Das Bistum Münster () ist eine flächenmäßig nicht zusammenhängende römisch-katholische Diözese im Münsterland, im nördlichen Ruhrgebiet und am Niederrhein (Nordrhein-Westfalen) sowie im Oldenburger Land (Niedersachsen). Es ist als Suffraganbistum Teil der Kirchenprovinz Köln und seit 2024 das mitgliederstärkste katholische Bistum im deutschsprachigen Raum.
Sprengel Das Bistum Münster umfasst heute: in Westfalen die kreisfreien Städte Münster sowie Hamm nördlich der Lippe, die Kreise Borken, Coesfeld, Recklinghausen (einschließlich der ehemals eigenständigen Gemeinden Kirchhellen und Henrichenburg, jedoch ohne die Städte Gladbeck und Castrop-Rauxel), Steinfurt und Warendorf, den nördlich der Lippe gelegenen Teil des Kreises Unna (Städte Selm, Werne, nördliches Lünen) und aus dem Kreis Gütersloh die Stadt Harsewinkel, die Ortschaft Benteler (Ortsteil von Langenberg) und die Ortschaft Möhler (Gemeinde Herzebrock-Clarholz) sowie im Kreis Soest die Ortschaften Bad Waldliesborn (zu Lippstadt gehörig), Herzfeld und Lippborg. am Niederrhein die Kreise Kleve (einschließlich des Ortsteils Tönisberg der Stadt Kempen) und Wesel, Walsum (ehemalig Kreis Dinslaken) und die linksrheinischen Stadtteile Duisburgs (ehemalig Kreis Moers). (Das Gebiet entspricht dem kurzlebigen Regierungsbezirk Kleve.) in Niedersachsen den Offizialatsbezirk Oldenburg (verwaltet durch das Bischöflich Münstersche Offizialat), der dem ehemaligen Freistaat Oldenburg (zuvor Großherzogtum Oldenburg) entspricht. Zum Offizialatsbezirk gehören die kreisfreien Städte Delmenhorst, Oldenburg und Wilhelmshaven sowie die Landkreise Ammerland, Cloppenburg, jedoch ohne die Ortsteile Gehlenberg und Neuvrees der Stadt Friesoythe und ohne den Ortsteil Wachtum der Stadt Löningen, Friesland einschließlich der ostfriesischen Insel Wangerooge, Oldenburg (einschließlich der Ortsteile Stuhr, Moordeich und Varrel der Einheitsgemeinde Stuhr, jedoch ohne die Samtgemeinde Harpstedt), Vechta, jedoch ohne den Ortsteil Vörden der Gemeinde Neuenkirchen-Vörden und Wesermarsch (einschließlich Dedesdorf, Gemeinde Loxstedt).
Mit dem Bischöflichen Stuhl von Münster war bis 1803 auch eine weltliche Herrschaft verbunden, das Hochstift Münster. Es teilte sich in das Oberstift, welches etwa dem heutigen Münsterland entsprach, und das Niederstift, identisch mit dem heutigen Oldenburger Münsterland sowie dem Landkreis Emsland auf. Dabei war das Gebiet des weltlichen Bistums bis 1666 größer als das des geistlichen, da das Niederstift kirchlich zum Bistum Osnabrück gehörte.
Seit 1815 gehört der heutige Landkreis Emsland wieder zum Bistum Osnabrück, während das Oldenburger Münsterland Teil des Bistums Münster blieb.
Gliederung In Nordrhein-Westfalen gliedert das Bistum sich in drei Regionen, die aus insgesamt sieben Kreis- und einem Stadtdekanat bestehen, denen insgesamt 26 Dekanate angehören. Den Regionen steht jeweils ein Weihbischof als Regionalbischof ohne eigene Verwaltung und Jurisdiktion vor.
In Niedersachsen gliedert sich das Bistum in sechs pastorale Räume, die den Offizialatsbezirk Oldenburg mit Sitz in Vechta bilden. Diesem steht ein Weihbischof als bischöflicher Offizial vor, der in dieser Funktion im Gegensatz zu den Regionalbischöfen weitgehende Autonomie vom Generalvikariat in Münster hat.
Die bis zuvor bestehenden 34 Dekanate wurden zum 1. Januar 2026 aufgehoben. Unterhalb der Kreis- und Stadtdekanate des nordrhein-westfälischen Bistumsteils wurden 39, im Bischöflich-Münsterischen Offizialat 6 Pastorale Räume errichtet. Ab 1. Januar 2028 wird ein weiterer Pastoraler Raum Recklinghausen-Herten errichtet.
Region Coesfeld-Münster-Warendorf(Weihbischof Stefan Zekorn) Stadtdekanat Münster Pastoraler Raum Münster (Mitte) Pastoraler Raum Münster (Nord-West) Pastoraler Raum Münster (Süd-Ost) Kreisdekanat Warendorf Pastoraler Raum Ahlen Pastoraler Raum Ascheberg-Drensteinfurt-Sendenhorst Pastoraler Raum Beckum-Lippetal-Wadersloh Pastoraler Raum Beelen-Harsewinkel-Sassenberg Pastoraler Raum Ennigerloh-Oelde Pastoraler Raum Everswinkel-Ostbevern-Telgte Pastoraler Raum Hamm (Nord) Pastoraler Raum Warendorf Kreisdekanat Coesfeld Pastoraler Raum Billerbeck-Havixbeck-Nottuln-Rosendahl Pastoraler Raum Coesfeld Pastoraler Raum Dülmen Pastoraler Raum Lüdinghausen-Nordkirchen-Olfen-Selm-Senden Pastoraler Raum Lünen-Selm (Cappenberg)-Werne Region Borken-Steinfurt(Weihbischof Christoph Hegge) Kreisdekanat Borken Pastoraler Raum Ahaus-Gronau-Heek-Legden-Schöppingen Pastoraler Raum Bocholt-Isselburg-Rhede Pastoraler Raum Borken-Heiden-Raesfeld Pastoraler Raum Gescher-Reken-Velen Pastoraler Raum Stadtlohn-Südlohn-Vreden Kreisdekanat Steinfurt Pastoraler Raum Altenberge-Horstmar-Laer-Metelen-Nordwalde-Ochtrup-Steinfurt Pastoraler Raum Emsdetten-Greven-Saerbeck Pastoraler Raum Hopsten-Mettingen-Recke-Westerkappeln Pastoraler Raum Hörstel-Ibbenbüren-Lengerich Pastoraler Raum Neuenkirchen-Rheine-Wettringen Region Niederrhein-Recklinghausen(Weihbischof Rolf Lohmann) Kreisdekanat Kleve Pastoraler Raum Bedburg-Hau-Kalkar-Kleve-Kranenburg Pastoraler Raum Emmerich-Rees Pastoraler Raum Geldern-Issum-Kerken-Rheurdt-Straelen-Wachtendonk Pastoraler Raum Goch-Uedem Pastoraler Raum Kevelaer-Weeze Kreisdekanat Wesel Pastoraler Raum Alpen-Rheinberg-Sonsbeck-Xanten Pastoraler Raum Dinslaken-Duisburg (Walsum)-Hünxe-Voerde Pastoraler Raum Duisburg-West Pastoraler Raum Hamminkeln-Schermbeck-Wesel Pastoraler Raum Kamp-Lintfort-Moers-Neukirchen-Vluyn Kreisdekanat Recklinghausen Pastoraler Raum Bottrop (Kirchhellen)-Dorsten Pastoraler Raum Datteln-Oer-Erkenschwick-Waltrop Pastoraler Raum Haltern-Marl Pfarrei St. Antonius, Recklinghausen Pfarrei Liebfrauen, Recklinghausen Pfarrei St. Peter , Recklinghausen Pfarrei St. Antonius, Herten Pfarrei St. Martinus, Herten Offizialatsbezirk Oldenburg(Weihbischof und Offizial Wilfried Theising) Pastoraler Raum Cloppenburg-Löningen Pastoraler Raum Damme Pastoraler Raum Friesoythe Pastoraler Raum Oldenburg-Delmenhorst Pastoraler Raum Vechta Pastoraler Raum Wilhelmshaven
Bis zur Emeritierung von Weihbischof Dieter Geerlings im November 2017 bildeten die Kreisdekanate Coesfeld und Recklinghausen eine eigene Region, die dann aufgelöst wurde. Laut kirchlicher Statistik sank in allen Dekanaten im nordrhein-westfälischen Teil des Bistums zwischen 2014 und 2024 die Zahl der Katholiken.Bischöfliche Generalvikariat: Haushaltsplan Haushaltsjahr 2026. Bistum Münster – Nordrhein-westfälischer Teil. Münster 2025, S. 8: Katholikenentwickelung 2014 bis 2024 (pdf, abgerufen am 4. Februar 2026).
Kirchliche Einrichtungen mini|rechts|Wappen des Bistums Bistumsarchiv Georgskommende 19 48143 Münster
Diözesanbibliothek Überwasserkirchplatz 2 48143 Münster
Institut für die Geschichte des Bistums Münster (2004–2019) Kooperationsprojekt zwischen dem Bistum Münster und der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster.
Domplatz 23 48143 Münster
Forschungsstelle für die Geschichte des Bistums Münster Kooperationsprojekt zwischen dem Bistum Münster und der Universität Münster.
Domplatz 23 48143 Münster
Ausbildungsstätten Priesterseminar Borromaeum: Konvikt und Seminar zur Priesterausbildung Institut für Diakonat und pastorale Dienste im Bistum Münster: Ausbildungsstätte für Ständige Diakone und Pastoralreferenten
Verbund der Katholischen Erwachsenenbildung im Bistum Münster Soziale Akademie Franz Hitze Haus Landvolkshochschule Freckenhorst Katholisches Bildungszentrum Wasserburg Rindern
Jugendbildungsstätten im Bistum Münster Jugendburg Gemen Jugendhof Vechta
Vermögen und Finanzsituation Neben dem regulären Etat, über den Rechenschaft abgelegt werden muss, braucht das Bistum Münster über den „Bischöflichen Stuhl“ keine Rechenschaft abzulegen, solange keine öffentlichen Gelder darin verwendet werden. Die Höhe des Geldvermögens des Bischöflichen Stuhls betrug zum 31. Dezember 2017 rund 0,5 Millionen Euro. Darin nicht enthalten ist das Immobilienvermögen der Diözese, das in erster Linie dienstlichen Zwecken dient. Erstmals veröffentlichte das Bistum Münster seit seinem Bestehen seine Vermögensverhältnisse.
Der Haushaltsplan 2020 für den nordrhein-westfälischen Teil des Bistums Münster belief sich bei den Ausgaben auf 676,9 Millionen Euro.bistum-muenster.de: Haushaltsplan 2020 (PDF; 12 MB) S. 21.
Für 2025 rechnete das Bistum mit einem Defizit von 32,7 Millionen Euro, danach werde das Haushaltsdefizit wegen des demographischen Wandels eher noch wachsen. Das Bistum kündigte im Januar 2020 Personalabbau und personelle Veränderungen im Bischöflichen Generalvikariat und angeschlossenen Dienststellen sowie einen kurzfristig einsetzenden Spar- und Strategieprozess an.
Kultur und Sehenswürdigkeiten Kirchengebäude
Bistumszeitung Kirche+Leben ist die wöchentlich erscheinende Kirchenzeitung im Bistum Münster.
Büchereiarbeit Die Büchereien im Bistum Münster stehen allen offen – unabhängig von Alter, Nationalität oder Konfession.
Im Bistum Münster gibt es derzeit (Stand: Oktober 2020) etwa 400 Büchereien:Katholische Öffentliche Büchereien, abgerufen am 25. Oktober 2020. Katholische Öffentliche Büchereien in den Pfarrgemeinden, Katholische Büchereien in Krankenhäusern, Katholische Büchereien in Altenheimen und Heimen.
Hier halten über 5300 zumeist ehrenamtliche Mitarbeiter ein breitgefächertes Angebot bereit:
2,3 Millionen Medien – vom Buch bis hin zur DVD, 6000 Veranstaltungen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene, Zeit und ein angenehmes Umfeld für Gespräche über Literatur und andere Themen.
St.-Paulus-Dom
mini|Der St.-Paulus-Dom in Münster Die Mutterkirche ist der St.-Paulus-Dom im Herzen Münsters. Er ist bereits der dritte Dom an dieser Stelle. 1225 war die Grundsteinlegung für den heutigen Dom, welcher 1264 geweiht werden konnte. Während des Zweiten Weltkrieges wurde er stark zerstört, besonders betroffen war das ehemalige Hauptportal, welches nicht wieder aufgebaut wurde, sondern durch eine neue Wand mit runden in einem Kreis angeordnete Fenster ersetzt wurde. Die Weihe für den wiederaufgebauten Dom fand 1956 statt. Alle wichtigen Gottesdienste (z. B. Priesterweihen) finden in dem Dom statt. 1987 betete Johannes Paul II. an dem Grab des ehemaligen Bischofs von Münster Clemens August Kardinal von Galen. Von Galen liegt in der Ludgerus-Kapelle des Doms begraben. Sein Grab ist Anlaufstelle für viele Gläubige.
Geschichte
Mittelalter und Frühe Neuzeit links|mini|Das Bistum Münster um 1500 Für das mittelalterliche und frühneuzeitliche Münster in Westfalen sind zwei Entwicklungen, das Bistum und die Stadt betreffend, zu unterscheiden.
mini|Monasteriensis Episcopatus, 1645
Das durch Ludgerus, auch Liudger genannt, geordnete und von Karl dem Großen begründete Bistum blieb zunächst in der Verfügung der liudgeridischen, mit Werden verbundenen Bischöfe Gerfried (809–839) und Altfried (839–849). Der Ausbildung einer umfassenden Pfarrorganisation bis zum 10. Jahrhundert standen adlige und königliche (Frauen-)Stifte wie die in Liesborn (ab etwa 785) Vreden (ab etwa 839) und Freckenhorst (ab etwa 856) gegenüber. Das Hochmittelalter sah die münsterischen Bischöfe weitgehend auf der Seite des deutschen Königtums.
Münster ist in den Wirren des Investiturstreits (1075–1122) Opfer eines Angriffs des sächsischen Herzogs (und späteren römisch-deutschen Kaisers und römisch-deutschen Königs) Lothar von Supplinburg (1106–1137) geworden (1121). Als Wiedergutmachung überschrieb Lothars Mitstreiter Gottfried von Cappenberg, Graf des Dreingau, in dem darauf folgenden Jahr seine Besitzungen dem Bistum. 1252 erwarb das Bistum ravensbergische Gebiete um Meppen und Vechta.Gebhardt 7. Auflage Bd. 13, S. 79