Ingo Johann Schiffelholz (* 16. Juli 1939; † 20. Juni 2019), Deckname Ingo Humbach, war ein deutscher Doppelagent, Leitender Regierungsdirektor des Bundesnachrichtendienstes (BND) und Quelle des bulgarischen Geheimdienstes.
Leben Der Schwabe Schiffelholz trat 1965 in den BND ein und erhielt den Decknamen Ingo Humbach. Ab 1979 hatte er eine Alkoholkrankheit. 1990 erfolgte die Ernennung zum Leitenden Regierungsdirektor. Er war Resident in Bulgarien und Referatsleiter für den Balkan bzw. Donauraum in der Abteilung 1 (Operative Beschaffung). Durch seine Alkoholerkrankung wurde er BND-intern als Risikofall eingestuft; gelegentlich schlief er bei wichtigen Sitzungen ein. Ende 2001 wurde er als Referatsleiter abgelöst und stattdessen stellvertretender Unterabteilungsleiter für Osteuropa, den Nahen Osten und Zentralasien in der Abteilung 1. Auf diesem Dienstposten hatte er zwar kaum Verantwortung, aber zahlreiche Zugänge.
Ab Juli 2002 traf sich Schiffelholz mehrmals im Monat mit der in München ansässigen Residentin des bulgarischen Geheimdienstes, Mariana Dimowa. Bei drei Treffs gewährte er ihr Einblick in mindestens 16 Verschlusssachen, darunter hauptsächlich Rohmeldungen von nachrichtendienstlichen Verbindungen des BND, aber auch BND-interne Sicherheitshinweise. In fünf Fällen überließ er ihr das Material. Dabei war Schiffelholz für die Bulgaren eine wertvolle Quelle.
2003 fiel bei einer Torkontrolle auf, dass Schiffelholz Verschlusssachen von der BND-Liegenschaft in Pullach schmuggeln wollte. Der BND schaltete unmittelbar die Strafverfolgungsbehörden ein, anders als wenig zuvor bei Volker Foertsch, wo der BND die Ermittlungen lange selbst führte. Die Observation der Eigensicherung des BND überwachte Schiffelholz.
Am Morgen des 9. Oktober 2003 wurde Schiffelholz auf Veranlassung des Generalbundesanwalts beim Bundesgerichtshof in seiner Wohnung in München verhaftet. Dabei trafen die Beamten ihn betrunken an und fanden diverse Verschlusssachen. Er ließ sich unmittelbar geständig ein. Bis Dezember 2003 war er in Untersuchungshaft. Mitte Februar 2004 erhob der Generalbundesanwalt Anklage beim Bayerischen Obersten Landesgericht.
Mitte September 2004 verurteilte das Bayerische Oberste Landesgericht Schiffelholz zu einer Geldstrafe von 270 Tagessätzen zu je 75 Euro. Strafmildernd war eine gutachterlich bescheinigte verminderte Schuldfähigkeit aufgrund einer alkoholbedingten Hirnatrophie. Zudem sah der Staatsschutzsenat unter Vorsitz von Bernd von Heintschel-Heinegg die eigentlich angemessene Freiheitsstrafe von neun Monaten als unverhältnismäßig an, weil diese den Verlust des Ruhegehalts des inzwischen pensionierten Schiffelholz bedeutet hätte. Schiffelholz gab im Prozess an, eine stationäre Alkoholtherapie zu beabsichtigen. Den Angaben der Verteidigung zufolge habe Schiffelholz aus Geltungssucht gehandelt, wohingegen Liebe zu der Dimowa für den kürzlich zum zweiten Mal verheirateten Schiffelholz keine Rolle gespielt habe. Erich Schmidt-Eenboom bezeichnet die Dimowa hingegen als Honigfalle.
Der Fall belastete die Bulgarisch-deutschen Beziehungen in einer Phase, in der Bulgarien sich im Beitrittsprozess zur Europäischen Union befand.
Schiffelholz war zweimal verheiratet und hatte drei Söhne. Seine Urne wurde am 25. Juli 2019 auf dem Westfriedhof München beigesetzt.
Siehe auch Liste deutscher Spione Liste von Spionagefällen in Deutschland
Einzelnachweise
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