mini|Westfassade der Kirche, fotografiert im Jahr 2012; der gotische Glockenturm (Campanile) hat eine Höhe von 33 m.Cesare Augusto Levi: I campanili di Venezia. Notizie storiche, Ferdinando Ongania, Venedig 1890, n. 122, S. 80. mini|Haupteingang mini|Blick über die Fondamenta Santa Maria Maggiore, also von Südosten Santa Maria Maggiore ist heute ein venezianisches Kirchengebäude, das bis ins frühe 19. Jahrhundert zu einem Frauenkonvent gehörte, ähnlich den Beginenhöfen oder den Häusern der Tertiarierinnen. Der Komplex entstand im frühen 16. Jahrhundert südwestlich des heutigen Bahnhofs Venezia Santa Lucia am Westrand des Sestiere Santa Croce. Nach der Profanierung unter französischer Herrschaft (bis 1814) wurde das Kirchengebäude zunächst als Stall, dann als Tabaklager genutzt, während der Konvent abgerissen wurde. Heute gehört die Kirche zum Bezirk des Frauengefängnisses Santa Maria Maggiore. Ursprünglich standen Kirche und Konvent auf einer rechteckigen Insel am äußersten Westrand der Stadt, umgeben von Kanälen. Der Kanal, der die Insel im Norden begrenzte, der Rio dei Pensieri, wurde im 19. Jahrhundert zugeschüttet und heißt seither Rio terà dei Pensieri. Der Ponte Santa Maria Maggiore überspannt im Süden den gleichnamigen Rio, im Westen ist es der Ponte Campo di Marte.

Geschichte mini|Darstellung einer der Pizzochere, auch Pizzòcare oder Pinzocchere genanntCesare Vecellio: Costumes anciens et modernes / Habiti antichi et moderni di tutto il Mondo, Firmin Didot Frères Fils & Cie, Paris 1859. Giuseppe Boerio: Dizionario del dialetto veneziano, Venedig 1829, S. 446 definiert die „Pizzòcare“ oder „Pinzocchere“ als „Donne che vivono nel chiostro vestite d’abito religioso ma non professo.“ Der Impuls zur Errichtung der Kirche und des Konvents ging ab 1483 von einer Gruppe gläubiger Frauen aus, die nahe der Kirche Sant’Agnese in Dorsoduro lebten und als Pizzochere bekannt waren.Emmanuele Antonio Cicogna: Delle Inscrizioni Veneziane, Bd. 3, Giuseppe Picotti, Venedig 1830, S. 417 (Digitalisat). Doch erhielten die Petentinnen, für die Domenico Morosini sprach, zunächst keine Genehmigung zum Bau eines Konvents. Namentlich waren die Frauen Paola und Eustachia, Töchter des Pietro Zentani, und Ludovica, Tochter des Alvise Usnago. Doch obwohl die Consiglieri Marco Pesaro, Nicolò Lion, Marino Garzoni und Tommaso Lippomano die Genehmigung erteilten, geschah zunächst nichts.

Erst am 11. November 1497 wurde dem Konvent, einer Einsiedlerin namens Catterina, auf der Insel Santa Maria Maggiore (also nicht mehr bei Sant’Agnese) durch den Dogen Agostino Barbarigo bzw. den Senat Grundbesitz zugesprochen. Der erste Bau dürfte wohl aus Holz aufgeführt worden sein und sollte dem hl. Augustinus geweiht sein. Ein byzantinisches Bildnis der Gottesmutter soll bewirkt haben, dass die Kirche ihren heutigen Namen erhielt. Der Patrizier Luigi Malipiero soll das Vorhaben maßgeblich unterstützt haben.

Der Maler Tullio Lombardo war von 1500 bis 1505 am Bau und an der Marmorausstattung beteiligt. Zunächst entstand der Konvent mit vielleicht 100 Frauen. Die Errichtung der Kirche erfolgte in den Jahren 1523 bis 1531.Benjamin Paul: Nuns and Reform Art in Early Modern Venice. The Architecture of Santi Cosma e Damiano and its Decoration from Tintoretto to Tiepolo, Ashgare, New York 2012, S. 105.

Innerkirchlich waren dies Jahre heftiger Auseinandersetzungen zwischen dem Patriarchen von Venedig und den Klosterinsassen. Am 17. September 1521 wurde unter Leitung von drei Adligen das Institut der Provveditori sopra i Monasteri eingerichtet, womit die Nonnenklöster, ohne dies ausdrücklich im Titel der Institution auszudrücken, unter staatliche Aufsicht kamen. Ab 1570 wurde für die meisten Klöster die Klausur durchgesetzt, ab 1594 unterstand der Konvent auf Veranlassung Papst Clemens‘ VIII. dem Patriarchen und war damit der päpstlichen Rechtsprechung entzogen.

Die Kirche und der Konvent wurden infolge des Dekrets des Königreichs Italien vom 5. Juni 1805 und nachfolgender Dekrete während der französischen Herrschaft 1806 geschlossen. Bereits am 12. August 1805 hatten die Bewohnerinnen den Konvent und die Kirche verlassen müssen.Helen Deborah Walberg: „Una compiuta galleria di pitture veneziane“ : The Curch of S. Maria Maggiore in Venice, in: Studi Veneziani XLVIII (2004) 1–45, hier: S. 1. Am 28. November wurde es dem Landheer überantwortet.

Der Konvent wurde 1817 durch einen Brand so schwer beschädigt, dass es bis zu seinem Abriss in den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts nicht mehr genutzt wurde. Die Gebäude der Kirche dienten als Kaserne. Die Angehörigen des Konvents zogen in die Kirche Santa Croce um. Ihre frühere Kirche wurde entweiht und ihrer Einrichtung und Gemälde beraubt. Der Vorplatz, der in Campo di Marte (Marsplatz) umbenannt wurde, wurde zu einem Ort, an dem österreichische Offiziere reiten übten. Der Hauptaltar wurde 1829 in die Kirche Santa Maria Mater Domini verbracht.

Ab 1927 wurde auf dem Gelände das Gefängnis Carceri Giudiziarie errichtet, woraufhin die Gefangenen vom Palazzo delle Prigioni am Markusplatz dorthin verlegt wurden.

Die Kirche wurde 1974 restauriert. Ende der 1960er Jahre wurden die Anbauten aus dem 19. Jahrhundert wieder entfernt.

Literatur Stefano Carlon: La pala con la Madonna col Bambino e i Santi Pietro, Chiara, Francesco, Tommaso, e Andrea di Bonifacio de’ Pitati per la cappella Mocenigo nella chiesa di Santa Maria Maggiore, in: Ders.: La committenza religiosa della famiglia Mocenigo dalla Carità nel XVI secolo tra Venezia e la terraferma, Tesi di Laurea, Universität Venedig, 2024, S. 35–51 (Text) und 52–66 (Bilder). Manfredo Tafuri: La chiesa di Santa Maria Maggiore a Venezia : Un’ ipostesi per Tullio Lombardo, in: Arte Veneta 40 (1986) 38–53. Helen Deborah Walberg: „Una compiuta galleria di pitture veneziane“ : The Curch of S. Maria Maggiore in Venice, in: Studi Veneziani XLVIII (2004) 1–45 (konstatiert, dass die geschlossene Kirche kaum jemals von Kunsthistorikern untersucht worden sei). Emmanuele Antonio Cicogna: Delle Inscrizioni Veneziane, Bd. 3, Giuseppe Picotti, Venedig 1830, S. 417–428 (Digitalisat). Antonio Maria Zanetti: Descrizione di tutte le pubbliche pitture della citta’ di Venezia e isole circonvicine: o sia Rinnovazione delle Ricche minere di Marco Boschini, colla aggiunta di tutte le opere, che uscirono dal 1674. sino al presente 1733, Pietro Bassaglia al segno della Salamandra, Venedig 1733, S. 362–365. (Digitalisat) Flaminio Corner: Notizie storiche delle chiese e monasteri di Venezia, e di Torcello, Giovanni Manfrè, Padua 1758, S. 514 f. (Digitalisat) Johann C. Maier: Beschreibung von Venedig, Teil I, Christian Gottlieb Hertel, Frankfurt/Leipzig 1787, S. 414–418, n. V („S. Maria Maggiore, Franciskaner-Nonnen“). (Digitalisat)

Weblinks

ciexa de Santa Maria Mazor, VeneziaMuseo

Anmerkungen

Maria Maggiore Kategorie:Erbaut in den 1520er Jahren Kategorie:Marienkirche