mini|hochkant|Die Stele aus Leithaprodersdorf.
Die Stele von Leithaprodersdorf wurde 2014 bei archäologischen Untersuchungen auf der Fundstelle Kreuzäcker in Leithaprodersdorf (Burgenland, Österreich) in einem Grab der Wieselburger Kultur gefunden. Es handelt sich um ein Fragment einer bearbeiteten Steinstele, das aufgrund seiner besonderen Merkmale als bedeutender Einzelfund gilt.
Fundumstände Die Stele wurde seitlich an der Grubenwand eines Grabes der Wieselburger Kultur liegend aufgefunden, vergleichbar mit anderen wandbegleitenden Steinen in Gräbern mit Steineinbauten. Das erhaltene Fragment ist etwa 60 cm hoch, 40 cm breit und zwischen 4 und 10,5 cm dick.
Beschreibung Trotz des fragmentarischen Erhaltungszustands ist der künstliche Charakter der Stele eindeutig nachweisbar. Dies zeigt sich an gezielten Bearbeitungsspuren, insbesondere einem geschliffenen Loch sowie einem langen, gleichmäßigen Schlitz. An der linken Seitenfläche wurde eine horizontale Pickspur festgestellt, die als etwa 3 mm tief eingemeißelter „Gürtel“ interpretiert wird. Diese befindet sich in einer Verjüngung des Profils und deutet auf eine anthropomorphe Gestaltung der Stele hin. Violetta Reiter: Leithaprodersdorf, Flur Kreuzäcker. Gräber der Ragelsdorf-Oggau-Gruppe, der Leithaprodersdorf-Gruppe und der Wieselburg-Kultur. Fundberichte aus Österreich Beihefte 5, Wien 2026, S. 42–46.
Einordnung Steinstelen zur Kennzeichnung von Gräbern sind in der Frühbronzezeit der Wieselburger-Kultur selten, aber belegt. Vergleichsfunde aus Ostösterreich Gustav Melzer: Mannersdorf am Leithagebirge, Fundberichte aus Österreich 20, 1981, S. 365–369, Grab 138. zeigen meist einfache, nach oben verjüngte Steinplatten ohne komplexe Bearbeitung. Die Kombination aus Lochung, Schlitz und Gürtel ist bislang einzigartig. Aufgrund ihrer Lage im Grab wird angenommen, dass die Stele sekundär verwendet wurde und ursprünglich aus einem älteren kupferzeitlichen Kontext stammt.
mini|Die Stele von Mannersdorf aus Grab 138 der Wieselburger Kultur hinter dem Museum Mannersdorf (Foto V. Reiter).
Kulturgeschichtlicher Kontext Anthropomorphe Stelen mit Gürtel sind vor allem im Karpaten-Balkan-Raum sowie im nordpontischen Gebiet verbreitet und werden mit der Jamnaja-Kultur in Verbindung gebracht. Diese Stelen können detaillierte menschliche Darstellungen mit Kopf, Gliedmaßen und symbolischen Attributen aufweisen. Elke Kaiser: Das dritte Jahrtausend im osteuropäischen Steppenraum. Kulturhistorische Studien zu prähistorischer Subsistenzwirtschaft und Interaktion mit benachbarten Räumen, Berlin Studies of the Ancient World 37, Berlin 2019, S. 205-214 (Digitalisat) Gelochte Steinstelen sind auch aus dem spätneolithischen Alpenraum bekannt, etwa aus Südtirol. Hanns Oberrauch und Günther Niederwanger: Archäologische Prospektion im hinteren Passeiertal (Südtirol). In: Franz Mandl und Harald Stadler (Hrsg.), Archäologie in den Alpen. Alltag und Kult, Forschungsberichte der ANISA 3, Haus/Ennstal 2010, S 9, Abb. 16. Die Stele von Leithaprodersdorf vereint somit Merkmale verschiedener kultureller Traditionen.
Bedeutung Der Fund wird als möglicher Hinweis auf kulturelle Verbindungen zwischen dem Karpatenraum und dem Alpengebiet interpretiert. Durch das Zusammentreffen östlicher und westlicher Elemente könnte die Stele ein Bindeglied zwischen unterschiedlichen megalithischen Traditionen darstellen. Zugleich liefert sie wichtige Hinweise auf die Wiederverwendung älterer Objekte in der Frühbronzezeit sowie auf symbolische Formen der Grabkennzeichnung.
Literatur Franz Sauer und Nikolaus Hofer, Leithaprodersdorf – Archäologie der Vielfalt, Archäologie Aktuell 11, Horn 2025, S. 7–9.
Einzelnachweise
Kategorie:Leithaprodersdorf Kategorie:Statue (Ur- und Frühgeschichte) Kategorie:Sandsteinskulptur Kategorie:Skulptur (3. Jahrhundert v. Chr.) Kategorie:Stele Kategorie:Archäologischer Fund (Österreich) Kategorie:Archäologischer Fund (Bronzezeit) Kategorie:Geschichte des Burgenlandes