Die Liste der Stolpersteine in Weinstadt führt Gedenksteine auf, die im Rahmen des gleichnamigen Kunst-Projekts von Gunter Demnig in Weinstadt im Rems-Murr-Kreis bisher verlegt wurden. Mit diesen Stolpersteinen soll an Opfer des Nationalsozialismus erinnert werden, die in den damals selbstständigen Gemeinden und heutigen Ortsteilen von Weinstadt lebten und wirkten und unter dem NS-Regime ermordet, entrechtet oder zwangssterilisiert wurden. Die meisten Betroffenen starben als Opfer der sog. Aktion T4 in Grafeneck oder Hadamar.
Die Stolperstein-Projekte in Weinstadt werden befördert von der 2024 gegründeten Bürgerinitiative Stolpersteine für Weinstadt, vom Stadtarchiv Weinstadt, ehrenamtlichen Heimatforschern und den Angehörigen der Opfer.
Verlegte Stolpersteine Bisher wurden in Weinstadts Teilorten Endersbach, Großheppach, Schnait und Strümpfelbach am 15. Oktober 2025 und am 20. Februar 2026 insgesamt fünf Stolpersteine an fünf verschiedenen Adressen vom Künstler Gunter Demnig persönlich verlegt. Weitere Verlegungen sind im Herbst 2026 geplant.
Die Tabelle ist teilweise sortierbar; die Grundsortierung erfolgt alphabetisch nach dem Familiennamen des Opfers.
Stolperstein Inschrift Verlegeort Name, Leben120px HIER WOHNTE ALFRED HERBST JG. 1906 ZUR WEHRMACHT EINGEZOGEN AUS GLAUBENSGRÜNDEN KRIEGSDIENST VERWEIGERT HINGERICHTET 27.7.1943 BRANDENBURG-GÖRDEN Endersbach, Theodor-Heuss-Straße 21 wurde am 15. Dezember 1906 in Schriesheim bei Heidelberg geboren. Nach seiner Ausbildung zum Chirurgie-Mechaniker lernte er in der Stuttgarter Baptistengemeinde seine Frau Elise Petershans aus Endersbach kennen. 1935 heirateten sie und bekamen eine Tochter. Herbst war überzeugter Gegner des Nationalsozialismus und verweigerte aus Glaubensgründen Wehrdienst und Fahneneid. Am 25. Juni 1943 wurde er wegen Wehrkraftzersetzung zum Tode verurteilt und zum dauerhaften Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte. Die Hinrichtung durch das Fallbeil erfolgte am 20. Juli 1943 in Brandenburg-Görden120px HIER WOHNTE GOTTHILF EUGEN LENZ JG. 1916 EINGEWIESEN HEILANSTALT WINNENTAL KZ MAUTHAUSEN LAGER MELK ERMORDET 24.10.1944 Schnait, Silcherstraße 18 wurde am 15. April 1916 in Schnait geboren als Sohn eines Weingärtnerehepaars. In der Schule war der zurückhaltende, kontaktarme Junge ein Außenseiter. In einem Gutachten fällt der Begriff „autistisch“. Nach Beendigung der Schulzeit arbeitete er im Weinbaubetrieb seines Vaters. Das Verhalten des jungen Mannes wurde zunehmend auffällig. Bei der Musterung zur Wehrmacht wurde er als untauglich zurückgeschickt. Im Juli 1940 erfolgte seine Festnahme, nachdem er mehrfach mit dem Gesetz in Konflikt gekommen war. Das Gericht beschloss eine Untersuchung seiner psychiatrischen Probleme in der Heil- und Pflegeanstalt Winnental. Nach Feststellung seiner Schuldunfähigkeit wurde er zunächst freigesprochen, aber aufgrund des Gutachtens erneut nach Winnental eingewiesen. Lenz unternahm Fluchtversuche und versuchte das Gericht zur Entlassung zu bewegen. Ein weiteres Gutachten empfahl eine Kastration, deren Durchführung nicht belegt ist. Im März 1944 wurde Eugen Lenz in einem Häftlingstransport in das Konzentrationslager Mauthausen in Österreich überführt, wo er im Außenlager Melk Zwangsarbeit unter unmenschlichen Bedingungen in einer Stollenanlage verrichten musste. Dort verstarb er am 24. Oktober 1944.120px HIER WOHNTE FRIEDERIKE ANNA LINDER JG. 1889 EINGEWIESEN 1940 GUSTAV-WERNER-STIFTUNG GÖTTELFINGEN ‘VERLEGT‘ 7.5.1941 HADAMAR ERMORDET 7.5.1941 ‘AKTION T4‘ Großheppach, Prinz-Eugen-Platz 5 wurde am 21. April 1889 in Großheppach geboren. Die Eltern betrieben dort ein Schuhgeschäft. Anna hatte als Kind und Jugendliche Lernschwierigkeiten verbunden mit psychischen Problemen und konnte nicht eigenständig leben. Sie half aber nach ihrem Schulabschluss im kinderreichen Haushalt der Eltern. Nach deren Tod kam Anna dann in ein Heim der Gustav-Werner-Stiftung in Göttelfingen. Im Rahmen der Aktion T4 wurde Anna, nach einem Zwischenaufenthalt in Weinsberg, nach Hadamar transportiert und dort am 7. Mai 1941 in der Gaskammer ermordet.120px HIER WOHNTE EMMA WAHL JG. 1894 EINGEWIESEN 1938 STIFT OBERSONTHEIM 1941 WEINSBERG ‘VERLEGT‘ 4.4.1941 HADAMAR ERMORDET 4.4.1941 AKTION T4 Strümpfelbach, Hauptstraße 64 wurde am 7. Mai 1894 als fünftes von insgesamt sieben Kindern des Metzgermeisters Wilhelm Friedrich Wahl und seiner Ehefrau in Strümpfelbach geboren. Neben der Metzgerei gab es eine Schankwirtschaft. Nach dem Tod des Vaters 1928 lebte Emma, die als geistesschwach galt, bei der Mutter bis kurz vor deren Tod 1938. Da die Pflegschaft für Emma nach dem Aufbrauchen des kleinen Erbes nicht mehr bezahlt werden konnte, kam sie 1938 in ein Heim des Samariterstifts nach Obersontheim. Dort versuchte die Heimleitung zwar die Meldung arbeitsunfähiger Patienten an das Reichsinnenministerium hinauszuzögern, aber Obermedizinalrat Dr. Otto Mauthe befand fünf Personen für „lebensunwert“, darunter Emma Wahl. Zusammen mit drei Mitpatientinnen wurde sie am 14. März 1941 in die Königliche Heilanstalt für Geisteskranke auf dem Gutshof Weißenhof in Weinsberg verlegt. Am 4. April wurden sie von dort im Rahmen der Aktion T4 nach Hadamar gebracht und am selben Tag in der Gaskammer ermordet.120px HIER WOHNTE REINHOLD WILHELM JG. 1902 ZWANGSSTERILISIERT 1934 WAIBLINGEN ENTMÜNDIGT 1936 ÜBERLEBT Strümpfelbach, Bädergasse 7 wurde am 15. Oktober 1902 in Strümpfelbach geboren. Nach dem Schulbesuch arbeitete er in der elterlichen Landwirtschaft und als Bauarbeiter. 1927 wurde er aus nicht bekannten Gründen zunächst in das Bürgerhospital Stuttgart eingewiesen und war vom 22. September bis 13. Oktober in der Heilanstalt Christophsbad Göppingen wegen Schizophrenie in psychiatrischer Behandlung. Auf Wunsch der Angehörigen ungeheilt entlassen, wohnte er anschließend bei seinem Bruder Gottlob in Strümpfelbach. Aufgrund eines Beschlusses des Erbgesundheitsgerichts Waiblingen wurde er am 9. Oktober 1934 zwangssterilisiert, da er auf Grund eines amtsärztlichen Gutachtens schon seit seiner Jugend an Schizophrenie erkrankt sei. Anderthalb Jahre später wurde Reinhold Wilhelm entmündigt. Angestoßen hatte das Sterilisations-Verfahren eine Anzeige des NS-konformen Strümpfelbacher Bürgermeisters Willi Abel. Vom 22. Juli 1941 bis 2. März 1942 folgte ein Aufenthalt in der Heilanstalt Winnental. Nach Kriegsende führte Reinhold Wilhelm einen jahrzehntelangen Kampf um Rehabilitation und Wiedergutmachung. Das Entmündigungsurteil wurde zwar aufgehoben, aber Entschädigung gab es keine; denn der Personenkreis der Zwangssterilisieren war nicht in das Bundesentschädigungsgesetz aufgenommen worden.Erst 1980 gab es für Wilhelm aufgrund des Allgemeinen Kriegsfolgengesetzes eine Entschädigung von 5000 Mark.
Siehe auch Liste der Orte mit Stolpersteinen
Weblinks Bürgerinitiative Stolpersteine für Weinstadt Stolpersteine Guide (Weinstadt)
Einzelnachweise
Weinstadt Kategorie:Kultur (Weinstadt)