mini|hochkant|Volker Wissing (2023) Volker Wissing (* 22. April 1970 in Landau in der Pfalz) ist ein ehemaliger deutscher Politiker (parteilos, bis 2024 FDP) und Jurist. Er war von 2021 bis 2025 Bundesminister für Digitales und Verkehr und von 2024 bis 2025 zusätzlich Bundesminister der Justiz im Kabinett Scholz.

Er war von 2011 bis 2024 Landesvorsitzender der FDP Rheinland-Pfalz. Von 2016 bis 2021 war er rheinland-pfälzischer Minister für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau sowie stellvertretender Ministerpräsident. Von 2020 bis 2022 war er Generalsekretär der FDP; zuvor amtierte er ab 2013 als Beisitzer im Präsidium der Bundespartei. Seit Mai 2026 praktiziert er als Anwalt in Landau in der Pfalz.

Leben und Beruf Nach dem Abitur 1989 am Staatlichen Gymnasium Bad Bergzabern absolvierte Wissing ein Studium der Rechtswissenschaft an der Universität des Saarlandes in Saarbrücken und an der Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg im Breisgau, welches er 1994 mit dem ersten juristischen Staatsexamen beendete. Nach Ableistung des Referendariats 1996 und bestandenem zweiten Staatsexamen war er anschließend Leiter der Widerspruchsstelle der Sonderabfallmanagement Gesellschaft (SAM) GmbH in Mainz. 1997 erfolgte seine Promotion zum Dr. jur. an der Universität Münster mit der Arbeit Überlassungspflichten begründende Gemeinwohlinteressen im System des Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetzes.

Anschließend war er zuerst Richter beim Landgericht Zweibrücken im Justizdienst des Landes Rheinland-Pfalz und wechselte noch im Juli 1997 als Staatsanwalt an das Landgericht Landau in der Pfalz. Von März bis Dezember 1999 war er Richter am Amtsgericht Landau in der Pfalz. Von 2000 bis 2004 war Wissing abgeordnet als Persönlicher Referent des Justizministers von Rheinland-Pfalz Herbert Mertin (FDP). 2001 wurde er zum Richter am Landgericht ernannt.

Wissing wurde am 23. Januar 2004 Mitglied des Deutschen Bundestages. Er rückte für Marita Sehn nach. Nach dem Ausscheiden aus dem Bundestag wurde Wissing am 27. Dezember 2013 zum Generalsekretär des Senate of Economy International ernannt, der internationalen Dachorganisation des „Senates der Wirtschaft“.Volker Wissing zukünftig Generalsekretär beim Senat der Wirtschaft. Pfalz-Express, 27. Dezember 2013, abgerufen am 5. September 2017. Er gründete 2014 die auf Wirtschaftsrecht, Wirtschaftsstrafrecht, Erbrecht und Vermögensnachfolge ausgerichtete Kanzlei „Wissing Rechtsanwälte“. Er kaufte 2014 auch die Erbrechtskanzlei Dr. Kerscher und Kollegen und integrierte sie in seine Kanzlei.

Volker Wissing stammt aus einer calvinistischen Familie. Er ist verheiratet und Vater einer Tochter. Die Familie besitzt ein Weingut. Parallel zu seinem Abitur legte er die C-Prüfung als Kirchenmusiker ab. Er war jahrelang als Organist an der protestantischen Pfarrkirche (ehemals Sankt Oswald) in Heuchelheim-Klingen bei Gottesdiensten tätig.

Am 28. August 2025 wurde bekannt, dass Wissing zukünftig als Vorsitzender eines neuen Beirats den Unternehmer Harald Christ und dessen Unternehmensgruppe Christ Capital beraten solle. Wissing informierte diesbezüglich das Bundeskanzleramt, da die Tätigkeit noch vor Ablauf der Karenzzeit von 18 Monaten beginnen soll und somit gemäß § 6a Bundesministergesetz schriftlich gegenüber der Bundesregierung anzuzeigen ist.

Nach Ablauf seiner Karenzzeit übernimmt Wissing seit Mai 2026 wieder Mandate in der Rechtsanwaltskanzlei Wissing Heintz in Landau in der Pfalz.

Partei mini|Wissing im Jahr 2012 Von 1998 bis 2024 war Wissing Mitglied der FDP und seit 2001 Kreisvorsitzender der FDP Landau/Südliche Weinstraße. Wissing gehörte seit 2000 dem Bezirksvorstand der FDP Pfalz und seit 2004 dem FDP-Landesvorstand Rheinland-Pfalz an. Seit 2007 war er Mitglied des FDP-Bundesvorstandes. Von 2007 bis 2011 war er stellvertretender Landesvorsitzender der FDP Rheinland-Pfalz. Er war Vorsitzender des FDP-Bundesfachausschusses Finanzen- und Steuerpolitik. Wissing war Mitglied im Schaumburger Kreis, einem Zusammenschluss des liberal-konservativen Wirtschaftsflügels in der FDP.Thorsten Jungholt: Wer macht den neuen Westerwelle? In: Berliner Morgenpost, 17. Dezember 2010.

Am 7. Mai 2011 wurde Volker Wissing zum Landesvorsitzenden der FDP in Rheinland-Pfalz gewählt. Mit seinem Austritt aus der FDP im Jahr 2024 verlor Wissing auch den Landesvorsitz. Seine Nachfolgerin wurde Daniela Schmitt.

Am 7. Dezember 2013 wurde Wissing auf dem außerordentlichen FDP-Bundesparteitag zum Beisitzer des Präsidiums der FDP-Bundespartei gewählt.Reinhard Breidenbach: Allgemeine Zeitung, 7. Dezember 2013. Auf dem Bundesparteitag in Berlin am 15. Mai 2015 wurde er mit 80,9 % der Stimmen in diesem Amt bestätigt. Auf dem Bundesparteitag 2017 wurde er wiederum in das Präsidium als Beisitzer gewählt. Am 17. August 2020 wurde Wissing als Nachfolger von Linda Teuteberg als Generalsekretär der FDP nominiert. Auf dem FDP-Bundesparteitag am 19. September 2020 wurde Volker Wissing mit 528 der 638 abgegebenen gültigen Stimmen zum Generalsekretär der FDP gewählt. In diesem Amt folgte ihm am 23. April 2022 Bijan Djir-Sarai nach.

Am 7. November 2024, einen Tag nach dem Bruch der Ampelkoalition, erklärte Wissing seinen Austritt aus der FDP. Er verblieb daraufhin als einziger (nunmehr ehemaliger) FDP-Minister in der Regierung Scholz. Wissing begründete seinen Schritt damit, dass dies seiner „Vorstellung von Übernahme von Verantwortung“ entspreche, nachdem er sich bereits im Vorfeld für einen Verbleib der FDP in der Regierung ausgesprochen hatte. Er distanziere sich mit dem Austritt „nicht von den Grundwerten“ der FDP und wolle „nicht in eine andere Partei eintreten“. Er wolle mit dem Verbleib in der Regierung sich selbst „treu bleiben“ und mit dem Austritt aus seiner Partei eine Belastung von der FDP abwenden. Noch am selben Tag übernahm Wissing die Position des Justizministers von seinem ehemaligen Parteikollegen Marco Buschmann.

2026 kritisierte er, dass die FDP inzwischen konsequent rechtslibertär ausgerichtet sei und sich vor allem mit sich selbst beschäftige. Sie erkläre den Staat zum Gegner und habe dadurch „natürlich Schwierigkeiten […] den Staat proaktiv zu gestalten“. Das sei auch während der Ampel-Regierung sichtbar gewesen. Dort habe die FDP nicht gewusst, ob sie Kompromisse aushandeln oder lieber verhindern wolle, dass es überhaupt zu einer Lösung komme.Wissing: Tut weh zu sehen, wie eine Partei sich zerfleischt. In: Süddeutsche Zeitung, 23. März 2026. Abgerufen am 24. März 2026.

Abgeordneter und Minister Am 23. Januar 2004 rückte Wissing für die tödlich verunglückte Abgeordnete Marita Sehn in den Bundestag nach. Hier war er bis 2009 Obmann der FDP im Finanzausschuss des Deutschen Bundestages und Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion für Weinbaupolitik. Am 12. November 2009 wurde Volker Wissing Vorsitzender des Finanzausschusses für die 17. Legislaturperiode. Im März 2010 wurde er finanzpolitischer Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion und am 10. Mai 2011 wurde er in Kampfkandidatur gegen den bisherigen stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden Jürgen Koppelin, der Kritik an der Fraktionsvorsitzenden Birgit Homburger geäußert hatte, zum stellvertretenden Vorsitzenden der FDP-Bundestagsfraktion gewählt. Wissing zog stets über die Landesliste Rheinland-Pfalz in den Bundestag ein. Durch das Scheitern der FDP an der Fünf-Prozent-Hürde bei der Bundestagswahl 2013 schied Wissing mit der Konstituierung des 18. Deutschen Bundestages aus dem Parlament aus.

Bei der Landtagswahl 2016 trat er als Spitzenkandidat der FDP an und führte sie mit 6,2 Prozent der Zweitstimmen zurück in das Parlament. Er wurde über die Landesliste in den 17. Landtag von Rheinland-Pfalz gewählt. Am 14. März 2016 wurde er zum Vorsitzenden der FDP-Fraktion gewählt. Nach Abschluss der Koalitionsverhandlungen mit SPD und Grünen wurde die erste Ampelkoalition in Rheinland-Pfalz gebildet. Anschließend gab er den Fraktionsvorsitz an Thomas Roth ab. Im zweiten Kabinett Dreyer, das am 18. Mai 2016 vom rheinland-pfälzischen Landtag bestätigt wurde, war Wissing Minister für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau und stellvertretender Ministerpräsident. Aufgrund seines beabsichtigten Wechsels in die Bundespolitik trat er bei der Landtagswahl im März 2021 nicht mehr an. Seine Nachfolgerin im dritten Kabinett Dreyer wurde am 18. Mai 2021 Daniela Schmitt.

mini|Wissing zusammen mit Michael Kellner und Lars Klingbeil mit dem Koalitionsvertrag der Ampelparteien (2021)

Zur Bundestagswahl 2021 wurde Wissing als Spitzenkandidat auf der Landesliste der FDP Rheinland-Pfalz nominiert und trat zugleich als FDP-Kandidat im Wahlkreis Südpfalz an. Er errang 10 % der Erststimmen und belegte damit Platz 4 unter den Wahlkreiskandidaten, konnte aber über die Landesliste in den Bundestag einziehen.

Ab dem 8. Dezember 2021 war er Bundesminister für Digitales und Verkehr im Kabinett Scholz. Er sprach sich wiederholt gegen die Einführung einer generellen Geschwindigkeitsbeschränkung auf Autobahnen aus; laut Koalitionsvertrag ist eine solche auch nicht vorgesehen. Die Einführung einer vorübergehenden Geschwindigkeitsbeschränkung angesichts des Russischen Überfalls auf die Ukraine und der damit einhergehenden Energiekrise lehnte er ab, da eine solche Maßnahme umstritten sei, die Gesellschaft spalte, es dafür keine Mehrheiten gäbe und weil der Aufwand für eine lediglich dreimonatige Aufstellung und Abbau von Schildern erheblich wäre. Außerdem habe man dafür nicht genügend Schilder auf Lager. Während seiner Amtszeit wurde zum 1. Mai 2023 das Deutschlandticket eingeführt. Auch wurde in seiner Amtszeit das Konzept der Generalsanierung bzw. Korridorsanierung von Bahnstrecken erarbeitet. Hierbei werden Bahnstrecken nicht mehr „unter rollendem Rad“ über Jahre hinweg, sondern in mehrmonatigen Vollsperrungen vollständig saniert. Mit der Sanierung der Riedbahn lief von 15. Juli 2024 bis 14. Dezember 2024 das erste Projekt nach dem neuen Konzept.

Nachdem im November 2024 die FDP aufgrund des Auseinanderbrechens der Ampelkoalition ihre Minister aus der Regierung zurückgezogen hatte, kündigte er seinen Austritt aus der FDP an mit der Absicht, Bundesminister bleiben zu wollen; zusätzlich wurde er zum Bundesminister der Justiz ernannt. Er verkündete zudem, bei der Bundestagswahl 2025 nicht mehr anzutreten.

Im Januar 2025 stimmte Wissing im Bundestag gegen einen Antrag der Union zur Migrationspolitik, der mit Stimmen von AfD und FDP beschlossen wurde. Am Tag danach übte Wissing via X scharfe Kritik am Verhalten von FDP und Union: „Bereits der Bruch der Ampel hat die Möglichkeiten einer Zusammenarbeit unter Demokraten eingeschränkt, der gestrige Dammbruch erst recht. Wer das besser findet, als Kompromisse zu schließen, hat die Mitte unserer Gesellschaft verlassen.“

Im März 2025 stimmte Wissing der Grundgesetzänderung zur Lockerung der Schuldenbremse zu. Zur Schuldenbremse erklärte Wissing in einem Interview im März 2025, sie mache den Staat handlungsunfähig und stärke Extremisten. Mit seinen Aussagen stellte er sich gegen Christian Lindners Position als Finanzminister.

Kritik Der Expertenrat für Klimafragen, der die jährlichen Ziele der Bundesregierung zum Klimaschutz auf der Ebene einzelner Wirtschaftssektoren prüft, stellte dem 2022 von Wissing vorgelegten Klimaplan ein vernichtendes Urteil aus. Dieses Sofortprogramm sollte Maßnahmen zur Reduzierung des CO2-Ausstoß des deutschen Verkehrssektors darlegen, nachdem die vorgeschriebenen Sparziele im Jahr 2021 verfehlt wurden. Der Expertenrat attestierte dem 4-seitigen Papier, dass es „nicht die Anforderungen an ein Sofortprogramm erfüllt“ sowie „nicht der Anspruch [besteht], auf den Klimapfad zurückzukommen“, und lehnte eine Prüfung der vorgeschlagenen Maßnahmen ab.