mini|Annie S. Swan (1906) mini|Werbeposter für einen von Swans Romanen, 1895 mini|Von links nach rechts: Helen Crawfurd, Janet Barrowman, Margaret McPhun, Mrs A. A. Wilson, Frances McPhun, Nancy A. John und Annie S. Swan, vor dem Ersten Weltkrieg mini|Gruppenfoto von Suffragetten in Glasgow (Swan vierte von rechts), 1910 mini|Annie S. Swan, 1918 Annie Shepherd Swan, als Annie S. Smith, David Lyall oder Mrs Burnett Smith veröffentlichend (* 8. Juli 1859 in Mountskip, Gorebridge, Midlothian; † 17. Juni 1943 in Gullane, East Lothian) war eine schottisch-britische Journalistin und Romanschriftstellerin. Als Autorin romantischer Unterhaltungsliteratur für Frauen brachte sie zwischen 1878 und ihrem Tod über 200 Romane, Fortsetzungsromane, Erzählungen und weitere fiktionale Werke zur Veröffentlichung. Sie gilt als „eine der kommerziell erfolgreichsten populären Romanautorinnen des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts“ bezeichnet worden. Swan war politisch aktiv und engagierte sich für das Frauenwahlrecht, als Aktivistin der Liberal Party sowie als Gründungsmitglied und Vizepräsidentin der Scottish National Party.
Leben Swan war eines von sieben Kindern von Edward Swan (1825–1893), einem Landwirt und Kaufmann, aus dessen erster Ehe mit Euphemia Brown (1830–1881). Sie besuchte Schulen in Edinburgh, zuletzt das Queen Street Ladies College. Ihr Vater gehörte einer Gemeinde der schottischen Evangelical Union an, sie selbst wandte sich jedoch im Erwachsenenalter der Church of Scotland zu. Bereits als Jugendliche schrieb sie beharrlich fiktionale Texte.
Ihre erste Veröffentlichung war Wrongs Righted (1881), das als Fortsetzungsroman in The People’s Friend erschien. Diese Zeitschrift betrachtete sie lange Zeit als die tragende Säule ihrer Karriere, auch wenn sie zu zahlreichen weiteren Periodika beitrug.
Der Roman, der ihren Ruf begründete, war Aldersyde (1883), eine im schottischen Grenzgebiet angesiedelte Liebesgeschichte, die wohlwollende Kritiken erhielt. Swan bekam ein handschriftlich signiertes Anerkennungsschreiben von Alfred Tennyson. Premierminister William Ewart Gladstone schrieb an The Scotsman, er halte das Werk wegen seiner „wahrhaft lebendigen Skizzen schottischen Charakters“ für „schön wie ein Kunstwerk“.
Spätere Erfolge wie The Gates of Eden (1887) und Maitland of Lauriston (1891) standen in der Tradition der Romane von Margaret Oliphant, die zugleich zu Swans Kritikerinnen zählte und ihr vorwarf, Schottland stereotyp und unrealistisch darzustellen. In einer Besprechung von Carlowrie (1884) ging Oliphant so weit zu erklären, Swan habe „eine völlig verzerrte Sicht auf das Leben in Schottland“. Wegen ihres dominierenden Einflusses auf das Magazin Woman at Home, bei dem Swan von 1893 bis 1917 Herausgeberin war, nannte der Chefredakteur W. R. Nicoll die Zeitschrift auch „Annie Swan’s Magazine“. Während ihrer Mitarbeit am British Weekly lernte sie S. R. Crockett und J. M. Barrie kennen, deren Werk – wie das ihre – wenig schmeichelhaft der Kailyard School zugerechnet wurde. „Kailyard“, schottisch für Hinterhof- oder Küchengarten, verweist auf Provinzialität und Sentimentalität.
Bis 1898 hatte Swan über dreißig Bücher veröffentlicht, überwiegend Romane, viele davon zunächst in Fortsetzungen. Daneben schrieb sie Gedichte, Erzählungen sowie Sachbücher mit Ratgeber‑, politischem und religiösem Inhalt. 1901 berichtete The Juridical Review, Swans Bücher seien unter weiblichen Gefängnisinsassinnen in Irland die beliebtesten. 1906 wurde sie in Helen Cecelia Blacks Notable Women Authors of the Day porträtiert. In D. H. Lawrences Sons and Lovers (1913) wird sie als Lieblingsschriftstellerin der Figur „Lily“ bezeichnet.
Swan hatte 1883 den Lehrer James Burnett Smith (1857–1927) geheiratet. Zunächst lebten sie in Star, Fife. Zwei Jahre später zogen sie nach Morningside in Edinburgh, wo Burnett Smith ein Medizinstudium aufnahm, und 1893 nach London, wo ihre beiden Kinder Effie (1893–1973) und Eddie (1896–1910) zur Welt kamen. In London pflegten sie Freundschaften und Nachbarschaften wie mit der Schriftstellerin Beatrice Harraden. 1908 zog die Familie nach Hertford; dort kam ihr Sohn Eddie im September 1910 bei einem Schusswaffenunfall ums Leben.
Swan war eine angesehene öffentliche Rednerin und engagierte sich in sozialen und politischen Anliegen wie der Abstinenzbewegung. Sie verfasste Bücher und Romane über die britische Frauenwahlrechtsbewegung, häufig unter dem Namen „David Lyall“, darunter Margaret Holroyd: or, the Pioneers (1910). Der Roman verfolgt in miteinander verwobenen Erzählsträngen den Weg der jungen Suffragette „Margaret Holroyd“ und behandelt zahlreiche reale Probleme, mit denen Suffragetten und Suffragistinnen konfrontiert waren, etwa Ablehnung durch Familie und Freunde, Angst vor öffentlichen Auftritten, körperliche Erschöpfung und ethische Dilemmata in einem aufrührerischen, teils militanten Umfeld.
Swan engagierte sich selbst in der Frauenwahlrechtsbewegung. Anfang März 1912 beteiligte sie sich zusammen mit über 100 anderen Frauen an einer militanten Protestaktion der Women’s Social and Political Union in Form von Einschlagen von Schaufenstern im Zentrum Londons. Die Frauen verbargen große Steine und Hämmer unter ihren Röcken und zerstörten in einer koordinierten Aktion Schaufenster in der Regent Street, der Oxford Street und in der Umgebung. Swan wurde zusammen mit mehreren anderen schottischen Frauen verhaftet und musste am 9. März 1912 vor dem Bow Street Magistrate erscheinen und wurde zu einer Haftstrafe verurteilt. Swan ist in der sogenannten Roll of Honour of Suffragette Prisoners der Suffragette Fellowship aufgeführt.
Während des Ersten Weltkriegs legte Swan ihr Herausgeberinnenamt nieder und engagierte sich freiwillig für die britischen Kriegsanstrengungen. Sie reiste auf eine moralstärkende Tour nach Frankreich und arbeitete mit belgischen Flüchtlingen. Im Januar 1918 besuchte sie die Vereinigten Staaten und kehrte nach dem Waffenstillstand Ende desselben Jahres erneut dorthin zurück. Dort traf sie Herbert Hoover, damals Leiter der US-Food Administration, hielt Vorträge über die Notwendigkeit der Lebensmittelersparnis an der amerikanischen Heimatfront und informierte die Öffentlichkeit über den britischen Kriegsbeitrag. Zwei erfolgreiche Theaterstücke, Getting Together von John Hay Beith und The Better ’Ole von Bruce Bairnsfather, wurden zu diesem Anlass verfasst. Während ihres Aufenthalts in den USA schrieb sie zudem das Buch As Others See Her: An Englishwoman’s Impressions of the American Woman in War Time (1919) über kulturelle Unterschiede zwischen Frauen in Großbritannien und den Vereinigten Staaten.
Swan war zeit ihres Lebens eine aktive Liberale. Kurz nach Inkrafttreten des Representation of the People Act 1918, der Frauen in Großbritannien das Wahlrecht einräumte, kandidierte sie als erste Frau bei der Unterhauswahl von 1922 im Wahlkreis Maryhill in Glasgow. Sie erhielt gut 13 % der Stimmen. Es gewann der Labour-Kandidat John William Muir mit gut 47 % der Stimmen, vor dem Kandidaten der schottischen Unionist Party mit knapp 40 % der Stimmen. Von 32 weiblichen Kandidatinnen bei dieser Wahl zogen lediglich zwei ins Parlament ein. Nach ihrer Niederlage erklärte die Women’s Freedom League, dass Swan und andere weibliche Kandidatinnen unter einem Verhältniswahlsystem wie in Irland, den Niederlanden und Deutschland gewählt worden wären.
Sie blieb politisch aktiv, wurde Gründungsmitglied der Scottish National Party und deren Vizepräsidentin.
Ab 1924 gab Swan eine weitere wöchentliche Penny‑Publikation heraus, The Annie Swan Annual. In dieser Zeit schrieb sie auch mehrere populäre Romane, darunter The Last of the Laidlaws (1920), Closed Doors (1926) und The Pendulum (1926). Nach dem Tod ihres Ehemannes im Jahr 1927 kehrte Swan nach Schottland zurück und ließ sich in Gullane, East Lothian, nieder. 1930 wurde sie für ihren Beitrag zur Literatur zur Commander of the Order of the British Empire ernannt.
Swans Ehemann starb 1927, und sie zog mit ihrer Tochter nach Gullane in East Lothian. In der Birthday Honours List von 1930 wurde sie für ihre literarischen und öffentlichen Verdienste zum Commander of the Order of the British Empire (CBE) ernannt.
Swans Autobiografie My Life erschien 1934 und wurde innerhalb eines Jahres sechsmal neu aufgelegt. Ihre letzte veröffentlichte Arbeit war der Artikel Testament of Age für Homes and Gardens im März 1943. Sie starb am 17. Juni 1943 im Alter von 83 Jahren in ihrem Haus in Gullane an einer Herzerkrankung.
Ihr Nachlass befindet sich in der Sammlung der University of Aberdeen.
Zwei Jahre danach erschien eine Sammlung ihrer persönlichen Korrespondenz, The Letters of Annie S. Swan (1945), herausgegeben von Mildred Robertson Nicoll. In den Jahren seit ihrem Tod ist Leben und Werk Swans von der Literaturwissenschaft nur wenig untersucht worden. Auf ihre literarischen Leistungen weisen Artikel wie Edmond Gardiners Annie S. Swan – Forerunner of Modern Popular Fiction (1974) und Charlotte Reids A Cursory Inspection to Annie S. Swan (1990) hin. Mehrere ihrer Romane sind neu aufgelegt worden.
Weblinks
Suchergebnis „Annie Shephard Swan“ im Internet Archive. Suchergebnis „Swan, Annie S.“ im Project Gutenberg.
Einzelnachweise
Kategorie:Autor Katgeoire:Journalist (Vereinigtes Königreich) Kategorie:Literatur (Englisch) Kategorie:Literatur (Vereinigtes Königreich) Kategorie:Literatur (19. Jahrhundert) Kategorie:Literatur (20. Jahrhundert) Kategorie:Roman, Epik Kategorie:Commander des Order of the British Empire Kategorie:Schotte Kategorie:Brite Kategorie:Geboren 1859 Kategorie:Gestorben 1943 Kategorie:Frau