Elena Tobisch (* 14. August 1956 in Nowotscherkassk, Sowjetunion) ist eine österreichische Mathematikerin und Schriftstellerin. Geboren als Jelena Alexandrowna Losanowskaja, trug sie von 1982 bis 1999 den Namen Kartashova und seit 2013 den Namen Tobisch.
Biographie Tobisch schloss ihr Studium an der Fakultät für Mechanik und Mathematik der Lomonossow-Universität Moskau im Jahr 1978 im Fach Zahlentheorie bei Juri Walentinowitsch Nesterenko ab. Sie promovierte am Institut für Ozeanologie der Russischen Akademie der Wissenschaften (bei Wladimir Sacharow) und habilitierte sich an der Johannes Kepler Universität Linz, Österreich.Elena Tobisch In: Johannes Kepler Universität Linz Sie arbeitete von 2004 bis 2024 in Vollzeit an der Johannes Kepler Universität (JKU) Linz und ging 2024 in den Ruhestand. Sie war Leiterin der Gruppe Nonlinear Resonance Analysis von 2012 bis 2023 und Leiterin der Abteilung Dynamische Systeme und Approximationstheorie von 2022 bis 2023 am Institut für Analysis, JKU.
Sie forschte und lehrte als Gastprofessorin an verschiedenen Universitäten und Forschungszentren weltweit, darunter am Kavli Institute for Theoretical Physics (Kalifornien, USA), der Universität Tokio (Japan), der Universität Cambridge (Großbritannien) und dem Weizmann-Institut (Israel).
Wissenschaft Hauptthema ihrer wissenschaftlichen Arbeit war die Entwicklung der Theorie der nichtlinearen Wellenresonanzen sowie deren Anwendung zur Lösung praktischer Probleme in Physik und Technik. Diese Theorie stellt eine Erweiterung der linearen Fourier-Analyse auf den Fall schwacher Nichtlinearität dar und ist in einer Monografie dargestellt.Elena Kartashova: Nonlinear Resonance Analysis: Theory, Computation, Applications. Cambridge University Press, 2010. ISBN 978-0-521-76360-8. doi:10.1017/CBO9780511779046 (englisch). Weitere Entwicklungen werden im SammelbandElena Tobisch (Hrsg.): New Approaches to Nonlinear Waves. (= Springer Lecture Notes in Physics 908), ISBN 978-3-319-20689-9. doi:10.1007/978-3-319-20690-5 (englisch). behandelt. Sie hat 130 Veröffentlichungen in internationalen wissenschaftlichen Zeitschriften. Insbesondere:
Zur Lösung diophantischer Gleichungen aus der Theorie nichtlinearer Resonanzen entwickelte sie die eine Zerlegungsmethode (q-class decompositionElena Kartashova: Nonlinear Resonance Analysis: Theory, Computation, Applications. Cambridge University Press, 2010. ISBN 978-0-521-76360-8. doi:10.1017/CBO9780511779046 (englisch).). Für kleine Nichtlinearitäten der Größenordnung 10⁻² zeigte sie, dass: entgegen den Vorhersagen der Wellenturbulenztheorie (wave turbulence) keine stochastischen Wellenwechselwirkungen und keine gleichmäßige Energieverteilung über das Wellenspektrum auftretenElena A. Kartashova (1994): Weakly nonlinear theory of finite-size effects in resonators. doi:10.1103/PhysRevLett.72.2013 (englisch); stattdessen kleine Cluster entstehen, in denen Wellen nur untereinander Energie austauschen; die Energie der meisten, mitunter aller Wellen konstant bleibt; dies ermöglichte die Erklärung bekannter physikalischer Effekte, wie beispielsweise das Fehlen von Resonanzen zwischen Kapillarwellen auf der Wasseroberfläche und das Auftreten von saisonalen Schwankungen (intraseasonal oscillations) in der Erdatmosphäre. Für moderate Nichtlinearitäten der Größenordnung 10⁻¹ zeigte sie, dass der Energietransfer entlang des Wellenspektrums in diesem Fall einem von der Wellenlänge abhängigen Exponentialspektrum folgt (dynamical energy cascadeElena A. Kartashova (2013): Time scales and structures of wave interaction exemplified with water waves.doi:10.1209/0295-5075/102/44005 (englisch)) und das Energiespektrum somit eine Verallgemeinerung des bekannten Kolmogorov-Zakharov-Spektrums für kleine Nichtlinearitäten darstellt.
Auszeichnungen 2013: MiA Award (Auszeichnung für herausragende Leistungen von in Österreich lebenden Frauen mit internationalem Hintergrund) 2012: Doctor of science, honoris causa, International Academy of Natural History, Russia 2009: V. I. Vernadsky medal, Russian Academy of Natural Sciences, Russia 2007: Professor (elected), Russian Academy of Natural Sciences, Russia
Belletristik Ihre schriftstellerische Tätigkeit begann Tobisch im Jahr 1999. Ihr erster Roman Kaddisch wurde auf Deutsch verfasst und später von der Autorin selbst ins Russische übersetzt. Ihre weiteren Bücher entstanden auf Russisch und wurden von professionellen Übersetzern ins Deutsche übertragen. Alle Bücher wurden unter dem Pseudonym Lena Rebe veröffentlicht, u. a. auf mybook.ru.Lena Rebe : Bücher. In: mybook.ru (russisch).
Veröffentlichungen (Auswahl) Nonlinear Resonance Analysis: Theory, Computation, Applications. Cambridge University Press, 2011, ISBN 978-0-521-76360-8. Mein Kaddisch. Biographischer Roman. (Edition Fischer) R. G. Fischer, Frankfurt 2003, ISBN 978-3-8301-0461-2 (Inhaltsverzeichnis) Schawuot. 2004, ISBN 978-1-983107-15-3. Spaziergänge zwischen Sonne und Mond. 2020, ISBN 979-8-6949-5199-9. Кадиш. 2021, Андронум, Киев, ISBN 978-0-88000-187-8. Шавуот. 2021, Андронум, Киев, ISBN 978-0-88000-188-5. Даат. 2021, Андронум, Киев, ISBN 978-0-88000-189-2. Прогулки по матрасу. 2021, Андронум, Киев, ISBN 978-0-88000-673-6. Прогулки по между Солнцем и Луной. 2021, Андронум, Киев, ISBN 978-0-88000-190-8. Herausgeberschaft: New approaches to nonlinear waves. Springer Lecture Notes in Physics, 2015, ISBN 978-3-319-20689-9.
Einzelnachweise
Kategorie:Mathematiker (20. Jahrhundert) Kategorie:Mathematiker (21. Jahrhundert) Kategorie:Literatur (21. Jahrhundert) Kategorie:Autor Kategorie:Roman, Epik Kategorie:Autobiografie Kategorie:Sowjetbürger Kategorie:Österreicher Kategorie:Geboren 1956 Kategorie:Frau