Der Jüdische Friedhof in Mittenwalde ist ein Begräbnisort im Landkreis Dahme-Spreewald, der bis 1938 belegt wurde.

Beschreibung Der 529 Quadratmeter große Friedhof in Mittenwalde liegt an der Rückseite des städtischen Friedhofes zwischen der Mauerstraße und der Straße Hohes Holz.

Der als Gedenkstätte gestaltete Ort orientiert sich an der früheren Struktur des Friedhofs und ist mit Mauersteinkörben eingefasst, die die einstige Abschlussmauer nachbilden sollen. Noch vorhandene Mauern wurden restauriert. Die baulichen Elemente wurden zum Schutz der Grabstätten ohne tiefe Fundamente errichtet und nur die Hauptwege angelegt, von denen Steinplatten als zusätzliche Wege abgehen.

Innerhalb des Areals stehen versetzt zwischen parzellierten Feldern mit Federgras und Rasen zwölf gleichgroße Stelen aus schlesischem Sandstein entlang des Mittelweges. Drei Tafeln informieren über das Projekt, das jüdische Leben in der Stadt, die Geschichte des Ortes und das Gedenkstättenkonzept.

Geschichte Ab 1801 lebten in Mittenwalde 15 jüdische Einwohner, bis 1850 waren es 39. Der Friedhof wurde zwischen 1830 und Ende des 18. Jahrhunderts vor der Stadtmauer auf dem ehemaligen Gebiet der Wallgräben angelegt, die zwischen 1785 und 1790 zugeschüttet worden waren. Als Eigentümer waren ab 1831 sowohl die Jüdische Gemeinde Köpenick als auch diverse Einzelpersonen gelistet. Eine eigene Gemeinde gründete sich in Mittenwalde Mitte des 19. Jahrhunderts, doch mit sinkenden Einwohnerzahlen – 13 Personen im Jahr 1905 – schlossen sich die wenigen Mittenwalder Juden 1911 der Synagogengemeinde Köpenick an. Den von ihnen angelegten Friedhof mit einem Taharahaus nutzten sie weiterhin bis Anfang des 20. Jahrhunderts.

In der Zeit des Nationalsozialismus existierten 1933 etwa 40 bis 50 Gräber auf dem Friedhofsgelände. Während der Novemberpogrome 1938 wurde der Friedhof geschändet und das Taharahaus verwüstet. Danach fanden keine Beisetzungen mehr statt. Die verbliebenen jüdischen Einwohner flohen oder wurden in Konzentrationslager deportiert. Nach 1945 befanden sich noch sechs Gräber und 20 bis 46 Grabsteine auf dem Gelände, die später abgeräumt wurden und deren Verbleib unbekannt ist. In den darauffolgenden Jahren wurde das Land verpachtet, als Garten genutzt und der Ort verfiel zusehends.

Gestaltung als Gedenkstätte Im Jahr 2000 bat der Landesverband der Jüdischen Gemeinden Land Brandenburg die Stadt Mittenwalde um Restauration und Pflege des Friedhofsgeländes. 2001 wurde ein Gedenkstein auf dem Platz aufgestellt.

Die Planungen für eine Gedenkstätte dauerten von 2005 bis 2011. 2010 waren zwei Drittel der Fläche in kommunaler Verwaltung, ein 99 Quadratmeter großer Anteil lag zwischen 1831 und 2011 im Grundbesitz der verstorbenen Eigentümergemeinschaft der Familie Schay Simon, Moses Sillman sowie David Rhein und Moses Richter und wurde 2011 durch die Jewish Claims Conference dem Landesverband der Jüdischen Gemeinden Land Brandenburg übertragen. Danach wurde 2014 aus Mitteln von Land, Stadt, der jüdischen Gemeinden sowie aus Spendenmitteln und Mitteln der Sparkassen-Stiftung die Umgestaltung zur Gedenk- und Begegnungsstätte finanziert.

Im Zuge der Aufbereitungsarbeiten wurden 22 Grabsteinfragmente gefunden, die in der Stadtverwaltung Mittenwalde gelagert werden. Eine Belegungsliste des ursprünglichen Friedhofs wurde aus Archiven des Landes Brandenburgs erstellt.

Einzelnachweise Mittenwalde (LDS). In: Alemannia Judaica. Abgerufen am 21. März 2026

Ort des Lernens und Gedenkens – Land unterstützt Umgestaltung des jüdischen Friedhofs in Mittenwalde. In: Land Brandenburg vom 24. März 2013. Abgerufen am 21. März 2026

Michaela Grimm: Steinernes Familienalbum. In: Jüdische Allgemeine vom 9. September 2014. Abgerufen am 21. März 2026

Jüdischer Friedhof Mittenwalde. In: Stadt Mittenwalde. Abgerufen am 21. März 2026

Tabea Reinders: Jüdischer Friedhof in Mittenwalde. In: Jüdische Friedhöfe in Brandenburg, Universität Potsdam. Abgerufen am 21. März 2026

Tabea Reinders: Geschichte des Jüdischen Friedhofs in Mittenwalde. In: Jüdische Friedhöfe in Brandenburg, Universität Potsdam. Abgerufen am 21. März 2026

Tabea Reinders: Anlage des Jüdischen Friedhofs in Mittenwalde. In: Jüdische Friedhöfe in Brandenburg, Universität Potsdam. Abgerufen am 21. März 2026

Tabea Reinders: Geschichte der Jüdischen Gemeinde in Mittenwalde. In: Jüdische Friedhöfe in Brandenburg, Universität Potsdam. Abgerufen am 21. März 2026

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