mini|200px|João Lins Vieira Cansanção de Sinimbú (1874) João Lins Vieira Cansansão de Sinimbú, Visconde de Sinimbú (* 20. November 1810 in São Miguel dos Campos, Alagoas; † 22. Dezember 1906 in Rio de Janeiro) war ein Jurist und Politiker im Kaiserreich Brasilien, der unter anderem mehrmals Mitglied der Abgeordnetenkammer und des Senats war. Er fungierte zudem als Außenminister (1859 bis 1861), Minister für Landwirtschaft, Handel und öffentliche Arbeiten (1862 bis 1863, 1878 bis 1880), Justizminister (1863 bis 1864), Finanzminister (1878) und Kriegsminister (1879). Er bekleidete zwischen 1878 und 1880 das Amt als Premierminister sowie von 1887 bis 1880 als Präsident des Senats und wurde 1888 zum Vizegraf von Sinimbú erhoben.
Leben João Lins Vieira Cansanção de Sinimbú, Sohn von Manuel Vieira Dantas e Ana Maria José Lins, absolvierte nach dem Schulbesuch ein Studium der Rechtswissenschaften an der Academia Jurídica de Olinda, das er mit einem Bachelor (Bacharel em direito) beendete. Während eines Aufenthalts in Europa absolvierte er ein Studium der Rechtsmedizin und Chemie an der Universität Jena und schloss dort seine Promotion zum Doktor der Naturwissenschaften ab. Nach seiner Rückkehr war er als Richter und als Vizepräsident der Provinz Alagoas tätig. Er war Gründer der Konservativen Partei (Partido Conservador) in dieser Provinz. 1838 wurde er für die Provinz Alagoas erstmals Mitglied der Abgeordnetenkammer (Câmara dos Deputados) und gehörte dieser bis 1841 an, wobei er sich in dieser Zeit vor allem mit Agrarfragen befasste. Als Nachfolger von José Tavares Bastos war er zwischen dem 30. Oktober 1838 und seiner Ablösung durch Agostinho da Silva Neves am 3. November 1838 erstmals kurzzeitig Präsident der Provinz Alagoas. 1839 befriedete er die Provinz Alagoas und förderte die Verlegung der Hauptstadt nach Maceió. Als Nachfolger von Agostinho da Silva Neves fungierte er vom 10. Januar bis zum 18. Juli 1840 noch einmal als Präsident der Provinz Alagoas und wurde daraufhin von Manuel Felizardo de Sousa e Melo abgelöst, da sich die Regierungsführung jedoch schwierig gestaltete.
Er wurde durch Kaiserlichen Dekret (Carta imperial) am 16. Juni 1841 als Nachfolger von João Pedro da Silva Ferreira zum Präsidenten der Provinz Sergipe berufen und übte dieses Amt bis zum 1. Juli 1841 aus, woraufhin Joaquim Martins Fontes ihn ablöste. Er war 1843 Gesandter in Uruguay und gehörte von 1843 bis 1844 als Vertreter der Provinz Alagoas wieder der Abgeordnetenkammer als Mitglied an. Am 2. Dezember 1852 wurde er durch Kaiserliches Dekret als Nachfolger von Luís Alves Leite de Oliveira Belo zum Präsidenten der Provinz Rio Grande do Sul berufen und verblieb in dieser Funktion bis zu seiner eigenen Ablösung durch Luís Alves Leite de Oliveira Belo am 1. Juli 1855. Als Präsident von Rio Grande do Sul zeichnete er sich durch seine solide Verwaltung und die Aufrechterhaltung der Ordnung an den Grenzen aus. Er war zugleich zwischen 1853 und 1856 für die Provinz Alagoas abermals Mitglied der Abgeordnetenkammer. Er war ein Anhänger des britischen Parlamentarismus und ein Vermittler, der die Politik von Honório Hermeto Carneiro Leão, Visconde do Paraná verteidigte, die von Antônio Paulino Limpo de Abreu, Visconde de Abaeté abgelehnt wurde.
João Lins Vieira Cansansão de Sinimbú löste am 5. Juli 1856 Álvaro Tibério de Moncorvo Lima als Präsident der Provinz Bahia ab und verblieb in diesem Amt bis zum 21. Juni 1858, woraufhin Francisco Xavier Pais Barreto neuer Präsident dieser Provinz wurde. Als Präsident der Provinz Bahia führte er die Wahlreform durch und förderte unter anderem Handel und Landwirtschaft. 1858 wurde er erstmals Mitglied des Senats des Kaiserreichs (Senado do Império do Brasil), dem er nach seinen Wiederwahlen 1861, 1864, 1867, 1869, 1872, 1877, 1878, 1882, 1885 und 1886 als Vertreter der Provinz Alagoas bis 1889 angehörte. Am 10. August 1859 wurde er als Außenminister (Ministros das Relações Exteriores) in das Kabinett von Premierminister Ângelo Muniz da Silva Ferraz berufen und verblieb auf diesem Posten bis zum 2. März 1861. Im Außenministerium schloss er Verträge und Konventionen mit Frankreich, England, Deutschland, Venezuela und Peru ab. 1862 trat er der Progressiven Liga (Liga Progressista) bei sowie und distanzierte sich damit von den Historischen Liberalen (Liberais Históricos).
mini|Versammlung anlässlich der Blockade von Rio de Janeiro 1863 (Öl auf Leinwand von Victor Meirelles). Am 30. Mai 1862 übernahm er im Kabinett von Premierminister Pedro de Araújo Lima das Amt als Minister für Landwirtschaft, Handel und öffentliche Arbeiten (Ministro dos Negócios da Agricultura, Comércio e Obras Públicas) und behielt diese Funktion bis zu seiner Ablösung durch Pedro de Alcântara Bellegarde am 9. Februar 1863. Als Landwirtschaftsminister setzte er das Gesetz Nr. 157 vom 26. Juni 1862 in Kraft, das das bestehende Gewichts- und Maßsystem im gesamten Kaiserreich durch das französische metrische Einheitensystem ersetzte. Dieses Gesetz führte später zu Unruhen, die als „Quebra-Quilos“ (Gewichtsbrüche) bekannt wurden. Er löste andererseits alle landwirtschaftlichen Probleme, die einer schnellen und sicheren Lösung bedurften. Er gab klare Anweisungen zur Einwanderungsproblematik, zur Gründung von Kolonien und zur Förderung der chinesischen Einwanderung. Er war noch im Landwirtschaftsministerium, als die Blockade von Rio de Janeiro 1863, die sogenannte „Christie-Affäre“ (Questão Christie) stattfand. Die brasilianische Bevölkerung war empört und bereitete einen Angriff auf die englische Gesandtschaft vor. Sinimbu, der gewarnt worden war, begab sich zum Ort des Geschehens und konnte in einer patriotischen und mitreißenden Rede die Gemüter beruhigen und das Vertrauen der Bevölkerung in das entschlossene Handeln der Regierung stärken. Er wurde am 2. Juni 1863 im Kabinett von Premierminister Pedro de Araújo Lima Nachfolger von Caetano Maria Lopes Gama als Justizminister (Ministro da Justiça) und behielt dieses Amt bis zum 15. Januar 1864.
mini|200px|Wappen des Visconde de Sinimbú 1868 wurde João Lins Vieira Cansansão de Sinimbú Mitglied des Liberalen Zentrums (Centro Liberal), eine Partei, die 1868 von historischen Mitgliedern der Liberalen Partei und ehemaligen Mitgliedern der Progressiven Liga gegründet wurde. Am 5. Januar 1878 übernahm Paranaguá von Luís Alves de Lima e Silva von der Konservativen Partei (Partido Conservador ) selbst den Posten als Premierminister und bekleidete dieses Amt als Präsident des Ministerrates (Presidente do Conselho de Ministros) bis zum 28. März 1880, woraufhin sein liberaler Parteifreund José Antônio Saraiva zum Premierminister berufen wurde. In seinem Kabinett bekleidete er zwischen dem 5. Januar 1878 und dem 28. März 1880 erneut das Amt als Minister für Landwirtschaft, Handel und öffentliche Arbeiten und war als Nachfolger von João Maurício Wanderley vom 5. bis 13. Februar 1878 ferner kurzzeitig Finanzminister (Ministro da Fazenda), ehe Gaspar da Silveira Martins diesen Ministerposten übernahm. Am 6. Oktober 1879 übernahm er in seinem Kabinett außerdem von Manuel Luís Osório den Posten des Kriegsministers (Ministro da Guerra), den er ebenfalls bis zum 28. März 1880 behielt.
In der Sitzung vom 3. September 1885 ergriff er das Wort, als er gegen das Gesetz der Sechzigjährigen (Lei dos Sexagenários) kämpfte, das er als Komplott zur Verzögerung der endgültigen Abschaffung der Sklaverei in Brasilien ansah. Er wurde am 19. Mai 1887 Nachfolger des Liberalen Brás Carneiro Nogueira da Costa e Gama als 18. Präsident des Senats und war Präsident dieser Parlamentskammer bis zum 2. Juni 1888, woraufhin Antônio Cândido da Cruz Machado neuer Präsident des Senats wurde. Am 16. Mai 1888 wurde er zum Vizegraf von Sinimbú (Visconde de Sinimbú) erhoben. Sinimbú lebte am Ende seines Lebens in Armut, und die Regierung der Republik bewilligte ihm eine Rente, um seine Not zu lindern.
Veröffentlichungen Opinião acerca da instrução primária e secundária, („Stellungnahme zur Primar- und Sekundarbildung“), 1843 Notícias das colônias agrícolas suíça e alemã, fundadas na freguesia de São João Batista de Nova Friburgo, („Bericht über die in der Pfarrei São João Batista de Nova Friburgo gegründeten Schweizer und deutschen Landwirtschaftskolonien“), Typ. de Amaral e Irmão, Niterói 1852 Relátorio do Ministério da Justiça que se devia apresentar a Assembléia Geral Legislativa pelo respectivo Ministro e Secretário de Estado João Lins Vieira Cansasão de Sinimbu, („Bericht des Justizministeriums an die Generalversammlung, vorgelegt vom zuständigen Minister und Staatssekretär João Lins Vieira Cansasão de Sinimbu“), Typ. Nacional, Rio de Janeiro 1863 A verdadeira inteligência a dar-se à expressão Prédio, („Die wahre Bedeutung des Ausdrucks Gebäude“), 1876 Discurso pronunciado na primeira sessão do Congresso Agrícola, („Rede auf der ersten Sitzung des Landwirtschaftskongresses“), 1878 Relatório dos Negócios Estrangeiros, („Außenpolitischer Bericht“), 1879 Orçamento do Ministério dos Estrangeiros, („Haushaltsplan des Außenministeriums“), 1883
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Einzelnachweise
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