mini|Léon Gaultier in SS-Uniform, ca. 1944 Léon Édouard Gaultier (* 1. Februar 1915 in Bourges, Frankreich; † 18. Juli 1997 in Ménétréol-sous-Sancerre, Frankreich) war ein französisches Mitglied der Waffen-SS und Kollaborateur der französischen Armee. Er gehörte zu den Gründungsmitgliedern der Front National und war auch als Autor aktiv.

Biografie Léon Gaultier wurde während des Ersten Weltkriegs geboren. Sein Vater kämpfte an der Front, und seine Mutter leitete in seiner Abwesenheit die 1867 gegründete Seilfabrik der Familie. Er wuchs in einem Umfeld auf, in dem Politik ein häufiges Gesprächsthema war. Seine Mutter abonnierte das „Journal des débats“ und „L’Illustration“ und begeisterte sich für Geschichte und Poesie. Mit neunzehn Jahren verfolgte er die Unruhen vom 6. Februar 1934 von seiner Heimatregion Berry aus. Nach seinem Studium der Klassischen Philologie wurde er Geschichtslehrer. Er verfasste eine Dissertation mit dem Titel „Argumente aus der Vergangenheit bei Lykurg und Hypereides“ (: Les arguments tirés du passé chez Lycurgue et Hypéride)

Im Mai 1940 trat Gaultier einem Bataillon der sog. Pyrenäenjäger (: Chasseurs Pyrénéens) bei. Nach der Kapitulation Frankreichs wurde er ein enger Mitarbeiter von Paul Marion, der ab dem 11. August 1941 als Generalsekretär für Information und Propaganda des Vichy-Regimes in der Regierung von Marschall Pétain tätig war. Unter anderem fungierte er als Kommentator bei „Radio Vichy“ und einer der Gründer der Milice française. Später trat er der SS bei und kämpfte in der Waffen-SS im Rang eines UntersturmführersRenaud Dely: Le FN, côté collabos. In: liberation.fr 17. Juni 1996. Abgerufen am 5. Mai 2017. und kommandierte im Sommer 1944 eine Einheit der Division Charlemagne, die überwiegend aus kollaborierenden französischen Freiwilligen an der Ostfront. Er wurde in Galizien schwer verwundet.

Nach Kriegsende wurden ihm die französischen Bürgerrechte aberkannt (: Dégradation nationale), er wurde inhaftiert und 1946 zu Zwangsarbeit verurteilt.

Nach seiner Freilassung am 2. Juni 1948 arbeitete er für die französische Nachrichtenagentur Havas.

Später gründete er zusammen mit Jean-Marie Le Pen den Verlag SERP (: Société d'études et de relations publiques Le Point. 3. Jahrgang), der sich auf die Veröffentlichung historischer Aufnahmen (politische Reden, Militärlieder etc.) spezialisierte.

1972 gehörte er zu den Gründungsmitgliedern des Nationalrats (: conseil national) des Front National, ohne jedoch ein bestimmtes Amt zu bekleiden. Nach einigen aktiven Jahren innerhalb der Partei und sporadischen Beiträgen im rechtsgerichteten Wochenmagazin Rivarol entfernte er sich Anfang der 1980er-Jahre allmählich vom inneren Kreis um Jean-Marie Le Pen. In der Folge widmete er sich vorwiegend dem Schreiben von Memoiren und Erinnerungen, in denen er seine Vergangenheit als Kollaborateur Revue passieren ließ.

Léon Gaultier starb am 18. Juli 1997 in Ménétréol-sous-Sancerre.

Werke (Auswahl) Catalina de Erauso, la Nonne Conquistador. Jean Picollec. Paris. 1980. ISBN 978-2-86477-011-4. Jean Coëtanlem - le cœur au poing, le lys aux lèvres. Jean Picollec. Paris. 1982. Collection Biblio Celtique. ISBN 978-2-86477-045-9 Siegfried et le Berrichon - parcours d'un "collabo" Éditions Perrin. Paris. 1991. ISBN 978-2-262-00888-8 (Autobiographie).

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Einzelnachweise

Kategorie:Person (französische Kollaboration) Kategorie:Angehöriger der Waffen-SS Kategorie:FN-Mitglied (Frankreich) Kategorie:Person des Rechtsextremismus Kategorie:Autor Kategorie:Franzose Kategorie:Geboren 1915 Kategorie:Gestorben 1997 Kategorie:Mann Kategorie:Person des französischen Faschismus