mini|Alexander Adriaenssen: Stillleben eines Tisches mit Geschirr, Käse, Wurst und Fisch. Museo del Prado, Madrid Alexander Adriaenssen (* vor dem 16. Januar 1587 in Antwerpen; † 30. Oktober 1661 ebenda) war ein niederländischer Maler, der sich auf Stillleben spezialisierte und heute als einer der bedeutendsten flämischen Stilllebenmaler des 17. Jahrhunderts gilt.
Leben Alexander Adriaenssen entstammte einer künstlerisch geprägten Antwerpener Familie. Sein Vater war der Lautenkomponist Emanuel Adriaenssen, und auch seine Brüder Vincent und Niclaes waren Maler. Seit 1597 war Alexander Lehrling bei Artus van Laeck. Im Jahr 1610 wurde er als Meister in die St.-Lukas-Gilde Antwerpen aufgenommen. Bei seiner Aufnahme wurde er als Waterschilder bezeichnet, was darauf schließen lässt, dass er damals großformatige Gemälde in Wasserfarbe auf Leinwand als Ersatz für teure Wandteppiche anfertigte. Im Jahr 1611 wurde die Erbteilung mit seiner verwitweten Mutter vollzogen, die nach ihrer zweiten Heirat nach Leiden gezogen war. Alexander erhielt seinen väterlichen Erbteil und übernahm die Vormundschaft über seine minderjährigen Brüder. Zwei Abrechnungen für diese Vormundschaft aus den Jahren 1615 bis 1621 sind im Waisenamt erhalten. Im selben Jahr heiratete er Maria Seeldrayers, mit der er sechs Kinder hatte: Elisabeth (1615), Peter (1617), Clara (1619), Emanuel (1620), Jakob (1623) und Katharina (1625). Als Taufpate von Peter wird der Maler Pieter Snayers genannt, als Taufpate von Emanuel sein Onkel Vincent sowie Isabella Brant, die erste Frau von Peter Paul Rubens.
In den Jahren 1626 und 1627 war Adriaenssen Teilhaber seines Schwiegervaters, des Tapissiers Abraham Seeldrayers. 1632 wurde er aufgrund seines väterlichen Erbes von seinem Stiefvater Hendrik Martin in einen Prozess verwickelt. Im selben Jahr wurde Philips Milcx als sein Lehrling in die St.-Lukas-Gilde aufgenommen. Zwischen 1632 und 1634 war Adriaenssen Mitglied der Rederijkerskamer der Violieren. Er wohnte 1616 in der Kolveniersstraat, ab 1623 auf dem Wapper als Nachbar von Rubens, der zwei Bilder von ihm besaß, und ab 1643 in der Lange Nieuwstraat.
Im Jahr 1635 bezahlte ihm die Stadtverwaltung 35 Gulden für die Malerei der Wappen der zwölf Provinzen an dem Triumphbogen, der anlässlich des Einzugs von Prinz-Kardinal Ferdinand errichtet wurde. In einer Notariatsakte aus dem Jahr 1656 bezeichnet er sich als Kunst- und Wappenmaler. Im Jahr 1650 malte er das Wappen des Ratsherrn Otto Biel auf Pergament. Im Jahr 1651 legte er gemeinsam mit dem Maler Pauwels Snellincx vor dem Notar eine Erklärung über den Verkauf von zwei Gemälden von Sebastian Vrancx durch einen sogenannten Levantin aus Brüssel ab. Frans Denys malte ein Porträt von Adriaenssens, nach dem Antoon van der Does einen Stich mit der Unterschrift Florum, avium et piscium pictor excellens anfertigte. In späteren Drucken wurde der Name Adriaenssens durch jenen von Antoon van Dyck ersetzt. Adriaenssens wurde in der Gruft seiner Großmutter in der Parochiekirche St. Jacob beigesetzt.
Werk mini|Alexander Adriaenssen; Stillleben mit Aal, Fisch, Austern und einer Katze. Museo del Prado, Madrid Alexander Adriaenssen spezialisierte sich ausschließlich auf Stillleben, insbesondere auf Küchenstücke. Er präsentierte eine Auswahl von Esswaren in einer stets künstlich stereotypen, aber dennoch harmonischen Komposition auf einer Tafel. Einzeln oder kombiniert dargestellt sind vor allem Fische, Schalentiere und Geflügel, aber auch Früchte, Gemüse, Wild, verschiedene Fleischsorten, Käse, Brot und Blumen. Als wiederkehrende Requisiten erscheinen ein venezianisches Weinglas, ein Römer, eine irdene Bauchkanne mit Zinndeckel, ein Kupferbehälter, ein Korb, Schüsseln aus Zinn und Steingut – darunter Delfter Ware –, ein Messer mit eingelegtem Griff sowie eine Katze. Hervorzuheben ist insbesondere seine Darstellung des Glanzes von Fischen und Austern, von Tropfen und Flüssigkeit in einem Glas, von saftigen Früchten sowie von weichem Gefieder bzw. Fell bei sanfter Helldunkelbeleuchtung. Neben Blumenbouquets in Varia-Stillleben sind auch vier einzelne, signierte Sträuße in Vasen bekannt.
Die Signatur – mit oder ohne Datum – befindet sich in der Regel an der Seitenkante der Tischplatte, am Gesims, am Tischbein oder am Schüsselrand. Sie lautet: „Alex Adriaenssen fe(cit) A° 16...“. Einzelne Stillleben mit dem Monogramm AA werden ihm ebenfalls zugeschrieben. Seine Ölbilder, die meist auf Holz und auch auf Leinwand gemalt wurden, sind heute in zahlreichen Museen und Privatsammlungen vertreten und tauchen regelmäßig im Kunsthandel auf. Von seiner Gelegenheitsproduktion als Wappen- und Wassermaler ist hingegen nichts erhalten.
Zu den musealen Beständen zählen Werke in Amsterdam (Rijksmuseum, zwei Bilder von 1632 und 1660), Budapest (Museum der Bildenden Künste, 1640), St. Petersburg (Eremitage, vier Bilder, darunter zwei von 1643 und 1647), Madrid (Prado), Philadelphia (Philadelphia Museum of Art, 1649), Prag (Nationalgalerie, 1647), Warschau (Nationalmuseum, zwei Bilder, eines von 1641), Wien (Kunsthistorisches Museum) sowie in Berlin, Darmstadt, Gent, Göteborg, Innsbruck, Moskau, Tournai und York.
Literatur Edith Greindl: Les peintres flamands de nature morte au XVIIe siècle. Bruxelles 1956. Jan Denucé: Bronnen voor de geschiedenis van de Vlaamsche kunst. Bd. I–V, Antwerpen 1931–1949. Marie-Louise Hairs: Les peintres flamands de fleurs au XVIIe siècle. Paris/Bruxelles 1955. Frans Jozef van den Branden: Geschiedenis der Antwerpsche Schilderschool. Antwerpen 1883. Godelieve Spiessens: Leven en werk van de Antwerpse luitcomponist Emanuel Adriaenssen (ca. 1554–1604). Bruxelles 1974. Godelieve Spiessens: Beitrag in: Miscellanea Jozef Duverger. Gent 1968, S. 275–288. Godelieve Spiessens: Beitrag in: Vlaamse Stam. 13, 1977. Théodore van Lerius: Biographie d’artistes anversois. Bd. 1, Antwerpen 1880.
De Gruyter (Hrsg.): Allgemeines Künstlerlexikon Online / Artists of the World Online. Berlin, seit 2009.
Weblinks
Eintrag im Rijksbureau voor Kunsthistorische Documentatie (RKD)
Einzelnachweise
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