Die Teufel von Hopfgarten (auch Feuerteufel von Hopfgarten) waren drei Brandstifter und Mörder aus Hopfgarten im Brixental im Bezirk Kitzbühel in Tirol, die zwischen 1928 und 1933 die Marktgemeinde und ihre Umgebung durch eine Serie von Brandstiftungen, Raubüberfällen und Morden in Angst und Schrecken versetzten. Bei den Tätern handelte es sich um Alois Lechner (genannt „Bubi“), Franz Bachler (genannt „Franzi“) und Toni Clementi. Der Fall gilt als eine der spektakulärsten Kriminalfälle der Ersten Republik in Österreich und wurde 1999 von Felix Mitterer im Theaterstück Die drei Teufel literarisch verarbeitet.
Die Taten fielen in die Zeit der Weltwirtschaftskrise, die auch im Brixental zu hoher Arbeitslosigkeit und wirtschaftlicher Not führte. Zahlreiche Bettler, Hausierer, Handwerksburschen und arbeitssuchende Tagelöhner zogen durch die Region. Hopfgarten, eine eng bebaute Marktgemeinde am Fuße der Hohen Salve, war mit seinen überwiegend mit Holzschindeln gedeckten Häusern besonders feuergefährdet.
Die Täter
Alois Lechner Alois Lechner, allgemein „Bubi“ genannt, wurde am 29. März 1909 in Hopfgarten als außereheliches Kind einer Bauernmagd geboren. Seine Mutter starb bald nach der Geburt, sein Vater war unbekannt. Er wuchs bei Zieheltern auf; sein Ziehvater Alois Leithner war ein angesehener, wenn auch armer Bürger von Hopfgarten, der als Sargtischler, Totengräber und Gemeindepolizist tätig war. Lechner erlernte bei seinem Ziehvater das Tischlerhandwerk und war als junger Mann weithin als unbezwingbarer „Ranggler“ (Ringkämpfer) gefürchtet. Er war eifriges Mitglied und Hornist der Freiwilligen Feuerwehr Hopfgarten sowie Mitglied der örtlichen Musikkapelle und Tanzmusik. Zeitweise war er arbeitslos.
Lechner war der Anführer und Rädelsführer der Gruppe. Ihm wurde ein tiefer, allumfassender Hass auf die Gemeinschaft zugeschrieben, der sich insbesondere gegen die Gendarmerie und den ermittelnden Postenkommandanten richtete. Bei der Gerichtsverhandlung gab er seinen Hass offen zu und zeigte keinerlei Reue.
Franz Bachler Franz Bachler, „Franzi“ genannt, wurde am 1. Dezember 1908 in Hopfgarten ebenfalls als außereheliches Kind einer Magd und Tagelöhnerin geboren. Auch sein Vater war unbekannt. Er wuchs bei einer Ziehmutter auf und lebte später bei seiner leiblichen Mutter. Er galt als Mitläufer Lechners.
Anton „Toni“ Clementi Toni Clementi wurde am 1. Juli 1907 in Hopfgarten in eine arme Arbeiterfamilie hineingeboren. Er litt unter „Fraisen“ (Epilepsie). Clementi galt als der typische Mitläufer der Gruppe, der in eine totale Abhängigkeit von Lechner geriet. Lechner verhöhnte ihn wiederholt als Feigling und trieb ihn so zu Taten an. Clementi hatte eine Beziehung zu Barbara Stöckl, die von ihm schwanger war und später ermordet wurde.
Alle drei Täter waren zum Teil arbeitslos, stammten aus schwierigen sozialen Verhältnissen und hatten kaum Beziehungen zu Frauen.
Taten Ab 1928 verübten die drei Männer zahlreiche Brandstiftungen an Bauernhöfen in Hopfgarten und Umgebung. Die Bewohner der betroffenen Höfe lebten in ständiger Angst und schliefen teilweise nur noch angekleidet und mit gepackten Rucksäcken. Lechner verfolgte mit den Brandstiftungen auch ein finanzielles Motiv. Als Tischler sagte er wiederholt zu seinen Komplizen, dass ein Brand dem Tischler wieder Arbeit bringe, ebenso wie ein Todesfall.
Neben den Brandstiftungen begingen die Täter auch Raubüberfälle (versuchte Raubmorde an Josef Schösser und Leo Müllauer) und mehrere Morde.
Mordopfer
Johann „Hans“ Kruckenhauser: Ein 41-jähriger lediger, arbeitsloser Hoteldiener und Hausknecht aus Hopfgarten, zugleich Schwager des Feuerwehrkommandanten Konrad Steiner. Er wurde in der Nacht vom 6. auf den 7. September 1930 anlässlich eines Radfahrerfestes von Lechner und Clementi ermordet. Lechner schnitt ihm mit einem Stichmesser die Kehle nahezu vollständig durch. Das Opfer wurde am frühen Morgen in der Nähe des Gasthauses „Badl“ aufgefunden. Eine Beraubung war offenbar nicht das Hauptmotiv; Kruckenhauser hatte noch seine Taschenuhr und 21 Schilling bei sich. Der Ziehvater Lechners traf kurz nach der Tat die beiden Mörder am Brunnentrog, wo Lechner gerade seine Hände und das Tatmesser vom Blut reinigte.
Barbara Stöckl: Die 32-jährige schwangere Geliebte des Toni Clementi. Sie wurde am 11. Oktober 1931 auf Anstiften Lechners ermordet und die Leiche in einem Heustadl verbrannt. Lechner überzeugte Clementi, dass der Mord die „Lösung des Problems“ sei, und führte die Tat selbst durch. Clementi hatte Stöckl nach den Aussagen des Chronisten Dablander geliebt und geachtet. Dass Clementi eine Beziehung zu Stöckl unterhielt, war zum Tatzeitpunkt niemandem bekannt – hätte man davon gewusst und die Schwangerschaft der Leiche mit Clementi in Verbindung gebracht, wäre die gesamte Verbrechensserie möglicherweise früher aufgeklärt worden.
Josef Achrainer (Moosnerbauer): Ein 50-jähriger Bauer aus der Umgebung Hopfgartens, der in der Nacht vom 4. auf den 5. April 1933 von Franz Bachler im Alleingang auf besonders brutale Weise mit mindestens 20 Schlägen mit einer Hantel ermordet wurde. Dieser Mord galt als einer der grausamsten in der gesamten Verbrechensserie und war vermutlich ausschlaggebend dafür, dass Bachler im Prozess mit zehn Mal lebenslänglich sogar eine höhere Strafe erhielt als der Rädelsführer Lechner.
Kirchenbrand vom 14. Juni 1932 Der Höhepunkt der Verbrechensserie war der Brand der Pfarrkirche St. Jakob und St. Leonhard am 14. Juni 1932. Die Kirche, ein barocker Großbau und das Wahrzeichen Hopfgartens, auch „Dom des Brixentals“ genannt, wurde durch die Brandstiftung schwer zerstört. Die Flammen stiegen etwa 40 Meter über die beiden Kirchtürme hinaus. Die Hitze erreichte rund 1000 Grad. Glühende Schindeln wurden bis in die drei Kilometer entfernte Nachbargemeinde Itter getragen. Die Glocken begannen zu schmelzen und stürzten beim Brechen der Tragbalken zu Boden.
Sieben Feuerwehren waren im Einsatz. Das Wasser des Schwimmbads wurde abgelassen und im Högergraben gestaut, um die Motorspritzen zu speisen. Besonders mutige Männer standen auf den Dächern der umliegenden Häuser und löschten Glutnester mit Wassereimern und nassen Tüchern. Die Windstille verhinderte, dass die Türme auf den Markt stürzten und diesen vollständig zerstörten, was nach späteren Erkenntnissen die eigentliche Absicht der Brandstifter gewesen war.
Wenige Tage nach dem Brand fand die Firmung statt, die unter Weihbischof Filzer auf dem Friedhof abgehalten werden musste. Da keine Glocken mehr vorhanden waren, wurden zwei Glocken aus der Kapelle des Ortsteils Elsbethen herbeigeschafft und auf einem Behelfsgerüst aufgestellt. Bei den Aufräumungsarbeiten wurde ein Arbeiter durch ein herabfallendes Stück des Glockengesimses tödlich verletzt.
Ermittlungen und Verhaftung Der zuständige Gendarmerie-Postenkommandant Oskar Burtscher ging lange davon aus, dass die Täter nur Auswärtige sein konnten. Zahlreiche Verdächtige aus den durchziehenden Bettlern und Handwerkern wurden verhaftet und verhört, die Taten hörten jedoch nicht auf. Auch Bauern und verschiedene örtliche Sonderlinge, darunter geistig beeinträchtigte Personen, wurden fälschlicherweise verdächtigt. Dass der Täter aus den eigenen Reihen kam, schien undenkbar.
Der Feuerwehrkommandant Konrad Steiner verteidigte seine Leute vehement und erklärte, er lege für jeden Feuerwehrmann die Hand ins Feuer. Dabei gab es durchaus Hinweise: Bei Feuerwehrbällen, bei denen Lechner Trompete spielte, brannten regelmäßig in der Pause Gebäude, und Lechner kehrte mit schmutzigen Schuhen zum Ball zurück.
Erst als der bisherige Ermittler durch den erfahrenen Kriminalisten Inspektor Adolf Felser ersetzt wurde, gelang im Juni 1933 die Aufklärung. Die drei Täter wurden überführt und festgenommen. Die Bevölkerung Hopfgartens war fassungslos darüber, dass die Brandstifter aus der eigenen Gemeinde stammten.
Verurteilung und Schicksal der Täter Am 1. August 1934 wurden die drei Täter in der Landeshauptstadt Innsbruck vor Gericht gestellt. Angesichts der Brutalität ihrer Taten wurden sie zu mehrfach lebenslangem Kerker verurteilt: Lechner erhielt neunmal lebenslänglich, Bachler zehnmal lebenslänglich – vermutlich wegen der besonderen Brutalität des von ihm allein begangenen Mordes am Moosnerbauern. Clementi wurde ebenfalls zu mehrfach lebenslangem Kerker verurteilt.
Im Juni 1943 starb Franz Bachler im Gefängnis Garsten. Im Jänner 1944 starb Toni Clementi im Konzentrationslager Gusen. Alois Lechner starb im Mai 1944 im Konzentrationslager Mauthausen.
Wiederaufbau Die Hopfgartner bauten ihre zerstörten Höfe und die Pfarrkirche wieder auf. Die heutigen sieben Glocken der Pfarrkirche wurden 1948 von der Glockengießerei Oberascher in Salzburg in Sonderlegierung gegossen; eine kleinere Sterbeglocke stammt aus dem Jahr 1933 von der Glockengießerei Grassmayr in Innsbruck.
Rezeption In der mündlichen Überlieferung des Brixentals wurden die „Feuerteufel“ zu einer Art lokaler Legende. Zugleich wurde der Fall über Jahrzehnte weitgehend tabuisiert; viele Hopfgartner wollten die Ereignisse am liebsten vergessen.
Theaterstück von Felix Mitterer 1991 schlossen sich die Bühnen des Brixentals zum „Brixentaler Volkstheater“ zusammen. Der Leiter Heinz Adelmann bat den Tiroler Dramatiker Felix Mitterer, ein Theaterstück über die Feuerteufel zu schreiben. In Hopfgarten regte sich jedoch Widerstand gegen das Vorhaben. Mitterer schrieb das Stück dennoch. Das Drama Die drei Teufel wurde am 25. Juni 1999 vom Brixentaler Volkstheater in Hopfgarten unter der Regie von Eckehard Schönwiese uraufgeführt. Es wurde ein großer Erfolg und trug dazu bei, die lange verdrängte Geschichte öffentlich aufzuarbeiten. Das Stück ist im Sammelband Stücke 3 im Haymon Verlag erschienen und ist für andere Bühnen gesperrt.
Zeitzeugenberichte Der Hopfgartner Chronist und Schuldirektor Vinzenz Dablander, der den Kirchenbrand als Siebenjähriger aus rund 100 Metern Entfernung miterlebte, hinterließ ausführliche Zeitzeugenberichte. In einem 1999 geführten Interview schilderte er die traumatischen Eindrücke des Brandes.
Literatur
Einzelnachweise
Kategorie:Hopfgarten im Brixental Kategorie:Kriminalfall in Österreich (Zwischenkriegszeit) Kategorie:Kriminalfall (20. Jahrhundert) Kategorie:Österreicher