Martine Naffrechoux (* 1943) ist eine französische Soziologin und Senior Researcher (Chargée de recherche) an der Universität Paris VIII (Vincennes-Saint-Denis) im Fachbereich Soziologie.Naffrechoux, Martine (1943-....) auf idref.fr, abgerufen am 30. März 2026.

Leben Sie hat einen Mastertitel erworben und promovierte 1987 an der Universität Paris VIII in Soziologie.

Werk Sie wurde bekannt durch das Blau-Grün-Experiment mit Serge Moscovici und Elisabeth Lage zum Minoritäteneinfluss, das zu den klassischen Experimente in der Psychologie gezählt wird. Entgegen der Vorstellung, dass sich Menschen immer einer Mehrheit zuwenden, wie dies auf der Grundlage der Studien von Solomon Asch zu erwarten war, zeigte die Studie, dass eine numerische Minderheit in der Lage ist, die Entscheidungen einer Mehrheit zu ändern. In dem Experiment wurden Versuchspersonen gebeten, die Farbe von blauen Dias zu benennen. Eine eingeweihte Minderheit (zwei der sechs Gruppenmitglieder) behauptete jedoch konsequent, die Farbe sei „grün“. Wenn die Minderheit ihre Meinung konsistent vertrat, beeinflusste sie die Antworten der Mehrheit signifikant (0,25 % der Probanden bezeichneten die Folie in der Kontrollbedingung als grün, in der experimentellen Bedingung waren es hingegen 8,42 %), auch wenn die Minderheit offensichtlich falsch lag. Die Studie widerlegte die Annahme, dass ein Einfluss nur von der Mehrheit auf die Minderheit ausgeht und Konformität bewirkt; sie belegt, dass aktive Minderheiten sozialen Wandel und Innovation herbeiführen können, sofern ihr Verhalten konsistent und sicher wirkt.

Weitere ihrer Forschungsfelder betrafen die Kultursoziologie, wobei sie sich mit unterschiedlichen Formen der Lesekultur in verschiedenen sozialen Schichten befasste und dabei vorliegende statistische Daten und eine Auswahl von Umfragen neu interpretierte. Zudem betreute sie Arbeiten zur Soziologie des Alltags, beispielsweise zu Themen wie die Wahrnehmung von Wohnverhältnissen in Sozialbausiedlungen.

Publikationen (Auswahl) Monografien Comprendre sans lire: suivi de l'interview d'une illettrée par Marguerite Duras. Série Voies Livres (61 ), Lyon 1992. Lire: enquete sur la pluralite des mondes de la lecture (dt. Lesen: Eine Untersuchung der Pluralität der Lesewelten). Thèse de doctorat, Paris 1987.

Zeitschriftenartikel/Buchbeiträge Des lecteurs qui s’ignorent. Les formes populaires de la lecture. In: Bulletin des Bibliothèques de France, 1987, 32 (5), S. 404–419. Mit Serge Moscovici; Elisabeth Lage: Conflict in three-person groups: the relationship between social influence and cognitive style. In: Leon Rappoport; David A. Summers (Hrsg.): Human judgment and social interaction. Rinehard and Wiston, New York 1972. Mit Serge Moscovici; E. Lage: La minorité consistante: son influence sur les réponses de la majorité dans une situation de perception de couleur le conformisme et son biais. In: Claude Faucheux; Serge Moscovici (Hrsg.): Psychologie sociale theorétique et expérimentale: Recueil de textes choisis et présentés (S. 373–386). De Gruyter Mouton, Berlin 1971. Mit Serge Moscovici; E. Lage: Influence of a Consistent Minority on the Responses of a Majority in a Color Perception Task. In: Sociometry, 1969, 32 (4), S. 365–80. Des lecteurs qui s'ignorent. In: Bull. Bibl. France, 1967, 32 (5), S. 405–417.

Weblinks Martine Naffréchoux auf Research Gate, abgerufen am 30. März 2026.

Literatur Pascal Vallet; Jessie Dubief: Du métier de sociologue, les archives de L’œil à la page. ethnographiques.org, 2016, 32, abgerufen am 30. März 2026.

Einzelnachweise

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