mini|Die Kalksteinstele im Saatlichen Museum Ägyptischer Kunst zu München
Die Stele des Upuaut-aa ist ein altägyptisches Kalksteinstele aus dem Mittleren Reich. Sie befindet sich heute im Staatlichen Museum Ägyptischer Kunst in München und gehört zu den bedeutendsten ägyptischen Denkmälern der Sammlung. Die Grabstele steht im Eigentum des Wittelsbacher Ausgleichsfonds und trägt die Inventarnummer GL WAF 035.Hans Wolfgang Müller: Die ägyptische Sammlung des Bayerischen Staates. München 1966, S. 28f. Nr. 31; vgl. auch den Eintrag der Stele in bavarikon [abgerufen am 15. März 2026]. Das Monument stammt aus Abydos und ist in das 13. oder 23. RegierungsjahrWinfried Barta: Ein metrisch geformter Stelentext des Mittleren Reiches. In: Jürgen Osing, Günter Dreyer (Hrsg.): Form und Maß. Beiträge zur Literatur, Sprache und Kunst des alten Ägypten, Festschrift für Gerhard Fecht zum 65. Geburtstag am 6. Februar 1987. Wiesbaden 1987, S. 63–77, hier: S. 63; John Baines: Wepwawetaa in Leiden and Munich. In: Beatrice Baragli u. a. (Hrsg.): Distant Worlds and Beyond. Heidelberg 2021, S. 5–13. des Pharaos Amenemhet II (ca. 1878 – ca. 1843 v. Chr.)Erik Hornung u. a.: Chronological Table for the Dynastic Period. In: dies (Hrsg.): Ancient Egyptian Chronology. Leiden u. a. 2006, S. 490–95, hier: S. 491. datiert. Die Maße betragen 136 × 70 × 13 cm.Hans Wolfgang Müller: Die ägyptische Sammlung des Bayerischen Staates. München 1966, S. 28f. Nr. 31. Bemerkenswert ist die Stele sowohl aufgrund ihrer Größe als auch wegen der außergewöhnlich umfangreichen Inschrift. Der Text umfasst 25 Zeilen, die nahezu die gesamte Vorderseite des Steins einnehmen. Lediglich in der linken unteren Ecke befindet sich eine Darstellung des Steleninhabers, der vor einem Speisetisch sitzt.Winfried Barta: Ein metrisch geformter Stelentext des Mittleren Reiches. In: Jürgen Osing, Günter Dreyer (Hrsg.): Form und Maß. Beiträge zur Literatur, Sprache und Kunst des alten Ägypten, Festschrift für Gerhard Fecht zum 65. Geburtstag am 6. Februar 1987. Wiesbaden 1987, S. 63–77, hier: S. 63. Es existiert eine weitere, bereits früher gestiftete Stele desselben Stifters, ebenfalls aus Abydos, die sich heute im Rijksmuseum van Oudheden in Leiden befindet (Inv.-Nr. AP 63).John Baines: Wepwawetaa in Leiden and Munich. In: Beatrice Baragli u. a. (Hrsg.): Distant Worlds and Beyond. Heidelberg 2021, S. 5–13. Die Stele weist eine Doppeldatierung in das 44. Jahr Sesostris’ I. und das 2. Jahr Amenemhets II. auf.
Der Inhaber der Stele, Upuaut-aa, trug die Titel eines Bürgermeisters von Abydos und eines Prophetenvorstehers. Seine Stele enthält eine der längsten bekannten Inschriften dieser Gattung aus der Zeit des Mittleren Reiches. Insgesamt lässt sich der Text in 94 Verse gliedern, die von Winfried Barta nach metrischen Kriterien analysiert worden sind.
Der Aufbau der Inschrift gliedert sich in vier größere Abschnitte oder Strophen. Nach einer kurzen Datumsangabe folgt zunächst eine Opferformel an den Gott Osiris. Darin bittet der Steleninhaber um die regelmäßige Rezitation von Opfergabenformeln, insbesondere der Zeremonie des „Hervorkommenlassens der Stimme“ (pr.t-ḫrw), die an allen nur erdenklichen Festtagen für den Verstorbenen vollzogen werden soll. Die zweite Strophe enthält einen sogenannten „Anruf an die Lebenden“. Beamte und Priester werden aufgefordert, ein Opfergebet zu sprechen, das zahlreichen Gottheiten Opfergaben zusichert, damit diese dem Steleninhaber im Jenseits gnädig seien. Eine umfangreiche Liste von Gottheiten bildet dabei den Mittelpunkt des Abschnitts.Zu dieser Liste vgl. John Baines: Wepwawetaa in Leiden and Munich. In: Beatrice Baragli u. a. (Hrsg.): Distant Worlds and Beyond. Heidelberg 2021, S. 5–13, hier: S. 8.
In der dritten Strophe mit 22 Versen formuliert Upuaut-aa eine Reihe von Jenseitswünschen. Dazu gehören der Empfang von Opfergaben, die Verklärung des Verstorbenen sowie Bewegungsfreiheit im Jenseits. Im Zentrum der Bitte steht allerdings der Wunsch, an den Mysterien des Osiris in Abydos zu partizipieren und am täglichen Lauf des Sonnengottes durch Himmel und Erde mitzuwirken. Der vierte Abschnitt umfasst 24 Verse und enthält eine biographische Darstellung des Steleninhabers. Geschildert werden unter anderem eine Reise zur königlichen Residenz, eine Audienz beim König mit gemeinsamem Mahl, die Verleihung mehrerer Ämter sowie die Berechtigung zur Teilnahme am Kultvollzug im Tempel von Abydos. Abschließend wird berichtet, dass Upuaut-aa eigene Kultstatuen im Tempel aufstellen durfte.Winfried Barta: Ein metrisch geformter Stelentext des Mittleren Reiches. In: Jürgen Osing, Günter Dreyer (Hrsg.): Form und Maß. Beiträge zur Literatur, Sprache und Kunst des alten Ägypten, Festschrift für Gerhard Fecht zum 65. Geburtstag am 6. Februar 1987. Wiesbaden 1987, S. 63–77.
Kurz nach dem Tod des Upuaut-aa wurden seine Stelen gezielt beschädigt. An der Münchner Stele tilgte man Name und zentralen Titel an entscheidender Stelle, während andere Nennungen erhalten blieben; zugleich wurden Teile der Inschrift überarbeitet und zusätzliche Priestergruppen eingefügt und als Opferempfänger benannt. Die unteren Bildzonen war wahrscheinlich im Sand verborgen und blieb deswegen unversehrt. Die Leidener Stele weist weniger komplexe, jedoch gleichwohl signifikante Eingriffe auf, die sich vornehmlich auf die Gesichter der dargestellten Figuren sowie auf den Namen des Stifters richten. Nach altägyptischer Vorstellung beeinträchtigte die Zerstörung der Gesichter die Fähigkeit zum Atmen im Jenseits. Die Verbindung von Tilgung, Umarbeitung und gezielter Bildbeschädigung deutet, wie John Baines hervorhebt, über eine bloße Aneignung hinaus auf ein Moment persönlicher Feindschaft hin, möglicherweise im Sinne eines Racheakts durch priesterliche Nachfolger.John Baines: Wepwawetaa in Leiden and Munich. In: Beatrice Baragli u. a. (Hrsg.): Distant Worlds and Beyond. Heidelberg 2021, S. 5–13, hier: S. 9–11.
Edition und Übersetzung Renata Landgrafova, Peter Dils: Stele des Wepwawetaa (München Gl. WAF 35) . In: Tonio Sebastian Richter, Daniel A. Werning (Hrsg.): Thesaurus Linguae Aegyptiae.
Literatur Karl Dyroff, Balthasar Pörtner: Aegyptische Grabsteine und Denksteine aus süddeutschen Sammlungen. Bd. 2: München. Schlesier & Schweikhardt, Straßburg 1904, S. 2–7, Nr. 3, Tfl. II (Digitalisat). Hans Wolfgang Müller: Die ägyptische Sammlung des Bayerischen Staates: Ausstellung in den Ausstellungsräumen der Staatlichen Graphischen Sammlung München vom 21. Juli bis 5. Okt. 1966. Staatliche Graphische Sammlung München, München 1966 [Ausstellungskatalog], S. 28f., Nr. 31. Miriam Lichtheim: Ancient Egyptian Autobiographies Chiefly of the Middle Kingdom. A Study and an Anthology (= Orbis Biblicus et Orientalis, Bd. 84). Universitätsverlag/Vandenhoeck & Ruprecht, Freiburg i. Üe./Göttingen 1988, ISBN 3-7278-0594-3, S. 77–80 (Digitalisat). Winfried Barta: Ein metrisch geformter Stelentext des Mittleren Reiches. In: Jürgen Osing, Günter Dreyer (Hrsg.): Form und Maß. Beiträge zur Literatur, Sprache und Kunst des alten Ägypten, Festschrift für Gerhard Fecht zum 65. Geburtstag am 6. Februar 1987. Harrassowitz, Wiesbaden 1987, ISBN 3-447-02704-5, S. 63–77. John Baines: Wepwawetaa in Leiden and Munich. In: Beatrice Baragli u. a. (Hrsg.): Distant Worlds and Beyond. Propylaeum, Heidelberg 2021, ISBN 978-3-96929-066-8, S. 5–13 (borndigital).
Weblinks Die Stele des Upuaut-aa in bavarikon.
Anmerkungen
Kategorie:Altägyptische Stele Kategorie:Staatliches Museum Ägyptischer Kunst Kategorie:12. Dynastie (Ägypten) Kategorie:Kalksteinskulptur __KEIN_INHALTSVERZEICHNIS__