Inbetriebnahme: 8. Mai 1854 Stilllegung: 10. März 1966 Ausbau: eingleisig Art der Bahn: Montanbahn Betreiber: Wolfsegg-Traunthaler Kohlenwerks AG

Die Bahnstrecke Breitenschützing–Kohlgrube war eine oberösterreichische Montanbahn mit der selten verwendeten Spurweite von 1106 mm. Sie diente nahezu ausschließlich der Abfuhr von Braunkohle aus Hausrucker Revieren und wurde über viele Jahrzehnte von der Wolfsegg-Traunthaler Kohlenwerks AG betrieben.

Geschichte Vorgeschichte Der im Westen von Oberösterreich gelegene Hausruck war lange Zeit wirtschaftlich, sozial und kulturell durch den Abbau von Braunkohle geprägt. Es bestand eine Vielzahl von Abbaustätten.

Der Transport des geförderten Rohstoffes erwies sich als Hauptproblem des Betriebes, wobei der Transport mit Pferdefuhrwerken den Rentabilitätsberechnungen zufolge unwirtschaftlich war. Dieser hätte den Kohlepreis sehr verteuert. Die Erfahrungen der Eisenbahn Linz-Budweis mit dem Salztransport brachten die Lösung.

Eine der Kohlelagerstätten lag in Wolfsegg. Inhaber der Herrschaft war seit 1835 Graf Saint Julien-Wallsee, der mit der Wolfsegger Gewerkschaft im Kohlebereich unternehmerisch tätig war.

Privilegium Die Allerhöchste Entschließung vom 25. Januar 1853 mündete im „Erlass des Statthalters vom 29. März 1853, womit die an Franz Geyard Chevalier Saint Julien, Grafen von Wallsee,auch: Herr von Guyard, Graf von Saint-Julien und Walsée Verleihung eines PrivilegiumsPrivilegium hat hier die Bedeutung einer Eisenbahnkonzession zur Errichtung einer Pferde-Eisenbahn von Wolfsegg über Schlatt und Lambach zur Gmundner Eisenbahn zum Zwecke der Kohlenverfrachtung bekannt gemacht wird“. Dieser wurde im Landesgesetzblatt für Oberösterreich veröffentlicht. In diesem Erlass ist festgehalten, dass Graf Saint Julien am 1. Oktober 1852 im Handelsministerium eine Garantieerklärung abgegeben hatte, wonach er für etwaige Mehrkosten aufkommen würde, die durch die Montanbahn beim Bau der Westbahn entstehen könnten. Es war auch geregelt, dass die gesamte Bahnstrecke nach 50 Jahren an die Staatsverwaltung übergehen würde.

Bau, Pferde- und Schwerkraftbetrieb 1852/53 leitete der Verweser Peter Ludwig die Errichtung der Bahnstrecke. Mit dem 8. Mai 1854 wurde sie von der Wolfsegger Gewerkschaft des Grafen Graf Saint Julien-Wallsee eine 10,7 km langeEinige Quellen geben auch 11,4 km Länge an in Betrieb genommen. Die Strecke führte von der Station Breitenschützing, wo sie erst später einen Anschluss an Kaiserin Elisabeth-Bahn erhielt, hinauf nach Kohlgrube, einer 1794 gegründeten Bergwerkssiedlung in der heutigen Gemeinde Wolfsegg. Die Kaiserin Elisabeth-Bahn wurde wegen des Bergbaues im Hausruck mit einer anderen Streckenführung als ursprünglich geplant errichtet.

Die Spurweite betrug wie bei der Bahnstrecke Pferdeeisenbahn Budweis–Linz–Gmunden 1106 mm. Die Kohlebahn übernahm nicht nur die Spurweite der Pferde-Eisenbahn, sondern stützte sich auch sonst auf die Erfahrungen der Ingenieure dieses Projektes. Die veranschlagten Baukosten wurden erheblich überschritten und betrugen für den Abschnitt von Breitenschützing nach Kohlgrube 360.446 Gulden. Die Kosten für den Weiterbau nach Lambach wurden mit 313.000 Gulden veranschlagt. Dieser Betrag konnte vom Grafen Saint Julien nicht aufgebracht werden.

Wie die nahe gelegene Niederstrasser-Bahn konnte die Montanbahn für den Kohletransport ohne Kraftquelle auskommen. Aufgrund der kontinuierlich abschüssigen Strecke konnten beladene Kohlezüge talwärts Richtung Breitenschützing auch ohne Lokomotive rollen. Externer Antrieb wurde erst für die Bergfahrt benötigt und bestand bis 1877 aus Pferden.

1855 entstand durch Zusammenlegung der Gruben von Graf Saint Julien-Wallsee (Wolfsegger Gewerkschaft) einerseits sowie von Alois Miesbach und Salomon Rothschild (Traunthaler Gewerkschaft) andererseits die Wolfsegg-Traunthaler Kohlenwerks AG (WTK).

Im Jahr 1860 wurde die normalspurige Strecke von Linz nach Salzburg der Kaiserin Elisabeth-Bahn eröffnet. Damit war Breitenschützing auch an das Normalspunetz angeschlossen.

1871 erhielt das normalspurige Gleis der Kaiserin Elisabeth-Bahn zwischen Lambach und Breitenschützing eine dritte Schiene für die schmalspurige Kohlebahn. Mit diesem Dreischienengleis war die Montanbahn bis 1879 mit der ehemaligen Hauptstrecke der Schmalspurbahn zwischen Linz und Gmunden verbunden.

Dampfbetrieb mini|Lokomotive 'Traunthal' um 1910In den 1870er Jahren gab es entscheidende Verbesserungen im ganzen Hausruckrevier. Unter anderem wurden am 1. September 1877 im Wolfsegger Revier vier Dampflokomotiven mit je 45 PS in Betrieb genommen. Dies bedeutete das Ende des Pferdezuges von Breitenschützing nach Kohlgrube. Die Lokomotiven stammten von den Werken München und Linz der Firma Krauss & Comp.

In den 1880er Jahren wurde ein für den Lokomotivverkehr geeigneter Stollen von Kohlgrube nach Roßwald in Angriff genommen. Dieser 1884 fertiggestellte „eiserne Stollen“ wurde anlässlich des 40-jährigen Regierungsjubiläums am Geburtstag von Kaiser Franz Josef „Kaiser Franz Josef – Jubiläumsstollen“ genannt.

1903 ging die Bahn nach der entsprechenden Bedingung des Privilegiums an den Staat über, wurde jedoch nach Verhandlungen für weitere 50 Jahre an die WTK verpachtet.

Rationalisierung

mini|Verladeanlage mit Portalkran in BreitenschützingZur Rationalisierung wandte man im Jahr 1922 ein neues Verlade- und Transportsystem an. Die gebrochene Kohle wurde beim Brecher Kohlgrube durch Schüttung in eiserne Behälter verladen, von denen jeweils drei auf einem vierachsigen Flachwagen standen. Im Endbahnhof Breitenschützing errichtete man zwei Portalkräne. Die Kräne hoben die Behälter von den Schmalspurwagen ab und bewegten sie über bereit stehende Normalspurwaggons. Dort wurden sie mit Schwerkraft entleert. Waren bis dahin durch 50 Arbeiter rund 500 Tonnen Kohle am Tag händisch umgeladen worden, so konnten nun durch das neue System 14 Arbeiter 860 Tonnen am Tag umschlagen.

Beschränkt-öffentlicher Personenverkehr Im Jahr 1936 wurde ein beschränkt-öffentlicher Personenverkehr aufgenommen. Die Personenwagen wurden talwärts nur durch Schwerkraft bewegt, bergwärts aber lokomotivgeführten Kohlenzügen beigegeben. Dieser beschränkt-öffentliche Personenverkehr wurde im Jahr 1964 beendet.

Dieselbetrieb und Stilllegung Zuletzt führten Diesellokomotiven von Ruhrthaler die Kohlenzüge. Die Betriebseinstellung erfolgte am 10. März 1966 wegen Auskohlung des Reviers Kohlgrube.xibit.info

Besonderheit: Schwerkraftverkehr mini|Aus Originalteilen rekonstruierter Wagenkasten eines Schwerkraftzuges auf der Oberösterreichischen Landesausstellung 2006 „Kohle und Dampf“ Der Schwerkraftverkehr fand mehrfach die Aufmerksamkeit von Medien.

Die Illustrierte Kronen Zeitung berichtete 1942:

Durch einen Dokumentarfilm des Eisenbahn-Schmalfilmklub, Linz aus dem Jahr 1962 ist dokumentiert, dass Personenzüge auch damals noch zumindest teilweise im Schwerkraftbetrieb geführt wurden. Dieser Film wurde vom ORF bearbeitet und am 22. Februar 2013 in der Sendung Oberösterreich heute neu ausgestrahlt. Er ist in Oberösterreich als Lehrmittel zugänglich.

Unfälle und Vorfälle Im Jahr 1866 fand ein Unfall mehrfach Erwähnung in oberösterreichischen Zeitungen. „Ein altes gehörloses Bettelweib“ hatte die Gleise überschritten und wurde von einem Zug überrollt. Nach Verlust beider Beine verstarb sie wenige Stunden nach dem Unfall.

Im Jahr 1934 hatten unbekannte Personen Eisenlaschen und Schrauben an der Gleisanlage entfernt. Die Salzkammergut-Zeitung berichtete, dass „ein politischer Anschlag“ vorliege und „der Täter unerkannt entkommen“ sei.Ein Zusammenhang mit ähnlichen Vorfällen in dieser politisch sehr bewegten Zeit liegt tatsächlich nahe, ist aus der Quellensituation heraus aber nicht klärbar.

1954 berichtete die Innviertler Volkszeitung, dass zwei Personenwagen nach Bremsversagen auf einen in Friesam haltenden Kohlenzug auffuhren. Zwei Hausfrauen „wurden angeblich schwer verletzt und nach Wels in das Unfallkrankenhaus überführt.“

Fuhrpark

Lokomotiven Der Betrieb wurde überwiegend von Dampflokomotiven der Firma Krauss bestritten. Diesellokomotiven kamen erst ab 1956 zum Einsatz.

Hersteller Fabriknr./Jahr Bauart Herkunft / Anmerkungen Name Ausmusterung Dampflokomotiven Krauss/München 179/1871 B-n2t LORENZ Krauss/München 191/1872 B-n2t TRAUNTHAL Krauss/München 192/1872 B-n2t WOLFSEGG Krauss/München 237/1872 B-n2t LOTTE Krauss/München 110/1870 B-n2t 1877 ex Attnang–Thomasroith 1 Krauss/München 111/1870 B-n2t 1877 ex Attnang–Thomasroith 2 Krauss/München 134/1871 B-n2t 1877 ex Attnang–Thomasroith 3 Krauss/Linz 3929/1898 C-n2t ANDREAS 1966 Krauss/Linz 5867/1908 C-n2t ANNA Krauss/Linz 6831/1913 C-n2t JULIUS 1958 Krauss/Linz 1179/1921 D-n2vt Floridsdorf 9189/1941 C-n2t 1958 Diesellokomotiven Ruhrthaler 3420/1956 C-dm 1966 Ruhrthaler 3421/1956 C-dm 1966

Eine drei der ehemaligen Thomasroither Lokomotiven führte in Breitenschützing den Namen SOPHIE. Details sind noch nicht bekannt.

Wagen Der Fuhrpark bestand im Jahr 1856 aus 27 vierachsigen Kohlewagen, einem zweiachsigen Schotterwagen, zwei Bahnwächterwagen und zwei Schneepflügen.

Erinnerungskultur

Fahrzeuge Das Technische Museum Wien besitzt einige Originalfahrzeuge, die im Eisenbahnmuseum Ampflwang ausgestellt werden. Ausgestellt sind eine Dampflokomotive, mehrere Güterwagen und ein Salonwagen. Weiters ist in Ampflwang eine Teilrekonstruktion des Wagenkastens eines Personenwagens erhalten (Foto siehe oben).

Bauliche Anlagen mini|Der Brecher Kohlgrube, Ausgangspunkt der BahnstreckeDer Wufinger Tunnel ist erhalten, jedoch verschlossen. Das Nordwestportal ist zugänglich, das Südostportal aber zugeschüttet. Der Brecher Kohlgrube dient heute als Kunstraum Kohlgrube kulturellen Zwecken.

mini|Aufnahmsgebäude der ÖBB in Breitenschützing aus der Entstehungszeit der Kaiserin Elisabeth-BahnDas Empfangsgebäude des Bahnhofes Breitenschützing ist erhalten und denkmalgeschützt, hatte aber nur für Zwecke der Normalspurbahn gedient und stand mit der Schmalspurbahn nicht im Zusammenhang.

Gemälde Im Jahr 2025 wurden einige Gemälde veröffentlicht, die den Bahnbetrieb darstellen

Literatur Die Eisenbahn Kohlgrube–Breitenschützing in Karl Starke, Die Entwicklung des Kohletransportes im Hausruckgebiet (Oberösterreichische Heimatblätter, Heft 1, 1990) (Digitalisate: e-Book, pdf) Franz Aschauer: Oberösterreichs Eisenbahnen. Wels 1964.

Eisenbahnatlas Österreich: Railatlas Austria. Verlag Schweers+Wall, Köln November 2010. Ludger Kenning, Markus Strässle. Güterverkehr auf schmaler Spurweite in Österreich – Band 1: Vorarlberg – Tirol–Salzburg–Oberösterreich–Kärnten. Verlag Kenning. 2022 Karl Starke: Von Grubenpferden, Kohlenhunten und Dampfrössern. Zur Geschichte des Kohlentransportes im Hausruckbergbau. Vöcklabruck 2006, ISBN 3-901745-13-0 (Datensatz in der Österreichischen Nationalbibliothek) Strach (Hrsg.). Geschichte der Eisenbahnen der österreichisch-ungarischen Monarchie. (Band 1 Teil 1, S. 353) (Digitalisat) Johannes Sima. Die Pferdeeisenbahn Budweis-Linz-Gmunden. Ein Beispiel der Technikgeschichte aus der Sicht des Denkmalschutzes. Hochschulschrift. Dissertation. TU Wien. 2008 (Digitalisat) Johann Brunner. Die Pferdeeisenbahn : Pferde- und Dampfbetriebe und Projekte auf 1106 mm Spurweite. 1999. Rainbach im Mühlkreis. Freunde der Pferdeeisenbahn Vorschriften für den Verkehrs- und Signaldienst für die Schmalspurbahn Breitenschützing-Kohlgrube (Datensatz in der Österreichischen Nationalbibliothek)

Weblinks Kohlebahn Breitenschützing–Kohlgrube bei Dokumentationszentrum Eisenbahnforschung https://www.drehscheibe-online.de/foren/read.php?017,11255556 Forenbeitrag Kohlebahn Breitenschützing, Österreich in Drehscheibe-Online Kohlebahn (Breitenschützing–Kohlgrube) bei www.xibit.info

Anmerkungen

Einzelnachweise

Kategorie:Bahnstrecke in Oberösterreich Kategorie:Spurweite 1106 mm Kategorie:Hausruck und Kobernaußerwald Kategorie:Verkehr (Bezirk Vöcklabruck)