Die 93rd Infantry Division () war ein infanteristischer Großverband der US-Armee in beiden Weltkriegen. Sie war gemeinsam mit ihrer Schwesterdivision, der 92nd Infantry Division, einer von zwei segregierten Großverbänden, die im Rahmen der Rassentrennung aufgestellt wurden und deren militärisches Personal zu einem großen Teil aus Afroamerikanern bestand. Im Ersten Weltkrieg erreichte die Division nie volle Stärke und war auch als Provisional 93rd Infantry Division () bekannt.

Erster Weltkrieg Die 93. Division wurde während des Ersten Weltkriegs auch als Provisional 93rd Infantry Division bezeichnet, da sie nie volle Stärke erreichte und ihre Regimenter nicht im vereinten Divisionsverbund agierten. Die Division bestand ausschließlich aus vier Infanterieregimentern. Drei dieser Regimenter waren auf segregierten Einheiten der Nationalgarde aufgebaut, während das vierte aus Wehrpflichtigen bestand. Da weiße Nationalgardisten die Zusammenarbeit mit schwarzen Regimentern verweigerten, beschloss die Armeeführung, die drei schwarzen Regimenter zu einer gemeinsamen Einheit zusammenzufassen und dieser Einheit ein viertes Regiment hinzuzufügen, um die übliche viergliedrige Struktur amerikanischer Infanteriedivisionen zu erhalten.

Aufstellung der Regimenter Aufstellung des 369. Regiments (15. New Yorker Nationalgarderegiment) Das 15. New Yorker Nationalgarderegiment unter Oberst William Hayward (der den Aufbau des Regiments im Jahr 1916 geleitet hatte), welches mit 54 Offizieren und 2053 Mannschaftssoldaten in die Armee übertrat, musste seine Rekruten ursprünglich auf den Straßen von New York City trainieren, da es dem Regiment an brauchbaren Unterkünften mangelte. Sowohl die New Yorker 6. Nationalgardedivision als auch die 42. „Regenbogen“-Infanteriedivision lehnten aus rassischen Gründen eine Zusammenarbeit mit dem neuen Regiment ab; die 42. Division ließ verlauten, dass schwarz ‚keine Farbe des Regenbogens‘ sei. Obwohl das Parlament von New York schon acht Jahre zuvor der Aufstellung eines afroamerikanischen Nationalgarderegiments zugestimmt hatte, war dieser Verband seinerzeit offiziell aus fiskalen Gründen durch Gouverneur Charles Evans Hughes blockiert worden. Für über 2000 Soldaten, die sich im Rahmen der Aufstellung von 1916/1917 einfanden, standen nur 250 Gewehre zur Verfügung.mini|Musikgruppe des 369. Regiments spielt unter Leitung von Leutnant James Reese Europe für amerikanische Verwundete, 1918 Das Regiment baute sich in großer Improvisation und ohne große Hilfe der Zentralregierung ein Netzwerk afroamerikanischer Unterstützer auf, zu dem auch eine 43-köpfige Musikkapelle um die späteren Jazz-Stars James Reese Europe und Noble Sissle gehörte. Europe begab sich im Mai 1917 nach San Juan (Puerto Rico), um dort Musiker zu rekrutieren.

Das Regiment, das noch unter seiner Nationalgardebezeichnung im Dezember 1917 in See stach, wurde im Januar 1918 in 369. Infanterieregiment umbenannt. Da Regimentszahlen in den 300ern mit Wehrpflichtigen assoziiert waren, blieb es im Regiment jedoch populär, die Ordnungszahl 15 des alten New Yorker Namens weiterzuverwenden. Das 369. Regiment wurde zum berühmtesten aller afroamerikanischen Regimenter des Ersten Weltkrieges; seine Soldaten waren auch als die „Harlem Hellfighters“ bekannt.

Aufstellung des 370. Regiments (8. Illinois-Nationalgarderegiment) Das 8. Illinois-Nationalgarderegiment, welches von allen Regimentern der späteren 93. Division den höchsten Anteil an schwarzen Offizieren hatte (was prompt das Misstrauen weißer Rassisten in den USA erregte), war in der Vorkriegszeit mit Abstand der größte afroamerikanische Verband der Nationalgarde gewesen. Das 8. Regiment hatte im Spanisch-Amerikanischen Krieg (1898) auf Kuba gedient. Das Regiment machte noch während seiner Ausbildung für den Fronteinsatz negative Schlagzeilen in den Südstaaten, da sich die Soldaten auf ihren Zugreisen durch Texas und Arkansas in Richtung Camp Logan bewusst über die Rassentrennung und die Jim-Crow-Gesetze hinwegsetzten. In Houston wurde einer der Soldaten von einem weißen Polizisten angeschossen und andere führten einen Streit über die Nutzung der segregierten Straßenbahn, in dem sie sogar von weißen Soldaten des 7. Illinois-Regiments gegen die weißen Südstaatler unterstützt wurden. Die Unruhen in Houston machten überregionale Schlagzeilen. Am 1. Dezember 1917 wurde das 8. Regiment offiziell zum 370. Infanterieregiment. Als sie in Newport News zur Einschiffung ankamen, begegnete ihnen Rassenhass von weiten Teilen der weißen Bevölkerung, da das Regiment in populistischen Zeitungen für die Unruhen in Houston verantwortlich gemacht worden war. Ungewöhnlich war, dass der gesamte Führungsstab des 8. bzw. 370. Regiments aus schwarzen Offizieren bestand, inklusive des Regimentskommandeurs Franklin A. Denison, der jedoch kurz nach der Verlegung seines Regiments nach Frankreich einer Intrige zum Opfer fiel und durch einen weißen Offizier ersetzt werden würde.

Aufstellung des 371. Regiments Da für die anderen Regimenter (369, 370, 372) die verfügbaren schwarzen Nationalgardisten aufgebraucht waren, musste für das vierte Regiment (371) auf schwarze Wehrpflichtige zurückgegriffen werden. Die meisten der Rekruten stammten aus North Carolina und South Carolina, denen eine kleine Zahl von Wehrpflichtigen aus Georgia, Florida und Alabama beigefügt wurden. Das Regiment wurde von zwei weißen Stabsoffizieren, Oberst Perry L. Miles und Oberstleutnant Robert M. Brambila, befehligt. Bis Oktober 1917 fanden sich 3380 Rekruten in Camp Jackson ein. Die Rassenbeziehungen der schwarzen Mannschaftssoldaten zu den vornehmlich aus den Südstaaten stammenden weißen Offizieren waren von Anfang an schlecht.

Aufstellung des 372. Regiments Das 372. Regiment wurde aus sechs kleineren Nationalgardeeinheiten (zwei Bataillonen, vier Kompanien) zusammengestückelt, indem das 1. Nationalgarde-Bataillon Washington, D. C. zum 1. Bataillon des Regiments (Kompanien A bis D) wurde, das 2. Ohio-Nationalgarde-Bataillon zum 2. Bataillon des Regiments (Kompanien E bis H) und die Maryland-Nationalgarde-Kompanie zur Kompanie I, die Tennessee-Nationalgarde-Kompanie zur Kompanie K, die Massachusetts-Nationalgarde-Kompanie zur Kompanie L und die Connecticut-Nationalgarde-Kompanie zur Kompanie M. Diese vier Kompanien bildeten gemeinsam das Bataillon 3./372. Dem Regiment standen mit Oberst Glendie B. Young und Oberstleutnant Albert W. Cole zwei weiße Stabsoffiziere vor, die zudem von weißen Hauptquartier-, Logistik- und Maschinengewehr-Offizieren unterstützt wurden, aber die Offiziere der zwölf Infanteriekompanien waren Schwarze. Dadurch hatte das Regiment eine gleichzeitig stärker durchmischte und stärker abgegrenzte Führungskultur als die anderen Regimenter.

Aufstellung der Division Im Januar 1918 befahl das US-Kriegsministerium formell die Fusion der vier Infanterieregimenter (369, 370, 371, 372) zur nunmehr aktivierten 93rd Infantry Division. Dabei bildeten das 369. und das 370. Regiment gemeinsam die 185. Brigade und das 371. und 372. Regiment die 186. Brigade. Die 185. Brigade stand unter dem Befehl von Brigadegeneral Albert H. Blanding, die 186. Brigade unter dem Befehl von Brigadegeneral John H. Harries. Den Divisionsstab führte ab dem 15. Dezember 1917 Brigadegeneral Roy Hoffmann. Da die Division nie vervollständigt und schnell in ihre Einzelregimenter geteilt wurde, war Hoffmanns Hauptquartier eine Formalität und übte wenig echte Kommandogewalt aus.

Der Divisionsstab stach am 18. Februar 1918 von Hoboken aus in Richtung Frankreich in See. Zeitgleich herrschte eine scharfe Debatte zwischen dem amerikanischen Oberbefehlshaber John J. Pershing und dem Generalstabsoffizier John Biddle, was überhaupt mit der 93. Division anzufangen sei. Pershing gedachte zunächst, die Afroamerikaner für Logistikdienste im Rahmen des United States Army Services of Supply (SOS) heranzuziehen, so wie es beim vorausgeschickten 369. Regiment bereits gehandhabt worden war, obwohl dies einen klaren Bruch des Versprechens darstellte, dass es sich bei den afroamerikanischen Divisionen um Kampfverbände handeln sollte. Im Februar änderte Pershing jedoch seine Meinung und entschied sich dazu, die vier Regimenter der 93. Division an die französische Armee zu überstellen, der von US-amerikanischer Seite schnelle Verstärkungen in der Stärke von vier Regimentern versprochen worden waren. Pershing würde später in seinen Kriegsmemoiren behaupten, stets vorgehabt zu haben, die vier Regimenter zeitnah zu einer amerikanischen Division zurückzubilden, aber es lassen sich keine Dokumente aus dem Ersten Weltkrieg finden, die diese Behauptung Pershings stützen würden.

Die vier Regimenter der 93. Division waren die einzigen US-amerikanischen Regimenter des Ersten Weltkrieges, die völlig in die französische Armee integriert wurden.

Integration in die französische Armee mini|Soldaten des 369. Regiments mit französischen Gewehren und Helmen proben den Grabenkrieg, Mai 1918 Da die französische Armee mit ihren eigenen Kolonialtruppen große Erfahrungen mit nichtweißen Verbänden gesammelt hatte, war die Integration afroamerikanischer Truppen in die französischen Reihen kein primär ethnisches Problem. Trotzdem ergaben sich eine Reihe administrativer Probleme, da die französische Armee in ihrer Regimentsstruktur und militärischen Ausrüstung anders aufgebaut war als das US-Heer. Die Springfield-Gewehre der Division mussten durch das weniger moderne Lebel Modell 1886 ersetzt werden, da die Munition der beiden Gewehrtypen miteinander nicht kompatibel war und da die Soldaten der 93. Division für ihren Munitionsnachschub künftig auf die Franzosen angewiesen sein würden. Sogar der Adrianhelm der französischen Armee wurde in die Division übernommen. Die für die französische Armee typische Rotweinration wurde den afroamerikanischen Soldaten (aber nicht ihren weißen Offizieren) schließlich gestrichen, da zu viele Divisionsangehörige den Wein sofort tranken, anstatt ihn wie in der französischen Armee üblich über den Tag zu verteilen.