Sibylle Schücking-Helfferich (* 15. Juni 1921 in Dortmund; † 24. Oktober 2000 in Sassenberg) war eine deutsche Tierärztin und Frauenrechtlerin. Sie engagierte sich insbesondere im Bereich des Schutzes von Frauen und Kindern vor Gewalt und war an der Gründung mehrerer entsprechender Initiativen beteiligt.Biografischer Artikel auf kulturelles-net.de, abgerufen am 21. März 2026.

Leben Sibylle Schücking-Helfferich entstammte der westfälischen Familie Schücking. Sie war die Tochter des Juristen und Schriftstellers Lothar Engelbert Schücking und dessen zweiter Frau Ellen Louise, geborene Hudoffsky. Ihre Geschwister waren die Juristin und Frauenrechtlerin Annette Schücking-Homeyer und der Astrophysiker Engelbert Schücking.Ulf Morgenstern: Bürgergeist und Familientradition. Paderborn 2012.

Nach dem Umzug der Familie 1933 von Dortmund nach Sassenberg besuchte sie das Gymnasium in Warendorf und legte dort ihr Abitur ab. Ab 1940 studierte sie Veterinärmedizin in Hannover und Wien und legte 1943 ihr veterinärmedizinisches Staatsexamen ab.Biografischer Artikel auf kulturelles-net.de, abgerufen am 21. März 2026.

Sie war Mutter von vier Kindern.

Beruflicher Werdegang Nach dem Zweiten Weltkrieg baute sie in Holtorf (Niedersachsen) eine eigene Tierarztpraxis auf. 1956 eröffnete sie eine Kleintierpraxis in Gelsenkirchen, später eine weitere in Sassenberg.Biografischer Artikel auf kulturelles-net.de, abgerufen am 21. März 2026.

1966 wurde sie zur Direktorin des Schlachthofs Warendorf berufen. Nach dessen Schließung 1977 arbeitete sie erneut in eigener Praxis.Biografischer Artikel auf kulturelles-net.de, abgerufen am 21. März 2026.

Engagement für Frauenrechte Schücking-Helfferich engagierte sich gegen den § 218 StGB und war 1979 Mitgründerin des Vereins Frauen helfen Frauen in Warendorf, aus dessen Umfeld 1980 ein Frauenhaus hervorging.„Gründerinnenzeit – Frauen helfen Frauen Warendorf“, Dokumentation.Westfälische Nachrichten, „Das Lächeln wiedergefunden“, Warendorf, 25. März 2010.

Darüber hinaus war sie an der Gründung weiterer sozialer Einrichtungen beteiligt, darunter eine Kindertagesstätte (Kita) in Warendorf sowie Initiativen zur Unterstützung von Frauen und Mädchen, die von Gewalt betroffen waren.Westfälische Nachrichten, „Das war ein echter Schocker“, Warendorf, 4. Januar 2013.„Gründerinnenzeit – Frauen helfen Frauen Warendorf“, Dokumentation.

1988 gründete sie in Beckum einen Verein gegen sexuellen Missbrauch an Kindern. Darüber hinaus war sie an Initiativen im Bereich Frauen- und Menschenrechte beteiligt, unter anderem im Umfeld von Terre des Femmes.Biografischer Artikel auf kulturelles-net.de, abgerufen am 21. März 2026.

Die Gründung des Frauenhauses wird in der Forschung zur Frauenbewegung als Teil lokaler Mobilisierungsprozesse beschrieben.Julia Paulus: Eigensinn und Loyalität, 2015, S. 147.

Politisches Engagement Am 30. September 1979 gehörte sie zu den Mitgründerinnen der Frauenpartei und wurde zu deren erster Vorsitzenden gewählt.

Von 1984 bis 1989 saß sie für die Grünen im Kreistag Warendorf.

Literatur

Ulf Morgenstern: Bürgergeist und Familientradition. Die liberale Gelehrtenfamilie Schücking im 19. und 20. Jahrhundert. Schöningh, 2012. Julia Paulus: Eigensinn und Loyalität – Protest- und Mobilisierungskulturen in ländlichen Gesellschaften (1970–1990). 2015.

Einzelnachweise

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