Die Norwegisch-Dänische Konferenz (, ) war eine lutherische Kirche norwegischer Herkunft in den Vereinigten Staaten. Sie entstand, als sich 1870 die norwegischen Gemeinden in der Skandinavischen Augustana-Synode einvernehmlich von den schwedischen trennten und eine eigene Synode bildeten. Mit der Anti-Missourischen Bruderschaft und der Norwegischen Augustana-Synode ging sie 1890 eine Union ein und bildete die Vereinigte Norwegische Lutherische Kirche in Amerika. Damit ist sie eine der Vorgängerkirchen der heutigen Evangelisch-Lutherischen Kirche in Amerika.
Geschichte Die ersten Norweger, die ab 1825 in größerer Zahl nach Amerika emigrierten, waren Anhänger des Haugianismus, einer vor allem von Laien getragenen Erweckungsbewegung. Sie organisierten 1846 unter Elling Eielsen die Hauge-Synode als ersten kirchlichen Zusammenschluss norwegischer Gemeinden in den Vereinigten Staaten. 1853 konstituierten auch die hochkirchlich veranlagten Gemeinden unter Herman Amberg Preus eine eigene Synode, die sich eng an die Norwegische Staatskirche anlehnte. Eine dritte Gruppe norwegischer Gemeinden schloss sich mit Lutheranern schwedischer und deutscher Herkunft zusammen und bildete die Nord-Illinois-Synode innerhalb der General-Synode. Schon 1860 trennten sich jedoch die Skandinavier in dieser Kirche ab und bildeten eine eigene Organisation, die Skandinavische Augustana-Synode. Doch auch in diesem Körper gab es Zerwürfnisse entlang nationaler Linien, sodass sich auf der Synodalversammlung im Juni 1870 in Andover die Norweger und wenigen Dänen einvernehmlich von der danach Schwedische Augustana-Synode genannten Kirche lösten.
Die norwegischen und dänischen Delegierten organisierten sich provisorisch unter dem Namen Norwegisch-Dänische Augustana-Synode und wählten Ole Hatlestad zu ihrem Vorsitzenden und Johannes Müller Eggen zum Sekretär. Sie gaben sich dabei noch keine Kirchenverfassung, da einige Delegaten warten wollten, bis Gespräche mit einigen anderen bisher unabhängigen Pastoren abgehalten worden wären. Die provisorische Synode traf sich bereits am 10. August 1870 in St. Ansgar im Bundesstaat Iowa mit diesen weiteren Geistlichen und wollte sich nach einigen theologischen Debatten eine ordentliche Verfassung geben. Hatlestad und Claus Lauritz Clausen, ein Pionier der norwegischen lutherischen Kirche in Amerika und einer der unabhängigen Geistlichen, brachten eigene Entwürfe vor, von denen letztlich Clausen den seinen durchsetzen konnte. Nachdem dies geklärt war, löste sich die provisorische Synode auf und organisierte sich gemeinsam mit den unabhängigen Pastoren förmlich als eigene Kirche unter dem Namen Norwegisch-Dänische Konferenz, deren erster Kirchenpräsident Clausen wurde. Hatlestad fühlte sich dabei übergangen und traf sich am 5. Oktober desselben Jahres mit fünf weiteren Geistlichen in Jefferson Prairie, Wisconsin. Dieses Treffen erklärte die Auflösung der provisorischen Synode auf der Zusammenkunft in St. Ansgar für nichtig und konstituierte sich selbst am 12. Oktober als Norwegisch-Dänische Augustana-Synode in Amerika.
Die Konferenz trat so in den Rechtsstreit mit der Norwegischen Augustana-Synode um das Augustana College and Theological Seminary und die Kirchenzeitung Lutheraneren. Die Kirchenzeitung verblieb bei der Konferenz, die Hochschule ging jedoch an die Synode, wenn auch alle bis auf einen Studenten ihrem Professor August Weenaas in die Konferenz folgten. Da diese nun ebenfalls eine Hochschule benötigte, gründete dieser das Augsburg Seminary, das 1872 nach Minneapolis umzog.
Auf der Zusammenkunft der Konferenz 1884 in Westbrook lösten sich die meisten dänischen Geistlichen und Gemeinden einvernehmlich aus der Konferenz und gründeten die Dänische Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinschaft in Amerika. Diese umfasste bei ihrer Gründung neun Pastoren und 34 Gemeinden oder Predigtplätze.
Innerhalb der Konferenz gab es ebenfalls theologische Verwerfungen um die Frage der Kirchenverfassung zwischen der sogenannten „Alten Richtung“ (Gamle Retning) und der „Neuen Richtung“ (Nye Retning), die vor allem von den theologischen Professoren Sven Oftedal und Georg Sverdrup getragen wurde. Diese Spannung sorgte in der Konferenz für keine Spaltung, bewirkte aber letztlich die Gründung der Lutheran Free Church im Jahr 1893. Nach außen hin stand die Konferenz vor allem in Konkurrenz zur Norwegischen Synode, die nach der Abspaltung der Anti-Missourischen Bruderschaft gegenüber der schnell wachsenden Konferenz geschwächt war.
Von Anfang an gab es jedoch auch Bestrebungen, Einheit in die zerstrittenen Gruppen zu bringen. 1881 kamen Vertreter aller norwegischen Synoden in St. Ansgar zusammen und im Anschluss wurden jährliche Konferenzen zu Lehrfragen abgehalten. 1888 trafen sich Vertreter der Synoden in Eau Claire, um eine Union vorzubereiten. Im November wurde dieser Entwurf von der Konferenz, der Augustana-Synode und der Anti-Missourischen Bruderschaft angenommen, von der Hauge-Synode jedoch abgelehnt. Die drei zustimmenden Kirchen setzten den Plan jedoch fort und vereinigten sich am 13. Juni 1890 in Minneapolis zur Vereinigten Norwegischen Lutherischen Kirche in Amerika, deren erster Kirchenpräsident Gjermund Hoyme von der Konferenz wurde.
Positionen Die Konferenz vertrat eine vermittelnde Position zwischen der pietistischen Hauge-Synode und der hochkirchlichen, konservativen Norwegischen Synode. Als grundlegende Bekenntnisschriften nahm die Norwegische Augustana neben dem Apostolicum, dem Nicaeno-Constantinopolitanum und dem Athanasium die unveränderte Confessio Augustana und den Kleinen Katechismus an. Dies unterschied sie von der ebenfalls gemäßigten Augustana-Synode, die das Konkordienbuch zu ihren Bekenntnisschriften zählte.
Organisation und Struktur Die Konferenz wurde von der regelmäßig tagenden Versammlung geleitet, der neben allen Geistlichen auch Laien-Delegaten aus den Gemeinden angehörten. Dieses Gremium wählte auch den Kirchenpräsidenten, der die Kirche nach außen hin repräsentierte. Sie errichtete keine regionalen Strukturen, sondern ließ den Einzelgemeinden nach dem kongregationalistischen Prinzip große Freiheiten.
Die Konferenz hatte von Beginn an großes Wachstum zu verzeichnen, da ihre gemäßigte Position von vielen neuen Immigranten, darunter auch Geistlichen aus Norwegen, die zuvor zur Norwegischen Synode tendiert hatten, begrüßt wurde. Bei ihrer Gründung gehörten ihr 14 Pastoren an, sieben weitere folgten kurz darauf. Zum Zeitpunkt der Union gehörten ihr 100 Geistliche, gut 380 Gemeinden, über 30.000 Kommunikanten und wesentlich mehr Gemeindeglieder an.
Kirchenpräsidenten Claus Lauritz Clausen (1870–1872) Johan Olsen (1872–1881) Theodor Dahl (1881–1886) Gjermund Hoyme (1886–1890)
Bildungseinrichtungen mini|Das alte Hauptgebäude des Augsburg Seminary in Minneapolis. Bereits 1869 hatten sich unter Professor August Weenaas die norwegischen Elemente an der Hochschule der Skandinavischen Augustana-Synode, dem Augustana College and Theological Seminary in Paxton abgetrennt und sich unter dem gleichen Namen in Marshall neu gegründet. Der Norwegischen Augustana gelang es 1870, die Kontrolle über diese Hochschule zu erlangen, sodass Weenaas, der sich der Konferenz angeschlossen hatte, in Minneapolis das Augsburg Seminary neu gründen musste. Zum Seminar gehörten auch ein angeschlossenes College und eine vorbereitende Akademie. Eine zweite Schule bestand mit dem St. Ansgar Seminary, das jedoch kein theologisches Seminar, sondern eine weiterführende Schule war. Es bestanden auch zwei Diakonissenhäuser in Chicago und Brooklyn.
Publikationen Die Konferenz gab mit Lutheraneren eine Kirchenzeitung in norwegischer Sprache heraus, die bis 1956 von ihren Nachfolgekörperschaften fortgeführt wurde. Weitere Zeitschriften waren Missionsbladet (1874), Kvartalskrift (1875–1881), Fredsbudet (1878–1890) und das auch politisch ausgerichtete Folkebladet (1877–1890).
Missionswesen Die Konferenz beteiligte sich an Missionsprojekten der Norwegischen Missionsgesellschaft und entsandte 1887 mit J. P. Hogstad einen eigenen Missionar an deren Missionsfeld in Madagaskar.
Einzelnachweise
Kategorie:Vereinigte Norwegische Lutherische Kirche in Amerika Kategorie:Lutherische Denomination Kategorie:Norweger in den Vereinigten Staaten Kategorie:Protestantismus in den Vereinigten Staaten Kategorie:Gründung einer religiösen Organisation 1870 Kategorie:Aufgelöst 1890 Kategorie:Christentumsgeschichte (Vereinigte Staaten)