Sylvilagus apollinaris ist eine nur wenig bekannte Art der Baumwollschwanzkaninchen (Sylvilagus), die in der Ostkordillere in den kolumbianischen Anden und den Gebirgen im äußersten Westen von Venezuela beheimatet ist.
Merkmale Die Tiere haben ein graubraunes Fell mit schwarzen Einsprenkelungen. Das ca. 20 mm lange Rückenfell ist agoutifarben, das heißt die Haare sind gebändert mit einer dunklen Basis, einem helleren mittleren Abschnitt und einer schwarzen Spitze. Zum Hinterteil hin wird die Färbung gelblicher. Die ca. 11 mm hohe Unterwolle ist weiß. Die Bauchseite ist weiß gefärbt. Im Nacken befindet sich ein großer, zimtfarbener bis rotbrauner Fleck, der länger ist als die sehr kurzen, dicht behaarten Ohren. Diese sind äußerlich grau mit einem schwarzen Rand. Die Innenseiten der Ohren sind weiß. Oberhalb der Augen befindet sich ein gut abgegrenzter weißer Streifen. Auch entlang des hinteren Randes der Wangen verläuft ein heller Streifen. Die Oberseiten von Vorder- und Hinterbeinen sowie der Vorder- und Hinterpfoten sind rötlich bis gelblich. Die Zehenspitzen sind weißlich. Der Schwanz hat die Färbung des Hinterteils, ist auf der Oberseite jedoch dunkler. Die Unterseite ist weiß.
Lebensraum mini|Espeletia-Stauden im Páramo de Guerrero in Kolumbien Sylvilagus apollinaris kommt in Kolumbien in Höhenlagen zwischen 1260 und 3000 Metern in den östlichen Anden vor. Das Verbreitungsgebiet reicht vom Departamento del Huila im Süden bis zum Departamento de Norte de Santander im Norden und wahrscheinlich darüber hinaus bis in die Cordillera de Mérida und die Sierra de la Culata in Venezuela. Dort gibt es ähnliche Kaninchen bis in Höhen von 4500 Metern. Das Verbreitungsgebiet und die morphologischen Variationen von S. apollinaris sind bisher kaum erforscht worden. Der Lebensraum der Art gehört zum Páramo (Vegetation), einer baumlosen, alpinen Hochlandsteppe, die von Rosettenstauden wie Espeletia und dem Johanniskraut Hypericum laricifolium dominiert wird. Daneben gibt es das Páramo-Grasland, das auf eiszeitlichen Ablagerungen vorkommt und von einem Mosaik von Pflanzengesellschaften gebildet wird. Dort wachsen Seggen und Straußgräser in feuchten Bereichen und andere Gräser in trockenen Gebieten.
Lebensweise Die Tiere bevorzugen vor allem die Gebiete, in denen die bis zu 1,5 Meter hohen Espeletia und Hypericum Deckung bieten und sie legen unter diesen Pflanzen ihren oberirdischen Nester an, zum Ruhen, dem Schutz vor Kälte und zum Gebären an. Die Nester werden aus Gräsern gebaut und sind komplexe oberirdische Strukturen, die aus mehreren Gängen und Kammern bestehen. In von Felsen geprägten Gegenden werden auch unterirdische Baue angelegt. In der Regel sind die Kaninchen territoriale Einzelgänger und bilden nur selten soziale Gruppen. Die Revier werden mit Duftdrüsen markiert, die sich an den Wangen und am Kinn befinden. Die Art pflanzt sich ganzjährig fort, mit einem Höhepunkt im März und April. Sylvilagus apollinaris ernährt sich je nach Verfügbarkeit von verschiedenen Pflanzenarten. Insgesamt wurden 67 Pflanzenarten gefunden, gefressen werden, aber meist werden nur zwischen drei und zwölf Pflanzenarten verzehrt, darunter das Reitgras Calamagrostis bogotensis, die Segge Carex volcanica und Muhlenbergia ligularis aus der Familie der Süßgräser.
Fressfeinde von Sylvilagus apollinaris sind der Puma, verwilderte Haushunde, das Langschwanzwiesel, die Anden-Ozelotkatze, die Sumpfohreule und der Andenbussard.
Systematik Die Kaninchenart wurde 1920 durch den britischen Zoologen Oldfield Thomas erstmals wissenschaftlich beschrieben. Spätere taxonomische Untersuchungen stuften sie jedoch in den meisten Fällen als Unterart des vermeintlich weit verbreiteten Tapetis (S. brasiliensis) ein. Nach detaillierten morphologischen Neubewertungen und umfassenderen systematischen Untersuchungen wird Sylvilagus apollinaris seit 2017/2019 wieder als gültige Art anerkannt.
Gefährdung Die IUCN listet Sylvilagus apollinaris nicht als eigenständige Art und macht keine Angaben zum potentiellen Gefährdungen. Die meisten Páramos sind durch Landwirtschaft und Viehweiden beeinträchtigt. Als Bedrohung gilt auch die zunehmende Erwärmung durch den Klimawandel.
Einzelnachweise Victor E. Diersing, Don E. Wilson: Systematic status of the rabbits Sylvilagus brasiliensis and S. sanctaemartae from northwestern South America with comparisons to Central American populations. Journal of Mammalogy 98 (6), 2017, S. 1641–1656. doi:10.1093/jmammal/gyx133 Common Tapeti. In: S.C. Schai-Braun, K. Hackländer: Family Leporidae (Hares and Rabbits) In: Don E. Wilson, T.E. Lacher, Jr., Russell A. Mittermeier (Herausgeber): Handbook of the Mammals of the World: Lagomorphs and Rodents 1. (HMW, Band 6) Lynx Edicions, Barcelona 2016, S. 120–121. ISBN 978-84-941892-3-4. Jose´ Manuel Mora: Bogotá Tapeti Sylvilagus apollinaris Thomas, 1920 in Consuelo Lorenzo Monterrubio, José Manuel Mora: Mammals of Middle and South America: Lagomorpha. Verlag Springer, 2026, ISBN 978-3-032-10768-8 Luis A. Ruedas, Sofia Marques Silva, Johnnie French, Roy Nelson Platt, Jorge Salazar-Bravo, José Manuel Mora, Cody W. Thompson: A Prolegomenon to the Systematics of South American Cottontail Rabbits (Mammalia, Lagomorpha, Leporidae: Sylvilagus): Designation of a Neotype for S. brasiliensis (Linnaeus, 1758), and Restoration of S. andinus (Thomas, 1897) and S. tapetillus Thomas, 1913. Februar 2017, Misc. Publ. Mus. Zool., Univ. Mich., Nr. 205 Luis A. Ruedas, Sofia Marques Silva, Johnnie H. French, Roy Nelson Platt, II, Jorge Salazar-Bravo, José M. Mora, Cody W. Thompson: Taxonomy of the Sylvilagus brasiliensis complex in Central and South America (Lagomorpha: Leporidae). Journal of Mammalogy 100 (5), 2019, S. 1599–1630. doi:10.1093/jmammal/gyz126 O. Thomas (1920): Two new species of Sylvilagus from Colombia. Annals and Magazine of Natural History (9)5(25):31-33.
Kategorie:Baumwollschwanzkaninchen apollinaris Kategorie:Endemisches Tier Kolumbiens