittelt wurden. Die spätere Auswertung des Trackers, der während des Transports am Wal angebracht wurde, ergab, dass er sich nach seiner Freilassung wieder Richtung Ostsee, nicht zur Nordsee bewegte. Womöglich habe er noch vier oder fünf Tage gelebt und 215 Kilometer zurückgelegt. Es sei aber auch möglich, dass er auf dieser Strecke bereits tot im Meer trieb.
Auffinden und Obduktion Am 14. Mai 2026 wurde der Kadaver eines Buckelwals vor der Insel Anholt im Kattegat entdeckt. Zwei Tage später bestätigten dänische Behörden die Identität mit dem aus Deutschland verbrachten Wal. Die Identifikation gelang anhand des gefundenen Trackers. Am 30. Mai 2026 wurde der Kadaver ans Ufer gezogen, um obduziert und zerlegt zu werden.Buckelwal-Kadaver in Dänemark an Land gezogen. In: Spiegel Online vom 30. Mai 2026, abgerufen am 30. Mai 2026.
Bei der Obduktion am 4. Juni 2026 stellte sich heraus, dass der Wal weiblichen Geschlechts war. Eine genaue Todesursache konnte vor Ort nicht ermittelt werden. Zur weiteren Untersuchung wurden Gewebeproben entnommen. Die Nieren waren zwar von Parasiten befallen, die jedoch nicht todesursächlich gewesen seien. Verletzungen konnten nicht festgestellt werden, was aber auch an der fortgeschrittenen Verwesung liegen könne. Im Maul und Magen des Kadavers fanden sich keine Netzreste oder andere Gegenstände.
Mehrere Bestandteile des Kadavers erhielt das Staatliche Naturkundemuseum Dänemarks, darunter die Flosse, Rückenwirbel und Beckenknochen. Der Rest wurde in einer Tierkörperverwertung unter anderem zu Biodiesel verarbeitet.
Reaktionen auf die versuchte Walrettung Angriffe und Einschüchterungsversuche Aufgrund der erfolglosen Rettungsversuche kam es zu verbalen Angriffen gegen beteiligte Helfer. Im Hafen von Kirchdorf auf der Insel Poel demonstrierten Anfang April 2026 rund 50 Menschen für verstärkte Maßnahmen zur Rettung des Wals. Mitte April 2026 drangen etwa zehn Demonstranten in einen abgesperrten Bereich ein. Sie mussten durch Polizeikräfte aus dem Sperrgebiet hinausgedrängt werden.
Politik
Die meeranrainenden deutschen Bundesländer planen, ein Konzept für künftige Walstrandungen zu entwickeln.
Die dänische Regierung erklärte, bei einer Strandung des Wals von Rettungsmaßnahmen abzusehen.
Polizeiliche Maßnahmen und Betrugsversuche Am 13. April 2026 wurden vor der Insel Poel von einem Privatunternehmen Pontons und ein Schwimmbagger bereitgestellt. Der Plan sah vor, zur Befreiung des Wals eine Rinne auszuheben. Der Einsatz wurde jedoch untersagt und die Geräte mussten unter Polizeibegleitung wieder abtransportiert werden. Dies wurde von Tierfreunden als unverhältnismäßig kritisiert.
Das Umweltministerium warnte vor betrügerischen Spendenaufrufen in sozialen Medien. Es seien auch manipulierte Inhalte verbreitet worden, die Expertenaussagen und Dokumente im Zusammenhang mit der Walrettung vorzutäuschen versuchten.
Umweltminister Till Backhaus stand nach Drohungen unter Polizeischutz. Ihm wurde vorgeworfen, die Rettungsversuche zu früh beendet zu haben.
Verschwörungstheorien Das Schicksal des Wals brachte Personen auf den Plan, die staatliche Stellen und Nichtregierungsorganisationen verdächtigten, Informationen zurückzuhalten oder ein Interesse an seinem Tod zu haben. Der Medienhype, vor allem in den sozialen Netzwerken, führte auch zu Mobilisierungsaufrufen durch rechtsgesinnte Akteure. Es formierten sich zudem Gruppen, die Kritik an Behörden und beteiligten wissenschaftlichen Institutionen äußerten, indem sie deren Expertise in Zweifel zogen. Sogar über eine militärische Nutzung des Wals oder seine absichtliche Fehllenkung gab es Mutmaßungen. Dem Deutschen Meeresmuseum wurde unterstellt, den Wal für ein Skelettpräparat opfern zu wollen.
Der Forscher Sebastian Bartoschek ordnete die Spekulationen als verschwörungstheoretische Narrative ein, die besonders bei Walen als emotional besetzten Tieren zu beobachten seien.
Staatsanwaltschaft Schwerin Laut einem Bericht des Spiegel vom 1. Juni 2026 wurde die Staatsanwaltschaft Schwerin mit einer dreistelligen Zahl an Eingaben aus ganz Deutschland überhäuft, darunter auch Strafanzeigen gegen Umweltminister Till Backhaus, die unbeteiligte Ministerpräsidentin Manuela Schwesig, die mit dem Transport des Wals Befassten und das Deutsche Meeresmuseum.
Kosten der Walrettung Eine Antwort der Landesregierung Mecklenburg-Vorpommern auf eine Kleine Anfrage vom 4. Juni 2026 bezifferte die bis dahin erfassten Sachkosten im Geschäftsbereich des Ministeriums für Klimaschutz, Landwirtschaft, ländliche Räume und Umwelt auf 47.390,01 Euro. Die Kosten setzten sich aus Übernachtungs- und Nebenkosten für Einsatzkräfte (1.302,50 Euro), Voruntersuchungen zur möglichen Bergung des Wals (17.253,81 Euro) sowie der Beschaffung von Spezialequipment (28.833,70 Euro) zusammen. In der Antwort der Landesregierung wurde darauf verwiesen, dass Operativkosten, beispielsweise Personal- und Transportkosten, nicht erhoben wurden.Landtag Mecklenburg-Vorpommern, Drucksache 8/6435, Antwort der Landesregierung auf die Kleine Anfrage „Buckelwal Timmy“, 4. Juni 2026, S. 2–4
Die tatsächlich entstandenen Kosten von rund zwei Millionen Euro wurden größtenteils von Karin Walter-Mommert, Besitzerin eines Trabrenn-Gestüts, und Walter Gunz, Gründer des Technikmarkts Mediamarkt, übernommen. Im Juli 2026 kam es zum Streit über die Kostenteilung. Walter-Mommert hatte die Aktion vorfinanziert. Angeblich zahlte Gunz nur 300.000 Euro, obwohl eine Kostenteilung von 60:40 ausgemacht gewesen sei. Laut Gunz habe es gar keine Vereinbarung gegeben. Er weigerte sich, weitere Zahlungen zu leisten.
Das Ministerium für Klimaschutz, Landwirtschaft, ländliche Räume und Umwelt stellte der privaten Rettungsinitiative eine Rechnung über 139.161,50 Euro. Vor der Aktion hätte sich das Ministerium mit ihr auf eine Haftungsfreistellungs- und Kostenübernahmeerklärung geeinigt, nach der sie sämtliche Kosten, auch der Behörden, übernimmt. Walter-Mommert und Gunz widersprachen der Forderung des Landes.
Kontroversen Peter Teglberg Madsen, Professor des Institutes für Biologie – Zoophysiologie der Universität Aarhus mit Forschungsschwerpunkt Wale und andere Meeressäuger,Akademische Publikationen, abgerufen am 30. Mai 2026.Professur 2010 (medarbejdere.au.dk), abgerufen am 30. Mai 2026 kritisiert die Rettungsversuche als „reine Tierquälerei“. Es habe sich zweifellos um einen kranken, entkräfteten Wal gehandelt, den man hätte in Frieden lassen sollen. Man habe stattdessen ein Tier, das noch nie in Gefangenschaft gelebt habe, tagelang in eine Metallkiste eingesperrt. Man solle sich freuen, dass wieder mehr Buckelwale in der Ostsee gesehen werden.