Karl Adolf Krawinkel (* 30. Januar 1937 in Essen) ist ein deutscher Unternehmer, Philanthrop und Kunstsammler. Er gilt als Erfinder der elektronischen Preisanzeige für Tankstellen, die er mit der Firma PWM GmbH & Co. als erster weltweit vermarktet hat.

Leben Karl Adolf Krawinkel wurde neben drei Schwestern als jüngstes Kind des Unternehmers Hans Gerd Krawinkel und seiner Frau Eleanor Krawinkel in Essen geboren. Sein Vater führte in 5. Generation zusammen mit anderen geschäftsführenden Gesellschaftern das 1806 gegründete Familienunternehmen Leop. Krawinkel zur Produktion gestrickter bzw. gewirkter Herren-, Damen- und Kinderoberbekleidung sowie Herrenunterwäsche.

Die Mutter, Eleanor Krawinkel, geborene Yarborough, war gebürtige US-Amerikanerin und stammte väterlicherseits vom britischen Adelsgeschlecht des Earl of Yarborough ab. Die Eltern heirateten 1929 in New York City und zogen kurz danach nach Bergneustadt, wo Hans Gerd Krawinkel ins Familienunternehmen zurückkehrte. Drei Jahre nach der Geburt von Karl Adolf Krawinkel fiel sein Vater im Zweiten Weltkrieg. Krawinkel wurde früh auf eine prospektiv leitende Rolle im Familienunternehmen vorbereitet, indem er bereits in seinem 12. Lebensjahr während der Sommerferien in der Produktion arbeitete, um das Gewerbe von Grund auf kennenzulernen.

Nach dem Abitur 1957 durchlief er zahlreiche Praktika bei Leop. Krawinkel und studierte Wirtschaftsingenieurwesen und Betriebswirtschaftslehre. An der Universität Köln erwarb er 1964 seinen Abschluss als Diplom-Kaufmann. Im gleichen Jahr heiratete er die Künstlerin Hendrina Dohrn, deren Vater Tobias Dohrn ein international renommierter Estruskologe war. Das Paar bekam drei Kinder und lebte in Bergneustadt.

Karriere Nach dem Studium hatte Karl Adolf Krawinkel 1965 eine Beratertätigkeit bei der Kienbaum Unternehmensberatung inne, ehe er als Controller bei der Girmes Werke AG angestellt war. 1967 trat Karl Adolf Krawinkel als Prokurist ins Familienunternehmen Leop. Krawinkel ein, wo er seit 1970 als Geschäftsführer firmierte und dank der Entwicklung innovativer Produkte in den folgenden Jahrzehnten den Mittelstand im Oberbergischen Kreis nachhaltig mitprägte und stärkte. Darüber hinaus wurde er Komplementär der Tochtergesellschaften Friedrich-Wilhelm Weil KG, die als Händler für Autos der Marke Ford fungierte, sowie der Feinspulenwickelei Heinz Rehfeld KG in Berlin.

Innerhalb der 1971 gegründeten Krawinkel Holding versprach die Firma PWM, 1961 ins Leben gerufen und ursprünglich der Produktion von Leuchtwerbemitteln für das Brauereigewerbe verschrieben, die Eröffnung neuer, zukunftsträchtiger Geschäftsfelder. Denn mit den zunehmenden Billigimporten von Textilwaren aus Asien sah Karl Adolf Krawinkel das Kernsegment des Unternehmens im Niedergang und strebte die Entwicklung innovativer Erzeugnisse an, beginnend mit der Herstellung und dem Vertrieb von Werbeleuchten für die Markenartikelindustrie, beispielsweise die heute als ikonisch geltenden Werbeleuchten für Lotto- und Toto-Annahmestellen. Des Weiteren setzte Krawinkel auf die Herstellung, den Vertrieb und die Montage von Kunststofffenstern und -Türen.

Inspiriert von den digitalen Uhr- und Temperaturanzeigen an Geschäften und Apotheken in den USA entwickelte der Unternehmer sein Konzept der elektronischen Preisanzeige für Tankstellen, um die bis dato aufwändigen analogen Preisanpassungen obsolet zu machen. Die weltweite Markteinführung erfolgte 1984. Hard- und Software dieser vollumfänglichen Lösung kamen aus einer Hand. Zu den ersten Kunden in Deutschland gehörte der US-Konzern Texaco. Es folgten Aral, BP, Esso, Total u.v.m. Schon bald gingen Aufträge aus vielen anderen Ländern ein. Die Trendumkehr von der textilen zur digital und global ausgerichteten Produktion fasste Karl Adolf Krawinkel im Slogan „Von Strick zum Chip“ zusammen.

In den Folgejahren wurde mit seinem Sohn Max Ferdinand Krawinkel, der seit 1998 als Co-Geschäftsführer agierte, die Internationalisierung von PWM vorangetrieben. So wurde 2002 mit der PWM Inc. Ein Tochterunternehmen in Houston in Texas gegründet, um dem wachsenden US-Markt Rechnung zu tragen. Heute ist die Firma mit ihren Produkten in über 160 Ländern vertreten und firmiert ungebrochen als Weltmarktführer für elektronische Preisanzeigen.

Parallel war er von 1978 bis 1985 an der Universität Siegen und von 1986 bis 1991 an der Fachhochschule Köln als Lehrbeauftragter tätig und hielt prüfungspflichtige Vorlesungen im Bereich Industriebetriebswirtschaftslehre und Betriebswissenschaften.

2010 übernahm Karl Adolf Krawinkel den Vorsitz im Beirat und übergab die alleinige Geschäftsführung des Familienunternehmens seinem ältesten Sohn Max Ferdinand Krawinkel, der das Unternehmen, heute vornehmlich in Gestalt der Firma PWM, in nunmehr siebter Generation führt. 2018 trat er als Beiratsvorsitzender zurück und ist nunmehr Ehrenvorsitzender des fünfköpfigen Beirats.

Kunst Selbst gern zeichnend und aquarellmalend begeisterte Karl Adolf Krawinkel sich bereits in jungen Jahren für zeitgenössische Kunst. Gemeinsam mit seiner Ehefrau Hendrina Krawinkel, die als freischaffende Künstlerin tätig ist und auf Ausstellungen u. a. in USA, China und Italien zurückblickt, begann er ab Mitte der 1960er Jahre Kunst zu sammeln. Zeitgleich startete er 1967 mit dem Aufbau einer Corporate Collection für die Krawinkel Holding. Hier war es, angelehnt an das damalige Geschäft mit Leuchtwerbung, vor allem Lichtkunst, die in den Fokus der Firmensammlung geriet. So erwarb Krawinkel im Laufe der Jahre ausgewählte Arbeiten von u. a. Robert Rauschenberg, François Morellet und Mischa Kuball. Auch seine Privatsammlung schließt Leuchtkunst mit ein, darunter z. B. Werke von Dan Flavin, Brigitte Kowanz und Jeppe Hein.

2013 gehörte Karl Adolf Krawinkel zu den Mit-Initiatoren der Perlensucher am Museum Ludwig, einer Gruppe von passionierten Kunstsammlern, die sich dem Ankauf relevanter Papierarbeiten für das Museum verschrieben hat.

Soziales und kulturelles Engagement Als Gründungsmitglied des Rotary Clubs Gummersbach-Oberberg setzt sich Karl Adolf Krawinkel seit 1968 für Völkerverständigung, internationale Projekte und die Förderung von Bildung, Kinder- und Jugendbetreuung sowie sozialer Belange in der Region ein. Zusammen mit seiner Frau Hendrina Krawinkel unterstützt er zahlreiche Privatinitiativen und karitative Zwecke, nicht selten auch anonym als stiller Spender.

Im Kulturbereich firmiert er als Mitglied der Gesellschaft für Moderne Kunst am Museum Ludwig und ist Co-Initiator des dortigen Perlensucher-Projekts.

Den Bayreuther Festspielen ist er seit 1988 als Spender und aktuell als Gönner sowie als Besucher eng verbunden.

Nachweise

Kategorie:Unternehmer (20. Jahrhundert) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1937 Kategorie:Mann