mini|hochkant|Blick von Nordwesten auf die Marienkapelle mini|Blick von Süden auf die Marienkapelle mini|Das Innere der Marienkapelle mini|Pietà aus der abgebrochenen Kapelle beim Gimbacher Hof, die einst auf dem Grab des Pfarrers Schüler stand mini|Neue Trauerhalle auf dem Münsterer Friedhof mini|hochkant|Wegekreuz der Eheleute Philipp und Ursula Mohr mini|hochkant|Sankt-Wendelin-Denkmal Die Neugotische Marienkapelle steht auf dem Friedhof von Kelkheim-Münster. Sie ist nach § 2 Absatz 1 des Hessischen Denkmalschutzgesetz aus geschichtlichen und künstlerischen Aspekten als Kulturdenkmal mit der Nummer 46385 eingetragen.Main-Taunus-Kreis Kelkheim, Münster, Frankfurter Straße 206, Friedhof, Marienkapelle bei denkxweb.denkmalpflege-hessen.de
Geschichte Im Flurstück „Altkirch“, in dem die Marienkapelle heute steht, stand Ende des 10. Jahrhunderts wahrscheinlich schon eine Holzkirche. Es handelte sich vermutlich um eine fränkische Eigenkirche, die sich später im Besitz der Herren von Fleming vom Hof Hausen vor der Sonne befand. Später wurde an der Stelle der Holzkirche ein Kirchenbau aus Stein errichtet, der 1373 mit einem Marienaltar ausgestattet wurde. Um 1450 lag Kurmainz mit dem Adelsgeschlecht Eppstein in einer Fehde und eroberte Hofheim und Münster. Hierbei wurde wahrscheinlich die Kirche zerstört. Zippel Hen aus Hornau kaufte 1544 den Acker „Am alten Stockbusch“ für 30 Mark und ließ auf eigene Kosten eine Feldkirche und eine Kapelle, die dem heiligen Wendelin, dem Schutzpatron der Bauern und Viehzüchter, geweiht wurde, darauf errichten. Er vermachte die Kapelle der Kirche in Münster und der Pfarrer musste dort wöchentlich eine Messe lesen.Verein für Nassauische Altertumskunde und Geschichtsforschung: Nassauische Annalen, Band 67–68, Wiesbaden 1956, S. 319 1819 wurden die Reste der verfallenen Kapelle für 28 Gulden abgerissen.Frank Weiner: Münster: Pfarrer Schülers Geschenk strahlt im neuen Glanz bei fnp.de vom 29. November 2023
1878 wurde auf dem „alten Kirchplatz im Höchster Wegfeld“ der Münsterer Friedhof, der sich zuvor an der St.-Dionysius-Kirche befand, angelegt. 1883 stiftete Franz Schüler, der von 1861 bis 1890 katholischer Pfarrer in Münster war, die Marienkapelle auf dem Friedhof. Als er 1890 starb, wurde er neben der Kapelle, wie in seinem Testament festgelegt, bestattet. Auf seinem Grab stand eine Pietà, die ursprünglich von dem Gimbacher Hof stammte und sich heute in der St.-Dionysius-Kirche befindet. 1957 wurde an der Nordostseite der Kapelle ein Anbau errichtet, um sie als Totenkapelle zu nutzen. Die ursprüngliche Ausstattung, die aus einem Altar aus Eichenholz, sechs Figuren, fünf Bildern und acht Stühlen bestand, ging verloren. Heute existiert nur noch die Glocke der Kapelle. Nachdem am 29. Oktober 2006 etwa 50 m nordwestlich die neue Trauerhalle eingeweiht worden war, konnte der Rückbau der Kapelle durchgeführt werden.Friedhöfe: Trauerhalle Münster bei kelkheim.de Der eigens hierfür gegründete „Förderverein der Marienkapelle Münster e. V.“ restaurierte von 2011 bis 2017 die Kapelle. Von den Gesamtkosten, die sich auf etwa 150.000 Euro beliefen, finanzierte der Verein etwa 10 % mit Spenden.
Beschreibung Die neugotische Marienkapelle steht im Süden des Münsterer Friedhofs. Hierbei handelt es sich um das einzige neugotische Bauwerk in Kelkheim. Es hat eine Länge von etwa 8,50 m und eine Breite von etwa 5,80 m. Der Eingang befindet sich an der Nordwestseite, während die dreiseitige Apsis nach Südosten ausgerichtet ist. Sie wurde aus rotem Backstein errichtet. Unterhalb des mit Schiefer gedeckten Dachs mit Dachreiter verläuft ein Backstein-Sägezahnfries. An allen Ecken der Apsis und zu beiden Seiten der Eingangsfassade wurden Strebepfeiler errichtet. Die Strebepfeiler an der Eingangsfront sind von Fialen aus Sandstein bekrönt. An beiden Längsseiten gibt es jeweils zwei Maßwerkfenster und ein weiteres an der Apsis. Oberhalb der spitz zulaufenden Eingangstür, die mit Sandsteingewände eingerahmt ist, steht: „Erbaut von Herrn Pfarrer Schüler im Jahre 1883“. Auf dem Eselsrücken, der von einem Kreuz bekrönt ist, steht „Zur Ehre Gottes“ geschrieben.
Im Innenraum stehen vor dem Altar drei Holzbänke. Die Wandmalereien wurden bei der Restaurierung erneuert, wobei an der rechten Seite der Apsis, an der linken Wand direkt vor der Apsis und an der Decke der Apsis die ursprüngliche Bemalung erhalten wurde. Als Innenausstattung gibt es links der Apsis eine Figur von Johannes dem Täufer mit Lamm und Kreuz vom Agnus-Dei-Typ, daneben ein rechteckiges Bild der Maria mit Jesuskind und links des Eingangs eine Marienfigur vom Unbeflecktes-Herz-Mariä-Typ. Rechts des Altars befindet sich eine Mondsichelmadonna, daneben ein achteckiges Bild, das Maria mit Jesuskind und dem jungen Johannes dem Täufer zeigt. Rechts des Eingangs steht eine Figur vom Heiligstes-Herz-Jesu-Typ und über der Tür eine Figur von Josef von Nazaret mit dem Jesuskind.
Etwa 10 m nördlich der Kapelle steht ein Sandsteinkreuz, das auch nach dem Hessischen Denkmalschutzgesetz als Denkmal unter der Nummer 46386 eingetragen ist.Main-Taunus-Kreis, Kelkheim-Münster, Frankfurter Straße 206a, Friedhof, Wegkreuz, Flur: 9, Flurstück: 569 bei denkxweb.denkmalpflege-hessen.de Es wurde 1769 von den Eheleuten Philipp und Ursula Mohr anlässlich ihres zwanzigsten Hochzeitstags errichtet.Kleindenkmale in Kelkheim(Taunus) bei kelkheim.de Die Inschrift lautet: O IHR ALLE DIE VORÜBE GEHET AUF DEM WEEG MERCKET DOCH UND SEHET OB EIN SCHMERTZ SEYE DER GLEICH SEY MEINEM SCHMERTZEN PHILIPPUS MOHR U. URSULA 1769.
Etwa 30 m südöstlich der Kapelle steht ein Denkmal, das an die ehemalige Wendelinkapelle erinnern soll. Es handelt sich um ein Mosaik von P. Schichtel aus dem Jahre 2006, das den heiligen Wendelin als Hirten neben einem Schaf zeigt. Es wurde 2007 von P. und A. Schichtel gestiftet.
Über den Erbauer Franz Josef Schüler wurde am 19. Januar 1806 in Aschaffenburg geboren. Er war zunächst Feldwebel in der Bayerischen Armee. Nach dem Studium der Theologie wurde er zum Pfarrverweser in Großholbach (1836–1837) berufen. Danach betraute er dieses Amt in Breitenau (1838–1839) und Hartenfels (1841–1843). Von 1843 bis 1851 war er Pfarrer in Daisbach und von 1851 bis 1861 in Kransberg. 1861 wurde er schließlich Pfarrer in Münster und blieb dies bis zu seinem Tod im Jahre 1890.Bischöfliches Ordinariat Limburg: Handbuch des Bistums Limburg 1956, 1956, S. 47, 61, 190, 218, 264, 265 (Digitalisat) Er kaufte ein Stück Land südlich des Friedhofs und ließ die Kapelle zur Erinnerung an die erste Kirche Münsters errichten.Wilhelm Hilpisch: Aus der Geschichte des ehemaligen Kirchspiels Münster mit seinen Filialen Kelkheim und Hornau, Im Selbstverlag des Verfassers 1955, S. 75 Nach seinem Tod vermachte er die Kapelle der Kirchengemeinde Münster. Man lehnte dies wegen den anfallenden Kosten ab; erst als die Alleinerbin des Pfarrers der Gemeinde 2.000 Mark stiftete, nahm man das Geschenk an. Als die Erbin 1927 starb, fiel ihr gesamtes Vermögen auch an die Gemeinde.Chronik 1983 bei kelkheim.de
Literatur Gertrude Rolly: Der Friedhof und die Schüler’sche Kapelle In: 1000 Jahre Pfarrei Münster, Kelkheim-Münster 1994, S. 47–50
Weblinks
Chronik der Stadt Kelkheim (Taunus) 2006 bei kelkheim.de
Einzelnachweise
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