mini|Hendrik Frans van Lint, genannt Lo Studio – Rom, Blick auf den Petersplatz mit dem Einzug des kaiserlichen Botschafters Ercole Ludovico Turinetti, Marquis von Prié (zwischen 1710 und 1726) Hendrik Frans van Lint (* 26. Januar 1684 in Antwerpen; † 23. September 1763 in Rom) war ein flämischer Landschafts- und Vedutenmaler sowie Zeichner. Er verbrachte den Großteil seines Lebens in Rom und zählt zu den bedeutendsten Vertretern der topographischen Landschaftsmalerei in der Stadt im frühen 18. Jahrhundert.
Leben Van Lint wurde als Sohn des Malers Peter van Lint in Antwerpen geboren. In den Jahren 1696/97 war er Schüler des Schlachten- und Landschaftsmalers Peeter van Bredael, ebenfalls in Antwerpen. Er schloss die Lehrzeit jedoch nicht ab, sondern reiste zwischen 1697 und 1700 nach Rom, wo er bis zu seinem Tod leben und arbeiten sollte. Lediglich im Jahr 1710, nach dem Tod seiner Mutter, unternahm er eine kurze Rückreise nach Antwerpen.
In Rom trat er der Künstlervereinigung der Bentvueghels, auch Schildersbent genannt, bei. In dieser Vereinigung waren vorwiegend niederländische und flämische Künstler in der Ewigen Stadt organisiert. Dort erhielt er den Beinamen „Studio“, der auf seinen außerordentlichen Fleiß und seine akribische Arbeitsweise verwies. Van Lint wohnte in der Via del Babuino und heiratete im Jahr 1719 Ludovica Margarete Tassel, die Tochter eines italienischen Schneiders. Aus der Ehe gingen zehn Kinder hervor, darunter der Maler Jacob (Giacomo) van Lint (1723–1790). Jakobs Sohn Michael wurde Bildhauer und gewann 1783, 1784 und 1789 Preise der Accademia di San Luca in Rom. Im Jahr 1744 trat Hendrik Frans van Lint der Congregazione Artistica dei Virtuosi al Pantheon, der Päpstlichen Akademie der Schönen Künste und der Literatur, bei und wurde 1752 deren Präsident.
Werk mini|Hendrik Frans van Lint: Giacomo van Lint (Öl auf Holz, 1750). Dieses Gemälde ist das einzige bekannte Porträt von Hendrick van Lint. Der Künstler hat seinen Sohn Giacomo (1723–1790) dargestellt, der selbst ein versierter Künstler war. Im Hintergrund der St. Peter in Rom. Van Lint zählt zu den bedeutendsten Veduten- und Landschaftsmalern des frühen 18. Jahrhunderts in Rom. Sein Œuvre umfasst rund 200 Gemälde und Zeichnungen. Wahrscheinlich arbeitete er zu Beginn seiner Laufbahn mit Gaspar van Wittel zusammen, der zu den Pionieren der Vedutenmalerei zählte, Mitglied der Bentvueghels war und van Lints Lehrer. Van Lint kopierte häufig van Wittels Kompositionen, so etwa den Blick auf San Giovanni dei Fiorentini (1712, heute im Gotischen Haus in Wörlitz). Ab etwa 1714 wandte er sich auch Darstellungen der Landschaft Latiums mit ihren antiken Monumenten zu. Charakteristisch für Hendrik Frans van Lints Stil sind ein ausgeprägtes Feingefühl für Farbe, der Einsatz zarter Töne – bevorzugt Grün-, Blau- und Rosanuancen – sowie ein gleichmäßiges, diffuses Licht. Er verlieh seinen Ansichten häufig eine idealisierende und idyllische Stimmung sowie eine besondere Feinheit der Ausführung. Die Figuren in seinen Kompositionen orientieren sich oft an den Werken von Guido Reni oder Pompeo Batoni. Van Lint kopierte diese oder ließ sie gelegentlich von anderen Künstlern ausführen.
Ein besonderes Merkmal seines Werks ist der fantasievolle Umgang mit dem römischen Stadtbild: Hügel wie der Esquilin oder der Gianicolo sowie Gebäude wie die Villa Mattei, Sant'Agnese oder Santa Costanza erscheinen in seinen Werken stets in einer ländlichen, arkadischen Umgebung, während das Kolosseum von einer imaginierten Landschaft umgeben ist. Die nachweislich von ihm ausgeführten Ansichten Neapels (datiert 1725) und Venedigs basieren laut Luigi Salerno wahrscheinlich auf Werken anderer Künstler und sind kein Beleg für einen tatsächlichen Aufenthalt van Lints in diesen Städten.
Van Lint fertigte detaillierte Vorzeichnungen mit Bleistift, Feder und Lavierung an, oft direkt vor Ort. Für Exkursionen in die Campagna Romana brach er mitunter für mehrere Wochen auf. Diese Studien dienten ihm als Grundlage für großformatige Kompositionen auf Leinwand, in die er Ruinen und antike Bauwerke einfügte, um elaborierte, imaginäre Landschaften zu schaffen. Zu seinem Werk zählen zahlreiche Ansichten von Tiberbrücken, darunter die Ponte Nomentano, die Ponte Salario, die Ponte Milvio und die Ponte Sisto. Darüber hinaus ist er für seine feinfühligen Kopien nach Werken von Claude Lorrain bekannt, dessen Auffassung von Landschaften er stark verinnerlicht hatte. Eine bedeutende Gruppenausstellung, in der Hendrik Frans van Lints Werk gezeigt wurde, war 1983 die Ausstellung „Im Licht von Claude Lorrain“ im Haus der Kunst in München.
Werke (Auswahl)
Literatur
Andrea Busiri Vici: Peter, Hendrik e Giacomo van Lint. Ugo Bozzi Rom, 1987. Ann Zwollo: Hollandse en vlaamse vedutenschilders te Rome 1675–1725. Van Gorcum, Assen 1973. Ann Zwollo: Zeichnungen von Caspar van Wittel und van Lint in den Staatlichen Museen zu Berlin. Staatliche Museen, Berlin 1965. Arnold Houbraken, De groote schouburgh der Nederlantsche konstschilders en schilderessen. Amsterdam 1718–1721 (Nachdruck Amsterdam, 1976). Bettina Werche: Die altniederländischen und flämischen Gemälde des 16. bis 18. Jahrhunderts (Katalog Anhaltische Gemäldegalerie Dessau), Verlag der Buchhandlung Walther König, Köln 2001. Denis Coekelberghs: Les peintres belges à Rome de 1700 à 1830. Institut Historique Belge de Rome, Brüssel / Rom 1976. Dictionnaire des peintres belges (DPB), Band II, La Renaissance du Livre, Brüssel 1995. Luigi Salerno: I pittori di vedute in Italia 1580–1830. Ugo Bozzi, Rom 1991. Alberto Cottino: Vedutisti. Selearte, Mailand 1991. Emmanuel Bénézit: Dictionary of artists. Band 13: Sommer – Valverane. Gründ, Paris 2006.
Weblinks
RKD – Nederlands Instituut voor Kunstgeschiedenis: Hendrik Frans van Lint Web Gallery of Art: Hendrik Frans van Lint Artvee
Einzelnachweise
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