Helmuth Theodor Ludwig Gottlieb Katz, Pseudonym Helmuth Michaud (* 29. Oktober 1891 in Gernsbach; † 30. Dezember 1969 in Lübeck) war ein deutscher Holzkaufmann und Autor.
Leben Helmuth Katz war ein Sohn des Holzindustriellen Casimir Otto Katz und dessen Ehefrau Johanna, geb. Kast. Er entstammte einer Familie von Holzbaronen, „die seit Jahrhunderten dem Wald und dem Handel mit Holz verbunden“ waren.Holz-Zentralblatt. 6. September 2007. Sein Großvater, der Reichstagsabgeordnete Casimir Rudolf Katz, war Verwaltungsratsvorsitzender der Murgschifferschaft und Pionier der industriellen Holzbearbeitung.
Er besuchte das Realgymnasium Humboldtschule in Karlsruhe bis zum Abitur im Juli 1911.Stationen bis 1919 nach dem Lebenslauf in der Diss., S. 75 Ab dem Wintersemester 1911/12 studierte er Chemie, zuerst an der Universität Basel, von 1912 bis 1914 an der Universität München und von 1914 bis 1915 wieder an der Universität Basel, wo er das Vorexamen ablegte. Vom August 1915 bis November 1916 leistete er Kriegsdienst im Ersten Weltkrieg, bis er infolge einer Verwundung entlassen wurde. Ab dem Wintersemester 1916 konnte er sein Studium an der Technischen Hochschule in Karlsruhe fortsetzen. Im Sommersemester 1917 war er Vorlesungsassistent von Carl Engler. Die Diplomprüfung legte er im April 1917, die mündliche Doktorprüfung zum Dr.-Ing. am 19. Juli 1918 ab. Seine von Carl Engler betreute Dissertation Über die chemische Untersuchung des Braunschweiger Posidonienschiefers und seiner Produkte untersuchte die technische Verwertbarkeit des in Schandelah abgebauten Ölschiefers.
Nach einer kurzen Zeit als Chemiker bei Degussa trat Katz zum 1. September 1919 in das Familienunternehmen Katz & Klumpp ein.Berufliche Stationen ab 1919 im Wesentlichen nach Helmuth Katz, in: Das Papier 13 (1959), S. 452f Mit dem Tod seines Vaters am 23. Dezember 1919 wurde er zusammen mit seinen Brüdern persönlich haftender Gesellschafter des Unternehmens. Er übernahm das 1913 gegründete Zweigwerk in Lübeck-Schlutup, das vor allem aus Skandinavien per Schiff importiertes Holz verarbeitete. Zu den Erzeugnissen zählten vor allem imprägnierte (kynaisierte) Telegrafenstangen und Leitungsmasten, aber auch Schwellen, Spundwandbohlen, Holzhaus- und Barackenbauten und Holzstofferzeugnisse. 1930 wurde das Familienunternehmen in eine Aktiengesellschaft umgewandelt, und Helmuth Katz wurde Vorstandsmitglied.
Nach dem Tod seines Bruders Casimir Hermann Karl Katz (1883–1936) am Weihnachtstag 1936 übernahm Helmuth Katz die Gesamtleitung des Unternehmens als Vorsitzender des Vorstands. Ab Anfang 1939 wurde gegen ihn und weitere Mitglieder der Eigentümerfamilie wegen Devisenvergehen „Konkursverbrechen, Volksverrat u.a.“ ermittelt.Die Ermittlungsakten des Falls sind im Generallandesarchiv Karlsruhe überliefert, Bestand 309 Nr. 2737 ff Helmuth Katz kam in Untersuchungshaft, bis das Verfahren im April 1940 eingestellt wurde.Casimir Katz: Jeder sah es anders. Erinnerungen an meine Kindheit und Jugend im Dritten Reich. Casimir Katz Verlag, Gernsbach 2000, ISBN 3-925825-77-0, S. 112, 140 Im Zweiten Weltkrieg wurde die Produktion in Lübeck-Schlutup durch Zwangsarbeiter aufrechterhalten, für die ein eigenes Sammellager für 100 Personen errichtet wurde.Lübeck-Schlutup auf www.zwangsarbeiter-s-h.de, abgerufen am 25. März 2026 In Schlutup betrieb Katz mit der Carbon G.m.b.H. & Co. K.G. in der Mecklenburger Str. 165 auch ein Unternehmen zur Holzverkohlung und Holzverzuckerung. 1957 wechselte Katz in den Aufsichtsrat von Katz & Klumpp. Er war lange Mitglied im Verwaltungsrat der Murgschifferschaft.
In Lübeck war Katz auch kulturell engagiert, so als Vorstandsmitglied im Verein der MusikfreundeLübeckische Blätter 119 (1959), S. 258 und in der Gesellschaft zur Beförderung gemeinnütziger Tätigkeit. 1938 war er einer der vier städtischen Beiräte für Angelegenheiten der Kunst und Wissenschaft.Die anderen waren Konsul Julius Harms, der Reichsgeschäftsführer der Nordischen Gesellschaft Ernst Timm sowie der Ratsherr Horst Wegner, Adreßbuch der Hansetstadt Lübeck 1938, S. 56 Nach 1949 war er Vorstandsmitglied der Deutschen Auslandsgesellschaft und der Deutsch-Finnischen Vereinigung.
Seit seiner Jugendzeit verfasste Katz Dichtungen, die er erstmals 1919 veröffentlichte. Nach dem Zweiten Weltkrieg verwendete er den Autorennamen Helmuth Michaud nach dem Mädchennamen seiner Großmutter Jenny Katz, geb. Michaud aus Vevey im französischsprachigen Teil der Schweiz. 1952 kolportierte Die Zeit die Nachricht, ein von Katz (Michaud) verfasstes Drama Suter über Johann August Sutter, „eine schlechte, dilettantische Angelegenheit“, sei nur deshalb 1948 am Theater Lübeck und 1952 am Badischen Staatstheater Karlsruhe (dort nach Bearbeitung durch Alexander Golling unter dem Titel Der ewige Fluch) aufgeführt worden, weil Katz zuvor den Theatern Holz ohne Bezugsschein hatte zukommen lassen.Die Jagd nach den Musen, in: Die Zeit vom 7. Februar 1952 (Volltext)
Helmuth Katz war seit 1924 verheiratet mit Elisabeth geb. Bender (1904–1993), einer Tochter des Kammersängers Paul Bender und dessen Ehefrau, der aus einer jüdischen Familie stammende Sängerin Paula, geb. Brand († 1917). Casimir (1925–2008) und Karin, verh. Boldemann (1928–2024) waren Kinder des Paares. Sein Schwiegersohn Laci Boldemann vertonte einige der Dichtungen von Helmuth Katz (Michaud).Z.B. Sechs Kleine Liebeslieder op. 2, Lieder der Vergänglichkeit op. 8 (1951), Notturno op. 14 (1958)
Werke Über die chemische Untersuchung des Braunschweiger Posidonienschiefers und seiner Produkte. Karlsruhe: Lang 1919 (Digitalisat) Gedichte: Aus den Jahren 1908-1918. Karlsruhe: Fidelitas 1919 Tod und Leben: Neue Gedichte. Stuttgart-Cannstatt: Phaethon 1920 (= Die Brücke 40) (als Helmuth Michaud) Gedichte. Hamburg: Toth 1946 (als Helmuth Michaud) Das ewige Herz: Gesammelte Lieder und Balladen. Hamburg: Toth 1948 (als Helmuth Michaud) Die kleine Bronzeglocke und andere Märchen. Illustrationen: Charlotte March, Wolfshagen-Scharbeutz: Westphal 1953
Literatur Die Jagd nach den Musen, in: Die Zeit vom 7. Februar 1952 (Volltext) Helmuth Katz, in: Das Papier 13 (1959), S. 452f Casimir Katz: Jeder sah es anders. Erinnerungen an eine Kindheit und Jugend im dritten Reich. Gernsbach: Casimir Katz Verlag, 2. Aufl. 2001
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Industrieller (Lübeck) Kategorie:Person (Gernsbach) Kategorie:Person (Holzwirtschaft) Kategorie:Unternehmer (Baden) Kategorie:Autor Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1891 Kategorie:Gestorben 1969 Kategorie:Mann