Heinrich Hagen (* 1709 in Schippenbeil, Ostpreußen; † 1772 in Königsberg) war ein deutscher Apotheker und Hofapotheker in Schippenbeil und Königsberg (Preußen). Er gilt als der erste universitäre Apothekerausbilder in Königsberg und erhielt 1744 das Privileg für die Adler-Apotheke in Schippenbeil. Später übernahm er die Hofapotheke in Königsberg.Deutsches Apotheken-Museum: Privileg der Adler-Apotheke Schippenbeil (Sępopol). Abgerufen am 30. März 2026.Gelehrtenfamilie-Königsberg: Hofapotheker ab Heinrich Hagen. Stand 30. Dezember 2010. Abgerufen am 30. März 2026.

Leben

Herkunft und Ausbildung Heinrich Hagen wurde 1709 in Schippenbeil geboren. Seine Eltern, Gottfried Hagen (1663–1710), Ratsherr in Schippenbeil und Christina Stendel (1668–1710) starben bereits ein Jahr nach seiner Geburt bei einem Pestausbruch. Daraufhin wurde er von seinem Onkel, dem Apotheker, Ratsherrn und Richter Gottfried Stendel (1672–1737), erzogen. Stendel ließ seinen Neffen in den Hofapotheken von Thorn und Königsberg ausbilden. Nach einem Studium in Berlin legte Hagen dort seine Apothekerprüfung ab. Heinrich wurde der Begründer der Hagenschen jüngeren Linie, die ältere Hagensche Linie wurde von seinem Bruder Heinrich Hagen (1669–1731) gegründet. Die weiteren Vorfahren reichen bis ins 16. Jahrhundert zurück und sind als Patrizierfamilie, Hausbesitzer und Bürger der Hansestadt Lübeck nachweisbar.Siegfried Hagen: Dreihundert Jahre Hagen'sche Familiengeschichte. Kassel 1938.

Apotheker in Schippenbeil 1728 kehrte Heinrich Hagen in die Apotheke seines Onkels in Schippenbeil zurück und übernahm bereits mit 19 Jahren die Leitung. Nach Stendels Tod im Jahr 1737 ging die Adler-Apotheke sowie das Vermögen des Onkels auf Hagen über. Am 5. Oktober 1744 erhielt er von König Friedrich II. von Preußen ein „Privilegium privativum“, das die Hagen'sche Apotheke zur Hofapotheke in Schippenbeil machte – eine zweite Apotheke sollte nach dem Tod ihres Besitzers geschlossen werden. Hagen genoss hohes Ansehen in der Stadt und wurde zum Ratsherrn gewählt.

Umzug nach Königsberg und Wirken als Hofapotheker 1746/47 kaufte Hagen die Königsberger Hofapotheke von seinem Schwiegervater, dem Hofapotheker Johann Georgesohn (1694–1752), und zog mit seiner Familie nach Königsberg. 1754 wurde er zum Assessor am Collegium medicum ernannt, 1757 zum „Königlich Preussischen Hofapotheker“.

Wissenschaftliche Tätigkeit Heinrich Hagen hielt bereits chemische Experimentalvorträge für Studenten der Albertus-Universität Königsberg, ohne jedoch eine offizielle Lehrbefugnis als Professor zu besitzen. Er veröffentlichte seine Arbeiten unter anderem in der Königsberg'schen Gelehrten- und Politischen Zeitung. Als Anerkennung für seine Untersuchung des Trinkwassers der städtischen Brunnen wurde er in die Gelehrtengesellschaft in Frankfurt (Oder) aufgenommen. Mit seiner Tätigkeit legte er den Grundstein für die Verbindung der Apothekerausbildung mit der universitären Ausbildung, die später von seinem Sohn Karl Gottfried Hagen entscheidend ausgebaut wurde.

Familie Heinrich Hagen heiratete 1738 Marie Elisabeth Georgesohn (geb. 1723), die Tochter des Königsberger Hofapothekers Georgesohn. Das Paar hatte zwölf Kinder, darunter: Karl Gottfried Hagen (1749–1829), Hofapotheker, Universalgelehrter und Begründer der wissenschaftlichen Pharmazie als akademisches Fach. Friedrich Ludwig Hagen (1759–1846), Regierungs- und Konsistorialrat. Johann Heinrich Hagen (1738–1775), Apotheker am Kneiphof-Markt in Königsberg.

Nachwirken Die von Heinrich Hagen eingeleitete universitäre Apothekerausbildung in Königsberg wurde von seinem Sohn Karl Gottfried Hagen fortgeführt und auf ein wissenschaftlich-akademisches Niveau gehoben und etabliert. Die Hofapotheke Königsberg blieb bis in die 1930er Jahre im Besitz der Familie Hagen. Die Adler-Apotheke in Schippenbeil wurde 1904 von Axel Baumm übernommen und bestand bis 1945. Das Apothekengebäude am Marktplatz von Sępopol existiert heute noch.

Schriften Chimische Untersuchung derer Brunnen flüssenden und stehenden Wässer in Königsberg, vormahls in den wöchentlichen Frag-und Anzeigungs-Nachrichten bekannt gemacht, jetzt aber zusammen herausgegeben von Heinrich Hagen, Königl. Hofapothecker, des preussischen Collegii Medici Assessor. Königsberg 1757. Physisch-chemische Betrachtungen über den Torf in Preußen. Hartung, 1761. Von der Natur des Torfes, und von Zubereitung morastiger Gegenden zum Akerbau. Neue Buchhandlung, Bern 1762. (S. 84 f.) (In einer Sammelbindung mit einer Dissertation von Berchs/Hilsing erschienen). Physikalisch-Chymische Betrachtungen über die Herkunft und Abstammung des feuerbeständigen vegetabilischen Laugen-Salzes. J. D. Zeisens Witwe und J. H. Hartungs Erben, Königsberg 1769. Abhandlungen chemischen und physikalischen Inhalts. Hartung, Königsberg 1778. (posthum herausgegeben von seinem Sohn Karl Gottfried Hagen).

Literatur Peter Dilg: Hagen, Karl Gottfried. In: Wolfgang-Hagen Hein, Holm-Dietmar Schwarz (Hrsg.): Deutsche Apotheker-Biographie. Band I (A–L). Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 1975, S. 240f. Holm-Dietmar Schwarz: Hagen, Johann Heinrich. In: Wolfgang-Hagen Hein, Holm-Dietmar Schwarz (Hrsg.): Deutsche Apotheker-Biographie. Band I (A–L). Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 1975, S. 239f. Herbert Meinhard Mühlpfordt: Carl Gottfried Hagen und seine Hofapotheke. Königsberger Leben im Rokoko: Bedeutende Zeitgenossen Kants. In: Schriften der Herder-Bibliothek. Band 7, 1981, S. 53–72. Wolfgang Caesar: Karl Gottfried Hagen (1749–1829). In: Dietrich Rauschning, Donata von Nerée (Hrsg.): Die Albertus-Universität zu Königsberg und ihre Professoren. Duncker & Humblot, Berlin 1995, S. 389–396. Siegfried Hagen: Dreihundert Jahre Hagen'sche Familiengeschichte. Zusammengestellt auf Grund vorhandener Familienbücher, Akten, Dokumente und der Stammliste der ostpreussischen Familie Hagen. Kassel 1938.

Weblinks Deutsches Apotheken-Museum: Privileg der Adler-Apotheke Schippenbeil (Sępopol) Gelehrtenfamilie-Königsberg: Hofapotheker ab Heinrich Hagen Heinrich Hagen im Katalog der Deutschen Biographie Einzelnachweise

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