Die Schwestern Szontagh ( Szontagh nővérek) waren Erzsébet Szontagh (* 23. September 1856 in Csetnek; † 1917) und Aranka Szontagh (* 14. Juli 1858 in Csetnek; † 21. Juli 1950). Sie gelten als die Erfinderinnen der Csetneker Spitze, die sie entwarfen, herstellten und vertrieben.
Werdegang mini|links|hochkant|Erzsébet Szontagh (um 1885) mini|rechts|hochkant|Aranka Szontagh (um 1885) Erzsébet und Aranka Szontagh waren die Töchter von Pál Szontagh (1821–1911), eines angesehenen Geschäftsmanns und Politikers in der Region Gömör, in der sie aufwuchsen und lebten. Nachdem ihre Cousine von einer Reise aus Paris zurückgekehrt war, machte sie diese mit der damals bedeutenden irischen Spitze bekannt, die mit einer speziellen Häkeltechnik hergestellt wurde. So entstand bei den Schwestern das Vorhaben, ein ungarisches Gegenstück zur irischen Spitze zu entwerfen und herzustellen, auch um den Frauen der Gegend durch die Herstellung der Spitze in Heimarbeit Arbeitsmöglichkeiten zu bieten.
Aranka Szontagh, die die Ungarisch-königliche Modellzeichenschule und Zeichenlehrerbildungsanstalt und anschließend die Wiener Akademie der bildenden Künste besucht hatte, begann mit der Anfertigung von Entwürfen. Viele der neuen Spitzenmuster basierten auf Pflanzenmotiven der traditionellen ungarischen Stickerei, wie Tulpen, Rosen, Kirschen, Granatäpfeln oder Blättern.
Die erste Kollektion wurde im Jahr 1905 fertiggestellt und ihre Produkte wurden im Dezember desselben Jahres im Museum für Angewandte Kunst präsentiert. In den folgenden Jahren wuchs das Interesse an ihren Produkten in anderen ungarischen Städten wie auch im Ausland. Nach dem Umzug in die Hauptstadt Budapest begannen sie, kostenlose Kurse zur Technik der Herstellung anzubieten und landesweit zu organisieren, wie etwa in Kecskemét, Temesvár oder Kolozsvár. Weiterhin schrieben sie ein Lehrbuch, das in den Jahren 1907 und 1908 in zwei Teilen erschien.
Im Jahr 1910 eröffneten sie ihr eigenes Geschäft in der Párizsi utca in der Innenstadt von Budapest, in dem Spitzenliebhaber die unterschiedlichsten Stücke bestellen und erwerben konnten. Ihre Produkte trugen den Markennamen Csetneki Magyar Csipke.
mini|Csetneker Spitze Nach dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs und in Folge sinkender Auftragszahlen mussten sie ihr Geschäft schließen und die Arbeiter entlassen. Erzsébet Szontagh starb 1917. Nach dem Krieg nahm Aranka Szontagh 1921 ihre Arbeit wieder auf und entwarf, dem Wandel der Mode folgend, neue Motive und neue Spitzenstile mit lockerer Struktur. Stücke mit Darstellungen von Menschen oder Tieren wurden zu dieser Zeit beliebter.
Aranka Szontagh starb 1950 und nach ihrem Tod geriet die Csetneker Spitze mehr und mehr in Vergessenheit, jedoch gibt es mittlerweile verschiedene Projekte, diese Handwerkskunst zu bewahren.
Werke der Schwestern Szontagh sind im Ungarischen Kunstgewerbemuseum in Budapest, im Csipkemúzeum in Debrecen sowie in Museen in den slowakischen Städten Rimavská Sobota und Rožňava zu sehen.
Schriften
Literatur
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