Craugastor megacephalus ist eine Art innerhalb der Familie der Craugastoridae und gehört zur Gattung Craugastor. Ein etablierter deutscher Trivialname ist für diese Art nicht dokumentiert; im Englischen wird sie als „Atlantic Broad-headed Litter Frog“ bezeichnet. In älterer Literatur wird die Art teils noch unter den Namen Eleutherodactylus megacephalus oder Eleutherodactylus biporcatus geführt.
Beschreibung Die Kopf-Rumpf-Länge (SVL) beträgt bei Männchen 30–43 mm, bei Weibchen 50–70 mm. Nach Leenders erreichen Männchen bis 43 mm und Weibchen bis 74 mm SVL. Weibchen sind somit großwüchsiger, während Männchen mittelgroß sind. Der Kopf ist auffallend breit; seine Breite entspricht bei adulten Tieren etwa der Hälfte der Kopf-Rumpf-Länge. Hände und Füße sind unbeschwimmt, und der Art fehlen im Gegensatz zu echten Kröten Parotoiddrüsen.
Die Art besitzt ein gut entwickeltes Paar paralleler suprascapularer Plicae (Rückengrate), die bis etwa zur Körpermitte verlaufen. Zusätzlich sind paarige laterosacrale Grate am hinteren Rücken vorhanden, die in Populationen aus Nicaragua, Honduras und Costa Rica V-förmig angeordnet sind, während sie in Populationen aus dem westlichen Panama aus zwei nicht konvergierenden parallelen Graten bestehen. Ein dunkler Sitzfleck ist auf der hinteren Oberschenkeloberfläche vorhanden und kann einheitlich gefärbt oder mit gelben Flecken oder Marmorierung versehen sein.
Die Schnauze ist in der Dorsalansicht abgestutzt und in der Lateralansicht leicht stumpf. Das obere Augenlid ist mit Tuberkeln besetzt, die bei Jungtieren am stärksten ausgeprägt sind. Das Trommelfell ist groß und zeigt einen ausgeprägten Sexualdimorphismus: Bei Männchen erreicht es nahezu die Größe des Auges, bei Weibchen ist es dagegen nur etwa halb so groß. Große Schädelgrate sind vorhanden, mit Höckern oder Vorsprüngen am hinteren Ende der Kämme, die besonders bei großen Weibchen oberhalb der supratympanalen Falte deutlich erkennbar sind.
Der Rücken adulter Tiere ist glatt bis feinkörnig mit einigen verstreuten, flachen Pusteln; nach Leenders wird der Rücken bei großen adulten Tieren zunehmend glatt, während Jungtiere zahlreiche verstreute Tuberkel aufweisen. Bei juvenilen Tieren sind die Pusteln klein mit hellen Spitzen und meist zugespitzt. Die Bauchseite ist glatt.
Die dorsale Oberfläche ist grau-bräunlich bis olivbraun, manchmal mit lachsfarbenem Anflug; Leenders beschreibt die Rückenfärbung allgemeiner als rötlich, grau, hellbraun oder dunkelbraun, wobei die Rückengrate und Tuberkel häufig dunkel umrandet sind. Besonders große Weibchen können dunkelbraun sein. Die Art weist schwarze supratympanale Falten (meist), einen schwarzen Fleck auf dem Trommelfell (meist), schwarze Plicae, schwarze Sakralflecken und vergrößerte Sakraltuberkel sowie eine undeutliche hellere interobitale Bande oder einen Fleck auf, der von leicht dunkleren Markierungen begrenzt wird. Die hintere Oberschenkelseite ist dunkelbraun bis schwarz und kann einheitlich, gefleckt oder marmoriert sein.
Bei juvenilen Tieren aus Costa Rica sind die verborgenen Gliedmaßenoberflächen, die hintere Bauchseite sowie die ventralen Flächen von Händen und Zehen gelb-orange bis rot-orange gefärbt. Nach Leenders ist die Bauchseite bei Jungtieren dunkelbraun mit weißen, punkt- oder marmorierungsartigen Flecken, die mit zunehmendem Alter verblassen; zudem sind die Handflächen und Fußsohlen bei Jungtieren orange gefärbt. Die Iris ist in Costa Rica nach Angaben von Savage und Myers schwarz mit goldenen Flecken, während sie in Panama bronze bis braun sein kann, manchmal in der unteren Hälfte heller, selten mit grünlich-bronzenem Schimmer. Abweichend davon beschreibt Leenders die Iris costa-ricanischer Tiere als gold bis dunkelbronze mit feiner schwarzer Sprenkelung und Netzzeichnung; die Pupille ist horizontal-elliptisch.
Ähnliche Arten Craugastor gulosus ähnelt C. megacephalus in der Gestalt, ist jedoch größer und besitzt nicht das charakteristische Muster aus Rückengraten. Strabomantis bufoniformis unterscheidet sich durch das Fehlen des Rückengrat-Musters, eine stärker höckerige Rückenhaut sowie durch Reste von Schwimmhäuten zwischen den Zehen, die C. megacephalus fehlen.
Verbreitung Craugastor megacephalus kommt im äußersten Südosten von Honduras, in Nicaragua, Costa Rica und im westlichen Panama (einschließlich der Inseln auf Bocas del Toro (Stadt)) vor. Die Art ist hauptsächlich an der die zum Atlantik hin gerichteten Seite der Länder verbreitet, mit einigen Vorkommen auch an der pazifischen Seite. Sie wurde in Höhenlagen von 0 bis 1.200 m über dem Meeresspiegel nachgewiesen.
Lebensweise Craugastor megacephalus ist ein Bewohner der Laubstreu in feuchten Tiefland- und Bergwäldern. Die Art toleriert ein gewisses Maß an Habitatstörungen. Nach Leenders bevorzugt sie jedoch eher unberührte Wälder und kommt in leicht gestörten Gebieten nur dann vor, wenn ausreichende Kronendachdeckung und eine dicke Laubstreuschicht erhalten bleiben. In Costa Rica gilt die Art als weiterhin verbreitet und häufig.
Adulte Tiere sind kryptische Laubstreubewohner, die tagsüber hauptsächlich in Höhlen versteckt sind. Sie sitzen nachts am Höhleneingang und greifen Beute an. Die Art nutzt wahrscheinlich Höhlen, die von anderen Tieren gegraben wurden, anstatt eigene zu graben. Im Gegensatz dazu sind Jungtiere sowohl tagsüber als auch nachts auf der Laubstreu aktiv. Bei Entdeckung verharren die Tiere zunächst regungslos und verlassen sich auf ihre Tarnung, oder sie flüchten mit kräftigen, kurzen Sprüngen zurück in ihren Bau.
Die Nahrung umfasst Käfer und große Ameisen sowie Orthopteren, Asseln, verschiedene Larven und Webspinnen. Nach Leenders zählen große Spinnen zu den bevorzugten Beutetieren, daneben werden auch Tausendfüßer und andere vergleichsweise große Beutetiere erfasst. Gelegentlich werden auch Wirbeltiere (wahrscheinlich andere Frösche oder kleine Reptilien) erbeutet. Der breite Kopf und das große Maul ermöglichen es der Art, auch größere Beute wie kleine Frösche oder Echsen zu erbeuten, die für schmalköpfigere Froscharten unzugänglich ist.
Fortpflanzung Die Art pflanzt sich durch direkte Entwicklung fort, wobei die Eier in der Laubstreu abgelegt werden und die Jungtiere ohne freies Kaulquappen-Stadium aus den Eiern schlüpfen. Sie ist für ihre Fortpflanzung nicht an Gewässer gebunden; die Eiablage erfolgt vermutlich im Bau des Elterntiers oder in einem feuchten Mikroklima innerhalb der Laubstreu. Männchen sind nicht dafür bekannt zu rufen; der Art fehlen zudem Stimmschlitze und eine Schallblase.
Gefährdung Craugastor megacephalus wird von der IUCN auf der Roten Liste der gefährdeten Arten als nicht gefährdete Art (Least Concern, LC) geführt. Die Bewertung erfolgte am 4. September 2019 und wurde 2020 veröffentlicht. Begründet wird diese Einstufung mit dem weiten Verbreitungsgebiet, der Toleranz gegenüber einem gewissen Grad an Habitatveränderung und der vermuteten großen Gesamtpopulation. Der Populationstrend gilt als stabil.
Die Art ist in Costa Rica relativ häufig, obwohl Subpopulationen lokale Rückgänge in La Selva gezeigt haben. In Honduras und Panama ist sie relativ selten.
Als Hauptbedrohungen gelten Habitatverlust durch Zerstörung natürlicher Wälder für menschliche Siedlungen, Landwirtschaft und Holzeinschlag. Die Art wurde als mit Batrachochytrium dendrobatidis (Bd) und Ranavirus koinfiziert in Costa Rica nachgewiesen, und Chytridiomykose ist die Hauptursache für den Populationsrückgang dieser Art im östlichen Panama.
Die Art kommt in mehreren Schutzgebieten vor. Weitere Forschung zu den Bedrohungen dieser Art ist erforderlich.
Systematik und Taxonomie Die Art wurde im Jahr 1875 von Edward Drinker Cope als Lithodytes megacephalus erstmals beschrieben. Sie wurde früher der Gattung Eleutherodactylus zugeordnet und 2005 in die Gattung Craugastor überführt.
Craugastor megacephalus wurde aus dem früheren Konzept von E. biporcatus herausgelöst, wobei andere Populationen E. rugosus und E. opimus zugeordnet wurden. Die Art könnte jedoch weiterhin einen Artenkomplex darstellen, angesichts der unterschiedlichen Jugendfärbung von costa-ricanischen im Vergleich zu panamaischen Exemplaren sowie der unterschiedlichen Konfiguration der laterosacalen Plicae in Populationen aus Bocas del Toro im nordwestlichen Panama. Auch Leenders weist darauf hin, dass angesichts der morphologischen Variation innerhalb der Art weitere kryptische Formen enthalten sein könnten und zusätzliche Forschung zur Klärung der Taxonomie notwendig ist.
Folgende Synonyme sind bekannt: Lithodytes megacephalus Cope, 1875 (Basionym) Hylodes megacephalus (Cope, 1875) Eleutherodactylus megacephalus (Cope, 1875)
Einzelnachweise Craugastor megacephalus bei AmphibiaWeb. University of California, Berkeley. Abgerufen am 18. März 2026. Craugastor megacephalus Twan Leenders: Amphibians of Costa Rica. A Field Guide. Comstock Publishing Associates, Cornell University Press, Ithaca und London 2016, S. 255–256. Abgerufen am 10. Juli 2026.
Literatur Cope, E. D.. Checklist of North American Batrachia and Reptilia. Bulletin of the American Museum of Natural History 1, 1875, S. 31. Savage, J. M. and Myers, C. W. . Frogs of the Eleutherodactylus biporcatus group (Leptodactylidae) of Central America and Northern South America, including rediscovered, resurrected, and new taxa. American Museum Novitates 3357, 2002, S. 1–48. Savage, J. M. The Amphibians and Reptiles of Costa Rica: A Herpetofauna between two Continents, between two Seas. University of Chicago Press, Chicago, 2002. Crawford, A. J. and Smith, E. N.. Cenozoic biogeography and evolution in direct-developing frogs of Central America (Leptodactylidae: Eleutherodactylus) as inferred from a phylogenetic analysis of nuclear and mitochondrial genes. Molecular Phylogenetics and Evolution 25, 2005, S. 536–555. Twan Leenders: Amphibians of Costa Rica. A Field Guide. Comstock Publishing Associates, Cornell University Press, Ithaca und London 2016, S. 255–256.
Weblinks
Craugastor megacephalus bei AmphibiaWeb, University of California, Berkeley. Craugastor megacephalus bei GBIF – Global Biodiversity Information Facility. Craugastor megacephalus bei Amphibian Species of the World, American Museum of Natural History. Craugastor megacephalus bei iNaturalist.
Kategorie:Craugastoridae Kategorie:Craugastoridae (Familie)