mini|Veliki Lubenovac, N Velebit, Uvala, ca. 1 km lang

Uvala (das,Martin Meschede et al.: Geologisches Wörterbuch. 13. Auflage, Springer Spektrum, Berlin 2022, S. 382 (Uvala) die Karl-Heinz Pfeffer: Karstmorphologie. 1. Auflage, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1978, S. 30.) war ursprünglich ein Toponym, welches in Teilen von Bosnien und Herzegowinas, Kroatien, Montenegro und Serbien benutzt wurde. In den Erdwissenschaften werden damit „Closed Karst Depressions“ („geschlossene Karstsenken“, auch Schüsseldoline, Karstwanne) gemeint, die meist eine längliche und unterschiedlich zusammengesetzte Form aufweisen und größer sind als Dolinen. Die Formen werden in den hochgradig verkarsteten Äußeren Dinariden zwischen Slowenien und Griechenland häufig angetroffen. Doch Karstsenken sind auf allen Kontinenten in unterschiedlichen Landschaften anzutreffen, deswegen ist Uvala zum international benutzten Terminus geworden, auch um solche Senken von den bis zu vielen Kilometern langen Poljen zu unterscheiden.

Noch gängige Definitionen von Uvalas sind aber oft dürftig empirisch untermauert. Weil die herkömmlichen Definitionen als unbefriedigend empfunden wurden, wurde der Fachterminus ungern und wenig benutzt, da Uvala im Karstzyklus einen Übergangstyp zwischen kleinen Dolinen und Poljen darstellen. In einigen Publikationen wird sogar empfohlen, den Begriff ganz aufzugeben.

Geschichte des Begriffs in der Frühphase der Karstologie Bedeutende frühe karstologische Arbeiten stammen vom serbischen Geographen Jovan Cvijić (1865–1927), einem Schüler Albrecht Pencks; letzterer wird als „Nestor der Karstologie“ bezeichnet, beide Wissenschaftler werden einer „Wiener Schule der Geographie“ zugeordnet. Cvijić betrachtete zunächst häufige Phänomene in den Äußeren Dinariden, die dort als Doline, Uvala und Polje bezeichnet wurden und beschrieb ausgehend von diesen erstmals eine spezifische Geomorphologie und Hydrogeologie des Karstes. In der Folge wurden die genannten Bezeichnungen als Fachbegriffe auch zur Beschreibung entsprechender Phänomene in anderen Weltgegenden verwendet.

Wie andere erste Karstforschervor allem Davis (1899), Grund (1914) glaubte Cvijić (1921), alle Karstsenkungsformen (siehe Kopftext des Artikels) als Stadien eines Entwicklungsprozesses ( = einer Evolution) über geologische Zeiträume erklären zu können: „Dolinen entwickeln sich zu Uvalas und Uvalas zu Poljen“ ( = Zyklustheorie). Der Begriff „Uvala“ war damit als Stadium innerhalb der genannten Theorie definiert.

Der deutsche Morphologe Herbert Lehmann betrachtete jedoch in international beachteten ArbeitenLehmann stand zwölf Jahre lang einer internationalen Karstkommission vor, die von der International Geographic Union (IGU) auf deren Kongress 1952 in Washington, D.C. gegründet worden war. den Dinarischen Karst nicht länger als universell verallgemeinerbares Modell.„Der mediterrane Karst, im engeren Sinne der Dinarische Karst, ist nicht das Musterbeispiel der Karstentwicklung überhaupt, sondern eher Ausnahme“, aus: Lehmann (1973/1987), Karstphänomene im Nordmediterranen Raum, (1973), reprint 1987, Hrsg. von Fuchs et al. (1987) In einer Analyse tropischer Karste führte er das Klima als weiteren maßgeblichen Entwicklungsfaktor ein. Dieser Paradigmenwechsel wie auch mittlerweile verfügbare Daten über Karste anderer Weltgegenden begründeten Zweifel an der Allgemeingültigkeit der Zyklustheorie. Damit war auch die Brauchbarkeit eines innerhalb dieser Theorie definierten Begriffs „Uvala“ fraglich geworden.

Aktueller Stand der Definition Zyklustheorien werden heute mehrheitlich als überholt oder sogar unhaltbar angesehen, ein Begriff „Uvala“ im Sinne dieser Theorie demzufolge verworfen.Lowe&Waltham (1995): „…This mechanism is no longer accepted and the term uvala has fallen into disuse“. „Dieser Mechanismus (scil. die Zyklustheorie) wird nicht mehr akzeptiert, und der Begriff 'Uvala' daher auch nicht mehr genutzt“. Die Autoren Ford und Williams setzen in einem umfangreichen englischsprachigen ReferenzwerkFord / Williams (2007): „Karst Hydrogeology and Geomorphology“ ebenso wie in Beiträgen für Enzyklopädien Uvalas sehr großen Dolinen gleich. White (1988) ersetzt „Uvala“ durch „zusammengesetzte Senke“ („compound depression“).

Weitere Autoren ersetzen den Begriff „Uvala“ durch „zusammenwachsende Dolinen“. Das ist widersprüchlich, denn die darin enthaltene, kaum empirisch fundierte Vorstellung entstammt der Zyklustheorie, deren Unhaltbarkeit die Verwerfung des Begriffs „Uvala“ erst motivierte. Typische Formulierungen sind etwa: Wenn sich Lösungsdolinen entwickeln, vergrößern sie sich seitlich und wachsen zusammen. So entstehen zusammengesetzte geschlossene Senken, die als Uvalas bekannt sind."As solution depressions evolve, some enlarge laterally and coalesce, producing compound closed depressions known as uvalas.", Williams, Paul W., ‘Karst’ in: Goudie (2005) p. 591 oder: Große Karstsenken sind aus mehreren benachbarten Dolinen entstanden, die zusammengewachsen sind."Large closed depression formed by the coalescence of several dolines which have enlarged towards each other." Sweeting (1973) Wenn nur eine kurze Definition verwendet wird, nutzt zurzeit eine Mehrheit der maßgeblichen Autoren und Herausgeber von Lehrbüchern und Enzyklopädien eines dieser beiden Zitate.So etwa Fairbridge (1968), Herak (1972), Chorley (1984), Jennings (1985), Trudgill (1985), Lowe&Waltham (1995), Goudie (2004), Gunn (2004), Ford & Williams (1989/2007), deutschsprachig: Ahnert (2009), Leser (2009)

Aufwändigere wissenschaftliche Monographien, wie etwa empirische Studien, motivieren hingegen einen eigenständigen, von der Zyklustheorie unabhängigen Begriff der Karstform „Uvala“. Diese ließe sich etwa durch Besonderheiten im Verteilungsmuster der Verwitterung und der Hydrogeologie, tektonische Induktion, Alter und klimatische Entstehungsvoraussetzungen definieren. Allerdings analysieren die meisten dieser Publikationen europäische Objekte und erscheinen in nicht-englischer Sprache,überwiegend zu Dolinen und Uvalas in Mittelmeerländern, dort insbesondere in den Dinariden.So etwa Poljak (1951), Cocean & Petrescu (1989), Habič (1986), Šušteršič (1986), Frelih (2003), Nicod (2003), Sauro (2001), Čar (2001), Sauro (2003), Zupan Hajna (2012)Das hat zum Teil auch damit zu tun, dass die finanziellen, Personal- und Sachressourcen der Karstologie zur Anwendung aufwändiger naturwissenschaftlich-technischer Methoden eher bescheiden sind. was ihre internationale Resonanz schmälert.

Neuere empirische Untersuchungen (vor allem ab 2009) haben die noch dominierenden Definitionen einer gründlichen Revision unterzogen: „…uvalas are large (in km scale) karst closed depressions of irregular or elongated plan form resulting from accelerated corrosion along major tectonically broken zones.“Ćalić (2011), S. 41 (…Uvalas sind große – im Kilometermaßstab – geschlossene Karstsenken von unregelmäßiger oder länglicher Form, die infolge vermehrter Korrosion entlang vorwiegend tektonischer Bruchzonen entstanden sind). Die Autorin der Untersuchungen plädiert für eine vollwertige Wiedereinführung von Uvalas als eigenständige Karstform. Der Teil der heute noch häufig anzutreffenden Definition, eine „Uvala entsteht durch Aufzehren der trennenden“ Landrücken „zwischen benachbarten Dolinen“so z. B. Murawski (2010) (Zyklustheorie: ‚Dolinen entwickeln sich zu Uvalas und Uvalas zu Poljen‘) ist nicht haltbar. Die Morphologie einer Uvala ist: „…by size larger than a doline and usually smaller than a polje, but differs from these two forms also in morphology and combination of genetic factors, which gives it a status of a particular karst relief form.“Ćalić (2011), S. 32 (größer als eine Doline und normalerweise kleiner als eine Polje, unterscheidet sich aber von diesen beiden Formen auch morphologisch und in der Kombination generischer Faktoren und macht sie zu einer eigenständigen Reliefform.)

Dinarische Uvalas: Notizen zur lokalen Karsthydrologie

Im folgenden Abschnitt wird der Begriff „Uvala“ als eine traditionelle Bezeichnungsweise bestimmter Reliefe innerhalb der Dinariden verwendet.

Die Karbonatschichten der Dinariden sind 4500 bis 8000 m stark, daher reichen sie tief unter den Meeresspiegel. Es gibt dort tausende Höhlen, Höhlenruinen (unroofed caves) und Schächte, deren systematische Erforschung erst in den letzten 20–25 Jahren intensiver betrieben wurde.

Der Velebit ist ein Höhenzug innerhalb der Dinariden. Bakšić (2008) stellte der Öffentlichkeit Ergebnisse zu acht Schächten im Velebit vor, deren tiefster, Lukina Jama genannt, 1431 m weit bis auf 83 m über Meeresspiegelhöhe hinabreicht. Der Velebit zeigt auch (als Jelar breccia bezeichnete) Brekzien, die auf weiten Strecken aufgeschlossenNach Vlahović et al. (2012) erstrecken sich die Brekzien am Südwesthang des Velebit auf über 100 km und erscheinen zusätzlich entlang dem kompletten Bakovac-Graben, der aber heute topographisch nicht mehr erkennbar ist. und ausgeprägt wasserwegsam sind. Sie entstanden durch eine Faltungsbewegung des Höhenzugs, die vom Mittleren Eozän bis zum mittleres Miozän andauerte.Vlahovic et al. (2012)

Der Velebit ist innerhalb der Dinariden wahrscheinlich auch die Landschaft mit den meisten Uvalas,Poljak (1951) zitiert nach Ćalić (2009) p. 70 darunter die besonders prominente Lomska Duliba in Kroatien. An deren südöstlichem Ende befindet sich ein 536 m tiefer, vertikaler Schacht namens Ledena Jama, der einen Teil der Uvala entwässert. Das Wasser wird aber nicht durch einen einzelnen, weiten Gang, sondern durch zahlreiche Klüfte abgeführt.(Info J. Ćalić) Diese Uvala zeigt einen recht tiefen Einschnitt (Graben), der durch die Velebit-typischen Brekzien gut erklärt werden kann.

Lässt sich die Eigenständigkeit des Reliefs 'Uvala' wissenschaftlich untermauern? Nur selten werden geologische Unterschiede in der Entstehung großer Karstsenken untersucht, die eine Unterscheidung von Dolinen und Uvalas rechtfertigen könnten. Möglicherweise eröffnen weitere Studien zur radiometrischen Altersdatierung und interdisziplinäre Studien zur Tektonik und Klimatologie diesbezüglich ein Fenster. Wichtige Fortschritte der natur- und formalwissenschaftlichen Methodikin der Nuklearchemie, was Zerfallszeitmessung bei Radionukliden angeht, sowie in den Fächern Klimaforschung, Seismologie, Informationswissenschaft erlauben die Altersbestimmung mehrerer hunderttausend oder sogar Millionen Jahre alter geologischer Objekte auch aus kleinen Proben mit hoher Genauigkeit. Die hierzu erforderliche Laboranalytik ist allerdings recht kostenaufwändig.Bosák (2003) stellte 64 geeignete Methoden zusammen, aber auch deren Beschränkungen bei Karstobjekten und den relevanten Zeiträumen.

Beispielsweise konnten allochthone Sedimente und Fossilien in Klüften, Spalten oder (am besten) Höhlen im geologischen Umfeld großer Karstsenken gefunden werden. An diesen Fundstellen unterlagen die Funde weniger der Verwitterung als die Senke selbst.‚Ledena Jama‘ ist so eine Höhle am östlichen Rand der Uvala ‚Lomska Duliba‘. Als Geoarchive erlauben sie Rückschlüsse auf das Alter der Senke und deren frühere Stadien.

Der Blick in sehr frühe Phasen: Fragen zu Genese und Evolution