Das Versteck – Angst und Mord im Mädcheninternat (Originaltitel: La Residencia, internationaler Titel: The House that Screamed) ist ein spanischer Gothic-Horror-Film und Psychothriller aus dem Jahr 1969 von Regisseur Narciso Ibáñez Serrador mit Lilli Palmer, John Moulder‑Brown und Cristina Galbó in den Hauptrollen. Der Film hat psychologische Bezüge zum Iokastekomplex und gilt in seiner Heimat als Genreklassiker. Er handelt von einem Mädchen, das in ein abgelegenes Mädcheninternat kommt, wo es unter der Führung der strengen Leiterin und dem sadistischen Mobbing durch eine Mitschülerin leidet, während mehrere Mädchen unter mysteriösen Umständen verschwinden.

Handlung Eine junge Frau, Teresa, kommt in ein französisches Mädcheninternat des 19. Jahrhunderts, das von der strengen Madame Fourneau geleitet wird. Fourneau hält ihren Sohn Luis von den Schülerinnen fern, da sie keine gut genug für ihn hält. Teresa bemerkt von Anfang an merkwürdige Vorkommnisse, insbesondere das Gefühl, beobachtet zu werden. Fourneau bestraft die unruhigen Schülerinnen mit Schlägen und Geißelungen, unterstützt von der älteren Schülerin Irene, die sie als Protegée betrachtet.

Als eine Schülerin eines Nachts verschwindet, wird Irene von Fourneau verantwortlich gemacht. Teresa beginnt eine Beziehung zu Luis, fühlt sich aber zunehmend unwohl wegen der Atmosphäre im Internat und dem spurlosen Verschwinden weiterer Schülerinnen. Gleichzeitig wird sie von ihren Mitschülerinnen wegen der Vergangenheit ihrer Mutter als Prostituierte schikaniert.

In der Nacht plant Teresa die Flucht. Irene bemerkt dies und eilt zum Tor, um sie aufzuhalten. Teresa verabschiedet sich von Luis, der ihr Geld für die Reise gibt. Beim Versuch, durch ein Fenster zu entkommen, wird Teresa von einer unsichtbaren Person ermordet. Irene kehrt später zurück und entdeckt die nassen Fensterbänke im Salon, konfrontiert Madame Fourneau und plant, das Internat zu verlassen.

Am Abend versucht auch Irene zu fliehen, wird aber von Fourneau verfolgt und versteckt sich auf dem Dachboden. Dort wird sie ermordet aufgefunden, ihre Hände abgetrennt. In einem geheimen Raum entdeckt Fourneau schließlich ihren Sohn Luis, der aus den Körperteilen der getöteten Schülerinnen eine „ideale Frau“ nach dem Vorbild seiner Mutter geschaffen hat. Luis sperrt seine Mutter ein, damit sie seine Schöpfung lehrt, ihn so zu lieben, wie sie es tut.

Entstehung mini|Palast von Sobrellano in ComillasLa Residencia entstand unter dem stilistischen Einfluss des britischen Gothic Horrors der Hammer-Filmproduktionen und verbindet deren Ästhetik mit Elementen von ödipalen Psychothrillern wie Psycho und des italienischen Giallo.

Neben den spanischen Nebendarstellern hatte der Film eine internationale Hauptbesetzung: die Deutsche Lilli Palmer als verstörende Internatsleiterin, der Engländer John Moulder-Brown als überbehüteter Sohn, die Engländerin Mary Maude als sadistischer Günstling Irene und die Spanierin Cristina Galbó als Mobbing-Opfer Teresa.

Der Film wurde auf Englisch gedreht, um ihn international besser vermarkten zu können.

Die Außenaufnahmen wurden am Palast von Sobrellano in Comillas (Kantabrien) gedreht.

Besetzung und Synchronisation Die deutsche Synchronfassung wurde erst 1983 erstellt.

Rolle Darsteller Synchron­sprecher Madame Fourneau Lilli Palmer Edith SchneiderLuis FourneauJohn Moulder-Brown Teresa Garan Cristina Galbó Marina Köhler Irene Tupin Mary Maude Inge Solbrig Isabelle Delorme Maribel Martín Inez Günther Mademoiselle Desprez Cándida Losada Haide Lorenz Catherine Lessier (OV: Catalina) Pauline Challoner Eva KinskyPedro BaldieTomás BlancoBrechardVíctor IsraelAndreaTeresa HurtadoElenaMaría José Valero Susanne Noelle (OV: Susana) Conchita Paredes Christina HoeltelClaudiaAna María PolJuliaMari Carmen DuqueCeceliaPaloma Pagés Köchin Blanca Sendino Inge Schulz Mademoiselle Perrier Luisa Sala Katharina Lopinski Maria Elisa Méndez Alice Franz

Veröffentlichung In Spanien wurde der Film zum umsatzstärksten Film des Jahres. Trotz internationaler Vermarktung war seine Rezeption außerhalb Spaniens kaum bemerkenswert. Im deutschsprachigen Raum wurde er gar nicht in den Kino-Verleih gebracht und fand seine Erstveröffentlichung erst 1983 auf VHS.

Kritiken

Filmkritiker Kevin Thomas von der Los Angeles Times hob 1971 die historischen Details und Darbietungen des Films hervor und beschrieb ihn als „durch und durch überzeugende, sogar elegante Übung im Bösen“, dessen Verderbtheit mit beträchtlichem Geschick serviert werde. Lilli Palmer arbeite hart daran, ihrer Rolle Menschlichkeit und Tragik zu verleihen. Doch was der Film liebevoll schildere, schlachte er letztlich eher aus, als es anzuklagen.

Der Filmdienst würdigte: „Mit suggestiven Bildern und gruseliger Musik entfaltet der Psychothriller ein meisterhaftes Schauerstück auf der Bühne eines gotischen Mädchenpensionats.“

Fernando Morales von der spanischen Zeitung El País bescheinigte 1998 dem Film eine originelle Geschichte, die zwar inzwischen etwas veraltet erscheine, aber interessante Elemente enthalte.

Nischenkino.de lobte 2015 den Film als gut gealterte Mischung aus Mystery-Giallo und Gothic-Slasher im Stil der Hammer Studios und „einer der düstersten, hinterhältigsten und boshaftesten Schulmädchen-Gruselfilme der 60er Jahre“. Der eigentliche Star sei Kameramann Manuel Berenguer (55 Tage in Peking, König der Könige), dessen schleichende Kameraarbeit die gotischen Bühnenbilder von Victor María Cortezo besonders zur Geltung bringe. Die prächtige Bildästhetik lasse über die mitunter zu gemächlichen Szenen hinwegsehen. Auch die Musik von Waldo de los Ríos sei passend gewählt.

Die Filmwebsite RogerEbert.com nahm den Film 2018 auf ihre Liste von 25 unterschätzten Horrorfilmen zu Halloween. Der selten beachtete Film gelte als Meisterwerk des langsam aufgebauten europäischen Horrorfilms. Der Regisseur, bekannt für den Horrorfilm Ein Kind zu töten..., untersuche darin die kultartig anmutenden Vorstellungen von weiblicher Scham und Geheimhaltung.

Die Kritikwebsite Loud and Clear bezog sich 2025 auf eine Theorie von Filmkritiker Robin Wood, wonach Horrorfilme vom Wiederkehren des Verdrängten handeln, also von Dingen, die die Gesellschaft zu vergessen versucht und die schließlich gewaltsam zurückkehren. In diesem Film brodle die psychosexuelle Fehlentwicklung förmlich unter den Nachthemden der Schülerinnen eines Mädcheninternats des 19. Jahrhunderts, während ein unsichtbarer Mörder sie bedroht. Der Regisseur erzeuge eine greifbare Atmosphäre schauerromantischer Unruhe, die später Dario Argento beeinflusst habe.

Moviebreak.de sieht in dem Film eine mutige Genrekreuzung, die Thriller und Horror mit unterschwelliger Politik- und Gesellschaftskritik kombiniere. Hervorragend mit viel Gespür und ohne Hektik inszeniert diene er als Inspirationsquelle für spätere Filme.

Auszeichnungen Bei der 25. Verleihung der Medallas del Círculo de Escritores Cinematográficos (CEC) im Dezember 1970 erhielt Narciso Ibáñez Serrador für seine Regie den Antonio-Barbero-Preis.

Nachwirkung La Residencia inspirierte Filmemacher aus verschiedenen Ländern zu ähnlichen Horrorfilmen. Dazu zählen u. a. Dario Argento, dessen Suspiria (1977) eine deutliche Hommage an den Film darstellt, gefolgt von Phenomena (1985) und Lucky McKee mit seinem Werk The Woods (2006).

Einzelnachweise

Weblinks

Das Versteck – Angst und Mord im Mädcheninternat bei IMDb Das Versteck – Angst und Mord im Mädcheninternat bei Schnittberichte.com

Kategorie:Spanischer Film Kategorie:Filmtitel 1969 Kategorie:Slasher-Film Kategorie:Horrorfilm