Johann Adam Burkhard von Pürkenstein (~ 13. Juli 1652 in WienWien, St. Stephan, Taufbuch 1652–1654, fol. 101r.; † 4. April 1704 in München) war ein kurfürstlich-bayerischer Artillerieoffizier und der Leiter der ersten bayerischen Artillerieschule.
Leben Johann Adam Burkhard von Pürkenstein (Birkenstein) wurde getauft als Johann Adam Burkhart. Seine Eltern waren Anton Burkhart, Hofmusikus der verwitweten Kaiserin Eleonora, und Maria Ursula Wall.Heirat am 3. Oktober 1651 (Wien, St. Stephan, Trauungsbuch 1648–1652, S. 303). Eltern der Braut waren Jörg Abraham Wall, kurbayerischer Obrist, und Maria Magdalena. Nach dem Tod von Eleonora zogen die Eltern 1655/56 nach Salzburg, wo der Vater als Kammerdiener („cubicularius“) in die Dienste des Fürsterzbischofs trat. Dort kamen von 1657 bis 1668 sieben Geschwister von Burkhard zur Welt.Salzburg, Dompfarre, Taufbuch 1633–1657, fol. 569v, 26. Februar 1657; Taufbuch 1658–1672, S. 28, 16. August 1658; S. 108, 22. März 1660; S. 224, 14. März 1662; S. 320, 01. April 1664; S. 382, 20. September 1665; S. 554, 12. Juli 1668; welche von diesen Kindern das Erwachsenenalter erreichten, ist nicht bekannt. Burkhard schrieb sich am 30. Oktober 1662 zum Studium an der Benediktiner-Universität Salzburg ein.Redlich 1933, Nr. 3750.
Burkhard war ein Bruder des in österreichischen Diensten stehenden Hofkriegsrats Anton Ernst Burkhard von Birckenstein, der 1696 von Kaiser Leopold I. das Freiherrendiplom erhielt.
Burkhard hatte sich im Türkenkrieg 1683 als Stuckhauptmann des Majors Gersdorf einen Namen gemacht. Als der bayerische Kurfürst Max Emanuel mit Dekret vom 6. Mai 1685 die Errichtung der ersten Artillerie-Schule in Bayern anordnete, ernannte er Burkhard von Pürkenstein zum Oberfeuerwerksmeister dieser Anstalt, die am 17. Januar 1686 mit 50 Schülern in München eröffnet wurde.
Der Betrieb der Schule unter Burkhard von Pürkenstein dauerte nur drei Jahre, da dieser am 28. Juli 1689 vom Kurfürsten mit 15 seiner bestausgebildeten Feuerwerker zur Belagerung von Mainz an den Rhein beordert wurde (gemeinsam mit dem Ingolstädter Oberstuckhauptmann Stephan Koch). 1691 findet er sich als Stücklieutenant bei den Truppen, die zur Unterstützung des Herzogs Viktor Amadeus II. nach Piemont geschickt wurden.
Burkhard von Pürkenstein verfasste um 1691 eine undatierte Schrift Conamen selectorum artis magnae Artilleriae modernae, die sich mit den Wurfgeschützen und Verbesserungen der Geschosse und den in dieser Zeit vielfach angewandten Petarden beschäftigt. Auf der Titelseite bezeichnete er sich als „der kurfürstlichen Durchlaucht in Bayern bestellten Kammermusikus und vorhin gewesenen Oberfeuerwerksmeister“.
1699 übernahm er wieder die Leitung der Schule. Am 4. April 1704 kam er dort mit einem Offizier und 17 Büchsenmeistern bei der Explosion des Laboratoriums ums Leben.Beschreibungen dieses schweren Explosions- und Brandunglücks und seiner Folgen finden sich bei Bestattungseinträgen in zwei Kirchenbüchern: München, Zu Unserer Lieben Frau, Sterbebuch 1687–1732, fol. 57r, 5. April 1704 (18 Feuerwerker); München, St. Peter, Sterbebuch 1698–1705, S. 507, Herzogspital, 5. April 1704 (ein kurzzeitig überlebender Constabler).
Burkhard von Pürkenstein war seit spätestens 1685 verheiratet mit Maria Anna Franziska Adelheid Albrecht.Bei der ersten belegten Taufe eines Kindes, der des Sohnes Franz Anton, wird sie als Ehefrau („uxor“) bezeichnet, und es werden ihre vier Vornamen genannt (München, Zu Unserer Lieben Frau, Taufbuch 1684–1698, S. 36, 7. November 1685). Ihr Familienname erscheint beim nächsten Taufeintrag (München, Zu Unserer Lieben Frau, Taufbuch 1684–1698, S. 58, 8. September 1686). Wann und wo die Eheschließung stattfand, ist nicht bekannt. Das Testament seines Bruders erwähnt seinen Sohn Franz Antoni Burckhard von Bürckhenstein (als Ersatzerben)Franz Anton ist am 7. November 1685 geboren (München, Zu Unserer Lieben Frau, Taufbuch 1684–1698, S. 36). Es folgen sechs weitere Kinder (München, Zu Unserer Lieben Frau, Taufbuch 1684–1698, S. 58, 8. September 1686; S. 91, 23. August 1687; S. 127, 8. Oktober 1688; S. 150, 19. Juli 1689; S. 201, 28. August 1690; S. 241, 2. August 1691); welche davon das Erwachsenenalter erreichten, ist nicht bekannt.Franz Anton schrieb sich am 17. Dezember 1695 an der Universität Salzburg ein (Redlich 1933, Nr. 10228). sowie einen „geistlichen Herrn Bruder“ Pater Bonifatius Bürckenstein OSB.Testament des A. E. B. v. Birckenstein im Österreichischen Staatsarchiv unter der Signatur AT-OeSTA/HHStA HA OMaA 630-49.
Werke
Conamen selectorum artis magnae Artilleriae modernae. München 1691. Bayerische Staatsbibliothek, Cgm 3688 (noch nicht digitalisiert). Kurzbeschreibung in: Johann Andreas Schmeller: Die Deutschen Handschriften der K. Hof- und Staatsbibliothek zu Muenchen nach J. A. Schmellers kürzerem Verzeichnis. 2. Theil. In Commission der Palmschen Hofbuchhandlung, München 1866 (Catalogus codicum manu scriptorum Bibliothecae Regiae Monacensis; Tomus 6), S. 385 (Online).
Literatur
Virgil Redlich: Die Matrikel der Universität Salzburg 1639–1810. Pustet, Salzburg 1933. Josef Würdinger: Bestrebungen des Kurfürsten Max Emanuel von Bayern, den wissenschaftlichen Geist in seinem Heere durch Errichtung einer Artillerie-Schule (1685) zu heben, sowie deren Erfolge (1685−1730). In: Sitzungsberichte der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Philosophisch-Historische Klasse 1885, Sitzung 6. Juni 1885. München 1886, S. 355–368 (Online).
Einzelnachweise
Kategorie:Person in den Türkenkriegen Kategorie:Artillerist (Bayern) Kategorie:Adliger Kategorie:Bayer Kategorie:Geboren 1652 Kategorie:Gestorben 1704 Kategorie:Mann