mini|alt=Fünf Kinder sitzen eng zusammen auf einem Hügel. Vor ihnen erstreckt sich ein weiterer Hügel, der dicht mit einstöckigen Häusern bebaut ist.|Kinder auf einem Hügel im Flüchtlingslager Kiziba (2014)
Das Flüchtlingslager Kiziba ist das älteste Flüchtlingslager Ruandas. Es wurde 1996 gegründet und befindet sich im Sektor Rwankuba des Distrikts Karongi in der Westprovinz von Ruanda. Die über 14.000 dort lebenden Flüchtlinge sind vorwiegend Tutsi, die aus der Provinz Nord-Kivu der Demokratischen Republik Kongo stammen. Die vielen Kinder und jungen Erwachsenen im Flüchtlingslager wurden jedoch in diesem geboren und sind dort aufgewachsen. Das Ministry in Charge of Emergency Management (MINEMA) verwaltet das Lager in Zusammenarbeit mit dem UNHCR. Menschenrechtsorganisationen kritisierten Fälle von Polizeigewalt. Insbesondere im Februar 2018 kam es zu einem Zwischenfall bei dem Polizisten der Rwanda National Police einen Protest von Flüchtlingen gegen die stark gekürzte Nahrungsversorgung gewaltsam auflösten und dabei mehrere Personen durch Schüsse töteten.
Aufbau und Verwaltung Das Camp hatte ursprünglich eine Fläche von 28 Hektar, inzwischen umfasst es rund 44 Hektar und unterteilt sich in zehn Viertel. Es wird durch das Ministry in Charge of Emergency Management (MINEMA) in Zusammenarbeit mit dem UNHCR verwaltet. Das MINEMA wird von einem Campleiter und stellvertretenden Campleiter repräsentiert. Darüber hinaus sind im Flüchtlingslager Mitarbeiter des ruandischen Directorate General of Immigration and Emigration (DGIE) und der Rwanda National Police vertreten. Nahrungsmittel werden vom Welternährungsprogramm bereitgestellt.
Neben dem UNHCR sind weitere im Flüchtlingslager involvierte Organisationen (Stand 2022):
Aufgrund seiner Lage in hügeligem Gelände ist das Flüchtlingslager Kiziba anfällig für Bodenerosion, Oberflächenabfluss und die Entstehung von Erosionsrinnen. Um die Situation zu verbessern, pflanzen die UNHCR, Flüchtlinge und Mitglieder der lokalen Bevölkerung im Rahmen von Umuganda (gemeinschaftlicher Arbeitstag) Bäume.
Geschichte Entwicklung der Flüchtlingszahlen mini|alt=Liniendiagramm für die Anzahl sich in Ruanda befindender Flüchtlinge zwischen 1965 und 2024. Eine kleine Spitze mit knapp über 50.000 Flüchtlingen ist für die Jahre 1982 bis 1984 erkennbar. Die größte Spitze folgt mit einem Sprung von rund 25.000 Flüchtlingen im Jahr 1992 auf über 250.000 Flüchtlinge im Jahr 1993 und zurück auf schätzungsweise unter 10.000 Flüchtlinge im Jahr 1994. Danach steigt die Anzahl der Flüchtlinge relativ stetig wieder bis knapp über 50.000 im Jahr 2012. Danach erhöht sich der Anstieg bis zu einem Maximum von rund 170.000 Flüchtlingen im Jahr 2017 und sinkt bis 2024 auf einen Wert zwischen 110.000 und 120.000.|Anzahl Flüchtlinge in Ruanda (1965 – 2024) nach Our World in Data basierend auf Daten des UNHCR
Das Lager wurde im Dezember 1996 gegründet, um dort und im Flüchtlingslager Gihembe die Zehntausenden Flüchtlinge aus der Demokratischen Republik Kongo aufzunehmen. Der Großteil der Geflüchteten waren Tutsi, die zwischen 1995 und 1996 vor Gewalt aus Masisi in Nord-Kivu flohen. Nachdem einige wieder in die DR Kongo zurückkehrten, dient das Flüchtlingslager Kiziba heute noch über 14.000 Flüchtlingen als Unterkunft. Ein Großteil der Einwohner sind inzwischen Kinder und junge Erwachsene, die im sich zu einer kleinen Stadt entwickelten Flüchtlingslager geboren wurden und dort aufwuchsen.
+ Entwicklung in Zahlen Zeitpunkt Anzahl Flüchtlinge,Asylsuchende und Sonstige Beleg 17.264 16.277 15.955 16.076 15.486 14.911
Finanzielle Entwicklung Aufgrund fehlender Finanzierung wurde von der UNHCR und dem Welternährungsprogramm im November 2017 die Lebensmittelversorgung um 10 Prozent und im Januar 2018 um weitere 25 Prozent gekürzt. Im Jahr 2018 verbot die ruandische Regierung zudem die Verwendung von Brennholz. Das UNHCR leistete seitdem monatliche finanzielle Unterstützung für die Flüchtlinge, um ihnen den Kauf von Brennstoff zum Kochen zu ermöglichen. Im Jahr 2023 wurde die finanzielle Unterstützung durch das UNHCR und das Welternährungsprogramm aufgrund von Finanzierungslücken reduziert. So sank die monatliche Hilfe, die Flüchtlinge der ersten Kategorie erhielten von 8600 RWF auf 5600 RWF, für Flüchtlinge der zweiten Kategorie von 5600 RWF auf 2800 RWF und wurde für Flüchtlinge der dritten Kategorie vollständig eingestellt. In Zusammenarbeit mit Organisationen wie Practical Action und der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) wird mit Anbietern von Ausrüstung wie Nähmaschinen, Kühlschränken und solarbetriebenen Lampen in Kontakt getreten, um ihre Produkte zu subventionierten Preisen bereitzustellen und den Flüchtlingen mithilfe dieser Erwerbstätigkeiten zu ermöglichen.
Proteste und Polizeigewalt Am 22. Februar 2018 löste die Polizei eine seit drei Tagen andauernde Sitzblockade vor dem Büro des UNHCR im Distrikt Karongi gewaltsam auf. Hunderte bis Tausende Flüchtlinge waren dort am 20. Februar vom 15 Kilometer entfernten Flüchtlingslagers Kiziba aus hinmarschiert. Die Flüchtlinge protestierten gegen die gekürzte Lebensmittelversorgung. Bei dem Versuch der Auflösung des Protests setzte die Polizei zunächst Tränengas ein. Wenige Minuten später schoss die Polizei, wobei laut dem UNHCR acht Personen ums Leben kamen, darunter fünf Flüchtlinge. Weitere Personen, darunter UNHCR-Mitarbeiter und Polizisten wurden verletzt. Weitere drei Flüchtlinge starben laut dem UNHCR am selben Tag im Flüchtlingslager Kiziba durch Schüsse. Die ruandische Polizei bestätigte später dagegen an beiden Orten insgesamt fünf Tote. In der Folge wurde das Polizeikontingent im Flüchtlingslager erhöht. Die zusätzlichen Polizeikräfte trafen am 20. April ein. Im April und Mai kam es zu weiteren Konflikten zwischen den Flüchtlingen und der Polizei und ein weiterer Flüchtling kam ums Leben. Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International und Human Rights Watch kritisierten die unzureichende Aufarbeitung der Todesfälle.
Bildung und Gesundheit Bildungsangebote Die im Camp lebenden Kinder werden im Einklang mit dem Abkommen über die Rechtsstellung der Flüchtlinge in das nationale Schulsystem aufgenommen. Im November 2022 besuchten laut dem UNHCR 743 Kinder aus dem Camp eine Einrichtung für frühkindliche Entwicklung, 3018 eine Grundschule und 1377 eine Sekundarschule. Die Anwesenheitsquote lag bei 95,5 %. Im Jahr 2015 wurde schließlich zudem für die tertiäre Bildung durch UNHCR und die Non-Profit-Organisation Kepler der Kepler University Campus gegründet, auf dem bis 2022 rund 300 Studenten einen Abschluss machten.
Gesundheitsversorgung Das Flüchtlingslager verfügt über ein Gesundheitszentrum, das auch die ruandische Bevölkerung in umliegenden Gebieten versorgt. Dieses umfasst eine Geburtsstation, ein Labor, Behandlungsräume, eine Apotheke und eine Krankenstation.
Sport Das Lager nimmt an den jährlichen Refugee Inter-camp Games teil. Bei diesen Spielen treten Flüchtlinge aus den verschiedenen Flüchtlingslagern in Ruanda in Sportarten wie Basketball und Fußball gegeneinander an.
Einzelnachweise
Kategorie:Flüchtlingslager (Ruanda) Kategorie:Beziehungen zwischen der Demokratischen Republik Kongo und Ruanda Kategorie:Distrikt Karongi Kategorie:Gegründet 1996