Carl Friedrich Wilhelm Adlich, bekannt als C. W. Adlich (* 30. September 1818 in Lübbersdorf bei Friedland, Großherzogtum Mecklenburg-Strelitz; † 14. Februar 1861 in Berlin), war ein Berliner Fotograf und Kunsthändler. Er gehörte zu den Pionieren des Fotodrucks.

Leben und Wirken Carl Wilhelm Adlich wurde am 30. September 1818 als Sohn von Friedrich Wilhelm Adlich (auch Adelich) und dessen Ehefrau Maria Elisabeth Dummert in Lübbersdorf geboren.Taufregister der evangelischen Pfarrgemeinde St. Marien in Friedland, Eintrag Nr. 71/1818 für Carl Friedrich Wilhelm Adlich; eingesehen auf ancestry.de am 27. März 2026.

Der Apothekersiehe: Allgemeiner Wohnungs-Anzeiger nebst Adress- und Geschäftshandbuch für Berlin, Band 3, 1858, S. 2, Digitalisat C. W. Adlich gründete 1855Allgemeines Adreßbuch für den deutschen Buchhandel, 1859, Erste Abtheilung, S. 2, Digitalisat ein „photographisches Atelier für klassische Kunst, Architektur und Portrait“ in Berlin in der Leipziger Straße 67.Anzeiger der Dioskuren für Kunst, Kunstindustrie und Literatur, 1. Jahrgang, Nr. 7, 1. Juli 1856, S. 72, Digitalisat Es bot die „Ausführung von Photographien nach der Natur, wie nach Werken der Malerei, Bildhauerkunst, Architektur und des Kupferstichs“ an.Anzeige. In: Die Dioskuren: deutsche Kunstzeitung, Jahrgang II., Nr. 6, 15. März 1857, S. 56, Digitalisat C. W. Adlich lässt sich bis 1860 in Berlin nachweisen.Wilhelm Dost unter Mitarbeit von Erich Stenger, Die Daguerreotypie in Berlin 1839–1860. Ein Beitrag zur Geschichte der photographischen Kunst. Verlag R. Bredow, Berlin, 1922, S. 103, Digitalisat: „Allgemeine Uebersicht. Verzeichnis der Daguerreotypisten usw. in Berlin 1839–1860. […] Name und Beruf: 2. Adlich, C. W., Photograph. Früheste Feststellung: 1856. Anschrift und Bemerkungen: Leipziger Str. 67, 1860 noch bestehend.“. Ab 1861 hatte dann Albert Grundner sein Fotoatelier in der Leipziger Str. 67, siehe Sibylle Ruth Schmidtsiefen, Die Fotografenfamilie Albert Grundner: 1854–1904. 50 Jahre Ateliergeschichte im Berlin des 19. Jahrhunderts. Diplomarbeit, Fachhochschule für Technik und Wirtschaft Berlin (FHTW), November 2007, online, S. 21: „Weiterhin konnte nachgewiesen werden, dass Albert Grundner sich ab 1861 unter eigenem Namen im neuen Atelier in der Leipzigerstraße 67 etablierte.“. S.a. S. 29: „Albert Grundner zog in sein neues Atelier in die Leipziger Straße 67, hier firmierte er für die Zeit von 1861 bis zum Sommer 1862.“Zur Nachweisbarkeit von C. W. Adlich in Berlin bis 1860 siehe auch: Adler – Albers In: Allgemeiner Wohnungs-Anzeiger nebst Adreß- und Geschäftshandbuch für Berlin, dessen Umgebungen und Charlottenburg, Ausgabe 1860, S. 3, Digitalisat: „Adlich, C. W. Photogr. Melchiorstr. 29“. Obwohl das Fotoatelier C. W. Adlich wohl nur von 1855 bis 1860 bestand, hat es eine gewisse Bedeutung in der Porträtfotografie und in der Entwicklung fotografischer Verfahren zum Druck von Bildern (Fotolithografie). Im Laufe der 1850er Jahre wurde die Daguerreotypie allmählich durch verbesserte fotografische Verfahren verdrängt, die ein Negativ erzeugten und Abzüge ermöglichten.Brian Coe: Das erste Jahrhundert der Photographie. 1800–1900. Gondrom, Bindlach 1986, ISBN 3-8112-0484-X, S. 19/20: „Das Daguerroetypie-Verfahren blieb in Europa bis zur Mitte der 1850er Jahre allgemein in Gebrauch; in den Vereinigten Staaten noch länger.“ S. a.: Institut für Auslandsbeziehungen (Hrsg.), Porträtfotografie in Deutschland 1850–1918, Ausstellungsserie Fotografie in Deutschland von 1850 bis heute, zusammengestellt von Claudia Gabriele Philipp, verantwortlich: Hermann Pollig, Nora Friedrich, Ostfildern bei Stuttgart, 1991, S. 7: „Sämtliche […] Verfahren aus der Frühzeit der Fotografie erlaubten keine direkte Reproduktion durch Abzüge. Entwicklungsgeschichtlich führten sie in eine Sackgasse und verloren ihre Bedeutung für die Bildproduktion im großen und ganzen um 1860.“ Das Atelier Adlich war unter den frühesten Berliner Fotostudios, die diese neuen fotografischen Verfahren anwandten.

Bereits im Jahr 1856 bot Adlich 150 bis 160 Fotografien verschiedener Kupferstiche von Raffael, Antonio da Correggio und Bartolomé Esteban Murillo an, „die im Kunsthandel überall circuliren.“Vermischtes. In: Bonner Zeitung, Sa., 30. August 1856, S. 3/4, Digitalisat Er erhielt von dem bekannten Kunstverleger Carl Muquardt aus Brüssel den Auftrag, Fotografien von Stichen von 30 Bildern von Peter Paul Rubens zu liefern.Vermischtes. In: Bonner Zeitung, Sa., 30. August 1856, S. 3/4, Digitalisat: „In Folge der ausgezeichneten Leistungen des Instituts [C. W. Adlich] ist demselben jetzt von der großen Kunsthandlung Muquardt in Brüssel der Auftrag geworden, die alten Stiche von 30 Rubensschen Bildern für ein Rubens-Album durch die Photographie zu liefern, eine künstlerisch eben so bedeutsame, als für die Berliner Leistungen ehrenvolle Aufgabe.“S.a.: Bonner Zeitung, 18. November 1857, S. 3, Digitalisat: „– (Berlin.) Aus Adlich's Atelier für Photographie, dessen Leistungen anerkannt zu den vorzüglichsten und umfassendsten auf diesem Felde gehören, wird demnächst ein Album von Copien berühmter Gemälde classischer Meister hervorgehen. Es soll in zwanglosen Heften erscheinen und jedes derselben vier Blätter enthalten, meist biblische Bilder nach Rafael, Tizian, Correggio, Rubens und Murillo. Das Heft (die beiden ersten werden noch vor Weihnachten ausgegeben) soll ungefähr einen Thaler kosten, das Blatt mithin 7½ Sgr., und jeder Abnehmer einer aus zwölf Heften bestehenden Serie erhält als Prämie eine große Photographie von etwa 15 Zoll Höhe und 10 Zoll Breite, die Copie eines Rafael oder Murillo nach eigener Auswahl. —“ Adlichs Fotografien von Kupferstichen nach Werken von Raffael, Murillo und anderen berühmten Meistern erhielten bei der Photographischen Ausstellung,Th. Whipson: Über die Ausstellung für Photographie zu Brüssel. In: Photographisches Journal. 7. Bd., 1857, S. 25–28, Photographisches Journal, Band 7, Nr. 4, Februar 1857, S. 27, Digitalisat: „Adlich aus Berlin hat sehr schöne Reproduktionen von Kupferstichen nach Raphael, Murillo und anderen berühmten Meistern eingesendet.“ die Bestandteil der Industrie-Ausstellung in Brüssel im Jahr 1856 war,Photographisches Journal, Band 5/1856, Nr. 12, S. 95, Digitalisat: „Photographische Ausstellung zu Brüssel. Zu Brüssel wird am 15. August d.J. eine industrielle Ausstellung eröffnet und selbe erhält eine Section für Photographie.“ eine lobende Erwähnung.Mittheilungen. Ausstellung zu Brüssel. Preis-Vertheilung. In: Photographisches Journal, 7. Band, Nr. 5, S. 34, Digitalisat Adlichs Kunstreproduktionen wurden auch von L. Haase & Co. vertrieben.Ralf-Rüdiger Targiel, Frankfurt (Oder) im Spiegel der Fotografien von L. Haase & Co. / Foto Fricke. Sutton-Verlag, ISBN 978-3-95400-008-1, S. 14. Siehe auch die Anzeige von L. Haase & Co. in: Börsenblatt für den deutschen Buchhandel, 18. März 1857, S. 15, Digitalisat: „[…] L. Haase & Co., General-Agenten des Photographischen Ateliers von C. W. Adlich, Lutze und Witte, Hofphotographen u. A.“

Adlich arbeitete in der zweiten Hälfte der 1850er Jahre daran, fotografische Negative durch Einätzung auf Stahlplatten zu fixieren, um die Fotografie mit der Stahlplatte als Druckstock vervielfältigen zu können (Heliogravüre).Vermischtes. In: Bonner Zeitung, 30. August 1856, S. 4, Digitalisat: „Herr Adlich, […], ist gegenwärtig mit Ausführung der Erfindung beschäftigt, die negativen Bilder, statt wie bisher auf Glastafeln, auf Stahlplatten zu fixiren und einzuätzen, und somit die Photographie zum Stahlstich zu verwenden.—“

C. W. Adlich entwickelte ein „Verfahren, Photographien auf Stein zum Abdruck zu übertragen“,Claude Keisch, Marie Ursula Riemann-Reyher (Hrsg.), Adolph Menzel, Briefe, 1856 bis 1880, Deutscher Kunstverlag, 2009, S. 804, Auszugsansicht also dafür, eine Fotografie als Lithografie zu reproduzieren.Die Reform. Ein Volksblatt, 17. März 1858, S. 2, Digitalisat: „In den von Herrn Adlich fortgesetzten Versuchen der Benutzung der Photographie zu lithographischem Druck sind bereits sehr hübsche Proben erzielt.“

Adlich fand eine Möglichkeit, fotografische Positive auf Glasplatten mit bis zu 20 Zoll (etwa 50 cm) Durchmesser aufzubringen, so dass man sich die betreffende Fotografie als Transparentbild (Diaphanie) vor das Fenster hängen konnte.Breslauer Zeitung. Morgenblatt, Nr. 57, 4. Februar 1858, S. 262, Digitalisat: „Eine andere sehr zierliche Erfindung [Adlichs] ist die Anwendung der Photographie zur Herstellung positiver Bilder auf Glas, die dann als Diaphanien benutzt werden können. Die Zeichung dieser Glasbilder ist so fein und schön, wie sie auf andere Weise schwerlich erzielt werden kann, und diese hübsche Zimmerzierde wird gewiß sehr beliebt werden. — Die Apparate dieses Ateliers [C. W. Adlich] stellen Bilder von 20 Zoll Durchmesser her.“

Adlich fertigte auch Porträtfotos von seinerzeit bekannten Musikern, Schauspielern, Wissenschaftlern usw. anBerliner Musik-Zeitung Echo, 8. Jahrgang, Nr. 3, 1858, So., 24. Januar 1858, S. 22, Digitalisat: „Der Photograph Adlich, bekannt durch seine rühmlichen Leistungen in der Reproduction von alten Stichen und Gemälden, hat seine Meisterschaft auch in der Portraitirung jungst bewiesen; er photographirte bekannte Celebritäten auf das Glücklichste. Aus der Reihe der Portraits heben wir hervor: Frl. Taglioni, Fiorentini, Bottesini, die k. Domsänger und mehrere hochgestellte Beamte. …“, darunter etwa den Schauspieler Theodor Döring und den Komponisten Jean Vogt. Am 13. Oktober 1858 fotografierte Adlich den Sprach- und Literaturwissenschaftler sowie Märchen- und Sagensammler Wilhelm Grimm.Jahrbuch der Brüder Grimm-Gesellschaft, Brüder Grimm-Gesellschaft Kassel, 1996, S. 96, Auszugsansicht

Im September 1858 erschienen in der photographischen Anstalt von C. W. Adlich in Berlin „Stereoskopische Ansichten von berliner und potsdamer Gebäuden, Denkmälern etc. sowol [sic] auf Glas als Papier.“Illustrirte Zeitung: Leipzig, Berlin, Wien, Budapest, New York, Nr. 795, 25. September 1858, S. 206, DigitalisatSiehe auch: Zweite Beilage zu den Berlinischen Nachrichten von Staats- und gelehrten Sachen, Nr. 219, 19. September 1858, Digitalisat: „Berlin. Versammlung der polytechnischen Gesellschaft den 16. d. M. [=16. September 1858] […] – Hr. Wackernagel zeigte Stereoskopbilder von großer Vollkommenheit aus dem Atelier von Adlich, Leipzigerstr. 115, vor. Dieselben lieferten den Beweis, daß es Herrn Adlich gelungen ist, diesen Zweig der Photographie auch bei uns heimisch zu machen –“

Ein breites Presse-Echo fand von Anfang Februar bis Mitte März 1858 die von Adlich erfundene Verwendung einer Fotografie als einer Art fälschungssicherem Wasserzeichen im Papier: „Im Altelier des Photographen Adlich zu Berlin, der sich bereits durch vielfache Versuche und neue Erfindungen in der Photographie ausgezeichnet hat, ist gegenwärtig die interessante Probe eines unnachahmbaren Papiers zu Werthzeichen etc. ausgestellt. Das Blatt aus Hanfpapier enthält eine beliebige photographische Zeichnung, die in seinen Stoff übergeht und unverwischbar ist. Die bisherigen Wasserzeichen im Papier hatten den Nachtheil, daß sie sich durch Pressung nachahmen ließen, wogegen das auf die angedeutete Weise photographirte Papier eine Grundlage für den photographischen oder Typendruck hergiebt, die alsdann nicht photographisch nachgemacht werden kann. Namentlich dürfte sich die neue Erfindung für Coupons, Wechsel u. s. w. eignen.“Nahezu gleichlautend in: Aschaffenburger Zeitung, 08. Februar 1858, Digitalisat; Wiener Neuigkeits-Blatt, 8. Jahrgang, Nr. 32, 10. Februar 1858, S. 124, Digitalisat; Fürther Tagblatt. General-Anzeiger für Fürth und Umgegend, 11. Februar 1858, S. 2, Digitalisat; Ansbacher Morgenblatt, 13. Februar 1858, S. 2, Digitalisat; Nordböhmischer Gebirgsbote, Nr. 7, 13. Februar 1858, S. 55, Digitalisat; Zweibrücker Wochenblatt, 02. März 1858, S. 2, Digitalisat; Die Reform. Ein Volksblatt, 17. März 1858, S. 2, Digitalisat