mini|M. G. De Rossi, Nuova Pianta di Roma, 1668 (Ausschnitt mit Widmung) De Rossi in Piazza Navona nannte sich eine aus Mailand stammende und von 1628 bis zum Ende des 17. Jahrhunderts in Rom tätige Familie von Druckern, Verlegern und Händlern von Kupferstichen und Radierungen. Das von den Brüdern Giovanni Battista und Giuseppe gegründete, dann getrennt weitergeführte und von Matteo Gregorio übernommene Unternehmen gab anfangs Nachdrucke aufgekaufter Platten, später auch neue Veduten-Folgen und Einzelblätter heraus. Die besten Werke fertigten der flämische Künstler Lievin Cruyl und der wenig bekannte Italiener Giuseppe Tiburtio Vergelli. Der Namenszusatz „in Piazza Navona“ bezeichnete den Standort der bottega und diente der Abgrenzung von einem anderen Familienzweig desselben Gewerbes, den De Rossi alla Pace.

Erste Generation: Giovanni Battista Die nach eigener Angabe aus Mailand stammenden Söhne von Giulio de Rossi, Giovanni Battista (* um 1601) und sein jüngerer Bruder Giuseppe († 1644), absolvierten ab 1617 eine Lehre bei ihrem Onkel Giuseppe de Rossi (d. Ä.). Nachdem sie von diesem „eine Art Abfindung“ erhalten hatten, machten sie sich selbständig und eröffneten 1628 ein Geschäft auf dem Platz vor Santa Maria della Pace. Nach der Trennung der beiden Brüder 1635 verlegte Giovanni Battista seine Werkstatt an die Piazza Navona. mini|É. Dupérac: I Vestigi dell’ antichità di Roma, Ausg. 1639 mini|F. Villamena: Genesis-Szene, La Sacra Genesi, 1626 mini|L. Cruyl: Engelsburg und -brücke, Prospectus, 1666 Als sein erster bekannter Druck gilt der 1640 aktualisierte Romplan (Pianta di Roma, erstmals 1577, erneut überarbeitet 1646) von Étienne Dupérac. Thomas Ashby hat darüber hinaus eine Neuauflage der „Antiken Überreste“ mit dem Datum 1639 (Vestigi dell’antichità di Roma, erstmals 1575, erneut De Rossi 1671) ausfindig gemacht. Auf beiden Drucken ergänzte De Rossi seinen Namen mit dem Vermerk „in Navona“, um sich von der Familie des Onkels, den ebenfalls im Druckhandel tätigen De Rossi alla Pace, abzugrenzen.

De Rossi gelangte ebenso in den Besitz anderer, ehemals bei Antonio Lafreri erschienener Kupferstiche und Radierungen, wie z. B. „Opfer und Tod Abels“ (1544), „Die Heimsuchung“ von Giorgio Ghisi und „Der vatikanische Meleager“ (1555). Diese drei sowie weitere erschienen um 1773 bei Carlo Losi. Weitere Kunstdrucke, wie beispielsweise das erstmals 1626 durch die Erben Francesco Villamenas gedruckte Sammelwerk mit Kupferstichen nach den Genesis-Fresken in den Loggien Raffaels, weisen eine ähnliche Historie auf.

Die Anstellung des flämischen Vedutenzeichners und -Stechers Lievin Cruyl stellte sich für den Mitarbeiter als wenig erfreulich heraus. De Rossi, der sich langsam aus dem Geschäft zurückzog und dessen Sohn selbst künstlerische Ambitionen hegte, versagte ihm die gebührende Anerkennung. Deutlich wird dies auf dem 1668 herausgegebenen „Neuen Plan von Rom“, wo der Name des eigentlichen Urhebers Cruyl fehlt und „Matteo Gregorio De Rossi“ als Zeichner und Grafiker benannt ist.

Vier Jahre zuvor hatte ein erbitterter Wettbewerb zwischen dem Vater und dessen Cousin begonnen, der zwar erst 1676 endgültig entschieden wurde, dann aber zugunsten der Druckerei „alla Pace“. Beide Verleger hatten 1664 an einer Reihe von Publikationen gearbeitet, die das moderne Bild Roms nach den Maßnahmen Alexanders VII. darstellen und feiern sollten. Dem von Giovanni Battista im November erreichten Druckprivileg auf die „Stadtansicht im Großformat auf neun großformatigen Blättern“ konterte Giovanni Giacomo umgehend – und erhielt ein Sonderprivileg auf alle seine Druckwerke, den Grundstein für seine Vormachtstellung Anfang der 1680er-Jahre. Die 1676 von Giovanni Battista Falda fertiggestellte Karte zeigt die Stadt als räumliches Ganzes, d. h. jeden einzelnen Baublock, nicht nur eine Ichnografie, aus der die wichtigsten Baukörper herausragen. Sie machte den Stadtplan von 1668 „sofort überflüssig“.

Zehn Radierungen der etwa 30 von Cruyl angefertigten Vedutenzeichnungen veröffentlichte De Rossi 1666 als Prospectus Locorum Urbis Romae Insignium. Als der Verleger 1678 starb, hatte sein Sohn die Leitung des Unternehmens bereits übernommen.

Zweite Generation: Matteo Gregorio mini|G. T. Vergelli: Pantheon, 1692 mini|Cruyls „Kleiner Stadtplan“ von 1665, Ausg. 1773 Connors zeichnet kein sympathisches Bild des 1638 geborenen Sohns von Giovanni Battista. Matteo Gregorio sorgte gegen Ende des Jahrhunderts für neuen Unmut, indem er Faldas Name auf seiner Neuausgabe des Nuovo Teatro delle fabbriche nur auf dem Titelblatt und in winziger Schrift erwähnte und auf allen Blättern durch seinen eigenen Namen ersetzte (Nuovo splendore, 1686). In den späten 1680er-Jahren fand er dann einen neuen Protegé, den wenig bekannten, doch talentierten Giuseppe Tiburtio Vergelli aus Recanati. Dessen Buch über die Brunnen Roms sowie exzellente Druckgrafiken mit der Heiligsprechung 1690, dem Pantheon und San Giovanni in Laterano erschienen 1690, 1692 und 1693 im Verlag an der Piazza Navona. Doch obwohl der Verleger offenbar qualitätsvolle Werke zu schätzen lernte, konnte er an den Erfolg seines Verwandten Domenico, der Architekturdarstellungen Alessandro Specchis veröffentlichte, nicht anknüpfen. Im August 1695 kehrte Vergelli in seine Heimatstadt zurück.

Der letzte bekannte Druck mit der Adresse De Rossis ist eine Neuauflage des 1665 vom Vater publizierten ersten, kleineren Stadtplans Cruyls aus dem Jahr 1696. Danach sind die Informationen über die Werkstatt an der Piazza Navona lückenhaft. Über welche Wege und wie viele der Druckplatten in den frühen 1770er-Jahren an Carlo Losi (1757–nach 1805) gelangten, ist bisher noch nicht geklärt. Dazu wäre der 1790 erstellte Index des Druckhändlers auszuwerten.

Filippo, Michelangelo und Pier Vincenzo Für die zeitgenössischen Drucker und Verleger namens Rossi oder De Rossi ist keine Verwandtschaft nachweisbar. Ein mit Wirkungsdaten 1633–1670 ausgewiesener Filippo de’ Rossi druckte 1654 eine überarbeitete Fassung des illustrierten „Porträts des antiken Rom“ von Pompilio Totti (Ritratto di Roma Antica, erstmals 1627 bei Andrea Fei), einem 1639 gestorbenen antiquarischen Autor.

1697 tauchen Michel’Angelo und Pier Vincenzo Rossi als Betreiber der Verkaufsstelle (libreria) am Pasquino auf den Titelblättern der neu herausgegebenen Romführer Descrizione di Roma Antica und Descrizione di Roma Moderna auf. Weitere Auflagen (Band 1, 1708; Band 2, 1727) finden sich im digitalisierten Bestand der Universitätsbibliothek Heidelberg. und Laut Bifolco und Ronca war Pier Vincenzo ein angesehener Händler von Druckgrafiken und besaß Michelangelo von 1689 bis 1727 eine Druckerei bei der Banco di Santo Spirito.

Relevante Veröffentlichungen mini|Prospectus Locorum Urbis Romae Insignium, 1666 mini|La Sacra Genesi, mini|Le Fontane publiche delle piazze di Roma moderna, 1690 Prospectus Locorum Urbis Romae Insignium. Inventore Matheo Gregorio de Rubeis Romano. Delineati et aere incisi Livino Cruyl Gandavensi. Liber primus. Romae Typis Joannis Baptistae de Rubeis, 1666 Nuova Pianta di Roma presente, con i disegni e nomi delle chiese, palazzi, edificii, piazze, strade, fortificationi, ed altre cose aggiunte. Disegnata et intagliata da Matteo Gregorio de Rossi Romano appresso Gio: Batta: Rossi Milanese in Piazza Navona, La Sacra Genesi figvrata da Rafaele d’ Vrbino nelle Logge Vaticane. Intagliata da Francesco Villamena. (…) Gio Batta: de Rossi, 1626 (Datum wahrscheinlich von der Erstveröffentlichung durch die Erben Villamenas) Il nvovo splendore delle fabriche in prospettiva di Roma moderna fatte restavrare dalla fel. mem. di Papa Alessandro VII. Nuouamente intagliato sotto il felice Pontificato di n. S. Papa Innocentio XI. (…) Matteo Gregorio de Rossi. 3 Bände, 1686–1688 Le fontane publiche delle piazze di Roma moderna disegnate da Gioseppe Tiburtio Vergelli Recanatese, intagliate da Pietro Paolo Girelli Romano e date in luce con le stampe originali da Matteo Gregorio Rossi Romano, 1690

Literatur

Weblinks

Einzelnachweise

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