Das Eisenbahnmuseum Madrid (), ursprünglich als Nationales Eisenbahnmuseum () bezeichnet, ist eine Einrichtung zur Verbreitung des Wissens über die Eisenbahn in Spanien von ihren Ursprüngen bis heute. Das Museum wurde 1984 im historischen Bahnhof Madrid Delicias eröffnet und wird von der Fundación de los Ferrocarriles Españoles unterhalten.

Geschichte 1948 wurde anlässlich des hundertjährigen Jubiläums der ersten Eisenbahnstrecke auf der Iberischen Halbinsel von Barcelona nach Mataró eine Gedenkausstellung organisiert, die verschiedene Objekte und Lokomotiven umfasste, und man begann, Interesse an der Einrichtung eines Eisenbahnmuseums zu zeigen.

1967 wurde Spaniens erstes Eisenbahnmuseum im Palacio de Fernán Núñez in Madrid (heute Sitz der Fundación de los Ferrocarriles Españoles) eröffnet. Es zeigte eine originale Dampflokomotive, Modelle, Fotografien, Abbildungen und Objekte zur Geschichte und Nutzung der Eisenbahn. 1983 wurde das Museum in den Bahnhof Madrid Delicias verlagert, der 1971 stillgelegt worden war; die Wiedereröffnung fand am 19. Dezember 1984 statt. Die neuen Räumlichkeiten boten die Möglichkeit, die Sammlung des Museums zu erweitern, darunter zahlreiche Lokomotiven, Triebwagen und Reisezugwagen in der großen Bahnhofshalle.

Gebäude

Das Bahnhofsgebäude ist selbst Teil der Eisenbahngeschichte und ein gutes Beispiel für die typische Eisen-Architektur des 19. Jahrhunderts. Eingeweiht im Jahre 1880 war es der erste Bahnhof in Madrid mit metallenem Tragwerk. Es wurde von dem französischen Ingenieur Émile Cachelièvre geplant und in nur 11 Monaten erbaut, dank des völlig funktionalen Charakters des Projekts.

Ausstellungen

Haupthalle In der Haupthalle sind Originalfahrzeuge ausgestellt – Lokomotiven der verschiedenen Traktionsarten, Triebwagen und Reisezugwagen.

Dampftraktion mini|Dampflokomotive Pucheta (1887) Aufgrund der langen Einsatzzeit in Spanien (1848–1975) bilden Dampflokomotiven einen Schwerpunkt der Sammlung. Ausgestellt sind unter anderem Lokomotiven der Bauarten Northern (in Spanien als Confederacíon bezeichnet) und Pacific sowie eine aufgeschnittene Lok der Bauart Mikado.

Elektrische Traktion Ausgestellt sind Lokomotiven aus den Jahren 1907 bis 1963. Zu sehen sind unter anderem Lokomotiven der Baureihen 6100, 7300, 7400, 7500 und 10000.

Dieseltraktion Zum Bestand des Museums gehört die dieselelektrische Lokomotive "Marilyn", erste dieser Bauart in Spanien nach denen, die den Talgo der Renfe zogen. Hervorzuheben ist auch ein Triebwagen der Bauart TAF (Tren Automotor Fiat) aus dem Jahr 1952.

Reisezüge mini|Aussichtswagen des Talgo II In dieser Abteilung verdient der Talgo II mit der Diesellokomotive "Virgen de Aránzazu" besondere Erwähnung. Sowohl die Wagen als auch die Lokomotive wurden 1949 in den Vereinigten Staaten von ACF (American Car and Foundry Company) hergestellt und bildeten den ersten Talgo-Zug im kommerziellen Einsatz.

Andere Räumlichkeiten

Saal der Uhren Das Museum verfügt über Uhren und Uhrwerksysteme, die in den Anlagen und Büros der Eisenbahn im Einsatz waren. Unter diesen Stücken befindet sich auch die Uhr Mataró, nach der sich 1848 die Abfahrt des ersten Zuges auf dem spanischen Festland gerichtet hatte.

Saal des Spielzeugs und des Modellbaus mini|Modellbahn mit fahrendem Hochgeschwindigkeitszug Im Saal des Modellbaus können Kinder, Jugendliche und Erwachsene drei Modellbahnanlagen verschiedener Epochen und Maßstäbe genießen. Der Anblick verschiedener Miniatur-Eisenbahnfahrzeuge in Bewegung fasziniert den Besucher und versetzt ihn in reale und imaginäre Landschaften. Während er ihren Weg über Brücken und durch Tunnel, Bahnhöfe und Bahnanlagen verfolgt, entdeckt der Betrachter eine große Anzahl Szenen, Details und Nachbildungen – eine Wiedergabe der Realität in verkleinertem Maßstab.

Stellwerk Algodor mini|Hebelbank des Stellwerks Dieses hydraulische Stellwerk stammt aus dem Jahr 1927 und wurde durch die Eisenbahngesellschaft MZA in Betrieb genommen. Es stand an der Kreuzung der Bahnstrecken von Toledo nach Castillejo und von Madrid nach Ciudad Real. Das Stellwerk verfügt über 110 Hebel, 70 für Signale und 40 für Weichen, die durch Wasserdruck bewegt werden. Es ist das einzige Stellwerk dieser Bauart, das in Spanien erhalten geblieben ist. Es stand mehr als 70 Jahre im Einsatz, bis es im Jahr 2000 durch ein elektronisches Stellwerk ersetzt wurde. Ein paar Jahre später wurde es dem Museum von Renfe überlassen.

Das Stellwerk wurde 2003 abgebaut und verlagert. Im Museum wurde ein Nachbau des Stellwerksgebäudes von Algodor errichtet. Im Obergeschoss befindet sich die Hebelbank, im Untergeschoss der Zentralapparat und die Motorenausrüstung für die Anhebung der Gegengewichte.

Saal Andaluces Hier ist die kleinste Dampflokomotive ausgestellt, die jemals in Spanien – auf Iberischer Breitspur – gefahren ist, genauer gesagt in Jerez de la Frontera, wo sie jahrzehntelang verkehrte, um Sherry für den Export von den Weingütern zum Bahnhof von Jerez zu transportieren.

Saal der Infrastruktur mini|Saal der Infrastruktur Dieser Raum wurde im Dezember 2005 eröffnet. Er vermittelt in interaktiver Form Kenntnisse der Eisenbahninfrastruktur: Signalwesen, Fernmeldewesen, Ingenieurbau usw. Besonders hervorzuheben ist die Darstellung der Entwicklung der Infrastruktur, bei der die Veränderungen sichtbar werden, die vom 19. bis zum 21. Jahrhundert geschehen sind.

Eines der ältesten Ausstellungsstücke im Saal der Infrastruktur ist der Gleismesswagen von Scheidt & Bachmann. Zwischen 1912 und 1914 stellte diese deutsche Firma hunderte solcher Geräte her. Sie waren von dem Eisenbahningenieur Heinrich Dorpmüller entworfen worden, Mitglied einer bedeutenden Eisenbahnerfamilie und Vater von Julius Dorpmüller, Reichsverkehrsminister im Dritten Reich. Der Gleismesswagen wurde über die Strecke geschoben und zeichnete gleichzeitig Spurweite und Höhenlage der Schienen auf einem Papierstreifen auf. Damit konnten aufwändige händische Messungen vermieden und die erforderlichen Daten gewonnen werden, um eine korrekte Gleislage herzustellen.

Archiv und Bibliothek Dem Museum angeschlossen sind das Historische Archiv des Eisenbahnwesens () und die Bibliothek des Eisenbahnwesens ().

Im Historischen Archiv werden hauptsächlich Dokumente der ehemaligen spanischen Privatbahnen aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts aufbewahrt, außerdem zeitgenössische Bestände und Privatsammlungen. Angeschlossen ist eine Fotothek mit über 400.000 Objekten.

Die Bibliothek umfasste eine Sammlung von mehr als 37.000 Monografien sowie 3.000 Zeitschriften, von denen etwa 200 Titel regelmäßig bezogen werden. Auch gibt es Spezialsammlungen von Kartenmaterial, Broschüren, Plakaten, audiovisuellen Medien, Unternehmensunterlagen und Ephemera.

Mercado de Motores Das Museum vermietet Räume für private oder kommerzielle Veranstaltungen. Zum Beispiel beherbergt es den Mercado de Motores, der monatlich (am zweiten Wochenende jedes Monats) stattfindet und neben gastronomischen Angeboten Verkaufsstände für Kunsthandwerk, Antiquitäten und Mode aus zweiter Hand bietet.

Literatur

Fernández Sanz, F. et al. (1984): Museo nacional ferroviario. Madrid-Delicias Museo del ferrocarril (1996): Guía del museo del ferrocarril Lozano Carbayo, P. (2000): Guía didáctica del museo del ferrocarril de Madrid

Weblinks

Website des Museums

Einzelnachweise

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