Das 7,7-cm-Infanteriegeschütz L/19,5 (Rh), kurz 7,7-cm-I.G. L/19,5 (Rh) war ein Infanteriegeschütz des Deutschen Kaiserreichs und wurde im Ersten Weltkrieg eingesetzt.
Entwicklung Neben der Friedrich Krupp AG entwickelte auch Rheinmetall (kurz: Rh) ein Infanteriegeschütz mit dem Kaliber von 7,7 cm. Man wollte hier ein Konkurrenzgeschütz herstellen und deshalb ähnelte es sehr stark dem 7,7-cm-Infanteriegeschütz L/20 von Krupp. So waren auch die ballistischen Leistungen und das Gewicht nahezu identisch. Die Artillerieprüfkommission beurteilte das neue 7,7-cm-Infanteriegeschütz L/19,5 (Rh) auf dem Schießplatz Unterlüß. Dabei kam sie zu dem Ergebnis, dass sich die Streuung in mäßigen Grenzen hielt und es keine besonderen Vorkommnisse bei der Erprobung gab. Der neue, von Rheinmetall erstmals zum Einsatz gebrachte, umklappbare Lafettenschwanz, kam auf den ersten Blick sehr gut an. So äußerte sich die Artillerieprüfkommission dazu:
Technische Beschreibung mini|7,7-cm-Infanteriegeschütz L-19,5 (Rh) mit kurzer Lafette (Anstecksporn) Das Geschützrohr des 7,7-cm-I.G. L/19,5 wurde von der 7,7-cm-Feldkanone 96 n. A. übernommen und um 7,5 Kaliberlängen gekürzt und im vorderen Bereich eine Klaue angebracht. Die Verbindung zwischen Geschützrohr und Bremszylinder erfolgte durch eine Kappe, welche am Rohr fest angebracht war. Neben dem verkürzten Geschützrohr wurde auch der Verschluss von der 96 n. A. übernommen. Die Rohrwiege musste ebenfalls verkürzt werden. Die Rohrrücklauf wurde so eingerichtet, dass er ständig gleichbleibend lang ist. Damit dieser Rohrrücklauf lang und die Reichweite hoch blieb, wurde das Geschützrohr mit der Rohrwiege weiter nach vorn gesetzt. Das Gewicht wurde mithilfe von Ausgleichsgewichten aufgefangen. Um das Geschützrohr wieder in seine Ausgangsposition zurückzubringen, wurde ein Federvorholer verbaut. Dieser bestand aus zwei inneren und zwei äußeren Vorholfedern. Das Gesamtgewicht des Geschützrohres mit Verschluss lag bei 290 kg.
Die Lafette wurde länger gehalten, um eine möglichst hohe Stabilität des Geschützes zu ermöglichen. Vier Geschütze wurden mit speziellen Lafetten ausgerüstet, welche für den Transport oder schweres Gelände eingeklappt werden konnten. Dadurch wurde die Länge deutlich verringert um einen Kampf im engen Grabengelände zu erleichtern. Da durch eine kurze Lafette die Stabilität bei der Schussabgabe sehr stark eingeschränkt war, hatte Rheinmetall einen zusätzlichen kleinen Erdsporn konstruiert. Damit konnte der Lafettenschwanz ausgerüstet und in dieser dann in den Boden gerammt werden. Damit konnte man auch aus Geschosstrichtern sicher Feuern und das Geschütz blieb recht klein. Die Lafettenachse bestand aus einer hohlen Stahlachse, die Räder bestanden aus Holz und wurden mit Verbreiterungen ausgestattet.
Das seitliche Richten erfolgte durch manuelles Drehen der Achse. Ohne das Drehen der Achse war ein seitliches Richten nur um 2,5 Winkelgrad zu jeder Seite möglich. Das Richten in der Höhe wurde durch eine Höhenrichtmaschine erleichtert. Diese stammte ebenfalls von der 96 n. A. Zum Schutz vor Staub und Schmutz war diese mit einem Schutzkasten umgeben. Dabei lag der Höhenrichtbereich zwischen −10 und +15 Winkelgrad. Um die Besatzung vor leichten Beschuss und Splittern zu schützen, verfügte das 7,7-cm-I.G. L/19,5 über einen Geschützschild. Dieser bestand aus drei Teilen und konnte komplett entfernt werden. Die Visiereinrichtung bestand aus einem Rundblickfernrohr und wurde ebenfalls von der 96 n. A. übernommen. Es verfügte über zwei Metereinteilungen, jeweils für horizontal und vertikal.
Die nutzbare Munition entsprach der 96 n. A., wurde jedoch mit einer verringerten Ladung verschossen. Damit erreichten die Granaten eine Mündungsgeschwindigkeit von 400 m/s. Nur in Ausnahmefällen konnte die normale Ladung verschossen werden, dann erreichten die Geschosse eine Mündungsgeschwindigkeit von 435 m/s. Die Munition lagerte in einem Munitionskarren, welcher gleichzeitig als Protze für den Rohrwagen, sowie den Lafettenwagen diente. Insgesamt fanden 36 Granaten darin Platz. Jede Batterie verfügte dazu über einen Munitionsvorrat von 528 Schuss. Die größte Reichweite bei der geringen Ladung lag bei 4,5 km, mit der normalen Ladung der 96 n. A. bei 5,1 km.
Um den Transport des 7,7-cm-I.G. L/19,5 sicherzustellen, verfügte jedes Geschütz über einen eigenen Rohrwagen. Darauf wurde, neben dem Geschützrohr, weiteres Zubehör und der Geschützschild verladen. Der Rohrwagen konnte mit einer Gabel- oder Stangendeichsel durch Zugtiere oder Kraftfahrzeuge gezogen werden.
Einsatz Lediglich die Infanteriegeschütz-Batterie Nr. 5 wurde auf dem Übungsplatz Dourlers mit einigen Geschützen ausgerüstet, die allerdings nicht mehr an die Front verlegt wurde.
Weblinks
Literatur
Einzelnachweise
Kategorie:Geschütz Kaliber 50 mm bis 100 mm Kategorie:Militärtechnik (Erster Weltkrieg) Kategorie:Feldkanone (Deutsches Kaiserreich)