mini|Irina Lorez (2026) Irina Lorez (* 19. Februar 1968 in Luzern) ist eine Schweizer Tänzerin, Choreografin und Performancekünstlerin. Sie gilt als prägende Tanzschaffende der Zentralschweiz.

Leben und Ausbildung Irina Lorez wuchs in Luzern auf. Bereits mit 16 Jahren wurde sie aufgrund ihres künstlerischen Talents an die Hochschule für Gestaltung und Design Luzern aufgenommen (Vorkurs 1984/85). Ihre Leidenschaft galt zunächst der Malerei.

Ihre tänzerische Ausbildung begann 1985 mit einer sechsmonatigen Grundausbildung in Flamenco und klassischem Tanz an der Amor de Dios in Madrid. Von 1986 bis 1987 studierte sie an der Folkwang Hochschule in Essen, bevor sie von 1987 bis 1989 ihr Diplom als Tanzpädagogin am R.I.D.C. (Rencontres Internationales de la Danse Contemporaine) in Paris bei Françoise und Dominique Dupuy erwarb.

Während ihres elfjährigen Aufenthalts in Paris als Tänzerin und Choreografin vertiefte sie parallel ihre bildnerische Ausbildung und war Modell an der École des Beaux-Arts und an der Académie de la Grande Chaumière. Von 2020 bis 2022 absolvierte sie zudem ein Diplom als Tierkinesiologin an der Phoenix-Schule Riedholz. Lorez setzt sich für das Tierwohl ein, besonders das der Katzen.

Karriere Als Tänzerin und Choreografin Nach ihrem Abschluss in Paris wirkte Lorez in verschiedenen Compagnien: 1990/91 bei der Cie Annie Bourdie in Paris, 1991/92 bei Objets-Fax in La Chaux-de-Fonds sowie von 1992 bis 1997 bei der Cie Studio Laroche-Valière in Paris, wo sie auch als Probeassistentin von François Laroche-Valière tätig war. In dieser Zeit realisierte sie zahlreiche Soloperformances, darunter Entrepas (1993), Le Grain (1994) und Gehen (1997), das auch auf Schweizer Tournee ging.

1998 gewann sie beim Internationalen Solo-Tanz-Festival in Augsburg den Preis für die beste Premiere.

Kompanie Irina Lorez & Co Im Jahr 2002 gründete Lorez gemeinsam mit Daniel Schnüriger in Luzern die Kompanie Irina Lorez & Co. Die freischaffende Kompanie produziert seither regelmässig Solos, Gruppenstücke und Performances und gastiert in der Schweiz, Europa, Indien, den USA und Mexiko. In ihren Arbeiten steht die emotionale Bewegung gegenüber der rein tänzerischen im Vordergrund; Live-Musik spielt dabei eine zentrale Rolle.

Zu ihren bedeutenden Bühnenwerken zählen: 2002 Table Talk – Quintett, UG Luzerner Theater 2004 Body in Light – Trio, Tournee Schweiz und Residenz PACT Zollverein Essen 2009 Still (gefördert durch Compass Pro Helvetia) – internationale TourneeDas neue Tanzstück von Irina Lorez ist ein Erfolgsbeispiel aus der freien Szene. In: Neue Luzerner Zeitung. 8. November 2009 (PDF; 692 kB). 2014 How To Get High – Ekstase ohne DrogenEdith Arnold: Entrückter Tanz in magischer Klang- und Lichtkulisse. In: Neue Luzerner Zeitung. 24. Oktober 2014 (PDF; 2,1 MB). 2017 I-Guitar Songlines – Soloperformance mit E-Gitarre, Schweizer Tournee 2017 Tune In – multimediale Tanzperformance, Schweizer TourneeTune In im Südpol – eine multimediale Verführung. In: Luzerner Zeitung. Dezember 2017 (PDF; 2,2 MB).Eine multimediale Tanzperformance zum Akt des Lauschens. In: arttv.ch. Dezember 2017. 2020 Being Animal – Soloperformance mit Videoprojektion 2024/2025 Ich bin eine Katze – Virtual-Reality-Performance, Kleintheater LuzernSusanne Holz: Eigenwillig, freiheitsliebend, liebebedürftig: Wie ist es wohl, eine Katze zu sein? In: Luzerner Zeitung. 10. Januar 2024. 2025 The Beauty of Ugliness – multimediale Bühnenperformance mit Regen, Südpol LuzernEdith Arnold: Wenn die Tropfen voll abtanzen. In: Luzerner Zeitung. 15. Mai 2025 (via Website von Irina Lorez; PDF; 531 kB).

Neben Bühnenwerken realisierte Lorez zahlreiche ortsspezifische Performances, u. a. schlaflos in Hotelräumen (2005), Le Mannequin in Schaufenstern (2007) sowie Nouvelle Balkonage in einem Innenhof (2014).

Lorez choreografierte auch für andere Institutionen: für das Stadttheater Konstanz (Das Dschungelbuch, Regie: Anja Panse, 2011), für das Visionsgedenkspiel Vo Innä Uisä zum 600-jährigen Jubiläum von Niklaus von Flüe (Regie: Geri Dillier, Flüeli-Ranft OW, 19. August bis 30. September 2017)Beatrice Eichmann-Leutenegger: «Die Strahlkraft des Mannes im Ranft». In: Neue Zürcher Zeitung. 16. August 2017; «600 Jahre Niklaus von Flüe – Das Visionsgedenkspiel». In: arttv.ch. sowie für den Bollywood-Film Fever (Regie: Rajeev Jhaveri, uraufgeführt 2016, gedreht 2013)..

Als Performancekünstlerin trat Lorez 2016 und 2017 beim renommierten International Performance Art Festival Giswil auf, einem der ältesten Performancefestivals der Schweiz, das 1998 in der Turbine Giswil gegründet wurde.International Performance Art Festival Giswil auf performanceart-giswil.ch.

Beim fotografischen Projekt Knall im Hupi (2011), einer Zusammenarbeit mit der Fotografin Caroline Minjolle, wurden die Bilder im Tanz-Jahrbuch 2011 veröffentlicht und an den Schweizer Tanztagen Bern sowie im Südpol Luzern ausgestellt.Knall im Hupi – Fotos in Tanz-Jahrbuch 2011. Website von Irina Lorez, 8. September 2011.

Künstlerischer Ansatz Lorez setzt nach eigener Aussage existenzielle Themen um und versucht, durch die Verschmelzung verschiedener Kunstformen – Tanz, Schauspiel, Musik, Licht und Video – eine weitere Dimension zu erreichen. Ihr Tanz ordnet sich dem jeweiligen Thema unter und dient als Mittel, das Unsichtbare sichtbar zu machen.

Kollaborationen Im Laufe ihrer Karriere arbeitete Lorez mit zahlreichen Künstlerinnen und Künstlern aus Tanz, Musik, Theater und bildender Kunst zusammen. Ihr langjährigster musikalischer Partner ist der Musiker Domenico Ferrari, mit dem sie seit 2007 kontinuierlich zusammenarbeitet.

Ein weiterer langjähriger Kollaborationspartner war der mexikanische Tänzer und Choreograf Tonatiuh Diaz. Unter anderem arbeitete er als Gasttänzer bei der Berliner Kompanie DorkyPark. 2009 war Diaz als Tänzer und Choreograf massgeblich an der Entwicklung von Still (Irina Lorez & Co) beteiligt, das als Erfolgsbeispiel der freien Szene überregional wahrgenommen wurde.

Zu den bedeutenden Kooperationspartnern aus der internationalen Tanzszene zählen der US-japanische Butoh- und Theaterkünstler Shinichi Iova-Koga, Gründer der Kompanie inkBoat (San Francisco), sowie der schweizerisch-amerikanische Choreograf Joshua Monten, der ab 2012 seine eigene preisgekrönte Kompanie in Bern aufbaute. 2018 kollaborierte Lorez mit der japanisch-amerikanischen Choreografin und Tänzerin Ayako Kato (Art Union Humanscape, Chicago) und dem Saxophonisten Urs Leimgruber beim Projekt IN MOTION im akku Emmenbrücke.

Im Bereich Musik kooperierte Lorez wiederholt mit dem Luzerner Saxophonisten Urs Leimgruber, einer zentralen Figur der europäischen Improvisationsmusik-Szene, sowie mit weiteren Musikern wie Marie-Cécile Reber, Günter Müller, Paul Giallorenzo und Lou Mallozzi.

Für den Kurzfilm «Dilemmas» (2021) der Innerschweizer Filmemacherin Thaïs Odermatt übernahm sie Spiel und Tanz.

Im Bereich Video und digitale Bühnenkunst arbeitete Lorez mit dem deutschen Medienkünstler und Regisseur Chris Ziegler (movingimages, Karlsruhe) zusammen, der seit 1994 am Zentrum für Kunst und Medien (ZKM) in Karlsruhe tätig ist und für seine immersiven, interaktiven Tanzproduktionen international bekannt ist – u. a. durch seine Arbeit mit William Forsythe und Wayne McGregor. Ebenfalls im Bereich Videodesign kooperierte sie mit Kevin Graber («Tune in», 2017, «Ich bin eine Katze», 2024/2025, «The Beauty of Ugliness», 2025).

Auszeichnungen und Förderungen 1998, Preis für beste Premiere, Internationales Solo-Tanz-Festival Augsburg 1998, 2000, 2011, Werkbeiträge von Stadt und Kanton Luzern 2006, Anerkennungspreis der Stadt Luzern 2007, Atelier-Stipendium Chicago (Sistercity Lucerne–Chicago, vier Monate) 2016, 2017, Werkbeiträge der Albert Koechlin Stiftung 2020, Werkbeitrag der Landis & Gyr Stiftung 2021, Recherchebeitrag der Albert Koechlin Stiftung

Vermittlung und Lehre Lorez unterrichtet seit den frühen 1990er-Jahren zeitgenössischen Tanz, Improvisation und Dance Trance, u. a. an der Kantonsschule Kollegium Schwyz (seit 2011). Von 2013 bis 2022 war sie Kulturbloggerin für das Online-Magazin zentralplus.ch.

Engagement in der Tanzszene 2016 gründete sie die Interessengemeinschaft professioneller Tanzschaffender der Zentralschweiz (IGTZ).IGTZ – Interessengemeinschaft Tanz Zentralschweiz. Von 2008 bis 2010 war sie im Vorstand des Forums Freies Theater (Vorläuferorganisation ACT Zentralschweiz respektive t. Theaterschaffen Schweiz).

Weblinks

Offizielle Website der Kompanie Irina Lorez & Co IGTZ – Interessengemeinschaft Tanz Zentralschweiz Fever – Bollywood-Film mit Choreografie von Irina Lorez

Einzelnachweise

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