mini|Die venezianische Kirche im Plan des Jacopo de’ Barbari, um 1500 (Detail) Santa Croce in Luprio, auch kurz Santa Croce, war eine der drei Kirchen in Venedig, darunter Santa Croce degli Armeni, die diesen Namen trugen, wobei der Namensteil in Luprio auf den frühmittelalterlichen Namen der Insel Bezug nimmt, auf der die Kirche errichtet wurde. Die Heilig-Kreuz-Kirche gab dem Sestiere Santa Croce seinen Namen, an dessen Westrand sie entstand. Die Geschichte der Kirche reicht der Legende nach bis ins 6. Jahrhundert zurück, unmittelbar neben dem Bauwerk entstand im frühen 12. Jahrhundert ein Kloster, im 15. Jahrhundert zogen dort Nonnen ein. Der Komplex wurde, wie eine Reihe anderer in Venedig, unter Napoleon entweiht und 1822 abgerissen.

Geschichte Die Kirche entstand der Überlieferung zufolge im Jahr 568, als die Bevölkerung vor den Langobarden floh, die große Teile Italiens zu erobern begannen. Auf der Insel Luprio entstand so eine erste Kirche für die Flüchtlinge.Emmanuele Antonio Cicogna: Delle Inscrizioni Veneziane, Bd. 1, Giuseppe Orlandelli, Venedig 1824, S. 237. Einige Chroniken schreiben ihre Errichtung der Familie Mastropiero (später Malipiero) zu, andere, wie Marcantonio Sabellico, den Badoer; auch soll der erste Bischof von Olivolo, Obeliebatus, der von 774 bis 797 im Amt war, sie zur Pfarrkirche erhoben haben.

1105 oder 1109 überließen die Brüder Badoer, die das Patronatsrecht innehatten, die Kirche den Cluniazensern, die neben der Kirche ein Kloster bauten. Mitte des 14. Jahrhunderts mussten die Mönche das Kloster, angeblich wegen ihres skandalösen Lebensstils, verlassen. Die Kirche ging daraufhin in die Verantwortung des Kanonikerkapitels über, das sich bereits um die Seelsorge gekümmert hatte. Das Bauwerk wurde neu errichtet und am 28. September 1342 erneut geweiht. Das Priorat wurde unterdessen zu einer Kommende. mini|Bernardo Bellotto: Einmündung des Canal Grande vor Santa Croce (Ausschnitt), Öl auf Leinwand, 59,7 × 92,1 cm, um 1738, National Gallery (London) Im Laufe des folgenden Jahrhunderts entstanden Pläne, ein Nonnenkloster zu errichten. 1460 gestattete Eugenio Memmo, einer der Kommendatarprioren, zwei Einsiedlerinnen, nämlich „Sofia Veneziana“ und „Agnese Ungara“,Giuseppe Tassini: Curiosità veneziane, ovvero Origini delle denominazioni stradali di Venezia, 2. überarbeitete Aufl., Venedig 1872, S. 222 f. (Digitalisat). bei Santa Croce zwei kleine Zellen zu errichten. Zehn Jahre später bildete sich dort eine Nonnen-Gemeinschaft, zunächst als Tertiarinnen des Franziskanerordens, später als Klarissen. Nach Memmos Tod räumte Papst Sixtus IV. den Frauen das Recht ein, Kirche und Kloster selbstständig zu verwalten.

Ab 1594 unterstand das Kloster allerdings nicht mehr den Minoriten, sondern dem Patriarchen von Venedig. Die Nonnen wählten nun einen Kaplan und einen Kurator für die äußeren Verpflichtungen des Klosters, für deren Bewohnerinnen die Klausur galt. Wenige Jahre später wurde die baufällige Kirche unter Leitung des Baumeisters Antonio da Ponte umgebaut und am 10. Juli 1600 erneut geweiht, wie eine Inschrift belegt, die Emmanuele Antonio Cicogna überliefert hat.

Unter Napoleon wurde mit Dekret vom 28. Juli 1806 veranlasst, dass eine Reihe von Klöstern zusammengelegt werden sollte. So nahm das Kloster im November 1807 die Nonnen von Santa Chiara auf. Doch 1810 wurde eine weitere Zusammenfassung von Klöstern angeordnet und auch Santa Croce wurde geschlossen: Die Kirche diente eine Zeit lang als Lagerhaus und wurde schließlich 1822 abgerissen.Cesare Augusto Levi: I campanili di Venezia. Notizie storiche, Ferdinando Ongania, Venedig 1890, S. 29. An ihrer Stelle wurden ab 1834 die Giardini Papadopoli angelegt, die wiederum teilweise vom Bau des Busbahnhofs an der Piazzale Roma betroffen waren. Cicogna war es nicht mehr gelungen, die Inschriften zu kopieren, sondern er übernahm sie von anderen Autoren.

Literatur Marcello Brusegan: Guida insolita ai misteri, ai segreti, alle leggende e alle curiosità delle chiese di Venezia, Newton Compton, 2004, S. 378. Emmanuele Antonio Cicogna: Delle Inscrizioni Veneziane, Bd. 1, Giuseppe Orlandelli, Venedig 1824, S. 235–250 (Digitalisat). Flaminio Corner: Notizie storiche delle chiese e monasteri di Venezia, e di Torcello …, Giovanni Manfrè, Padua 1758, S. 380–383 (Digitalisat). Johann C. Maier: Beschreibung von Venedig, Teil I, Christian Gottlieb Hertel, Frankfurt/Leipzig 1787, S. 412 f., n. R („La Croce di Venezia, Franziskaner-Nonnen und Parocchie“). (Digitalisat)

Weblinks

Anmerkungen

Santa Croce in Luprio Kategorie:Erbaut in den 560er Jahren Kategorie:Zerstört in den 1810er Jahren Kategorie:Heilig-Kreuz-Kirche Kategorie:Abgegangenes Bauwerk in Venetien

it:Chiesa di Santa Croce (Venezia, Santa Croce)