mini|Rhoda Anstey, 1900 mini|Griechischer Tanz am Anstey College of Physical Education, Fotografie von Anstey, 1921 Rhoda Anstey (* 15. April 1865 in Tiverton, Devon; † 27. Februar 1936 in Marylebone, London) war eine englisch-britische Sportlehrerin, Schulgründerin und Suffragette. Sie gründete das Anstey College of Physical Education in Birmingham. Anstey setzte sich außerdem für eine Reformkleidung, Abstinenz und Vegetarismus ein.

Leben Anstey wurde am auf der Jurihayes Farm bei Tiverton, Devon, geboren. Sie war das siebte von neun Kindern und die zweite Tochter von John Walters Anstey und seiner Ehefrau Suzannah Elizabeth Anstey, geborene Manley. Sie besuchte von 1893 und 1895 das Hampstead Physical Training College der schwedischen Lehrerin Martina Bergman Österberg, später als Dartford College bekannt.

1895 gründete Anstey das Hygienic Home for Ladies, das erst zweite Ausbildungscollege für Frauensport in Großbritannien, auf dem Anwesen ihrer Schwester, New Cross Farm, South Petherton, Somerset. Sie beabsichtigte, weibliche Studierende aus der Mittelschicht für ihre Schule zu gewinnen. Bewerberinnen mussten entweder ein Certificate of Matriculation oder ein Oxford oder Cambridge Higher Local Certificate vorweisen. Zudem verlangte Anstey, dass das Alter der Studentinnen zwischen 18 und 28 Jahren lag.

1897 wurde diese Einrichtung durch das Anstey College of Physical Training abgelöst, das in The Leasowes in Halesowen, West Midlands, eingerichtet wurde. Das große Gebäude war der ehemalige Wohnsitz des Dichters und Gärtners William Shenstone und lag in einem 6,4 ha großen Gelände mit einem See. Anstey schuf eine eigene Identität für das College und gab ihm lateinische Motto Vis Atque Gratia Harmoniaque („Kraft gepaart mit Anmut und Harmonie“). Die Programme dauerten zwei Jahre und zielten darauf ab, Leibeserziehung als Mittel zur Befreiung des weiblichen Geistes zu fördern sowie die Studentinnen zu professionellen Gymnastiklehrerinnen und unabhängigen Frauen zu entwickeln.

Im Juli 1898 hielt Anstey gemeinsam mit einer Vorführung ihrer Studentinnen einen Vortrag über schwedische Gymnastik von Pehr Henrik Ling, über den in der Women’s Penny Paper berichtet wurde. 1899 war sie Gründungsmitglied der Ling Association und wirkte in deren Komitee mit. Diese Organisation wurde später zur Physical Education Association of the United Kingdom.

1907 verlegte Anstey ihr College erneut, diesmal nach Yew Tree House, Erdington, nahe Birmingham. Der Grund hierfür waren die besseren örtlichen Möglichkeiten für Unterrichtspraktika an weiterführenden Schulen in Birmingham. Sie lernte den örtlichen Zweig der Quäker-Industriellen und -Philanthropen-Familie Cadbury kennen. Margaret Cadbury gehörte zum zweiten Jahrgang von vier Absolventinnen. Anstey bildete Lehrkräfte aus, die das in der Arbeitersiedlung von Cadbury plc in Bournville errichtete Gymnasium und Schwimmbad betreuten.

1911 wurde die Anstey Old Students’ Association (AOSA) gegründet und Anstey zu ihrer Präsidentin ernannt. 1918 erweiterte sie ihre Kurse zu dreijährigen Programmen mit verlängerter Unterrichtspraxis und medizinischem Studium. Später im Jahr 1918 zog sie sich teilweise zurück und ab 1920 war sie gemeinsam mit Ida Bridgman Direktorin. 1927 folgte Marion Squire ihnen als Leiterin des Colleges nach. Anstey und Bridgman blieben bis 1930 als Ko‑Direktorinnen im Kollegium tätig. Die Institution blieb bis 1981 im Yew Tree House und das College bestand bis 1984.

Während ihrer Lehrtätigkeit wurde Anstey als „direkt in ihrem Auftreten“ und als „eine der radikalsten Persönlichkeiten innerhalb des Berufsstandes der Frauen‑Leibeserziehung“ beschrieben. Zugleich aber habe sie eine „mitfühlende Seite gehabt, die sich in Wohltätigkeit gegenüber mittellosen Studentinnen äußerte“.

Anstey setzte sich für das Frauenwahlrecht ein und war Gründungsmitglied der Gymnastic Teachers’ Suffrage Society, die im Januar 1909 gegründet wurde, und Mitglied der Women’s Social and Political Union (WSPU). Sie warb für ihre Kurse in der WSPU-Zeitung Votes for Women.

Am 19. Juni 1910 führte Anstey eine Gruppe ihrer Studentinnen nach London, um an einer von der WSPU organisierten Großdemonstration teilzunehmen. Sie ermutigte ihre Studentinnen zu politischem Engagement und pflegte ihnen zu sagen, dass „Frauen irgendwann das Wahlrecht erhalten würden und sie sich darauf vorbereiten müssten, es richtig auszuüben“.

Anstey beteiligte sich nicht an militanten Aktionen der WSPU, doch beim Zensus von 1911 nahm sie stellvertretend für ihr College am Boykott der Suffragetten teil. Auf ihrem Zensusformular schrieb sie: No Vote No Census! I protest against the injustice done to women rate‑payers by the continued refusal of the government to give them the vote, and hereby refuse to fill in the census forms for my household. Sie empfand diese Form des zivilen Ungehorsams als für sie vertretbar und bemerkte, dass „dieser Zensus‑Protest etwas ist, das ich tun kann, ohne jemandem außer mir selbst zu schaden“.

Später wurde Anstey aus demselben Grund auch Steuerverweigerin. 1913 berichtete The Vote über die Versteigerung von Besitzständen, unter anderem von ihr, wegen ausstehender Steuerschulden.

Anstey wurde zunächst aus gesundheitlichen Gründen ab 1890 zur Vegetarierin, später wurde der Vegetarismus eines umfassenderen Harmonie-Ideals. Sie steuerte Artikel zu Ernährung und Gesundheit zur Hygienic Review bei. Sie gründete und leitete Leasowes Hygienic Home and School of Physical Culture, das zum ersten Veranstaltungsort der Vegetarian Summer School wurde. Ihre Arbeit und Ansichten wurden 1898 in einem bebilderten Interview in The Vegetarian Messenger.

Anstey war außerdem Mitglied der Women’s Temperance Association und der Food and Dress Reform League.

Anstey zog nach ihrem teilweisen Rückzug aus dem Berufsleben nach Cheltenham, Gloucestershire. Sie starb am 1936 in Marylebone, London, und wurde auf dem Cheltenham Cemetery beigesetzt.

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